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Achille Silvestrini

italienischer Kardinal der römisch-katholischen Kirche
Achille Silvestrini, 2006
Kardinalswappen

Achille Kardinal Silvestrini (* 25. Oktober 1923 in Brisighella, Provinz Ravenna, Italien; † 29. August 2019 in der Vatikanstadt) war ein italienischer Geistlicher, Diplomat und Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche. Von 1971 bis 1988 war er für die diplomatische Linie des Heiligen Stuhls verantwortlich.

LebenBearbeiten

Achille Silvestrini studierte zunächst Geisteswissenschaften an der Universität Bologna und ab 1948 an der Päpstlichen Lateranuniversität Rom die Fächer Katholische Theologie, Philosophie und alte Sprachen. Am 13. Juli 1946 empfing er das Sakrament der Priesterweihe und schloss ein Studium der Rechtswissenschaften an. Er wurde jeweils in Klassischer Philologie, Kanonischem Recht und Zivilrecht promoviert. Nach der Diplomatenausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie wurde er im Dezember 1953 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls aufgenommen, in dem er in verschiedenen Abteilungen mit den kommunistischen Staaten Südostasiens, später mit internationalen Organisationen mit dem Fokus auf Frieden, Abrüstung und Menschenrechte beschäftigt war.[1]

Von 1958 bis 1969 war Silvestrini persönlicher Sekretär im vatikanischen Staatssekretariat unter den Kardinalstaatssekretären Domenico Tardini und Amleto Giovanni Cicognani. Ab 1969 gehörte er dem Rat für Öffentlichkeitsfragen an und nahm an mehreren Auslandsmissionen vatikanischer Gesandtschaften teil. Er war als Diplomat unter anderem involviert mit dem Fokus auf die Politik des Ostblocks. Silvestrini vertrat den Heiligen Stuhl bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) sowie Konferenzen zur friedlichen Nutzung von Atomkraft und zum Atomwaffensperrvertrag.[1]

1979 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Außenamtsleiter im Staatssekretariat und damit zum Titularerzbischof von Novaliciana und spendete ihm am 27. Mai 1979 die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren der Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Erzbischof Duraisamy Simon Lourdusamy, und der Offizial im Staatssekretariat, Erzbischof Eduardo Martínez Somalo. Im gleichen Jahr wurde Silvestrini Sekretär des Rates für Öffentlichkeitsfragen der Katholischen Kirche. In den Jahren 1979 bis 1984 leitete er die Delegation des Heiligen Stuhls für die Revision des Konkordats des Vatikanstaates mit Italien, der Lateranverträge. Er war beteiligt an den diplomatischen Vermittlungen um den Falklandkrieg und während der Nicaraguanischen Revolution. Er galt lange als möglicher Nachfolger von Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli und auch als papabile.[2]

Im Konsistorium vom 28. Juni 1988 nahm ihn Johannes Paul II. als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie San Benedetto fuori Porta San Paolo in das Kardinalskollegium auf und ernannte ihn am 1. Juli desselben Jahres zum Präfekten der Apostolischen Signatur, dem Obersten Gerichtshof der römischen Kurie. Am 24. Mai 1991 übernahm er die Leitung der Kongregation für die orientalischen Kirchen („Ostkirchenkongregation“) und fungierte vielfach als päpstlicher Legat und Vermittler in verschiedenen Krisenregionen. 1999 wurde er unter Beibehaltung seiner Titelkirche zum Kardinalpriester pro hac vice ernannt.

Nachdem er mit Vollendung seines 75. Lebensjahres beim Papst den im Kirchenrecht vorgesehenen Rücktritt von allen seinen Ämtern in der Kurie angeboten hatte, wurde dieses Gesuch am 25. November 2000 von Johannes Paul II. angenommen.[3] Wegen Überschreitung der Altersgrenze von 80 Jahren nahm Kardinal Silvestrini weder am Konklave 2005 noch am Konklave 2013 teil.

Schon vor dem Tod Johannes Pauls II. 2005 hielt er den Rücktritt eines künftigen Papstes für denkbar.[4]

Achille Silvestrini war 1980 Gründer und bis zuletzt Vorsitzender der Studienstiftung „Villa Nazareth“ (Fondazione Sacra Famiglia di Nazareth) mit einem eigenen Kolleg in Rom sowie der mit ihr verbundenen Ehemaligen-Vereinigung (Fondazione Comunità Domenico Tardini Onlus).[1][5]

EhrungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Kardinal Silvestrini mit 95 Jahren gestorben. In: katholisch.de. 29. August 2019, abgerufen am 30. August 2019.
  2. Giancarlo Zizola: Der Nachfolger. Patmos, Düsseldorf 1997, ISBN 978-3-491-72369-6, S. 161–162.
  3. Rinuncia del Prefetto della Congregazione per le Chiese Orientali e Nomina del Successore. In: Tägliches Bulletin. 25. November 2000, abgerufen am 5. Dezember 2017 (italienisch).
  4. In Zukunft wäre Rücktritt eines Papstes denkbar. In: Cardinalrating.com. 5. Februar 2005, archiviert vom Original am 19. Oktober 2013; abgerufen am 17. Oktober 2013.
  5. Il Cardinale Achille Silvestrini è tornato alla Casa del Padre. Fondazione Comunità Domenico Tardini Onlus, 29. August 2019, abgerufen am 30. August 2019 (italienisch).
VorgängerAmtNachfolger
Agostino CasaroliSekretär des Rates für Öffentlichkeitsfragen der Katholischen Kirche (Außenminister des Vatikanstaats)
1979–1988
Angelo Sodano
Aurelio Kardinal SabattaniPräfekt der apostolischen Signatur
1988–1991
Gilberto Kardinal Agustoni
Duraisamy Simon Kardinal LourdusamyPräfekt der Kongregation für die orientalischen Kirchen
1991–2000
Ignatius Moussa I. Kardinal Daoud