Abtei St. Hildegard (Rüdesheim am Rhein)

Deutsches Kloster
Luftaufnahme der Abtei St. Hildegard
Abtei St. Hildegard Eibingen
Innenansicht der Abteikirche
Altarraum der Abteikirche
Abtei – Sicht aus der Seilbahn Rüdesheim zum Niederwalddenkmal

Die Abtei St. Hildegard ist ein Benediktinerinnenkloster in Eibingen bei Rüdesheim im Bistum Limburg. Seit 2002 ist die Abtei Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

GeschichteBearbeiten

Die am 17. September 1904 von 12 Benediktinerinnen aus der Abtei St. Gabriel in Prag errichtete Abtei steht in der Nachfolge der von der heiligen Hildegard von Bingen gegründeten Klöster Rupertsberg und Eibingen. Das oberhalb von Eibingen von 1900 bis 1904 im neoromanischen Stil neu erbaute Kloster wurde von Fürst Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg gestiftet. Es gehört zur Beuroner Kongregation. Die wichtigsten Räume, wie Kirche, Chor und Bibliothek, wurden bei der Gründung von Künstlermönchen der Beuroner Kunstschule ausgemalt.

1941 wurden die Schwestern im Zuge des Klostersturms der Nationalsozialisten von der Gestapo vertrieben und konnten erst nach Kriegsende 1945 zurückkehren. 1988 besiedelte ein kleiner Konvent von Schwestern aus der Abtei St. Hildegard das Kloster Marienrode bei Hildesheim neu. Marienrode war bis 1998 ein von Eibingen abhängiges Priorat und wurde in später unabhängig. Äbtissin von Rupertsberg und Eibingen ist seit August 2016 die frühere Priorin Dorothea Flandera OSB[1].

Dem Lebensunterhalt der Gemeinschaft dienen das Klosterweingut, der Klosterladen, die Kunstwerkstätten und ein Gästehaus. Auch werden Wallfahrer und Pilger zum Schrein der hl. Hildegard in der Pfarrkirche von Eibingen betreut.

ÄbtissinnenBearbeiten

 
Philippine zu Guttenberg, die letzte Äbtissin der alten Abtei Beatae Mariae Virginis in Eibingen

Äbtissinnen der Abtei Beatae Mariae VirginisBearbeiten

  • Hildegard von Bingen (* 1098; † 1179), Gründerin und erste Äbtissin der Gemeinschaft
  • Benigna von Algesheim, Äbtissin von 1373 bis 1417
  • Katharina von Kreuznach, 1529 erwähnt

Seit 1603 führen die Äbtissinnen den Titel „von Rupertsberg und Eibingen“

  • Kunigunde Frey von Dehrn, Äbtissin von 1577 bis 1611
  • Anna Lerch von Dirmstein, Äbtissin von 1611 bis 1642, † 1660
  • Magdalena Ursula von Sickingen, Äbtissin von 1642 bis 1666[2]
  • Cunigunde Schütz von Holtzhausen, Äbtissin von 1666 bis 1669
  • Maria Scholastica von Manteuffel, Äbtissin von 1670 bis 1692
  • Maria Anna Ulner von Dieburg, Äbtissin von 1692 bis 1711
  • Maria Antonetta Mühl zu Ulmen, Äbtissin von 1711 bis 1740
  • Caroline von Brambach, Äbtissin von 1740 bis 1768
  • Maria Benedicta von Dumont, Äbtissin von 1768 bis 1780
  • Hildegard von Rodenhausen, Äbtissin von 1780 bis 1788
  • Philippine zu Guttenberg, letzte Äbtissin von 1791 bis 1804

Das alte Kloster im Ortsteil Eibingen wurde wegen der Säkularisation 1803 aufgehoben. Durch den Reichsdeputationshauptschluss fielen das Kloster und seine Besitzungen an den Fürsten zu Nassau. 1831 erwarb die Eibinger Pfarrgemeinde Kloster und Kirche, weswegen sich die Reliquien der hl. Hildegard bis in die Gegenwart in der Eibinger Pfarrkirche und nicht in der ihr geweihten Abtei befinden.

Äbtissinnen der Abtei St. HildegardBearbeiten

Die Äbtissinnen von Rupertsberg und Eibingen stehen in der Sukzession Hildegards von Bingen. Nach der Wiedererrichtung des Klosters oberhalb von Eibingen 1904 wurden folgende Schwestern vom Konvent zur Äbtissin gewählt:

In den Jahren 1998 bis 2000 leitete Sr. Gisela Happ als Priorin-Administratorin die Gemeinschaft.

OrgelBearbeiten

Die Orgel der Abteikirche wurde im Jahre 2004 – anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Abtei – von der Orgelbaufirma Romanus Seifert & Sohn aus Kevelaer erbaut.[3] Die Register des Positivs (II. Manuals) werden über Wechselschleifen aus dem Hauptwerk extrahiert.

I Hauptwerk C–c4

1. Principal 16′
2. Octav 8′
3. Viola di Gamba 8′
4. Grobgedackt 8′
5. Spitzflöth 8′
6. Quintatön 8′
7. Octav 4′
8. Flauth douce 4′
9. Rohrflauth 4′
10. Nasat 3′
11. Super Octav 2′
12. Terz 135
13. Mixtur 113
14. Cymbel 1′
15. Cornett 3′
16. Trombetten 8′
17. Krumbhorn 8′
II Positiv C–c4
(Wechselschleife zu I.)
18. Octav 8′
19. Viola di Gamba 8′
20. Grobgedackt 8′
21. Spitzflöth 8′
22. Quintatön 8′
23. Octav 4′
24. Flauth douce 4′
25. Rohrflauth 4′
26. Nasat 3′
27. Super Octav 2′
28. Terz 135
29. Mixtur 113
30. Cymbel 1′
31. Syflöth 2′
32. Trombetten 8′
33. Krumbhorn 8′
III Schwellwerk C–c4
34. Borduen 16′
35. Principal 8′
36. Solicional 8′
37. Coppel 8′
38. Unda Maris 8′
39. Flöth von Holtz 8′
40. Flauth travers 4′
41. Salicet 4′
42. Hohlflöth 4′
43. Quinte 3′
44. Flageolet 2′
45. Mixtur 113
46. Fagott 16′
47. Posaun 8′
48. Hautbois 8′
49. Vox humana 8′
Beben
Pedal C–f1
50. Gedackter Bahs 32′
51. Subbahs 16′
52. Principalbahs 16′
53. Gedacktbahs 8′
54. Octavbahs 8′
55. Super Octav 4′
56. Posaunbahs 32′
57. Posaune 16′
58. Trombettbahs 8′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Suboktavkoppel: II/I

GlockenBearbeiten

Schon im Jahr 1908 goss die renommierte Glockengießerei Otto aus Hemelingen ein vierstimmiges Bronzeglockengeläut für die Klosterkirche. Die Glocken dieses Geläutes wurden im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt und eingeschmolzen. Im Jahr 1951 lieferte die Gießerei Otto vier neue Glocken mit einer gelungenen harmonischen Schlagtonreihe.

Nr.
 
Name
 
Masse (kg) Ø
(mm)
Schlagton Gussjahr
 
Glockengießer
 
1 1400 1302 es1 1951 Glockengießerei Otto
2 950 1144 f1 1951 Glockengießerei Otto
1 502 945 as1 1951 Glockengießerei Otto
1 335 830 b1 1951 Glockengießerei Otto

[4][5]

Schriften der AbteiBearbeiten

  • Hildegard von Bingen, Wisse die Wege. Werke Bd. I, hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen, neu übersetzt von Mechthild Heieck. Beuroner Kunstverlag 2010, ISBN 978-3-87071-211-2.
  • Hildegard von Bingen, Ursprung und Behandlung der Krankheiten. Causae et Curae. Werke Bd. II, hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen, neu übersetzt von Ortrun Riha. Beuroner Kunstverlag 2011, ISBN 978-3-87071-248-8.
  • Hiltrud Gutjahr OSB, Maura Záthonyi OSB, Geschaut im lebendigen Licht. Die Miniaturen des Liber Scivias der Hildegard von Bingen, erklärt und gedeutet. Mit einer kunsthistorischen Einführung von Lieselotte Saurma-Jeltsch, hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen. Beuroner Kunstverlag 2011, ISBN 978-3-87071-249-5.
  • Hildegard von Bingen, Lieder Symphoniae. Werke Bd. IV, hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen, neu übersetzt von Barbara Stühlmeyer. Beuroner Kunstverlag 2012, ISBN 978-3-87071-263-1.
  • Hildegard von Bingen, Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Natur. Physica. Werke Bd. V, hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen, neu übersetzt von Ortrun Riha. Beuroner Kunstverlag 2012, ISBN 978-3-87071-271-6.
  • Hildegard von Bingen, Das Buch vom Wirken Gottes – Liber Divinorum Operum. Werke Bd. VI, hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen, neu übersetzt von Mechthild Heieck. Beuroner Kunstverlag 2012, ISBN 978-3-87071-272-3.
  • Hildegard von Bingen, Briefe. Epistulae. Werke Bd. VIII, hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen. Beuroner Kunstverlag 2012, ISBN 978-3-87071-285-3.
  • Barbara Stühlmeyer, Sabine Böhm, Tugenden und Laster. Wegweisung im Dialog mit Hildegard von Bingen, hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen. Beuroner Kunstverlag 2012, ISBN 978-3-87071-287-7.
  • Das Leben der heiligen Hildegard von Bingen. Vitae sanctae Hildegardis. Werke Bd. III, hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen, neu übersetzt von Monika Klaes-Hachmöller mit einer Einführung von Michael Embach. Beuroner Kunstverlag 2013, ISBN 978-3-87071-262-4.
  • Hildegard von Bingen, Das Buch der Lebensverdienste. Liber vitae meritorum. Werke Bd. VII, hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen. Übersetzt und eingeleitet von Sr. Maura Zatonyi OSB. Beuroner Kunstverlag 2014, ISBN 978-3-87071-314-0.

WeblinksBearbeiten

Commons: Kloster Eibingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vereinigung der Benediktinerinnen zu St. Hildegard e. V.: Dorothea Flandera neue Äbtissin von St. Hildegard
  2. Website zur Geschichte der Abtei St. Hildegard
  3. Führung durch die Kirche (Memento vom 10. Januar 2010 im Internet Archive). Abgerufen am 17. November 2012.
  4. Gerhard Reinhold: Otto Glocken – Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, hier insbes. S. 280, 405, 433, 517, 550.
  5. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, hier insbes. 251, 252, 376, 408, 481, 508, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).

Koordinaten: 49° 59′ 33″ N, 7° 55′ 41″ O