Alexander Jurjewitsch Borodai

russischer Politiker

Alexander Jurjewitsch Borodai (russisch Александр Юрьевич Бородай; * 25. Juli 1972 in Moskau) ist ein russischer Politiker.

Alexander Borodai (2014)

LebenBearbeiten

Borodai absolvierte die Lomonossow-Universität in Moskau und hat einen Abschluss in Philosophie. Im Jahr 1994 arbeitete er für die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti als Militärkorrespondent während des Ersten Tschetschenienkrieg und war beteiligt an Reportagen für den Fernsehsender NTW. Ab 1996 arbeitet er für die nationalistische Zeitung Sawtra. Ab 1998 ist er als „politischer Berater“ tätig, spezialisiert auf Wahlen. Ab 2001 leitet er das Consulting-Unternehmen „Soziomaster“, spezialisiert auf das Krisenmanagement. 2011 gründete er den nationalistischen Fernsehsender Den-TV.[1] Zusammen mit Igor Girkin alias Igor Strelkow war er ein enger Mitarbeiter und PR-Berater des umstrittenen russischen Unternehmers Konstantin Malofejew.[2] Als politischer Berater war er auch für Sergei Aksjonow tätig, der seit der Annexion der Krim als Präsident der Halbinsel fungiert.[1] Nach dem Referendum im Osten der Ukraine 2014 wurde Borodai zum Premierminister der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk ernannt. Am 7. August 2014 trat er von diesem Posten zurück und erklärte, ihn an Alexander Sachartschenko abzugeben.[3]

Aus abgehörten Gesprächen im Juli 2014, welche die Strafermittler des Abschusses von Flug MH17 auswerteten und im November 2019 veröffentlichten, ging hervor, dass die Befehlskette der regierungsfeindlichen Kräfte nach Russland reichte. In einer Aufzeichnung vom 3. Juli 2014 hatte Borodai gesagt: "Nun, Sie haben weitreichende Pläne, aber nicht meine. Ich folge Befehlen und schütze die Interessen nur eines Staates, der Russischen Föderation. Das ist im Endeffekt alles."[4]. Die NZZ schrieb dazu allgemein:

„Die Mär vom Aufstand der Freiwilligen in der Ostukraine und Moskaus fehlendem Einfluss ist seit längerem entlarvt. Dass die obersten Funktionäre der selbsternannten «Volksrepubliken» Donezk und Luhansk regelmässig in Moskau ihre Direktiven abholen, ist kein Geheimnis.“[5]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Mirren Gidda: Who Are the Rebels Controlling Flight MH17's Crash Site?. In: Time, 22. Juli 2014.
  2. Der orthodoxe Ritter im Dienst des Kremls in Die Welt vom 24. Juli 2014, abgerufen am 20. Februar 2015
  3. "Volksrepublik Donezk": Separatisten-Chef tritt ab; auf Spiegel-online abgerufen am 7. August 2014
  4. MH17 Witness Appeal November 2019, auf der Seite politie.nl/ der niederländischen Polizei; " These witnesses stated that the key figures of the armed group were directed from within the Russian Federation."
  5. Die Ermittler von MH17 präsentieren neue Belege für Moskaus Hand in der Ostukraine, NZZ, 15. November 2019