Wehrkreis I (Königsberg)

Die Wehrkreise des Deutschen Reiches nach dem „Anschluss“ Österreichs
Karte des Wehrkreises I, 1943

Der Wehrkreis I (Königsberg) war eine militärische Verwaltungseinheit während der Zeit der Weimarer Republik und später des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Er bestand von 1919 bis 1945. Ihm oblag die militärische Sicherung der Provinz Ostpreußen[1] sowie die Rekrutierung und Ausbildung von Soldaten für das Heer der Reichswehr bzw. der Wehrmacht in diesem Gebiet.

Es existierten Wehrersatzinspektionen, welche dem Wehrkreis I zugeordnet waren, in Königsberg und Allenstein.[1]

Das Gebiet des Wehrkreis I bildete den Luftgau I.[2]

BefehlshaberBearbeiten

Befehlshaber des Wehrkreises I und Divisionskommandeure bis Oktober 1934 der 1. Division waren die Generale:

Wehrkreiskommando IBearbeiten

Ab 1919 lag der Stab im Kommandanturgebäude Hinterroßgarten 43, welches 1928 für 76000 RM verkauft wurde.[3] Das Wehrkreisverwaltungsamt I war in der Wilhelmstraße 1–2, Königsberg. 1931 bezogen die Stäbe des Wehrkreiskommandos und der 1. Division Neubauten in der Cranzer Allee 36/40.[4]

Wehrkreis-WaffenmeistereiBearbeiten

Die Waffenmeisterei lag in der Rothensteiner Straße, Königsberg. Sie unterstand dem Heereszeugamt und beschäftigte bis zu 700 Handwerker und Arbeiter.

Wehrkreis-Pfarrer, auch Wehrkreispfarrer IBearbeiten

in der Weimarer Republik war der Wehrkreispfarrer; einer für jeden der sieben Wehrkreise; dem Feldprobst, ab 1934 Feldbischof, unterstellt. 1933 stieg die Zahl auf 15 an.[5] Die Wehrkreis-Pfarrer, bezeichnet als „ev. bzw. kath. Wehrkreispfarrer“, unterstanden als Sachbearbeiter für Heeresseelsorgeangelegenheiten dem Stab des Wehrkreiskommandos.[6]

Die Stellung als Pfarrer im Wehrkreis I war im ganzen Reich besonders bevorzugt, da die Predigten in der Krönungskirche der preußischen Könige abgehalten wurden.[7]

Katholische WehrkreispfarrerBearbeiten

Nach dem Ersten Weltkrieg war Franz Rarkowski von Anfang 1920 bis Ende September 1927 katholischer Divisions- und Wehrkreis-Pfarrer.[8]

1932 wurde der spätere Leitende Marinedekan Stanislaus Estevant (1882–1956) ernannt. Anschließend hatte bis zu seiner Zwangspensionierung 1933 Anton Poschmann (1894–1970) diese Position inne.[9]

Evangelische Wehrkreis-PfarrerBearbeiten

Von 1921 bis 1926 war Albert Otto, später von 1940 bis 1943 Aufsichtsführender Pfarrer beim Militärbefehlshaber Belgien–Nordfrankreich und anschließend bis 1944 in gleicher Position beim Oberbefehlshaber West,[10] Pfarrer des Wehrkreises I. Ab 1926 war es bis 1933 Ludwig Müller (späterer Reichsbischof der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) und Führungsperson der Deutschen Christen). Anschließend hatte Walter Trepte bis 1939 diese Position inne.[11] Es folgte der in beiden Weltkriegen mehrfach ausgezeichnete Oberst und spätere Wehrmachtsdekan Stefan Gmeiner (1895–1952),[12] welcher 1944 verletzungsbedingt durch Ewald Hage vertreten wurde.

Staatliche Polizeibehörden und Dienststellen des SicherheitsdienstesBearbeiten

Dem Wehrkreis waren entsprechende Polizeibehörden und Dienststellen des SDs zugeordnet. So gab es eine Staatspolizeileitstelle/Kriminalpolizeileitstelle in Königsberg, eine Staatspolizeistelle/Kriminalpolizeistelle in Allenstein, Tilsit und Zichenau-Schröttersburg und weitere Staatspolizei-Außenstellen.[13]

Höherer SS- und Polizeiführer (HSSPf) Nord–Ost, Wehrkreis I, waren:

Von Dezember 1941 bis zu seiner Beurlaubung im Dezember 1944 war George Ebrecht Stellvertreter.

Bekannte PersonenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002
  • Burkhart Müller-Hillebrand: Das Heer 1933–1945. Mittler & Sohn, Frankfurt am Main.
  • Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Biblio-Verlag, Bissendorf.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Heinz Boberach, Rolf Thommes, Hermann Weiß, Werner Röder, Christoph Weisz: Ämter, Abkürzungen, Aktionen des NS-Staates: Handbuch für die Benutzung von Quellen der nationalsozialistischen Zeit. Amtsbezeichnungen, Ränge und Verwaltungsgliederungen, Abkürzungen und nichtmilitärische Tarnbezeichnungen. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-11-095167-7, S. 86 (google.de [abgerufen am 8. Januar 2020]).
  2. Luftflottenkommando 1. Abgerufen am 8. Januar 2020.
  3. Germany Reichsfinanzministerium: Reichshaushaltsplan. 1928, S. 9 (google.de [abgerufen am 8. Januar 2020]).
  4. Handbuch des öffentlichen Lebens: Staat, Politik, Wirtschaft, Verkehr, Kirche, Presse .... K.F. Koehler [etc.], 192, 1931, S. 151 (google.de [abgerufen am 8. Januar 2020]).
  5. Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949: Organe – Ämter – Verbände – Personen. Bd. 1: Überregionale Einrichtungen. Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, ISBN 978-3-647-55784-7, S. 450 (google.de [abgerufen am 12. Januar 2020]).
  6. Das Archiv; Nachschlagewerk für Politik, Wirtschaft, Kultur. 1935, S. 228 (google.de [abgerufen am 12. Januar 2020]).
  7. Thomas Martin Schneider: Reichsbischof Ludwig Müller: eine Untersuchung zu Leben, Werk und Persönlichkeit. Vandenhoeck & Ruprecht, 1993, ISBN 978-3-525-55719-8, S. 75 (google.de [abgerufen am 10. Januar 2020]).
  8. Dermot Bradley, Heinz-Peter Würzenthal, Hansgeorg Model: Die Generale und Admirale der Bundeswehr 1955-1999: die militärischen Werdegänge. Biblio Verlag, 1996, ISBN 978-3-7648-1700-8, S. 133 (google.de [abgerufen am 12. Januar 2020]).
  9. Germany Reichsrat: Niederschriften über die Vollsitzungen des Reichsrats. C. Heymanns Verlag, S. 126 (google.de [abgerufen am 12. Januar 2020]).
  10. Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949: Organe – Ämter – Verbände – Personen. Bd. 1: Überregionale Einrichtungen. Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, ISBN 978-3-647-55784-7, S. 456 (google.de [abgerufen am 10. Januar 2020]).
  11. Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949: Organe – Ämter – Verbände – Personen. Bd. 1: Überregionale Einrichtungen. Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, ISBN 978-3-647-55784-7, S. 451 (google.de [abgerufen am 8. Januar 2020]).
  12. Dagmar Pöpping: Kriegspfarrer an der Ostfront: Evangelische und katholische Wehrmachtseelsorge im Vernichtungskrieg 1941–1945. Vandenhoeck & Ruprecht, 2016, ISBN 978-3-647-55788-5, S. 190 (google.de [abgerufen am 10. Januar 2020]).
  13. Heinz Boberach, Rolf Thommes, Hermann Weiß, Werner Röder, Christoph Weisz: Ämter, Abkürzungen, Aktionen des NS-Staates: Handbuch für die Benutzung von Quellen der nationalsozialistischen Zeit. Amtsbezeichnungen, Ränge und Verwaltungsgliederungen, Abkürzungen und nichtmilitärische Tarnbezeichnungen. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-11-095167-7, S. 93 (google.de [abgerufen am 8. Januar 2020]).
  14. Kurt Forstreuter, Fritz Gause, Historische Kommission für Ost-und Westpreussische Landesforschung: Altpreussische Biographie. Elwert, 1967, S. 542 (google.de [abgerufen am 12. Januar 2020]).
  15. Rudolf Vierhaus: Deutsche biographische Enzyklopädie: (DBE). Walter de Gruyter, 2005, ISBN 978-3-598-25038-5, S. 246 (google.de [abgerufen am 12. Januar 2020]).