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Logo der UrbanArt Biennale
Austragungsort der Biennale ist das Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Die UrbanArt Biennale ist eine zweijährliche Ausstellung, die sich mit Urban Art befasst. Ziel der Biennale ist es, aktuelle Positionen dieser Kunstrichtung zu beleuchten, ihre Entwicklung zu dokumentieren und einen Überblick über die Weltszene der Urban Art zu geben. Austragungsort der Ausstellung ist das Europäische Zentrum für Kunst und Industriekultur in der UNESCO-Weltkulturerbestätte Völklinger Hütte im saarländischen Völklingen.

Zuletzt fand die Ausstellung vom 9. April bis zum 5. November 2017 statt und zog rund 150.000 Besucher an.[1] Die nächste Biennale läuft vom 14. April bis 3. November 2019.

GeschichteBearbeiten

 
Ausstellungsstücke von Reso in der Möllerhalle (UrbanArt Biennale 2013)

Im Jahr 2011 fand erstmals eine Ausstellung unter dem Titel Urban Art – Graffiti 21. New York, Paris, Berlin, Völklingen in der Möllerhalle der Weltkulturerbestätte Völklinger Hütte statt. Die Idee dazu hatte der Generaldirektor der Hütte, der Kunsthistoriker, Museumspädagoge und Kulturmanager Meinrad Maria Grewenig. Er bemerkte als einer der ersten seiner Zunft, dass abseits der banalen Graffiti-Schmierereien in der urbanen Welt immer häufiger künstlerisch gestaltete Graffiti, die häufig eine anspruchsvolle Ausstattung besaßen, im Öffentlichen Raum präsent waren. Grewenig hatte sich bereits im Vorfeld der Biennale mit der Pop- und Op-Art auseinandergesetzt und deren Einfluss auf Urban Art in etlichen umfassenden Ausstellungen im Weltkulturerbe Völklinger Hütte beleuchtet.[2][3][4]

 
Legale Graffitifläche an der Saarbrücker Stadtautobahn – Inspirationsort für den Ausstellungsgründer Meinrad Maria Grewenig

Beeinflusst wurde Grewenigs Idee einer Biennale zum Thema Urban Art auch durch eine künstlerische Besonderheit in der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken. Am innerstädtischen Erholungsgebiet Staden verläuft entlang der Saar die Stadtautobahn. Unterhalb dieser Schnellstraße wurde auf der Betonwand zwischen Autobahn und Leinpfad eine 450 Meter lange Graffitifläche legalisiert, die als eine der größten zusammenhängenden legalen Sprühflächen Deutschlands gilt. Sie wurde bei zwei Meetings (2002 und 2005) von international bekannten Künstlern bemalt.[5] Einer dieser prominenten Graffiti-Künstler war der Saarbrücker Patrick Jungfleisch, Künstlername Reso. Ihn konnte Grewenig für sein Vorhaben, eine Biennale zu installieren, als Berater und Akteur gewinnen. Reso vermittelte auch die notwendigen Künstlerkontakte, da er tief in der weltweiten Urban-Art-Szene verwurzelt war.

KonzeptBearbeiten

Die UrbanArt Biennale bietet eine umfassende Darstellung der noch jungen Kunstrichtung Urban Art. Sie dokumentiert den Umbruch in dieser Kunst auf dem Weg von der Straße in die Museen. Jede Biennale ist einem speziellen Themenschwerpunkt gewidmet, seien es geografische, künstlerische oder personenbezogene Schwerpunkte. Den Kern der jeweiligen Biennale bilden umfangreiche Ausstellungen internationaler Urban-Art-Künstler, die in den riesigen Hallen und ehemaligen Arbeitsräumen wie auch im Freigelände der ehemaligen Völklinger Hütte präsentiert werden. Den zentralen Ausstellungsort der Biennale bildet in dem ehemaligen Eisenwerk die sogenannte Möllerhalle, die über eine Ausstellungsfläche von über 10.000 m² verfügt. Ihre rostbraunen Staubwände und die für Besucher begehbaren Siloeinbuchtungen erzeugen das gewünschte Spannungsverhältnis zwischen den Urban-Art-Kunstwerken und der rauen Industriearchitektur des Eisenwerks.

UrbanArt ParcoursBearbeiten

 
„Tree of life“ von Ludo (Graffito von 2015, ca. 25 m hoch)

Erstmals in der noch jungen Geschichte der Biennale wurde die zentrale Ausstellung in der Möllerhalle im Jahr 2013 um eine Open-Air-Galerie von 100.000 m² Freifläche ergänzt, den „UrbanArt-Parcours“. Das nördliche Außengelände der ehemaligen Hütte, auf dem sich die Kokerei befand, umfasst einen Freiluftbereich, „Paradies“ genannt. Bewusst und gewollt darf sich in diesem Landschaftsgarten die Natur ohne menschliche Eingriffe entfalten, so dass zwischen dem von Industriearchitektur geprägten Außenbild der monumentalen Hütte und dem von der Natur zurückeroberten Gelände ein reizvoller Spannungsbogen entstand. In dieses Umfeld montieren Urban-Art-Künstler Installationen, die in besonderer Weise mit dem naturbelassenen Standort korrespondieren und eine Synthese von Großtechnik und Natur bilden. Der „UrbanArt-Parcours“ soll im Rahmen aller zukünftigen Biennalen erweitert werden.

AusstellungenBearbeiten

2011Bearbeiten

 
Logo der Ausstellung 2011

2011 wurde erstmals eine große Ausstellung mit dem Titel Urban Art – Graffiti 21 New York, Paris, Berlin, Völklingen präsentiert. Die Präsentation in der Völklinger Hütte, damals noch kein Zentrum der Urban Art, wollte einen Überblick geben über die Vielfalt der zeitgenössischen Streetart. Als Glücksfall erwies es sich, dass zeitgleich mit der Völklinger Ausstellung die inhaltlich ähnliche und Maßstäbe setzende Präsentation Art in the streets in dem renommierten Museum of Contemporary Art, Los Angeles stattfand. Die internationale Kunstwelt – Museen, Galerien und Fachmedien – berichtete intensiv über beide Ausstellungen. Dadurch geriet Völklingen mit seinem neuen Projekt rasch in den Fokus der internationalen Kunstbeobachter.

Teilnehmende Künstler:

  • Nils Müller
  • José Parlá
  • Pius Portmann
  • Reso
  • Shok-1
  • Suso33
  • Swet
  • Tilt
  • Ata „Toast“ Bozaci
  • Stefan Winterle
  • WON ABC

2013Bearbeiten

 
Logo der Biennale 2013

„Von der Straße zur Kultur“[6] nennt Meinrad Maria Grewenig den Transformationsprozess, dem sich die erste Biennale 2013 schwerpunktmäßig widmete. Die Anfänge der Streetart – Graffiti, Urban Knitting, Adbusting u. a. – waren ursprünglich Zeichen einer wie auch immer verstandenen Protesthaltung. Sie wurden von den Besitzern der bemalten Flächen, also von privaten wie auch öffentlichen Eigentümern, als Beschädigung ihres Besitzstandes empfunden. Der Staat reagierte mit Kriminalisierung und Verfolgung der „Sachbeschädiger“. Im Laufe der Jahre hatten sich die Rahmenbedingungen dieser Kunstform nachhaltig verändert: sie wurde mobil, ortsungebunden und vom kulturellen Umfeld akzeptiert. Auch für den musealen Betrieb wurde und wird die neue Kunstrichtung interessant. Grewenig prophezeit der Urban Art, sie werde „… als Signet des beginnenden 21. Jahrhunderts museumswürdig werden. Die UrbanArt wird auf diesem Weg das Museum verändern.“[7]

Teilnehmende Künstler:

  • Indie184
  • Invader
  • JonOne
  • Augustine Kofie
  • Ludo
  • Mick La Rock
  • Mist
  • Phase2
  • Popay
  • Pro176
  • Psyckoze
  • Quik
  • Raks
  • Rammellzee
  • Remi Rough
  • Reso
  • Retna
  • Seen
  • Sen2
  • Smash137
  • Sozyone Gonzalez
  • Speedy Graphito
  • Tanc
  • Vhils

2015Bearbeiten

 
Logo der Biennale 2015

Die zweite Biennale wurde am 29. März 2015 eröffnet und endete am 1. November des gleichen Jahres. Nach wie vor war es oberstes Ziel der Biennale 2015, eine Werkschau über die internationale Urban-Art-Szene zu vermitteln. Dabei wurden diesmal auch bewusst junge Künstler, die noch nicht über die gleiche Reputation wie die Stars der Szene verfügen, eingeladen, um ihnen ein internationales Forum für ihr Schaffen zu bieten. Mit über 80 Künstlern aus 21 Ländern und sechs Kontinenten wuchs die Ausstellung gegenüber dem Jahr 2013 um das Doppelte an. Weiterhin kamen neue Räume (Stellwerke-Haus und Kohleturm) hinzu.

Mit Urban-Art-Kunstwerken aus dem arabischen Raum und insbesondere aus Ägypten setzte die Biennale 2015 erstmals einen Länderschwerpunkt.[8] Im „Arabischen Frühling“ wurden Graffiti und andere Formen der Streetart als Ausdrucksmittel des Kampfes gegen Repressionen, soziale Missstände und für eine freie Meinungsäußerung in den arabischen Staaten und besonders in Ägypten genutzt. Dies wurde in dem deutschen Dokumentarfilm Art War von Marco Wilms in beeindruckender Weise dargelegt. Weiterhin zeigte die Biennale Arbeiten, die sich mit dem Islamistischen Terrorismus und dem Anschlag von Paris („Charlie Hebdo“) auseinandersetzten.[9] Der „Parcours“ der 2015er Biennale wurde durch neue Installationen, wie beispielsweise das 25 Meter hohe Baumgraffito des französischen Künstlers Ludo, aufgewertet

Teilnehmende Künstler:

  • A1one
  • Jef Aérosol
  • Aiko
  • Alexey Luka
  • Askew One
  • Alaa Ahmed Awad
  • Ammar Abo Bakr
  • Philippe Baudelocque
  • Thomas Baumgärtel
  • Clemens Behr
  • Hendrik Beikirch
  • Ben Eine
  • Tarek Benaoum
  • Andrey Berger
  • C215
  • Thomas Canto
  • Case
  • Ceet Fouad
  • Chazme 718
  • Cone The Weird
  • Cope2 (Fernando Carlo Jr.)
  • Aaron De La Cruz
  • Curiot
  • Cyrcle.
  • Hanaa el Degham
  • Doze Green
  • el Seed
  • Eiser
  • Shepard Fairey
  • Fuego Fatal
  • Futura
  • Ganzeer
  • Anders Gjennestad
  • Yazan Halwani
  • Logan Hicks
  • Hype
  • Invader
  • Mark Jenkins
  • JonOne
  • Dave Kinsey
  • Augustine Kofie
  • L'atlas
  • Éric Lacan
  • Ludo
  • LX.One
  • M. Chat
  • Me one
  • Yassine Mekhnache
  • Morik
  • Mosko
  • Nazeer
  • OKUDA
  • Onesto
  • Poesia
  • Robert Proch
  • Raks
  • Remi Rough
  • Rero
  • Reso
  • Rime
  • Ripo
  • Seen
  • Sen2 Figueroa
  • Shoof
  • Speedy Graphito
  • Sten & Lex
  • Stohead
  • Swoon
  • Aya Tarek
  • Tasso
  • Boris Tellegen
  • Vermibus
  • VISEone
  • Nick Walker
  • WK Interact
  • YZ
  • Heiko Zahlmann

2017Bearbeiten

Die vierte Biennale fand statt vom 9. April 2017 bis zum 5. November 2017. Über 100 internationale Künstler aus 17 Ländern und vier Kontinenten zeigten insgesamt 150 Arbeiten. Ein Schwerpunkt der Biennale 2017 war das Projekt „UrbanArt 2.0“, das sich um avantgardistische Arbeiten unter Verwendung von IT-Technik dreht. Ein zweiter Schwerpunkt beleuchtete die süd- und mittelamerikanische Urban-Art-Szene in den Ländern Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Venezuela.[10] Im Rahmen der Biennale entstanden 20 ortsfeste Installationen. Zudem wurde im Verlauf der Ausstellung eine Ringvorlesung mit internationalen Fachleuten zu den aktuellen wissenschaftlichen Positionen der Urban Art angeboten.

Teilnehmende Künstler:

  • Ailas
  • Jef Aérosol
  • Bananensprayer
  • Banksy
  • Bla
  • Blade
  • Blek le Rat
  • BR1
  • Buff Monster
  • Thomas Canto
  • Chamarelli
  • Cranio
  • CT/Matteo Ceretto Castigliano
  • Curiot
  • DZIA
  • Shepard Fairey
  • FAITH XLVII
  • Les Francs Colleurs
  • Franco Fasoli
  • Anders Gjennestad
  • Herakut
  • Christian Hinz (Kera)
  • Augostino Iacurci
  • Jace
  • Jan Kaláb
  • Ian Kuali'i
  • Benjamin Laading
  • L'atlas
  • Éric Lacan
  • Layer Cake – Patrick Hartl & Christian Hundertmark (C100)
  • Levalet
  • Ludo
  • MadC
  • Mambo
  • Daniel Man
  • Melim
  • Mode 2
  • Monkey Bird
  • Stéphane Moscato
  • Nawer
  • Nevercrew
  • Nychos
  • OKUDA
  • Os Gêmeos
  • OX
  • Felipe Pantone
  • Robert Proch
  • R1
  • Reka
  • Rero
  • Reso
  • Rubin195 und Petas
  • Christoph Rode
  • Raphael Sagarra/Finok
  • SatOne/Rafael Gerlach
  • Jordan Seiler
  • Shaka
  • Smash 137
  • Stinkfish
  • Subtu
  • SWIZ
  • TANC
  • TASSO
  • Tilt
  • Vermibus
  • Vlady
  • David Walker
  • Wandapot
  • WON ABC
  • Gérard Zlotykamien
  • YZ

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): Urban Art – Graffiti 21. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-88423-372-6.
  • Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): UrbanArt Biennale 2013. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-88423-438-9.
  • Faszination Völklinger Hütte: Weltkulturerbe präsentiert UrbanArt und 60 Jahre Popgeschichte. In: Kunstraum Metropol Freiburg. Ausg. Dezember 2013.
  • Die Potenziale für die Zukunft ergreifen. Meinrad Maria Grewenig über das Museum des 21. Jahrhunderts. In: Kunstzeitung. Verlag Lindinger + Schmid, Berlin, 7. Mai 2013.
  • Völklinger Hütte: l'art urbain dans la salle des mélanges. In: Le Républicain Lorrain. Metz, 23. März 2013.
  • Aus „Schmiererei“ wird Kulturgut. UrbanArt: Erste Graffiti-Biennale in der Völklinger Hütte. In: Trierischer Volksfreund. 23. März 2013.
  • Andreas Blechschmidt (Hrsg.): Free OZ! Streetart zwischen Revolte, Repression und Kommerz. Mit Fotos von Theo Bruns. Assoziation A, Berlin 2014, ISBN 978-3-86241-424-6.
  • Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): UrbanArt Biennale 2015. 2., erg. Auflage. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2015, ISBN 978-3-88423-510-2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. UrbanArt endet mit Besucherrekord. Beitrag vom Saarländischen Rundfunk vom 6. November 2017, abgerufen am 25. Oktober 2018
  2. Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): Generation Pop! Katalog zur Ausstellung. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-88423-450-1.
  3. Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): Avant Pop. Josef Wittlich – Gemälde. Katalog zur Ausstellung. Wunderhorn-Verlag, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-88423-449-5.
  4. Meinrad Maria Grewenig (Hrsg.): Game Art. Katalog zur Ausstellung. Hatje Crantz, Ostfildern-Ruit 2003, ISBN 3-7757-9185-X.
  5. Graffitiwand an der Stadtautobahn Saarbrücken (Memento vom 5. März 2014 im Internet Archive) bei location-guide.de
  6. Grewenig: Die Kraft der UrbanArt. In: UrbanArt Biennale 2013.
  7. Grewenig: Die Kraft der UrbanArt. In: UrbanArt Biennale 2013.
  8. Esther Brenner: Die Revolution auf den Wänden. Ägyptische Graffiti-Künstler in der Völklinger Hütte. In: Saarbrücker Zeitung (Kultur) vom 13. April 2015, S. B5.
  9. Esther Brenner: Ein Mekka für Sprüher und Rapper. Völklinger Hütte eröffnet Saison mit „UrbanArt“-Schau. In: Saarbrücker Zeitung (Kultur) vom 25. März 2015, S. B4.
  10. Esther Brenner: Wenn die Bilder laufen lernen. In: Saarbrücker Zeitung vom 1./2. April 2017, Seite B4