ORF Radio-Symphonieorchester Wien

Orchester
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Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien ist ein bedeutendes österreichisches Orchester.

GeschichteBearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1945 stellte Max Schönherr (Dirigent, Komponist, Arrangeur) mit nur ca. 50 Musikern ein Orchester für die Radioverkehrs-Aktiengesellschaft „RAVAG“, später Österreichischer Rundfunk, zusammen. In dieser Form spielte es auch, gemeinsam mit dem Chor des Wiener Schubertbundes, am 7. März 1947 die Uraufführung der neuen österreichischen Bundeshymne. Max Schönherr dirigierte das Wiener Funkorchester, aus dem später das „Große Wiener Rundfunkorchester“ entstand, 23 Jahre lang. Als das Orchester immer mehr mit symphonischer Musik betraut wurde, änderte man den Namen in „Großes Orchester des Österreichischen Rundfunks“.

Das Radio-Symphonieorchester Wien (RSO Wien) ging 1969 aus dem Großen Orchester des Österreichischen Rundfunks (ORF) hervor und trug zunächst bis 1996 den Namen ORF-Symphonieorchester. Nach der Runfunkreform 1967 wurde Otto Sertl 1969 Musikchef des Österreichischen Rundfunks. Seine Aufgabe war es, in Rundfunkorchester nach deutschem und englischem Vorbild zu formen. Milan Horvat wurde erster Dirigent. Er entwickelte das Orchester zu einem großen Ensemble für zeitgenössische Musik.[1]

Mit dem damals 31-jährigen Leif Segerstam übernahm 1975 erstmals ein junger Dirigent das Orchester. In seiner Zeit als Dirigent und Künstlerischer Leiter bis 1982 lag ein Schwerpunkt des Programms auf nordischen Komponisten wie Jean Sibelius. 1987, also bereits nach seiner Zeit in Wien, dirigierte Segerstam einen kompletten Sibelius-Abend als Festkonzert zur 70-jährigen finnischen Unabhängigkeit in der Wiener Hofburg.[1]

1982 folgte mit Lothar Zagrosek ein Dirigent, der insbesondere Musik aus dem 20. Jahrhundert spielte. Zu den Aufnahmen aus dieser Zeit gehören Gottfried von Einems Dantons Tod, Karl Amadeus Hartmanns Gesangsszene, Josef Matthias Hauers Salambo, Ernst Kreneks Orgelkonzert op. 235, Frank Martins Der Cornet (ausgezeichnet mit dem Grand Prix du Disque[2]), Olivier Messiaens Saint François d'Assise, Franz Schmidts Das Buch mit sieben Siegeln und Alexander Zemlinskys Lyrischer Symphonie. Zagrosek löste seinen Vertrag 1986 auf, um Directeur musicale der Pariser Oper zu werden.

Sein Nachfolger wurde 1989 Pinchas Steinberg. In seiner Zeit erweiterte das Orchester sein Repertoire. Dabei waren es einerseits die konzertanten Aufführungen von Opernraritäten (wie Giuseppe Gazzanigas Don Giovanni o sia Il Convitato di Pietra), andererseits die populären Faschingskonzerte mit denen er neue Akzente setzte[1].

1996 erfolgte die Umbenennung in RSO Wien und Dennis Russell Davies übernahm die Leitung. Der Amerikaner brachte insbesondere mehrere Werke seines Landsmanns Philip Glass zur Aufführung[1].

Vom 1. September 2002 bis zum 30. August 2010 war Bertrand de Billy Chefdirigent. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Orchester zu einem der führenden Klangkörper Österreichs.

Im Februar 2009 gab es eine erneute Umbenennung in ORF Radio-Symphonieorchester Wien oder ORF RSO Wien. Beheimatet ist das Orchester im Funkhaus Wien.

Ihm folgte 2010 mit Cornelius Meister der bis dahin jüngste Chefdirigent. Er konnte mit preisgekrönten Aufnahmen von Gottfried von Einems Der Prozess und den Symphonien von Bohuslav Martinů erfolgreich an die Tradition seiner Vorgänger anknüpfen.

Seit 2019 steht mit Marin Alsop die erste Frau am Pult des Orchesters.

ProgrammBearbeiten

 
Das Orchester bei der Eröffnungsveranstaltung der Wiener Festwochen 2014

Der Programmschwerpunkt des Orchesters ist neben typischen Aufgaben eines Rundfunkorchesters auch die Pflege der zeitgenössischen Musik. Das Orchester erweiterte seit 1969 kontinuierlich sein Repertoire von der Vorklassik bis zur Avantgarde.

MusikvermittlungBearbeiten

Seit 2004 werden Gesprächskonzerte veranstaltet. Zunächst fanden sie sechsmal pro Saison mit dem Musikkritiker Wilhelm Sinkovicz statt, am Vormittag für Schulklassen sowie am Abend für die Öffentlichkeit. In der Saison 2019/2020 stehen drei Abendkonzerte am Programm, die von Christoph Becher und Teresa Vogl moderiert werden. Unter dem Titel my RSO werden eine Reihe von Angeboten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gebündelt[3].

GastspieleBearbeiten

Zusätzlich zu Konzertzyklen im Wiener Konzerthaus und im Wiener Musikverein wirkt das RSO Wien als ständiger Gast bei den wichtigen Festivals wie Salzburger Festspiele, Carinthischer Sommer Villach, musikprotokoll/Steirischer Herbst Graz, Wiener Festwochen und Wien Modern, Osterklang und Klangbogen mit und ist Opernorchester im Theater an der Wien. Auslandstourneen führten das Orchester unter anderem in die USA, nach Südamerika, China, Korea und Japan sowie in verschiedene europäische Länder.

KammermusikBearbeiten

1976 gründete die Konzertmeisterin Annemarie Ortner-Kläring das Kläring-Quartett, ein Streichquartett. Das Quartett war aktiv bis zur Reform des ORF in 1996, in dessen Folge auch die kammermusikalischen Aktivitäten des Orchesters eingeschränkt wurden[1].

Seit 2017 führen die Musikerinnen und Musiker wieder einen Kammermusikzyklus im ORF RadioKulturhaus sowie im Arnold Schönberg Center durch.

FilmmusikBearbeiten

Seit 2007 spielt das Orchester bei der jährlichen Filmmusik-Gala Hollywood in Vienna im Großen Saal des Wiener Konzerthauses zeitgenössische Werke der Filmmusik.

In den letzten Jahren kamen dazu eine Reihe von Soundtracks für Filmproduktionen:

ChefdirigentenBearbeiten

Auszeichnungen (Auswahl)Bearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Österreichischer Rundfunk (Hrsg.): Orchesterspielen. Geschichten aus dem Leben des RSO Wien. ORF, Wien 2010.
  2. Frank Martin: Der Cornet (CD). Katalogeintrag. Orfeo International, abgerufen am 13. April 2020.
  3. my RSO ... die Musikvermittlungsreihe des RSO Wien. In: RSO.orf.at. Abgerufen am 7. März 2020.
  4. Marin Alsop wird Chefdirigentin des RSO. In: orf.at. 29. Januar 2018, abgerufen am 29. Januar 2018.
  5. Winners 2018. In: ICMA. 18. Januar 2018, abgerufen am 6. März 2020 (englisch).
  6. Johann Buddecke: Das sind die Preisträger des OPUS KLASSIK. In: concerti.de. 5. Oktober 2018, abgerufen am 6. März 2020.
  7. a b Preise und Auszeichnungen. In: RSO.orf.at. Abgerufen am 6. März 2020.