Von deutscher Seele

Kantate von Hans Pfitzner

Von deutscher Seele (op. 28) ist eine romantische Kantate auf Texte von Joseph von Eichendorff für vier Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel von Hans Pfitzner. Die Uraufführung fand am 27. Januar 1922 in Berlin statt.

InhaltBearbeiten

Teil I. Mensch und NaturBearbeiten

„Es geht wohl anders als du meinst“

Spruch 1 aus Wandersprüche – Soloquartett

  Es geht wohl anders als du meinst:
  Derweil du rot und fröhlich scheinst,
  Ist Lenz und Sonnenschein verflogen,
  Die liebe Gegend schwarz umzogen;
  Und kaum hast du dich ausgeweint,
  Lacht alles wieder, die Sonne scheint,
  Es geht wohl anders, als man meint.

„Was willst auf dieser Station“

Spruch 3 aus Wandersprüche – Solo: Tenor

  Was willst auf dieser Station
  So breit dich niederlassen?
  Wie bald nicht bläst der Postillon,
  Du musst doch alles lassen.

„Tod als Postillon“

Orchester

„Was willst auf dieser Station“

Spruch 3 aus Wandersprüche – Bass-, Alt-, Sopran-Solo, Chor

  Was willst auf dieser Station
  So breit dich niederlassen?
  Wie bald nicht bläst der Postillon,
  Du musst doch alles lassen.

„Herz, in deinen sonnenhellen Tagen“

Spruch 2 aus Wandersprüche – Tenor-Solo, Soloquartett, Chor

  Herz, in deinen sonnenhellen
  Tagen halt nicht karg zurück!
  Allwärts fröhliche Gesellen
  Trifft der Frohe und sein Glück.

  Sinkt der Stern: alleine wandern
  Magst du bis ans End der Welt
  Bau du nur auf keinen andern
  Als auf Gott, der Treue hält.

„Der Sturm geht lärmend um das Haus“

Spruch 5 aus Wandersprüche – Soloquartett

  Der Sturm geht lärmend um das Haus,
  Ich bin kein Narr und geh hinaus,
  Aber bin ich eben draußen,
  Will ich mich wacker mit ihm zausen.

„Abend“ – „Nacht“

Instrumentalzwischenspiele – Orchester

„Die Lerche grüßt den ersten Strahl“

Spruch 4 aus Wandersprüche – Sopransolo, Soloquartett, Chor

  Die Lerche grüßt den ersten Strahl,
  Dass er die Brust ihr zünde,
  Wenn träge Nacht noch überall
  Durchschleicht die tiefen Gründe.

  Und du willst, Menschenkind, der Zeit
  Verzagend unterliegen?
  Was ist dein kleines Erdenleid?
  Du musst es überfliegen!

„Wenn der Hahn kräht auf dem Dache“ Lied aus Wanderlieder – Soloquartett, Chor

  Wenn der Hahn kräht auf dem Dache,
  Putzt der Mond die Lampe aus,
  Und die Stern’ ziehn von der Wache,
  Gott behüte Land und Haus!

„Ewig muntres Spiel der Wogen“

Spruch 6 aus Wandersprüche – Alt-Solo, Soloquartett

  Ewig muntres Spiel der Wogen!
  Viele hast du schon belogen,
  Mancher kehrt nicht mehr zurück.
  Und doch weckt das Wellenschlagen
  Immer wieder frisches Wagen,
  Falsch und lustig wie das Glück.

„Der Wandrer, von der Heimat weit“

Spruch 7 aus Wandersprüche – Bass- und Tenorsolo

  Der Wandrer, von der Heimat weit,
  Wenn rings die Gründe schweigen,
  Der Schiffer in Meeres Einsamkeit,
  Wenn die Stern aus den Fluten steigen:
  Die beide schauern und lesen
  In stiller Nacht,
  Was sie nicht gedacht,
  Da es noch fröhlicher Tag gewesen.

„Weil jetzo alles stille ist“

„Nachtgruß“ aus Geistliche Gedichte – Soloquartett und Chor

  Weil jetzo alles stille ist
  Und alle Menschen schlafen,
  Mein Seel das ewge Licht begrüßt,
  Ruht wie ein Schiff im Hafen.

  Der falsche Fleiß, die Eitelkeit,
  Was keinen mag erlaben,
  Darin der Tag das Herz zerstreut,
  Liegt alles tief begraben.

  Ein andrer König wunderreich
  Mit königlichen Sinnen,
  Zieht herrlich ein im stillen Reich,
  Besteigt die ewgen Zinnen.

Teil II. Leben und SingenBearbeiten

Instrumentalvorspiel

Orchester

„Wir wandern nun schon viel hundert Jahr“

„Werktag“ aus Geistliche Gesänge – Chor

  Wir wandern nun schon viel hundert Jahr‘
  Und kommen doch nicht zur Stelle
  Der Strom wohl rauscht an die tausend gar
  Und kommt doch nicht zur Quelle.

„Was ich wollte, liegt zerschlagen“

„Der Umkehrende“ aus Geistliche Gedichte – Tenor-Solo

  Was ich wollte, liegt zerschlagen,
  Herr, ich lasse ja das Klagen,
  Und das Herz ist still.
  Nun aber gib auch Kraft, zu tragen,
  Was ich nicht will

„Ergebung“

Instrumentalzwischenspiel – Orchester

„Der jagt dahin“

„Trost“ aus Geistliche Gedichte – Chor

  Der jagt dahin, dass die Rosse schnaufen,
  Der muss im Staub daneben laufen;
  Aber die Nacht holt beide ein,
  Setzt jenen im Traume neben die Rosse
  Und den andern in seine Carosse.
  Wer fährt nun fröhlicher? Der da wacht
  Oder der blinde Passagier bei Nacht?

„Gleich wie auf dunklem Grunde“

Spruch 2 aus Sängerleben – Bass-Solo

  Gleichwie auf dunklem Grunde
  Der Friedensbogen blüht,
  So durch die böse Stunde
  Versöhnend geht das Lied.

Der LiederteilBearbeiten

„Kaiserkron’ und Päonien rot“

„Der alte Garten“ aus Romanzen – Sopran-Solo

  Kaiserkron’ und Päonien rot,
  Die müssen verzaubert sein,
  Denn Vater und Mutter sind lange tot,
  Was blühn sie hier so allein?

  Der Springbrunn’ plaudert noch immerfort
  Von der alten schönen Zeit,
  Eine Frau sitzt eingeschlafen dort,
  Ihre Locken bedecken ihr Kleid.

  Sie hat eine Laute in der Hand,
  Als ob sie im Schlafe spricht,
  Mir ist, als hätt’ ich sie sonst gekannt.
  Still, geh vorbei und weck’ sie nicht!

  Und wenn es dunkelt das Tal entlang,
  Streift sie die Saiten sacht,
  Da gibt’s einen wunderbaren Klang
  Durch den Garten die ganze Nacht.

„Von allen guten Schwingen“

Spruch 1 aus Sängerleben – Chor

  Von allen guten Schwingen,
  Zu brechen durch die Zeit,
  Die mächtigste im Ringen,
  Das ist ein rechtes Leid.

„Da die Welt zur Ruh’ gegangen“

„Die Nonne und der Ritter“ aus Romanzen – Alt- und Tenor-Solo, Chor

  Da die Welt zur Ruh’ gegangen,
  Wacht mit Sternen mein Verlangen;
  In der Kühle muss ich lauschen,
  Wie die Wellen unten rauschen.

  „Fernher mich die Wellen tragen,
  Die ans Land so traurig schlagen.
  Unter deines Fenster Gitter,
  Fraue, kennst du noch den Ritter?“

  Ist’s doch, als ob seltsam’ Stimmen
  Durch die lauen Lüfte schwimmen;
  Wieder hat’s der Wind genommen,
  Ach, mein Herz ist so beklommen!

  „Drüben liegt dein Schloss verfallen,
  Klagend in den öden Hallen
  Aus dem Grund der Wald mich grüßte,
  ’s war, als ob ich sterben müsste.“

  Alte Klänge blühend schreiten!
  Wie aus lang versunknen Zeiten
  Will mich Wehmut noch bescheinen,
  Und ich möcht’ von Herzen weinen.

  „Überm Walde blitzt’s vom weiten,
  Wo um Christi Grab sie streiten;
  Dorthin will mein Schiff ich wenden,
  Da wird alles, alles enden!“

  Geht ein Schiff, ein Mann stand drinne,
  Falsche Nacht, verwirrst die Sinne,
  Welt, ade! Gott woll’ bewahren,
  Die noch irr’ im Dunkeln fahren.

„Wohl vor lauter Sinnen, Singen“

Intermezzo aus Sängerleben – Chor, Sopran-Solo

  Wohl vor lauter Sinnen, Singen
  Kommen wir nicht recht zum Leben;
  Wieder ohne rechtes Leben
  Muss zu Ende gehn das Singen;
  Ging zu Ende dann das Singen:
  Mögen wir auch nicht länger leben.

„Hast du doch Flügel eben“

Spruch 3 aus Sängerleben – Sopran-Solo

  Hast du doch Flügel eben
  Und das gewalt'ge Wort;
  Halt' hoch dich über dem Leben,
  Sonst geht's über dich fort.

„Schlaf ein, mein Liebchen, schlaf ein“

„Der Friedensbote“ aus Zeitlieder – Bass-Solo

  Schlaf ein, mein Liebchen, schlaf ein,
  Leis durch die Blumen am Gitter
  Säuselt des Laubes Gezitter,
  Rauschen die Quellen herein;
  Gesenkt auf den schneeweißen Arm,
  Schlaf ein, mein Liebchen, schlaf ein,
  Wie atmest du lieblich und warm!

  Aus dem Kriege kommen wir heim;
  In stürmischer Nacht und Regen,
  Wenn ich auf der Lauer gelegen,
  Wie dachte ich dorten dein!
  Gott stand in der Not uns bei,
  Nun droben bei Mondenschein,
  Schlaf ruhig, das Land ist ja frei!

Schlussgesang: „Wenn die Wogen unten toben“

„Schifferspruch“ aus Geistliche Gedichte – Chor und Soloquartett

  Wenn die Wogen unten toben,
  Menschenwitz zu Schanden wird,
  Weist mit feur'gen Zügen droben
  Heimwärts dich der Wogen Hirt.
  Sollst nach keinem andern fragen,
  Nicht zurückschaun nach dem Land,
  Fass' das Steuer, lass' das Zagen!
  Aufgerollt hat Gottes Hand
  Diese Wogen zum Befahren
  Und die Sterne, dich zu wahren.

GestaltungBearbeiten

Der inhaltliche Schwerpunkt der Kantate liegt trotz des Titels nicht auf dem Nationalen, sondern in den verschiedenen Stimmungen wie Todesgedanken („Abend und Nacht“), nächtlichem Zauber („Abend und Nacht“) oder Verzicht („Ergebung“).[1]:136

Ähnlich wie Gustav Mahler, der in seine Sinfonien Volkslieder aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn integrierte, kombierte Pfitzner in Von deutscher Seele sinfonische Elemente und die Kantatenform. Die instrumentalen Zwischenspiele erinnern an die „Nachtstücke“ der 7. Sinfonie Mahlers und zugleich an die Nocturnes von Claude Debussy.[2] Klanglich gemahnt der Schluss der ersten Strophe von „Der Friedensbote“ durch einen „emphatische[n] Melodiebogen mit sentimentaler Harmonisierung und Solo-Violine“ an Mahler.[1]:238

Johann Peter Vogel wies auf formale Parallelen der beiden Teile des Werks hin, die abgesehen vom zusammenfassenden Schlussgesang jeweils zehn Abschnitte mit paralleler harmonischer Entwicklung enthalten. Beide Teile beginnen in Moll und enden in der jeweils eine große Terz tieferen Dur-Tonart (d-Moll → B-Dur bzw. e-Moll → C-Dur). Die beiden zweiten Nummern enthalten jeweils ein großes instrumentales Zwischenspiel („Tod als Postillon“ bzw. „Ergebung“). Nach dem jeweils vierten Abschnitt erfolgt ein thematischer Wechsel („Abend und Nacht“ bzw. „Liederteil“).[1]:283–284

Teil I. Mensch und Natur
1. „Es geht wohl anders“

  d-Moll
2. „Was willst auf dieser Station“
  Orchesterzwischenspiel „Tod als Postillon“
  f-Moll
3. „Herz, in deinen sonnenhellen Tagen“
  A-Dur
4. „Der Sturm geht lärmend um das Haus“
  b-Moll
  
  (Tageslauf)
5. Orchesterzwischenspiel
  „Abend und Nacht“
  b-Moll/B-Dur
6. „Die Lerche grüßt den ersten Strahl“
  a-Moll
7. „Wenn der Hahn kräht auf dem Dache“
  D, Es, As, E
8. „Ewig muntres Spiel der Wogen“
  G-Dur
9. „Der Wandrer, von der Heimat weit“
  b-Moll
10. „Weil jetzo alles stille ist“
  B-Dur

Teil II. Leben und Singen
1. „Wir wandern nun schon viel hundert Jahr“
  mit Orchestervorspiel
  e-Moll
2. „Was ich wollte, liegt zerschlagen“
  mit Orchesternachspiel „Ergebung“
  es-Moll/Es-Dur
3. „Der jagt dahin“
  D-Dur
4. „Gleich wie auf dunklem Grunde“
  G-Dur
  
Liederteil
5. „Der alte Garten“

  gis-Moll
6. „Von allen guten Schwingen“
    H, a
7. „Die Nonne und der Ritter“
  a-Moll
8. „Wohl vor lauter Sinnen, Singen“
  G-Dur
9. „Hast du doch Flügel eben“
  Es, Des, c
10. „Der Friedensbote“
  c-moll/C-Dur

11. Schlussgesang „Wenn die Wogen unten toben“
  D-Dur

BesetzungBearbeiten

Das Orchester benötigt die folgenden Instrumente:[3]

WerkgeschichteBearbeiten

Pfitzner komponierte seine Kantate Von deutscher Seele 1921 als Reaktion auf den verlorenen Ersten Weltkrieg.[4] Die Uraufführung fand am 27. Januar 1922 in Berlin statt.[5] Die musikalische Leitung hatte Selmar Meyrowitz. Es sangen Berta Kiurina (Sopran), Maria Olszewska (Alt), Albert Fischer (Bariton), und Fritz Krauss (Tenor).[6]

Für den Titel entschied sich Pfitzner nach eigener Aussage ohne politische Intentionen aus „rein künstlerischen und allgemein logischen Gesichtspunkten“. Bedenken seines Verlegers Fürstner, dass man ihn im Ausland als aggressiv deuten könne, wies er zurück. Er glaubte, „dass es in jedem Ausland einen nur guten Eindruck macht, wenn man bei Deutschen nicht das ängstliche Bestreben, unterwürfig und selbstverleugnerisch zu sein, merkt.“ Andere in Frage kommende Titel waren Einkehr nach einem Vorschlag des Dirigenten Bruno Walter oder Eichendorffiana. Pfitzner wollte jedoch den Eindruck vermeiden, das Werk sei lediglich eine Hommage oder eine ungeordnete Sammlung.[4] Die Anregung zu dem endgültigen Titel erhielt er schließlich durch ein Werk des 1900 verstorbenen Freundes Ludwig Jacobowski, der kurz vor seinem Tod eine Sammlung deutscher Volkslieder unter dem Titel Aus deutscher Seele veröffentlicht hatte. Diesen Titel wandelte Pfitzner nur geringfügig ab. Eichendorffs Gedichte handeln zwar von der deutschen Seele, doch diese spricht nicht aus ihnen, wie aus den Volksliedern.[2] Im Programmheft der Uraufführung erklärte Pfitzner: „Ich habe ihn gewählt, weil ich keinen besseren und zusammenfassenderen Ausdruck fand für das, was aus diesen Gedichten an Nachdenklichem, Übermütigem, Tiefernstem, Zartem, Kräftigem und Heldischem der deutschen Seele spricht.“[4]

Pfitzner hatte eine Vorliebe für die Gedichte Eichendorffs. Er nutzte sie für insgesamt 19 Klavierlieder und ein Orchesterlied („Klage“).[4] Seine Kantate trägt keinen geistlichen oder festlichen Charakter, sondern besteht aus einer Sammlung von Sprüchen, Gedichten und romantischen Liedern Joseph von Eichendorffs.[1]:136 Zunächst wollte Pfitzner lediglich einige der Sprüche zusammenstellen. Da sich diese jedoch als zu kurz für eine geschlossene Form erwiesen, fasste er sie zu Blöcken zusammen und verband sie mit freien instrumentalen Übergängen. Aus dem ursprünglich geplanten Klavierpart wurde eine große Orchesterpartitur. Eine dramatische Handlung fehlt. Das Werk ist nach eigener Aussage „eine Reihe bunter Zauberbilder, durch ein Band verbunden“. Die Sprüche Eichendorffs stellte Pfitzner für seine eigenen kompositorischen Bedürfnisse neu zusammen, teilte sie gelegentlich auf und integrierte auch längere Gedichte. Der „Liedteil“ am Ende sollte auch „den Solosängern ihre Arien […] bieten“. Die Texte selbst veränderte er jedoch abgesehen von kleineren Fehlerkorrekturen nicht. Im Gegenteil versicherte er, dass er keine Silbe eines von ihm vertonten Gedichts willkürlich geändert habe.[4]

Pfitzners Freund und Biograph Walter Abendroth schrieb über das Werk:

„Der ganze, vollständige Pfitzner ist in diesem Werk enthalten: der volkstümliche und der einsam-vergeistigte, der kindhafte und der philosophische, der diesseitig-weltfrohe (wenngleich stets innerliche) und der jenseitig-weltabgewandte, der tiefernste und der spielerische, der grüblerische und der humorige, der liebenswürdige und der überwältigend großartige, der phantastische und der dämonische; der Liedersänger und der Symphoniker, der romantisch-beschwingte Melodiker und der gotisch-strenge Kontrapunktiker, der Meister des horizontalen und des vertikalen Satzes, der weit in Neuland vorstoßende Harmoniker, der sparsame und der verschwenderische Instrumentator, der Musiker der Zeichnung und der Farbe. […] Man kann sagen, dass, wenn alle übrigen Werke des Meisters verloren gingen, in diesem einen seine gesamte geistige und künstlerische Persönlichkeit weiterleben würde.“

Das Werk fand schnell Eingang in die Konzertsäle und hatte auch international Erfolg. So spielte Artur Bodanzky es im Oktober 1923 in New York.[1]:144 Im Vergleich mit den meisten anderen Werken Pfitzners wird es auch in neuerer Zeit noch recht häufig aufgeführt.[1]:188

Zu einer Kontroverse führte eine Aufführung von Ingo Metzmacher am 3. Oktober 2007 anlässlich des Tages der Deutschen Einheit. Er wurde dafür von Dieter Graumann, dem damaligen Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, scharf kritisiert. Metzmacher entgegnete, dass Pfitzners Kantate Von deutscher Seele bereits im Jahr 1921 entstanden sei, sie spiegele „vielleicht auch die innere Zerrissenheit und Widersprüche, die Hans Pfitzner in sich trug und die vielleicht auch zu seinen Verfehlungen geführt haben.“ Der Blick auf Pfitzners Musik werde „unglaublich verstellt“ von den Äußerungen des Komponisten. Er selbst habe Pfitzner jahrelang nicht aufgeführt, „weil ich das unerträglich fand, dass jemand so etwas von sich gibt“. Die Kritik des Zentralrates der Juden habe ihn getroffen, sagte Metzmacher. Er habe bereits einen Brief an den Zentralrat geschrieben und suche das Gespräch.[8][9][10]

AufnahmenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Johann Peter Vogel: Hans Pfitzner: Leben, Werke, Dokumente. Atlantis Musikbuch-Verlag, Zürich/Mainz 1999, ISBN 3-254-00239-3.
  2. a b Habakuk Traber: „Von deutscher Seele“. In: Programmheft der Aufführung in der Berliner Philharmonie 2007.
  3. Programmheft der Aufführung in der Berliner Philharmonie 2007 (PDF), abgerufen am 15. Juni 2017.
  4. a b c d e Sabine Busch: Von „deutschen Seelen“ und späten Romantikern. In: Programmheft der Aufführung im Audimax der Ruhr-Universität Bochum am 22. Januar 2015.
  5. Oswald Beaujean: 27. Januar 1922. Die Uraufführung der Kantate „Von deutscher Seele“. Audiobeitrag vom 27. Januar 2016 auf BR-Klassik.
  6. Armin A. Wallas: Zeitschriften und Anthologien des Expressionismus in Österreich: Analytische Bibliographie und Register. Walter de Gruyter, 1995, S. 340 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Zitiert nach dem Programmheft der Aufführung im Audimax der Ruhr-Universität Bochum am 22. Januar 2015.
  8. Ich bin eine deutsche Seele. Interview mit Ingo Metzmacher in der Zeit, abgerufen am 24. Januar 2015.
  9. Irritierende Wahl: „Von deutscher Seele“. Kommentar auf hagalil.com, abgerufen am 24. Januar 2015.
  10. Metzmacher: „Wollte niemanden vor den Kopf stoßen“. Beitrag vom 4. Oktober 2007 im Deutschlandradio, abgerufen am 24. Januar 2015.
  11. Pfitzner: Von deutscher Seele – Clemens Krauss bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 16. Juni 2017.
  12. Hans Pfitzner: Urworte Orphisch; Von Deutscher Seele; Das dunkel Reich – Eugen Jochum bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 16. Juni 2017.
  13. Pfitzner: Cantata „Von Deutscher Seele“ op. 28 auf andreas-praefcke.de, abgerufen am 16. Juni 2017.
  14. Pfitzner: Von Deutscher Seele; Schoeck: Lebendig Begraben – Joseph Keilberth bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 16. Juni 2017.
  15. Rudolf Grossmaier: Otto Wiener: Der unvergessliche Hans Sachs. BoD 2004, S. 199 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  16. Hans Pfitzner: Von Deutscher Seele – Heinrich Hollreiser bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 16. Juni 2017.
  17. Hans Pfitzner: Von Deutscher Seele – Martin Sieghart bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 16. Juni 2017.
  18. Hans Pfitzner: Von deutscher Seele – Ingo Metzmacher, Berlin Radio Chorus, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 16. Juni 2017.