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An der Rechtschule ist eine kurze Straße in der Kölner Altstadt-Nord, sie verläuft in Ost-West-Richtung zwischen Nord-Süd-Fahrt und Wallrafplatz.

An der Rechtschule: In Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570 hieß sie „Op hoigher smitten“

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Im Laufe der Geschichte unterlag diese Straße mehreren Namensänderungen.

MittelalterBearbeiten

 
Die Kronenburse, ehem. Rechtschule um 1840

Die Straße An der Rechtschule hieß im Mittelalter noch Vogelstraße (lateinisch „platea vogelonis“). Ihr Name verwies auf einen Grundbesitzer namens Herimannus Vogelo.[1] Als erstes Bauwerk in der Gegend (heutiger Kolpingplatz) entstand zwischen 1245 und 1260 das Minoritenkloster, nachdem die Minoriten bereits 1244 einen Anspruch auf ein Grundstück erworben hatten. Am heutigen Wallrafplatz ist seit 1286 das Steinhaus (lateinisch „domus lapidea“) neben einem Haus „zum Bären“ (lateinisch „ad ursum“) unter der Bezeichnung „domus pistrini ad ursum“ (Bäckerei zum Bären) belegt.[2] An der heutigen Ecke Unter Fettenhennen/An der Rechtschule besaßen Siegburger Benediktiner 1487 mehrere Höfe („Siegburger Höfe“), nämlich „parva domus Syberg“ (das kleine Haus Siegburg) und „alia domus Syberg super angulum“ (das andere Haus Siegburg an der Ecke).[3] Johann Bischof erhielt von der Abtei Groß St. Martin 1296 das Haus „zum Salzrump“ (Salztopf) zur Erbpacht. Es diente vor 1430 als Tanzhaus, 1513 gehörte es Gerhard II. von Loe (Loen). Im Jahre 1313 schenkten Wolfardus de Elvervelde und seine Frau Hilla ihr großes Haus („Wolfartzhaus“) in der Vogelstraße einem Beginen-Konvent, der hier nach ihrem Tod eingerichtet werden sollte.[4]

Ab 1569 befanden sich hier schließlich drei Bursen, nämlich die 1430 gestiftete Kronenburse („Collegium Hervordianum“), die am 22. September 1438 gegründete Burse zum hl. Hieronymus (lateinisch „Collegium sancti Hieronymi“) und die 1140 in der Komödienstraße (damals: „Smirstraße“; Schmierenstraße) gegründete Laurentianerburse, die 1569 hierhin umzog.[5] Diese Einrichtungen waren Häuser, deren Studenten als Stipendiaten meist die juristische Fakultät wählten.[6]

  • Kronenburse: Die der Stadt zugefallenen Studienstiftungen (1430 vom Theologen Hermann Dwerg(h) aus Herford und 1431 von Johann von Vorburg aus Alkmaar) ermöglichten den umfangreichen Neubau der Juristenschule. Ihr Name „Collegium Hervordianum“ geht auf den aus Herford stammenden Stifter Dwerg(h) zurück, der für die Ausbildung von 12 Schülern 6000 Rheinische Gulden zur Verfügung stellte. Die im städtischen „Haus Frechen“ untergebrachte Kronenburse (heutige Nr. 10; abgeleitet aus den im Giebel befindlichen drei Kronen[7]) trug das Stadtwappen, besaß spätestens seit 1449 einen Bibliotheksraum (mit angeketteten Büchern) und erfuhr erstmals 1477 eine Erweiterung durch das Vermächtnis eines Dr. Loppo von Zieriksen, der der Fakultät das Haus „Spänheim“ auf der in der Nähe gelegenen Straße Burgmauer vererbte.[8] Weitere Veränderungen folgten 1631 durch eine Erweiterung um einen dreiachsigen Giebelbau, 1766 stand eine grundlegende Renovierung an. Die Kronenburse galt als wohl bester Platz für juristische Literatur. Das zu ihr gehörende Wohnhaus diente als Dienstwohnung der Juraprofessoren, letztmals wohl 1791 für den städtischen Syndikus Wilmes, dem letzten Dekan der Fakultät. Das Gebäude der Kronenburse stand in der Franzosenzeit ab 1797 leer, sie blieb hierin jedoch bis zu ihrer Verlegung an den Waidmarkt im Jahre 1834; in das Gebäude zog die Taubstummen-Anstalt des Johann Joseph Gronewald ein.
  • „Collegium sancti Hieronymi“ („Collegium Ruremundanum“): Östlich neben der Kronenburse lag das Haus „zur Mühlen“ (zur Moelen; Nr. 8) in welches das „Collegium Ruremundanum“ bei seiner Gründung im September 1438 einzog. Das durch Propst Johannes von Löwen gegründete „Collegium Ruremundanum“ erhielt den Namen „Roermondsches Haus“ wegen seiner überwiegend aus Roermond stammenden Schüler und Studenten. Ein Umbau erfolgte 1687.
  • Laurentianum: Das Gymnasium verlegte im Herbst 1569 seinen Sitz von der Komödienstraße in die Vogelstraße Nr. 3–9 an die Nordseite des Minoritenklosters,[9] weil das bisherige Gebäude baufällig geworden war.[10] Es zog in ein Gebäude mit gemietetem Klostergarten, das es von den Minoriten erwarb und in Höhe der heutigen Mariengartengasse lag.[10] Das Laurentianum entstand 1422 durch den Theologen Laurentius Buninch an der heutigen Komödienstraße.[11] Erster Rektor im neuen Haus war Paulus von Roermond († 12. April 1585).

In der Vogelstraße befand sich auch seit August 1497 die von den Bursen genutzte Kloster-Druckerei „retro minores“ (lateinisch hinter den Minoriten), die ab 1504 dem Typografen Martin von Werden gehörte und ab 1516 durch dessen Witwe Elisabeth von Werden weiterbetrieben wurde. Trotz der rechtswissenschaftlichen Institutionen gab es den Straßennamen An der Rechtschule zunächst noch nicht; in der Kölner Stadtansicht von 1570 bezeichnet sie Arnold Mercator als „Op hoigher smitten“ (An der hohen Schmiede). Der Kölner Stadtplan von 1752 bezeichnet sie als „Vor den Laurentianern“. Am 5. März 1590 verkauften die Minoriten aus Geldmangel das Kloster-Backhaus (hinter dem „Haus Nideggen“, also an der heutigen Richartzstraße) an Balthasar Behscheid.

GründerzeitBearbeiten

 
An der Rechtschule – Wallraf-Richartz-Museum (Aquarell von Josef Felten, 1861)
 
Ferdinand Franz Wallraf

Während der französischen Besetzung durften alle Kölner Straßen ab 1. Januar 1813 nur noch die französischen Namen des „Itinéraire de Cologne“ tragen. Dafür erhielt Ferdinand Franz Wallraf im Jahre 1812 von der französischen Verwaltung den Auftrag, für die Kölner Straßen objektive, neue französische Straßennamen vorzuschlagen. Hierbei sollte nach Möglichkeit durch Wallraf der historische Hintergrund beziehungsweise die Form der althochdeutschen, mittelhochdeutschen und altkölnischen Zusammenhänge und Überlieferungen geprüft werden und ihren Niederschlag in der Neubenennung finden.[12] Bei dem bisherigen Straßennamen „An der Hohen Schmiede“ entschied sich Wallraf nicht – wie sonst üblich – für die wörtliche Übersetzung, sondern er wollte mit seinem französischen Namen „rue de l’ecole de droit“ (Straße der Rechtschule) an die alte Kronenburse erinnern. Am 28. September 1816 schaffte ein preußisches Edikt die französischen Straßennamen wieder ab, die „rue de l’ecole de droit“ erhielt nun den ins Deutsche übersetzten Namen „An der Rechtschule“. Zwischen 1831 und 1846 befanden sich in Nr. 1 die Armenverwaltung und die Stadtsparkasse Köln. Im Jahre 1876 nahm die 1824 erneut gegründete Kölner Dombauhütte ihren Betrieb in Nr. 2 auf. Das Kunstgewerbemuseum zog am 16. Juli 1888 in die Kronenburse als erstes provisorisches Domizil ein, bevor es am 5. Mai 1893 das Overstolzenhaus und am 2. Mai 1900 schließlich ein neues Museumsgebäude am Hansaplatz beziehen konnte.

Das von Josef Felten und Julius Carl Raschdorff seit 1855 errichtete neugotische Wallraf-Richartz-Museum eröffnete seine Pforten am 1. Juli 1861 auf der Südseite der Straße. Es entstand um den einbezogenen Kreuzgang des ehemaligen Minoritenklosters; sein historischer Kernbestand umfasste die Sammlungen von Franz Wallraf und Matthias Joseph de Noël. Wallraf bemühte sich darum, die von den Franzosen aus Kirchen und Klöstern verbannten Kunstschätze vor ihrer Vernichtung zu bewahren. Seine rettende Sammelleidenschaft kam dem Museum zugute. Johann Heinrich Richartz finanzierte den Museumsbau, der im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde.

NeuzeitBearbeiten

 
Kreuzgangrest des ehemaligen Minoritenklosters
 
An der Rechtschule 2–4 (August 2014)

Ein von Rudolf Schwarz und Josef Bernard errichteter Museumsneubau eröffnete an gleicher Stelle am 27. Mai 1957 und übernahm die weitgehend vor Bombenschäden gerettete Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums. In das Gebäude ist weiterhin das Maßwerk des Westflügels vom angrenzenden Minoritenkloster integriert. Vor dem Museum stehen die am 1. April 1900 eingeweihten – und erhalten gebliebenen – Denkmäler seiner Gründer und Mäzene vom Bildhauer Wilhelm Albermann. Das Museum zog im August 1986 aus, um einen Museumsneubau an anderer Stelle zu beziehen. Die freiwerdenden Ausstellungsräume übernahm nach aufwändiger Restaurierung das Museum für Angewandte Kunst; genau 101 Jahre nach seiner Gründung fand am 11. Juni 1989 die Eröffnung an neuer Stelle statt.

Die Nordseite der Straße wird flankiert durch mehrere Gebäudegenerationen des WDR in Ost-West-Richtung. Ausgehend vom am 21. Juni 1952 eingeweihten Eckhaus Funkhaus am Wallrafplatz folgte im März 1965 das „Haus Rechtschule“ (Nr. 2) mit Fernsehstudios und das 1968 über die Tunisstraße gebaute „WDR Archivhaus“ (Nr. 4). Hier stand unter anderem das seit 1589 dem Brauer Michael Hermann gehörende „Haus zum Salzrump“, aus dem sich das Brauhaus „zum Salzrümpchen“ (Nr. 24) entwickelte. Seit 1898 gehörte es der „Hirsch-Brauerei Cöln“ aus Köln-Bayenthal. Es fiel – wie die gesamte Nordseite der Straße – den Bomben des Zweiten Weltkriegs zum Opfer.

LageBearbeiten

In die nur 85 Meter lange Straße An der Rechtschule münden die Richartzstraße, Drususgasse und Mariengartengasse. Sie führt im Osten zum Wallrafplatz und endet im Westen an der Tunisstraße, einem Teilstück der Nord-Süd-Fahrt. Im Süden der Straße liegt der Kolpingplatz, der an den sozial engagierten Gesellenvater Adolph Kolping erinnert. An der Rechtschule ist mit der Stadtbahn Köln durch die U-Bahnhaltestellen U-Bahnhof Dom/Hauptbahnhof und U-Bahnhof Appellhofplatz erreichbar.

LiteraturBearbeiten

  • Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter. 2 Bände. Köln 1910. (Reprint: ISBN 978-3-7700-7560-7 und ISBN 978-3-7700-7561-4)
  • Ludwig Arentz, H. Neu, Hans Vogts: Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln. Band II, Erweiterungsband: Die ehemaligen Kirchen, Klöster, Hospitäler und Schulbauten der Stadt Köln. Verlag L. Schwann, Düsseldorf 1937. (Nachdruck: 1980, ISBN 3-590-32107-5)
  • Adam Wrede: Neuer kölnischer Sprachschatz. Zweiter Band: K – R. 9. Auflage. Greven Verlag, Köln 1984, ISBN 3-7743-0156-5, S. 336–337.
  • Jürgen Rösch-Junker: Am Puls der Zeit. 50 Jahre WDR. Band 1: Die Vorläufer – von 1924–1955. Kiepenheuer & Witsch, 2005, ISBN 3-462-03580-0.
  • Hermann Keussen: Matrikel der Universität Köln. 7 Bände. Köln 1892. (Nachdruck/ Weiterführung: Düsseldorf 1979/81)
  • Eduard Hegel: St. Kolumba in Köln eine mittelalterliche Großstadtpfarrei in ihrem Werden und Vergehen. Verlag Franz Schmitt, Siegburg 1996, ISBN 3-87710-177-1.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Helmut Signon: Alle Straßen führen durch Köln. 2006, S. 66.
  2. Mauritius Mittler, Placidus Mittler, Wolfgang Herborn: Temporibus tempora: Festschrift für Abt Placidus Mittler. 1995, S. 221.
  3. Mauritius Mittler, Placidus Mittler, Wolfgang Herborn: Temporibus tempora: Festschrift für Abt Placidus Mittler. 1995, S. 229.
  4. Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein. Bände 110–114, 1927, S. 86.
  5. Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein. Bände 80–84, 1904, S. 23 f.; Historisches Archiv der Stadt Köln Best. 3 (Haupturkundenarchiv - Nachträge (HUANA)), U 2/734
  6. Hermann Keussen: Die alte Universität Köln: Grundzüge ihrer Verfassung und Geschichte. 1934, S. 239–261 und 360–365.
  7. Ludwig Arentz, Hugo Neu, Hans Vogts, In: Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln. 1980, S. 381.
  8. Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter. Band I, 1910, S. 139.
  9. Historisches Archiv der Stadt Köln, 600 Jahre Kölner Universität 1388–1988, 1988, S. 79.
  10. a b Johann Wilhelm Josef Braun: Das Minoritenkloster und das neue Museum zu Köln. 1862, S. 48.
  11. Johann Christian Nattermann: Die Goldenen Heiligen. Geschichte des Stiftes St. Gereon zu Köln. Abschnitt „Stift und Universität“, 1960, S. 287 ff.
  12. Adam Wrede: Neuer Kölnischer Sprachschatz. Band III, 1984, S. 5.

Koordinaten: 50° 56′ 24,8″ N, 6° 57′ 19,1″ O