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Wolfgang E. Heinrichs

deutscher Historiker und Theologe

Wolfgang E. Heinrichs (* 11. Mai 1956 in Gelsenkirchen) ist ein deutscher Historiker und Theologe. Er ist außerplanmäßiger Professor für Neuere Geschichte am historischen Seminar der Bergischen Universität Wuppertal und lehrt Geschichte und Religion am Freien Christlichen Gymnasium Düsseldorf. Außerdem ist Heinrichs Pastor im Bund Freier evangelischer Gemeinden.

Leben und WirkenBearbeiten

Heinrichs wuchs in Solingen auf. Vom katholischen Glauben konvertierte er zur Freien evangelischen Gemeinde.[1] Er studierte Geschichte an der Bergischen Universität Wuppertal und evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel. Heinrichs promovierte in Geschichte über das Thema Freikirchen als Ausdruck der Moderne, seine Habilitation verfasste er über das Thema Das Judenbild im Protestantismus. Außerdem absolvierte er das theologische Seminar der Freien evangelischen Gemeinden in Ewersbach und wurde – neben seiner Professur – Pastor. Nach Pastorentätigkeiten in Siegen-Weidenau und Calden wurde er im August 1998 nach Wülfrath berufen. Hier blieb er bis August 2009, als er in den Schuldienst wechselte und eine Lehrstelle an der privaten Ersatzschule Freies Christliches Gymnasium in Düsseldorf übernahm.

In Anerkennung seiner Verdienste um die Theologie und Geschichte der Freien evangelischen Gemeinden wurde ihm am 13. April 2013 der „Neviandt-Preis“ verliehen.[2]

Seine Forschungsschwerpunkte sind die neuere Sozialgeschichte (mit dem Schwerpunkt Kirchengeschichte), die deutsch-jüdische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert, die Geschichte der Freikirchen sowie die Regionalgeschichte. Daraus folgend sind Heinrichs’ Forschungsprojekte die Situation jüdischer Rückkehrer nach dem Zweiten Weltkrieg in Wuppertal, das Evangelische Lexikon für Theologie und Gemeinde, die Freikirchenforschung sowie die Chronik der Stadt Wülfrath.

Heinrichs gehört dem Beirat der Abteilung Wuppertal des Bergischen Geschichtsvereins an.[3]

Heinrichs ist verheiratet und hat drei Kinder.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Die Entwicklung des Vereinslebens im Wuppertal als Indikator für Gründerzeit. In: Karl-Hermann Beeck (Hrsg.): Gründerzeit. Versuch einer Grenzbestimmung im Wuppertal. Köln 1984, S. 129–149.
  • Die protestantischen Freikirchen als religiöse Organisationsform der Moderne – dargestellt am Beispiel Wuppertals. In: ebd., S. 393–452.
  • Die Entwicklung einer freikirchlichen Ekklesiologie im Zuge der Auseinandersetzung des Protestantismus mit der modernen Welt (dargestellt am Beispiel des Gründers einer selbständig-lutherischen Gemeinde im Wuppertal, Ludwig Feldner). In: Monatshefte für evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 34, 1985, S. 113–132.
  • Freikirchen – eine religiöse Organisationsform der Moderne. Dargestellt anhand der Entstehung und ersten Entwicklung von fünf Freikirchen im frühindustrialisierten Wuppertal. Ein Beitrag zur Mentalitäts- und Organisationgeschichte des Wuppertals. Phil. Diss. Wuppertal 1987; veröffentlicht unter dem Titel: Freikirchen – eine moderne Kirchenform. Entstehung und Entwicklung von fünf Freikirchen im Wuppertal. Köln, Gießen und Wuppertal 1989; 2. Auflage Gießen und Wuppertal 1990.
  • Das Bild vom Juden in der protestantischen Judenmission des deutschen Kaiserreichs. In Umrissen dargestellt an den Äußerungen von „Saat auf Hoffnung. Zeitschrift für die Mission der Kirche an Israel“. In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 44, 1992, S. 195–220.
  • Kirchengeschichte als Aspekt von Mentalitätsgeschichte. In: Hermann de Buhr, Heinrich Küppers, Volkmar Wittmütz (Hrsg.): Die Bergischen „ein Volk von zugespitzter Reflexion“. Region – Schule – Mentalität. Festschrift für Karl-Hermann Beeck. Wuppertal 1992, S. 306–331.
  • Ein Kampf für die Freiheit der Kirche. Der Prediger Gottfried Daniel Krummacher (1774–1834) und sein Kampf für die Freiheit von Verfassung und Lehre der reformierten Gemeinde (Wuppertal-) Elberfeld. In: Hermann de Buhr, Heinrich Küppers, Volkmar Wittmütz (Hrsg.): Kirche im Spannungsfeld von Staat und Gesellschaft. Festschrift für Günther van Norden. Köln 1993, S. 65–88.
  • (mit Hermann de Buhr:) Preis- und Lohnreihen im Wuppertal des 19. Jahrhunderts. Versuch einer graphischen Darstellung. In: Geschichte im Wuppertal 3, 1994, S. 60–77.
  • Über die Entstehung der Freikirchen im Wuppertal – Motive einer religiösen Bewegung im 19. Jahrhundert In: Geschichte im Wuppertal 3, 1994, S. 86–97.
  • Peter Clarenbach – ein moderner Unternehmer? Jung-Stillings Vision eines modernen Unternehmers und ihr historisches Vorbild: Peter Clarenbach (1661–1736). In: Karl-Hermann Beeck (Hrsg.): Bergische Unternehmergestalten im Umbruch zur Moderne (Bergische Forschungen, Bd. XXV), Neustadt/Aisch 1996, S. 19–39, 231, 241–249, 266.
  • Das Judenbild im Protestantismus des „Deutschen Kaiserreichs“. Ein Beitrag zur Mentalitätsgeschichte des deutschen Bürgertums in der Krise der Moderne. Vortrag, gehalten auf dem 41. Deutschen Historikertag in München in der von Wolfgang Schieder geleiteten Sektion 41 „Junge Historiker stellen sich vor“ (19./20. Jahrhundert). In: Geschichte als Argument. Berichtsband des 41. Deutschen Historikertag in München 17. bis 20. September 1996, hg. im Auftrag des Verbandes der Historiker Deutschlands e.V., München 1997, S. 292–297.
  • Das Judenbild im Protestantismus des „Deutschen Kaiserreichs“ (1871–1918). Ein Beitrag zur Mentalitätsgeschichte des deutschen Bürgertums in der Krise der Moderne. In: Freikirchenforschung 8, 1998, S. 189–204.
  • Vorabend einer neuen Reformation. Die Gründung Freier evangelischer Gemeinden als Antwort auf die Herausforderungen einer Gesellschaft im Wandel. In: Christsein Heute 106, Nr. 8, 11. April 1999, S. 234–236.
  • Gemeinde der Glaubenden. Hermann Heinrichs Grafe und die Gründung einer ersten Freien evangelischen Gemeinde. In: Christsein Heute 106, Nr. 10, 9. Mai 1999, S. 300–303.
  • Die Anfänge der Niederländisch-reformierten Gemeinde und ihr soziales Engagement. In: Klaus von Brück, Heinrich Lüchtenborg (Hrsg.): 150 Jahre Niederländisch-reformierte Gemeinde zu Elberfeld. Wuppertal 2000, S. 47–66.
  • Das Judenbild im Protestantismus des Deutschen Kaiserreichs. Ein Beitrag zur Mentalitätsgeschichte des deutschen Bürgertums in der Krise der Moderne. Köln 2000, 2., bearb. Auflage Gießen 2004.
  • Freikirchen als Antwort auf die Herausforderungen einer modernen Zeit. Eine historische Betrachtung. In: Zeitschrift für Theologie und Gemeinde 6, 2001, S. 236–254.
  • Die Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts und ihr Bezug zur Moderne, expliziert an der Arbeit der beiden amerikanischen Evangelisten Charles G. Finney und Dwight L. Moody. In: Theologisches Gespräch 26, 2002, Heft 2, S. 3–31.
  • Die Haltung des Protestantismus gegenüber den Juden in der Zeit des deutschen Kaiserreichs (1871–1918) als Indikator bürgerlicher Mentalität in der Krise der Moderne. In: Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 52, 2003, S. 133–156.
  • Die Anfänge der Inland-Mission. In: Die Inland-Mission. Geschichte, Gegenwart und Ziele, Witten 2004, S. 8–16.
  • Hermann Heinrich Grafe und seine Zeit: In: Lebenszeichen, S. 13–26.
  • (mit Erhard Michel und Michael Schröder:) Visionäre und Seelsorger. Ein Gespräch über die „Gründerväter“ der Freien evangelischen Gemeinden. In: Christsein Heute 111, Nr. 10, 2004, S. 8–12.
  • „Vorwärts“ in der Arbeit, mit Kirche und Vaterland. Die evangelisch-soziale Arbeiterbewegung im Wuppertal und ihr Programm. In: Lena Lybæk, Konrad Raiser, Stefanie Schardien (Hrsg.): Gemeinschaft der Kirchen und gesellschaftliche Verantwortung. Die Würde des Anderen und das Recht anders zu denken. Festschrift für Professor Dr. Erich Geldbach. Münster 2004 (Ökumenische Studien, Bd. 30), S. 271–300.
  • (mit Beatrix Burghoff:) Lyrische Pädagogik – Die Verarbeitung bildungsbürgerlicher Moral in der Poesie Anton Wilhelm von Zuccalmaglios. In: Gertrude Cepl-Kaufmann, Hella-Sabrina Lange (Hrsg.): Kultur und bürgerlicher Lebensstil im 19. Jahrhundert. Die Zuccalmaglios. Grevenbroich 2004, S. 128–140.
  • Christen und Juden heute: Erinnern – Umdenken – Umkehren. In: Theologisches Gespräch 29, 2005, Heft 3, S. 91–113.
  • „Heilsbringer und Verderber“. Freikirchliche Ansichten über Juden zu Beginn des 20. und im 19. Jahrhundert. In: Freikirchenforschung 15, 2005/06, S. 18–44.
  • Die Kontinuität antisemitischen Denkens, aufgezeigt anhand evangelikaler Positionen zu Beginn der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ und im Deutschen Kaiserreich. In: Jörg Hentzschel-Fröhlings, Guido Hitze und Florian Speer (Hrsg.): Gesellschaft. Region. Politik. Festschrift für Hermann de Buhr, Heinrich Küppers und Volkmar Wittmütz. Norderstedt 2006, S. 77–92.
  • Julius Köbner und sein Verhältnis zum Judentum. In: Erich Geldbach u. a. (Hrsg.): Religions-Freiheit. Berlin 2006, S. 93–102.
  • Aspekte des Rollenverständnisses von Mann und Frau in Gesellschaft und Gemeinde. In: Wilfrid Haubeck, Wolfgang Heinrichs (Hrsg.): Pastorinnen. Aspekte zu einem aktuellen Thema, Witten 2008, S. 73–124.
  • Frauenrolle im Wandel. Über die Veränderung des Rollenverständnisses der Geschlechter im Raum der Kirche im Kontext der gesellschaftlichen Prozesse von der frühen Neuzeit bis heute. In: Peter Schmidtsiefer, Birgit Siekmann (Hrsg.): Geschichte als Verunsicherung. Nordhausen 2008, S. 141–208.
  • Juden als ideelle Hoffnungs- und Heilsträger im Protestantismus des 18. und 19. Jahrhunderts. In: Irene A. Diekmann, Elke-Vera Kotowski (Hrsg.): Geliebter Feind. Gehasster Freund. Antisemitismus und Philosemitismus in Geschichte und Gegenwart. Festschrift zum 65. Geburtstag von Julius H. Schoeps (= Neue Beiträge zur Geistesgeschichte. Bd. 7). Berlin 2009, S. 213–231.
  • Kirche und Judentum aus freikirchlicher Sicht. In: Catholica 64 (2010), S. 191–211.
  • „Heilsbringer und Verderber“. Freikirchliche Ansichten über Juden im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In: Daniel Heinz (Hrsg.): Freikirchen und Juden im „Dritten Reich“. Instrumentalisierte Heilsgeschichte, antisemitische Vorurteile und verdrängte Schuld. Göttingen 2011, S. 13–34.
  • mit Hartmut Nolte: Wülfrath: Die Sechzigerjahre. Sutton, Erfurt 2013.

Martin Luther und die Juden, In: Matei Chihaia/ Georg Eckert: Kolossale Miniaturen. Festschrift für Gerrit Walther, Münster 2018, S. 171–181.

Herausgeberschaften
  • mit Wolfgang Dietrich u. a.: Ein Act des Gewissens. Erinnerungen an Hermann Heinrich Grafe (Geschichte und Theologie der Freien evangelischen Gemeinden Bd. 1), Witten 1988.
  • mit Wolfgang Dietrich u. a.: Ein Act des Gewissens. Dokumente zur Frühgeschichte der Freien evangelischen Gemeinden (Geschichte und Theologie der Freien evangelischen Gemeinden Bd. 2), Witten 1988.
  • mit Hermann de Buhr: Verlaufsformen säkularer Krisen. Erschütterungen ökonomischer, gesellschaftlicher, kultureller und politischer Strukturen in Spätantike, Spätmittelalter und in der Neuzeit (Themen und Probleme der Geschichte. Arbeits- und Quellenhefte für die Kollegstufe), Frankfurt am Main 1992.
  • mit Hartmut Nolte: Archivbilder Wülfrath. Sutton Verlag, Erfurt 2000, ISBN 3-89702-240-0.
  • mit Wilfrid Haubeck und Michael Schröder: Lebenszeichen. Die Tagebücher Hermann Heinrich Grafes in Auszügen. Wuppertal/Witten 2004.
  • mit Hartmut Nolte: Lexikon zur Wülfrather Kirchengeschichte. Nordhausen 2008.
  • mit Hartmut Nolte: Wülfrath – Bilder im Wandel der Zeit
  • Mitherausgeber und Redakteur der Reihe „Theologische Impulse“, Bd. 1, Witten 2000, bis 2018 erschienen 31 Bde.
  • Mitherausgeber des Lexikons für Theologie und Gemeinde (R. Brockhaus Verlag)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vorfreude auf neue Aufgabe. In: Rheinische Post. vom 18. Juli 2009.
  2. Vgl. Pressemeldung
  3. Vorstand des BGV, Zugriff März 2015