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W. Wolfgang Fleischhacker

österreichischer Psychotherapeut, Hochschullehrer und Psychiater
W. Wolfgang Fleischhacker (2017)

Walter Wolfgang Fleischhacker (* 29. April 1953 in Baden bei Wien) ist ein österreichischer Psychiater und Psychotherapeut sowie Universitätsprofessor an der Medizinischen Universität Innsbruck. Im Mai 2017 wurde er vom Universitätsrat als Nachfolger von Helga Fritsch für eine vierjährige Periode zum Rektor der Universität gewählt, das Amt trat er mit 1. Oktober 2017 an.[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Fleischhacker studierte Medizin an der Universität Innsbruck und famulierte unter anderem am Bispebjerg Hospital in Kopenhagen. 1978 promovierte er an der Universität Innsbruck zum Doktor der gesamten Heilkunde. Ab 1979 arbeitete er als Universitätsassistent in den Abteilungen für Psychiatrie und Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck. 1987 wurde ihm ein Fulbright-Reisestipendium zuerkannt und er war 18 Monate als Research Fellow am Department of Psychiatric Research des Hillside Hospital sowie am Albert Einstein College of Medicine in New York City tätig. Anschließend habilitierte er sich mit dem Thema Pharmakoepidemiologie der Benzodiazepine für das Fach Psychiatrie und arbeitete ab 1989 als Oberarzt an der Universitätsklinik für Psychiatrie der Universität Innsbruck. 1990 schloss er die Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie ab. Seit 1992 ist er Psychotherapeut mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie.

1993 wurde er als Universitätsprofessor an die Klinische Abteilung für Biologische Psychiatrie der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck berufen. Ab 1994 leitete er dort auch die Abteilung für Biologische Psychiatrie. Von 1999 bis 2003 war er supplierender Vorstand des Instituts für Kommunikation im Berufsleben und Psychotherapie an der Leopold-Franzens Universität Innsbruck. Von 2008 bis 2017 war er Direktor der Universitätsklinik für Biologische Psychiatrie sowie geschäftsführender Direktor des Departments für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Innsbruck.

Neben seiner eigentlichen Lehrverpflichtung war er unter anderem Gastprofessor am Weill Medical College der Cornell University in New York, Keio University School of Medicine in Tokio und an der Vienna School for Clinical Research. Von 2002 bis 2005 war er Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) sowie von 2006 bis 2010 Vizepräsident des International College of Neuropsychopharmacology (CINP). Seit 1997 ist er Vorsitzender der European Group for Research in Schizophrenia (EGRIS). 2006 wurde er als erst zweiter Österreicher Foreign Corresponding Fellow des American College of Neuropsychopharmacology.

AuszeichnungenBearbeiten

2005 wurde ihm das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst[2] verliehen. 2006 wurde er Ehrenmitglied der World Psychiatric Association und 2004 Ehrenpräsident der österreichischen Schizophreniegesellschaft (ÖSG).

ForschungsschwerpunkteBearbeiten

Fleischhacker befasste sich zunächst mit Suchtforschung und Aspekten der klinischen Psychopharmakologie in unterschiedlichen Bereichen. Nach seinem Forschungsaufenthalt in den USA beschäftigt er sich seit rund drei Jahrzehnten schwerpunktmäßig mit Psychopharmakologie und Schizophrenie. Im Rahmen seiner Forschungsschwerpunkte beriet er die Österreichische und die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde und war in Projekte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie federführend in Projekte der World Psychiatric Association (WPA) involviert. Bekannt wurde er in Fachkreisen unter anderem durch die bisher größte EU-Schizophrenie-Behandlungsstudie zu Therapieabbrüchen bei Schizophrenie-Ersterkrankten (European First Episode Schizophrenia Trial, EUFEST), die er gemeinsam mit seinem niederländischen Kollegen René Kahn plante und leitete.[3] Fleischhacker ist auch im Executive Board des FP7 EU-Forschungsprojektes Optimization of Treatment and Management of Schizophrenia in Europe (OPTiMiSE). Das ist eine groß angelegte Studie zur Therapieoptimierung bei derselben Gruppe von Patienten. Weiters ist er Principal Investigator des europaweiten EULAST-Projektes (European Long-Acting Antipsychotics in Schizophrenia Trial). Hier wird erstmals in einer großangelegten naturalistischen Studie die Wirksamkeit von Depotmedikamenten in der Langzeitbehandlung der Schizophrenie evaluiert.[4][5][6][7]

PositionenBearbeiten

W. Wolfgang Fleischhacker tritt im Rahmen der therapeutischen Schizophrenieforschung für den Einsatz neuer Antipsychotika als Gold-Standard bei Schizophrenie-Patienten ein. Er vertritt die Position, dass moderne Arzneien kombiniert mit psychosozialen Behandlungsergebnissen zu weniger Therapieabbrüchen führen und die Behandlung deutlich verbessern.[8]

SchriftenBearbeiten

  • mit M. Lambert, E. Karamatskos, D. Naber: Pharmakotherapie der Schizophrenie. In: V. Voderholzer, F. Hohagen (Hrsg.): Therapie psychischer Erkrankungen. 13. Auflage. Urban & Fischer / Elsevier, 2018, ISBN 978-3-437-24909-9, S. 93–124.
  • mit H. Hinterhuber (Hrsg.): Lehrbuch der Psychiatrie. Springer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-211-89865-9.
  • mit S. Miyamoto: Pharmacologic Treatment of Schizophrenia. In: J. A. Lieberman, R. M. Murray (Hrsg.): Comprehensive Care of Schizophrenia. Oxford University Press, 2012, ISBN 978-0-19-538801-5, Kapitel 5.
  • mit I. P. Stolerman (Hrsg.): Encyclopedia of Schizophrenia. Springer-Verlag, 2011, ISBN 978-1-907673-17-7.
  • mit S. Miyamoto, D. B. Merrill, J. A. Lieberman, S. R. Marder: Antipsychotic Drugs. In: A. Tasman, J. Kay, J. A. Lieberman, M. B. First, M. May (Hrsg.): Psychiatry. 3. Auflage. Wiley, New York 2008, ISBN 978-0-470-06571-6, Kapitel 102.
  • Pharmakotherapie schizophrener Störungen. In: H. Helmchen, F. Henn, H. Lauter, N. Sartorius (Hrsg.): Schizophrene und affektive Störungen. (= Psychiatrie der Gegenwart. Band 5). 4. Auflage. Springer-Verlag, 2000, ISBN 3-540-65802-5, S. 209–242.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. derStandard.at: Wolfgang Fleischhacker wird neuer Rektor der Med-Uni Innsbruck. Artikel vom 3. Mai 2017, abgerufen am 17. September 2017.
  2. Anerkennung besonderer Verdienste. myPoint; abgerufen am 25. März 2015.
  3. Effectiveness of antipsychotic drugs in first-episode schizophrenia and schizophreniform disorder: an open randomised clinical trial. In: The Lancet, Volume 371, No. 9618, 29. März 2008, S. 1085–1097.
  4. European Long-acting Antipsychotics in Schizophrenia Trial (EULAST). ClinicalTrials.gov, abgerufen am 25. März 2015.
  5. Cariprazine versus risperidone monotherapy for treatment of predominant negative symptoms in patients with schizophrenia: a randomised, double-blind, controlled trial. In: The Lancet Journal. März 2017, abgerufen im Oktober 2018 (englisch).
  6. Amisulpride and olanzapine followed by open-label treatment with clozapine in first-episode schizophrenia and schizophreniform disorder (OPTiMiSE): a three-phase switching study. In: Lancet Psyciatry. August 2018, abgerufen im Oktober 2018 (englisch).
  7. W. Wolfgang Fleischhacker: The long‐term treatment of schizophrenia with antipsychotics: a perennial debate. In: World Psychiatry. Juni 2018, abgerufen im Oktober 2018 (englisch).
  8. W. W. Fleischhacker u. a.: Schizophrenia – Time to Commit to Policy Change. In: Schizophrenia Bulletin. Vol. 40 Suppl. No 3, 2014.