Victoria Kaspi

US-amerikanisch-kanadische Astrophysikerin

Victoria Michelle Kaspi (* 30. Juni 1967 in Austin (Texas)) ist eine amerikanisch-kanadische Astrophysikerin und beobachtende Astronomin und Hochschullehrerin an der McGill University. Sie befasst sich besonders mit Neutronensternen und Pulsaren.

LebenBearbeiten

Kaspi zog mit ihren Eltern nach Kanada als sie sieben Jahre alt war. Sie studierte Physik an der McGill University mit dem Bachelor-Abschluss 1989, erhielt 1991 ihren Master-Abschluss an der Princeton University, an der sie 1993 bei Joseph Taylor promoviert wurde.1994 war sie Higgins Instructor in Princeton. Danach war sie am Jet Propulsion Laboratory der Caltech als Hubble Postdoctoral Fellow (1994 bis 1996) und am Massachusetts Institute of Technology (1997), bevor sie 1997 Assistant Professor an der McGill University wurde. Dort wurde sie 1999 Associate Professor und erhielt 2006 eine volle Professur. Ab 2005 war sie Direktorin des McGill Space Institute. Sie hatte einen Canada Research Chair an der McGill University und ist dort Lorne Trottier Professor für Astrophysik.

WerkBearbeiten

Sie untersucht Neutronensterne und ihre verschiedenen Erscheinungsformen (Pulsare, Magnetare) unter anderem mit diversen Röntgen-Weltraumteleskopen (Chandra, Rossi, XMM-Newton, Swift, NuStar) und Radioteleskopen wie dem in Arecibo, dem Green Bank Teleskop und dem Canadian Hydrogen Intensity Mapping Experiment.

Sie identifizierte[1] mit dem Chandra-Teleskop den zweiten Pulsar (PSR J1811-1926) – nach demjenigen im Krebsnebel – überhaupt als Supernova-Rückstand (SNR G11.2-0.3), die Identifikation mit einer Supernova (SN 386) im Sternbild Schütze, die von chinesischen Astronomen 386 n. Chr. beobachtet wurde, wird aber nach neueren Untersuchungen (2016) in Zweifel gezogen.[2] Ihre Forschungen förderten auch Ähnlichkeiten von Magnetaren, also sehr hoch magnetisierten Pulsaren, zu normalen Pulsaren zu Tage.[3] Sie war an der Entdeckung des bis dahin schnellst-rotierenden bekannten Pulsars beteiligt, PSR J1748-2446ad im Sternbild Schütze mit 716 Umdrehungen pro Sekunde,[4] und entdeckte den zweiten bekannten Magnetar in unserer Galaxie.[5] Ihre langjährige Beobachtung dieses Magnetars (erst mit dem Rossi und dann mit dem Swift Röntgenteleskop) im Sternbild Cassiopeia zeigte 2012 eine überraschende Verlangsamung der Rotation (von ihr anti-glitch genannt)[6] verbunden mit einem Röntgenausbruch. Als Ursache wird ein Aufbrechen der Kruste des Neutronensterns vermutet, die Flüssigkeitstaschen freisetzten, die langsamer als die starre Kruste rotieren.[7] Sie unternahm auch Präzisionstests der Allgemeinen Relativitätstheorie in einem Doppelsternsystem aus zwei umeinander kreisenden Pulsaren.

Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.

Ehrungen und MitgliedschaftenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. V. M. Kaspi u. a., Chandra X-Ray Observations of G11.2–0.3: Implications for Pulsar Ages, Astrophysical Journal, Band 560, 2001, S. 372, Arxiv
  2. Borkowski, Reynolds, Roberts: G11.2-0.3: the young remnant of a stripped-envelope supernova, Astrophysical Journal, Band 819, 2016, S. 160, Arxiv
  3. Eintrag von Kaspi bei der National Academy of Sciences
  4. McGill-led team discovers fastest-spinning pulsar, McGill University 12. Januar 2016
  5. Emily Chung, Victoria Kaspi, neutron star researcher at McGill, wins $1M Herzberg medal, CBC News, 16. Februar 2016
  6. R. F. Archibald, V. M. Kaspi, J. A. Kennea u. a.: An anti-glitch in a magnetar, Nature, Band 497, 2013, S. 591–593, Abstract
  7. Emily Chung, 'Extreme' star's sudden slowdown stumps astronomers, CBC News, 31. Mai 2013