VLC media player

freier und offener Mediaplayer und Streamingserver

Der VLC media player (anfänglich „VideoLAN Client“ genannt) ist eine portable, freie Mediaplayer-Software sowohl für diverse Audio-, Videocodecs und Dateiformate als auch DVDs, Video-CDs und unterstützt unterschiedliche Streaming-Protokolle und Schnittstellen für TV-Karten (z. B. DirectShow und BDA). Er kann auch als Server zum Streaming in Uni- oder Multicast, in IPv4- und IPv6-Netzen oder als Transcoder für die unterstützten Video- und Audio-Formate verwendet werden, und ist in der Desktopausgabe mit Echtzeiteffekten wie Bildrotation und -spiegelung, Farbkorrektur und Ausschnittsvergrößerung ausgestattet.[10][11]

VLC media player

VLC Icon.svg
VLC Screenshot 8K 002.png
VLC media player 3.0.10 unter Windows 10 mit einem Fraktalvideo
Basisdaten

Entwickler VideoLAN
Erscheinungsjahr 1. Februar 2001[1][2][3]
Aktuelle Version 3.0.16 für Windows, macOS und Linux
(21. Juni 2021)[4]

3.3.4 für Android
(20. Januar 2021)[5] 3.2.13 für iOS
(22. Oktober 2020)[6]

Betriebssystem Windows, macOS,
GNU/Linux, Unix, BSD,
Android, iOS u. a.
Programmiersprache C, C++, Lua[7]
Kategorie Mediaplayer
Lizenz GPLv2 und LGPLv2.1[8][9]
deutschsprachig ja
videolan.org

Geschichte und EntstehungBearbeiten

Der VLC media player wird seit 1996 vom VideoLAN-Team entwickelt. Dieses besteht aus Studenten der französischen Ingenieurschule École Centrale Paris in Châtenay-Malabry bei Paris und Entwicklern aus über 20 Ländern, unter anderem den USA, den Niederlanden, Norwegen und Deutschland. Das Programm steht seit dem 1. Februar 2001 unter der GPLv2 und kann somit kostenlos verbreitet und von jedermann verbessert werden.

2007 entschied das VLC Projekt aus Lizenzkompatiblitätsgründen nicht auf die gerade veröffentlichte GPLv3 upzugraden, sondern bei der Version 2 zu bleiben.[12]

Die grafische Benutzeroberfläche des VLC-Media-Players für die Windows- und Linux-Variante basierte bis Version 0.8.6 auf wxWidgets, ab Version 0.9.2 wird die Bibliothek Qt verwendet.

Am 7. Juli 2009 wurde die Version 1.0.0 veröffentlicht. Neu hinzugekommen ist unter anderem die Unterstützung für das Dekodieren der Formate AES3 (SMPTE 302M), Dolby Digital Plus (E-AC-3), True HD/MLP, Blu-ray Linear-PCM, QCELP (Qualcomm PureVoice) und RealVideo (Version 3.0 und 4.0), sowie für das freie Format DIRAC der BBC. Zudem wurden die bereits vorhandenen Decoder nochmals verbessert und Fehler beseitigt.[13]

Seit Ende 2009 wird unter dem Projektnamen Lunettes eine neue grafische Oberfläche für den VLC media player unter Mac OS X entwickelt. Grundlage dafür ist das VLCKit. Die alte Cocoa-Schnittstelle wird seither nicht mehr gepflegt.[14]

Mit der Version 1.1.0 vom Juni 2010 ist eine Hardwarebeschleunigung vor allem für das Abspielen von HD-Videos sowie die Unterstützung für mobile Endgeräte (wie z. B. Handys) hinzugekommen. Zudem wurde an der Unterstützung für das VP8-Format sowie an der Übersetzung und der Beseitigung diverser Fehler gearbeitet.[15]

Im Jahr 2011 wurde die Lizenz für die Engine von GPLv2 auf LGPLv2.1 geändert, der Player selbst blieb GPLv2.[8]

Am 18. Februar 2012 wurde Version 2.0 (Twoflower) freigegeben. Neuerungen sind u. a. die Unterstützung von BluRay Discs (experimentell), HD- und 10-Bit-Codecs, Verbesserungen bei Untertiteln u. v. m.

Anfang November 2012 startete das VideoLan-Projekt eine Initiative auf Kickstarter.com, um die Entwicklung einer neuen Version des VLC-Media-Players für die neue Oberfläche von Windows 8 zu finanzieren. Insgesamt sammelten die Entwickler 47.056 Pfund.[16] Es arbeiten zwei festangestellte Programmierer an der neuen Oberfläche. Die fertige Version sollte drei Monate später im „Windows Store für Windows 8“ und noch später für Windows RT erscheinen.[17] Im Oktober 2014 erschien eine erste Betaversion für Windows 8.1. Eine Version für Windows Phone sollte im November 2014 erscheinen,[18] was jedoch nicht eingehalten werden konnte. Im Dezember 2014 wurde eine erste Beta-Version veröffentlicht.[19]

Am 9. Februar 2018 wurde Version 3.0 (Vetinari) veröffentlicht. Folgende Neuerungen sind u. a. Unterstützung von 360°-, 4K-, 8K-Videos, Chromecast, Hardware-Decoding.[20]

Logo und VersionsnamenBearbeiten

Der Entwickler Antoine Cellerier kennt die Geschichte des Logos selbst nur vom Hörensagen: Eines Tages kamen Studenten eines der Netzwerk-Clubs der École Centrale Paris betrunken mit einem Verkehrssicherungskegel nach Hause. Später ging aus diesem Club das VideoLAN-Projekt hervor. Als man ein Logo für das Programm suchte, fiel die Wahl auf den Kegel, der zu diesem Zeitpunkt bereits zu einer beträchtlichen Kegelsammlung angewachsen war.[21][22]

 
VLC 3.0.11 unter Windows 10 mit Weihnachtsmannmütze

Jährlich zur Weihnachtszeit trägt der VLC media player eine Weihnachtsmannmütze im Startbildschirm und im Icon. Dabei richtet sich das Programm nach der Systemzeit.

Bis zu der Version 1.0.x (Goldeneye) wurden alle Veröffentlichungen mit Codenamen bezeichnet, die von Charakteren des Films James Bond 007 – Goldeneye stammen, weil die Entwickler mit diesem Film die Ur-Version testeten.[23] Ab Version 1.1.x (The Luggage) werden solche aus den Romanen der Scheibenwelt verwendet.[24]

MerkmaleBearbeiten

 
Abhängigkeiten

Der VLC media player ist ein Teil der kompletten Streaming-Lösung des VideoLAN-Teams, womit beispielsweise die Versorgung eines Universitäts-Campus mit Fernsehen über einen einzigen Empfänger möglich ist, was auch der Anlass für die Entwicklung der Programme war. Ein weiterer Baustein dieser Lösung ist der VideoLAN Server, der aber durch spezielle Funktionen des VLC media player ersetzt wurde. Mehr zu dieser Streaming-Lösung findet sich im VideoLAN-Artikel.

Das VideoLAN-Team entwickelt selbst keine Decoder oder Encoder (Codecs). Der VLC media player ist vielmehr als ein Rahmenprogramm zu verstehen, das diverse – getrennt entwickelte – Codecs unter einer Benutzeroberfläche vereint. Die bekanntesten sind u. a. FFmpeg, libmpeg2, x264 und x265. Diese werden mit speziell entwickelten oder über Bibliotheken eingebundenen Demultiplexern kombiniert. Dadurch unterscheiden sich Leseverhalten und Fehlertoleranz deutlich von anderen Wiedergabeprogrammen, die auf den genannten Codecs basieren. Ferner können auch Ausgabe-Bibliotheken wie SDL in VLC integriert sein.

Über Filter können verschiedene Effekte in Echtzeit angewandt werden. Zum Beispiel kann das Video gedreht oder Helligkeit und Kontrast geändert werden.

Der VLC media player läuft unter Android, BeOS, chromeOS, eComStation (bzw. OS/2), iOS, Linux, macOS, Syllable, tvOS, watchOS, Windows. Einige andere Betriebssysteme, wie z. B. BSD, werden auch unterstützt, für sie gibt es aber keine vorkompilierten Binär-Pakete. Außerdem gibt es für Windows eine portable (vom USB-Stick ohne Installation lauffähige) Version. Mittels Skins ist eine weitreichende Anpassung der Bedienoberfläche möglich.

Fälschung VLC Plus PlayerBearbeiten

Vlc Plus Player ist der Name einer Software, die als "Betrugsweiterleitung" und damit als potenziell unerwünschte Anwendung eingestuft wird. "Das Hauptproblem dieser App sind die Anzeigen, die sie zeigt – sie werden ausschließlich aus Gewinngründen angezeigt, unabhängig davon, zu welchen Websites sie Sie führen könnten. So landen Opfer oft auf den folgenden gefährlichen Domains".[25] Zudem versucht der Fake-Anbieter während der Installation an die E-Mail-Adresse zu kommen und schlägt vor, eine eigentlich unnötige Browser-Erweiterung zu installieren.[26] Erleichtert wird die Fälschung dadurch, dass deren URL wie die eines prominenten Beispiels der Fälschung vlc.de heißt und die des Originals bzw. der wirklichen offiziellen Website videolan.org.

TriviaBearbeiten

  • Mitte 2019 sorgte eine scheinbare Sicherheitslücke im VLC Media Player für mediale Aufmerksamkeit. Dabei handelte es sich allerdings nur um ein Problem mit einer ungepatchten Programmbibliothek diverser nicht aktualisierter Linux-Distributionen. Der Umstand, dass unter anderem der CERT-Bund öffentlich vor dieser scheinbaren Sicherheitslücke warnte, sorgte für Kritik vor allem seitens der VLC-Entwickler.[27]

WeblinksBearbeiten

Commons: VLC – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. VideoLAN.
  2. 15 years of VLC and VideoLAN. 1. Februar 2016.
  3. www.videolan.org. (abgerufen am 2. Februar 2021).
  4. News archive. In: videolan.org. Abgerufen am 5. Juli 2021 (englisch).
  5. VLC for Android. In: videolan.org. Abgerufen am 1. Mai 2021 (englisch).
  6. App Store. In: apps.apple.com. Abgerufen am 22. November 2020 (englisch).
  7. VLSub. Abgerufen am 26. Januar 2021 (englisch).
  8. a b VLC engine relicensed to LGPL. VideoLAN, 21. Dezember 2011, abgerufen am 17. Dezember 2013.
  9. VLC reaches 2.1.2. VideoLAN, 10. Dezember 2013, abgerufen am 17. Dezember 2013.
  10. Tim Aschmann: VLC Media Player: So zoomen Sie in Videos. 7. September 2018, abgerufen am 9. April 2021.
  11. How to Mirror Video in VLC Media Player. In: TechJunkie. Abgerufen am 26. April 2021 (englisch).
  12. Rémi Denis-Courmont: VLC media player to remain under GNU GPL version 2. videolan.org, abgerufen am 21. November 2015: „In 2001, VLC was released under the OSI-approved GNU General Public version 2, with the commonly-offered option to use "any later version" thereof (though there was not any such later version at the time). Following the release by the Free Software Foundation (FSF) of the new version 3 of its GNU General Public License (GPL) on the 29th of June 2007, contributors to the VLC media player, and other software projects hosted at videolan.org, debated the possibility of updating the licensing terms for future version of the VLC media player and other hosted projects, to version 3 of the GPL. [...] There is strong concern that these new additional requirements might not match the industrial and economic reality of our time, especially in the market of consumer electronics. It is our belief that changing our licensing terms to GPL version 3 would currently not be in the best interest of our community as a whole. Consequently, we plan to keep distributing future versions of VLC media player under the terms of the GPL version 2. [...]we will continue to distribute the VLC media player source code under GPL "version 2 or any later version" until further notice.
  13. VLC 1.0 veröffentlicht – Artikel bei Golem.de, vom 7. Juli 2009.
  14. VLC für Mac – alles nur halb so schlimm – Artikel bei Golem.de. 18. Dezember 2009.
  15. VLC Media Player 1.1 als Release Candidate – Artikel bei Golem.de. 27. Mai 2010.
  16. VLC for the new Windows 8 User Experience („Metro“) by VideoLAN. In: kickstarter.com. Abgerufen am 19. Juni 2013.
  17. VLC for the new Windows 8 User Experience fundraiser, bei VideoLAN.org, 29. November 2012 (Englisch)
  18. Witold Pryjda: VLC für Windows Phone soll noch in diesem November erscheinen. In: WinFuture.de. 5. November 2014, abgerufen am 6. November 2014.
  19. VLC Player für Windows Phone: Beta-Version endlich erhältlich aber mit großen Problemen behaftet - UPDATE, 9. Dezember 2014.
  20. VLC 3.0.0 is the first version of "Vetinari" branch of our popular media player. In: videolan.org. 9. Februar 2018, abgerufen am 20. März 2019. (englisch)
  21. why the cone? (englisch) – Beitrag im VideoLAN-Forum. 9. Juni 2005; Antwort von Antoine Cellerier auf die Frage, warum der Kegel als Logo gewählt wurde.
  22. Martin Wolf: VideoLAN-Gründer Jean-Baptiste Kempf im Interview. 24. Februar 2021, abgerufen am 1. März 2021.
  23. VLC CodeNames, abgerufen am 30. Januar 2015.
  24. Some VLC facts (Memento vom 17. März 2015 im Internet Archive) bei linuxers.org, abgerufen am 30. Januar 2015.
  25. https://sensorstechforum.com/de/vlc-plus-player-virus/
  26. https://www.chip.de/news/VLC-media-player-Fake-Seiten-schleusen-Adware-in-Ihr-System-ein_183570035.html
  27. Fabian A. Scherschel: Schlammschlacht um Sicherheitslücke: VLC-Entwickler warnen vor Fake News. In: Heise online. 25. Juli 2019. Abgerufen am 28. Juli 2019.