Hauptmenü öffnen

Der André-Gide-Preis der DVA-Stiftung war ein Preis für deutsch-französische Literaturübersetzungen. Der Preis war nach André Gide benannt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der André-Gide-Preis wurde seit 1998 im Zwei-Jahres-Turnus verliehen, und zwar jeweils zweifach, nämlich für je eine Übersetzung aus dem Deutschen und aus dem Französischen in die jeweils andere Sprache. Im Jahre 2010 wurde er zum letzten Mal vergeben.[1]

Träger des Preises war die 1980 gegründete DVA-Stiftung, die 2007 als unselbständige Stiftung in die Robert Bosch Stiftung aufgenommen wurde.[2] Der Preis war zuletzt mit je 10.000 Euro dotiert.

Die Preisvergabe wurde 2011 eingestellt; für ein Jahr gab es einen Nachfolger namens Romain Rolland-Preis.[3] Andreas Platthaus von der FAZ beklagt 2016 ihre Einstellung,[4] wie auch die des Raymond-Aron-Preises, der für übersetzte Wissenschaftstexte in beiden Sprachen verliehen wurde.

Die Bosch-Stiftung bewirbt neuerdings, seit Herbst 2017, ganz allgemein eine Programmschiene "Literarische Brückenbauer". Als ein künftiges Projekt auf dieser Schiene wird ab 2018 vorgestellt: "Toledo. Übersetzer im Austausch der Kulturen". Ein Deutscher Übersetzerfonds ist an diesem Programm beteiligt. Programmziel wird sein, literarische Brücken zwischen den Kulturen von beliebiger Ausgangs- und Zielsprache durch Übersetzer zu bauen; eine berufliche Vernetzung zu fördern, welche Übersetzer in Austausch untereinander und mit anderen Akteuren des Literaturbetriebs bringt; sowie Veranstaltungen zu unterstützen, die den "Kulturwortschatz" der Übersetzer der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

GrundsätzeBearbeiten

Das Anliegen der den Preis ausschreibenden Stiftung war, die Kenntnis der schönen Literatur (Prosa, Lyrik) des je anderen Sprachraumes zu fördern, indem sie hervorragende Übersetzungen eines Werkes auszeichnete, welches entweder in besonderem Maß die jeweilige Nationalliteratur repräsentiert oder den Dialog zwischen den beiden Kulturen bereichert. Bewerben konnten sich jüngere Übersetzer aus den beiden Sprachen, die bereits erste (anderweitige) Übersetzungen veröffentlicht hatten.

PreisträgerBearbeiten

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Übersetzungspreises waren (jeweils mit den Namen der übersetzten Autorinnen und Autoren):

1997/1998

  • Thomas Eichhorn, Leipzig, für Arthur Rimbaud: Das trunkene Schiff (frz.: Oeuvres poétiques). Rimbaud Verlag, Aachen 1991, ISBN 3-89086-871-1; 4. Aufl. 2005; zweisprachig in: Sämtliche Dichtungen. dtv, München 1997, 2. Aufl. 2002.
  • Claire de Oliveira, Savins, für Birgit Vanderbeke: Le Dîner de moules (dt.: Das Muschelessen). Stock, Paris 1995, ISBN 2-234-04510-X.[5]
Claire de Oliveira übersetzte aus dem Deutschen u. a. Le renard était déjà le chasseur von Herta Müller und Avidité von Elfriede Jelinek 2002. Sie ist „Maître de conférences“ an der Universität Paris-Sorbonne (Paris IV). Sie wurde 2004 mit dem Prix Gérard Nerval pour la traduction littéraire ausgezeichnet.

1999/2000

2001/2002

  • Claudia Kalscheuer, Berlin, für Gabrielle Wittkop: Der Witwer von Venedig (frz.: Sérénissime assassinat). Hanser, München 2002, ISBN 3-446-20225-0; dtv, München 2005.
  • Marion Graf, geb. 1954, Schaffhausen und Genf, für Robert Walser: Le Territoire du crayon. Microgrammes (dt.: Aus dem Bleistiftgebiet. Mikrogramme aus den Jahren 1925–1932). Éditions Zoé, Genf 2003, ISBN 2-88182-471-4.

2003/2004

  • Elsbeth Ranke, Chantilly, für Jean Rouaud: Schreiben heißt, jedes Wort zum Klingen bringen (frz.: La désincarnation). Schirmer-Graf, München 2004, ISBN 3-86555-012-6.
  • Diane Meur, Paris, für Paul Nizon: Les premières éditions des sentiments (dt.: Die Erstausgaben der Gefühle. Journal 1961–1972). Actes Sud, Arles 2006, ISBN 2-7427-5893-3.[8]

2005/2006

Die Übersetzung erregte in Frankreich Aufmerksamkeit, da sie die „Brutalität und Bedeutungsvielfalt, die Obszönität und Trashigkeit“ von Jelineks Sprache bis zur Verstehensgrenze wiedergab. Jelinek gab ein längeres Interview im Magazine littéraire (Winter 2006/2007), in dem sie u. a. diese Übersetzung lobt.

2007/2008

2009/2010

LiteraturBearbeiten

  • Deutsch-französische Wechselwirkungen. 25 Jahre DVA-Stiftung (Reden der Festveranstaltung am 3. November 2005). DVA-Stiftung, Stuttgart 2006 (60 S., ohne ISBN)
  • Prix André Gide pour les traductions littéraires franco-allemandes / André-Gide-Preis für deutsch-französische Literaturübersetzungen (Dokumentationsreihe zu den Preisverleihungen, mit den Laudationes und den Reden der Preisträger; bis auf die Ausgabe von 2008 ohne ISBN)
    • Remis des prix le 22 octobre 1998 au Ministère de la Culture et la Communication, Palais Royal, Paris. DVA-Stiftung, Stuttgart 1999.
    • Preisverleihung am 25. Mai 2000 in Gerlingen-Schillerhöhe. DVA-Stiftung, Stuttgart 2000.
    • Remis des prix le 18 juin 2002 à l'Hôtel de Beauharnais, Paris. DVA-Stiftung, Stuttgart 2002.
    • Preisverleihung am 17. Oktober 2004 im Literaturhaus, Stuttgart. DVA-Stiftung, Stuttgart 2004.
    • Remis des prix le 28 novembre 2006 à l'Hôtel de Beauharnais, Paris. DVA-Stiftung, Stuttgart 2006.
    • Preisverleihung am 23. Juli 2008 in der Französischen Botschaft, Berlin. DVA-Stiftung, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-939574-09-5.
    • Remis des prix le 19 octobre 2010 à l'Hôtel de Beauharnais, Paris. DVA-Stiftung, Stuttgart 2011.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Frankreich schafft Übersetzerpreis ab. In: Süddeutsche Zeitung, 23. Dezember 2016, S. 14.
  2. DVA-Stiftung, abgerufen am 6. Februar 2017.
  3. Gide-Preis; Rolland-Preis
  4. 24. Dezember 2016
  5. Das Muschelessen Birgit Vanderbeke Allemagne (Memento vom 13. September 2012 im Webarchiv archive.is)
  6. Übersetzer / Berliner Übersetzerwerkstatt 2000 | LCB - Literarisches Colloquium Berlin. Lcb.de, abgerufen am 26. September 2010.
  7. Bernard Banoun: Curriculum vitae (Stand: 2011)
  8. Diane Meur : Bio-bibliographie. Bon-a-tirer.com, abgerufen am 26. September 2010.
  9. Rede der Übersetzerin aus Anlass der Verleihung des André-Gide-Preises in der deutschen Botschaft in Paris, abgerufen am 6. Februar 2017
  10. Hinweis auf eine Lesung, mit Angaben zum Inhalt des Buches; Auszug in Dschungel, Beilage zu jungle world, Nr. 38–39, 23. September 2010, S. 19–23.