Adolf Hofrichter (Oberleutnant)

österreich-ungarischer Oberleutnant

Adolf Hofrichter (* 20. Jänner 1880 in Reichenau (Böhmen); † 29. Dezember 1945 als Adolf Richter in Wien)[1][2][3] war ein k.u.k Oberleutnant des Infanterie-Regiments Nr. 14, der in einem Militärstrafgerichtsverfahren wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt wurde und anschließend in der Militärstrafanstalt Möllersdorf inhaftiert war. Er wurde im September 1919 begnadigt.[4][5] Sein Grab liegt im Wiener Zentralfriedhof in der Gruppe 23F.

Die Affaire HofrichterBearbeiten

Hofrichter war ein besonders ehrgeiziger Offizier, der sich eine Laufbahn im Generalstab versprach. Doch im Generalstab waren zu wenige Stellen frei. Also sandte er unter dem Pseudonym Charles Francis Werbebriefe an vorgesetzte Offiziere, in denen er die mit Zyankali versetzten Pillen als Mittel zur Steigerung der Manneskraft anpries. Hauptmann Richard Mader schluckte zwei Pillen vor einem „Stelldichein“ und verstarb kurz darauf. Bei Bekanntwerden des Falles meldeten sich zehn weitere Offiziere, die ähnliche Post erhalten hatten.

Ab dem 26. November 1909 befand sich Hofrichter in Haft, unter dem Verdacht, an zwölf Generalstabsoffiziere als Aphrodisiakum getarnte Zyankalikapseln versandt zu haben. Fünf der Offiziere hätten sterben müssen, um dem in der Beförderungsrangliste unter ihnen stehenden Hofrichter den Aufstieg in den Generalstab doch noch zu ermöglichen. Generalstabshauptmann Richard Mader war als einziger der Offiziere am 17. November 1909 an dem postalisch zugestellten Gift verstorben.[4] Da sich die Beschuldigungen gegen Hofrichter bis zu seinem späten Geständnis Ende April 1910[6] ausschließlich auf Indizien stützten, wurde der Fall in den zeitgenössischen Zeitungen sehr kontrovers diskutiert.[7] Am 26. Juni 1910 wurde er schließlich zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Im November 1918 unternahmen Häftlinge der Militärstrafanstalt Möllersdorf einen Massenausbruch. Hofrichter beteiligte sich daran nicht, er stellte jedoch beim Kommandanten einen Antrag auf Haftentlassung. Da die Gefängnisleitung den Weiterbetrieb des Dienstes nicht mehr gewährleistet sah, kam Hofrichter frei. Sein Antrag auf Erlassung der Reststrafe wurde 1919 vorerst abgewiesen und er wurde wieder inhaftiert. Im September 1919 wurde er schließlich begnadigt.[8]

Die Hofrichter-Affaire bildete die Grundlage für einen Roman von Maria Fagyas,[9] der 1983 verfilmt wurde.[10] Unter dem Titel Verurteilt 1910 wurde der Fall Hofrichter auch für das Fernsehen verfilmt.[11]

LiteraturBearbeiten

  • Fahey, John E.: The Secret Poison Plot. Adolf Hofrichter and the Austro-Hungarian General Staff. In: Journal on European History of Law, London: STS Science Centre, Vol. 2/2011, No. 1, pp. 66 – 71, ISSN 2042-6402.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. K. u. k Oberleutnant Adolf Hofrichter, 20.1.1880 - 29.12.1945, Ein verpfuschtes Leben - Mörder oder Opfer eines Justizirrtums? Publikation des Stadtarchivs Traiskirchen 2004.
  2. Österreichisches Staatsarchiv (Memento vom 20. Mai 2013 im Internet Archive).
  3. Objekt des Monats Mai 2010: Hofrichter unterschreibt nach seinem Geständnis das Protokoll. Wienbibliothek im Rathaus, abgerufen am 23. September 2020.
  4. a b Bernhard Theodor Wenning: Die Affaire Adolf Hofrichter. Dissertation, Geistes- und Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, September 2002.
  5. A. H. Marx: Affaire Hofrichter 1909. In: blofelds-krimiwelt.de. Abgerufen am 23. September 2020.
  6. Die geheimnisvollen Giftbriefe: das Geständnis Hofrichters. In: Die Neue Zeitung. Wien 30. April 1910.
  7. Max Winter: Der Fall Hofrichter, Aus dem Notizbuch eines Journalisten. München 1909.
  8. Edgard Haider: Wien 1918. Agonie der Kaiserstadt. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2018, ISBN 978-3-205-20486-2, S. 362.
  9. Der Leutnant und sein Richter. Übersetzung Isabella Nadolny. Reinbek: Rowohlt 1971 The Devil's Lieutenant (New York, 1970)
  10. The Devil's Lieutenant (1983). Regie: John Goldschmidt, Drehbuch: Jack Rosenthal IMDb.
  11. Verurteilt 1910 (1974, TV). Regie: Jörg A. Eggers, Drehbuch: György Sebestyén IMDb.