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Karte des Mittelrheins

Das Untere Mittelrheingebiet ist eine naturräumliche Haupteinheit innerhalb der Haupteinheitengruppe Mittelrheingebiet am Mittelrhein. Sie erstreckt sich vom Rheintal unmittelbar unterhalb von Andernach bis unmittelbar oberhalb von Bonn und enthält auch Hügellandschaften beiderseits des Rheins und das Siebengebirge.

Das Untere Mittelrheingebiet liegt größtenteils in Rheinland-Pfalz, sein Norden in Nordrhein-Westfalen, und trennt den Westerwald im Osten von der Osteifel und Voreifel im Westen. Nach Norden geht es in die Niederrheinische (Kölner) Bucht über.

Inhaltsverzeichnis

Naturräumliche GliederungBearbeiten

Das Untere Mittelrheingebiet gliedert sich wie folgt (Kennziffern der unmittelbaren Rheintalabschnitte in Fettdruck):[1][2][3][4][5][6][7]

Unteres MittelrheintalBearbeiten

Das Untere Mittelrheintal ist die Tallandschaft des Mittelrheines von unmittelbar unterhalb Andernachs bis unmittelbar oberhalb Bonns. Es teilt sich in Flussrichtung des Rheins auf in die Andernacher Pforte, die Linz-Hönninger Talweitung und Honnefer Talweitung. Unter anderem aufgrund seiner ausgedehnten Talweitungen fassten die Geographen Heinrich Müller-Miny und Martin Bürgener diesen Talabschnitt einschließlich der flankierenden Hauptterrassen (Rhein-Ahr-Terrassen und Linzer Terrasse) als Mittelrheinische Bucht auf,[8][4][1] Müller-Miny unter Einbeziehung des Pleiser Hügellands und des Siebengebirges als Mittelrheinische Gebirgsbucht[9][10]. Müller-Miny und Emil Meynen schlugen vor, die Gebirgsbucht mit der Niederrheinischen (Kölner) Bucht zu einer Rheinischen Bucht zusammenzufassen, wobei ihre unterschiedliche großregionale Zuordnung zum Rheinischen Schiefergebirge einerseits und zum Norddeutschen Tiefland andererseits unberührt bliebe.[11][12]

Andernacher PforteBearbeiten

Die linksrheinisch im Landkreis Mayen-Koblenz und rechtsrheinisch im Landkreis Neuwied (beide Rheinland-Pfalz) gelegene Andernacher Pforte ist das Durchbruchstal des Rheins durch die von Quarzit und Schiefer gebildeten Ränder des Neuwieder Beckens zum Unteren Mittelrheintal. Es umfasst den gerade einmal 5 km langen und eingangs gerade 1 km, im Inneren stets unter 4 km breiten Rheinabschnitt von unmittelbar unterhalb Andernachs bis Niederhammerstein.

Nach Westen grenzt die Pforte an das Laacher Kuppenland, das weiter westlich durch die Ettringer Vulkankuppen fortgesetzt wird und den Übergang in die Hocheifel einleitet; nach Osten grenzt im südlichen Rhein-Wied-Rücken unmittelbar ein Teil des Niederwesterwaldes an.

Linz-Hönninger TalweitungBearbeiten

Die Linz-Hönninger Talweitung stellt das Rheintal oberhalb Brohl-Lützings über Bad Hönningen, Bad Breisig, Sinzig, Linz und Remagen bis nach Unkel dar. Sie liegt linksrheinisch im Landkreis Ahrweiler und rechtsrheinisch im Landkreis Neuwied (beide Rheinland-Pfalz) und ist etwa 22 km lang bei einer Breite von 1,5 bis 3,5 km; gegen Ende, im Norden von Unkel, verengt sie sich auf etwa 800 m. Linksrheinisch beinhaltet die Talweitung die fruchtbare Ebene der Goldenen Meile.

Linksrheinisch schließen sich die Rhein-Ahr-Terrassen an, die durch das Ahrmündungstal der oberhalb von Sinzig mündenden Ahr geteilt werden und sich unterhalb derer an der zur Niederrheinischen Bucht abflachenden, nordöstlichen Osteifel merklich verbreitern.

Rechtsrheinisch stößt das Tal im Süden direkt an den nördlichen Rhein-Wied-Rücken als Teil des Niederwesterwaldes, während sich ab Hönningen die Linzer Terrassen vor den Rheinwesterwälder Vulkanrücken (ebenfalls Niederwesterwald) schieben.

 
Blick auf die Honnefer Talweitung

Honnefer TalweitungBearbeiten

Die Honnefer Talweitung, auch Honnefer Bucht genannt[13][14][15], ist der etwa 5 km lange nördlichste Abschnitt des Mittelrheins vom Norden Unkels über Rheinbreitbach bis Bad Honnef (rechtsrheinisch) bzw. von Oberwinter über Rolandseck bis Rolandswerth (rechtsrheinisch), oberhalb von Bonn (Stadtbezirk Bad Godesberg). Sie kennzeichnet sich linksrheinisch durch ein bis über 100 m hohes Steilufer, dem rechtsrheinisch ein wesentlich breiterer, halbmondartig aufgeweiteter Talbereich gegenüberliegt. Linksrheinisch liegt die Talweitung fast gänzlich im Stadtgebiet von Remagen im Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) und berührt nur im äußersten Norden das Stadtgebiet Bonns (Nordrhein-Westfalen). Rechtsrheinisch liegt der Süden im Landkreis Neuwied (RP) und der Norden im Stadtgebiet Bad Honnefs im Rhein-Sieg-Kreis (NRW). Von der Engstelle im Norden Unkels, wo das Rheintal etwa 800 m breit ist, verbreitert es sich auf etwa 2 km, um sich dann wieder auf knapp 1,5 km zu verengen. Die Talweitung enthält die Nonnenwerther Stromspaltung des Rheins, der sich dort in drei (früher vermutlich vier) Arme aufspaltet und bei Stromkilometer 641,0 eine Breite von 874 m aufweist[16]. Am westlichen Rolandswerther Rheinarm liegt die Insel Nonnenwerth, am östlichen Bad Honnefer Altarm die Insel Grafenwerth.[17]

Linksrheinisch wird das Tal von den Rhein-Ahr-Terrassen begleitet, die nach Norden hin zum Eingang der Kölner Bucht, dem Godesberger Rheintaltrichter, abflachen und schrittweise vor ihr zurückweichen.

Rechtsrheinisch schließen sich im Süden die Linzer Terrassen an, östlich davon der vereinzelt als Honnefer Terrassenhügel bezeichnete nordwestliche Rand des Rheinwesterwälder Vulkanrückens (Niederwesterwald). Östlich grenzt die Honnefer Talweitung fast nahtlos an das Siebengebirge, das zum Unteren Mittelrheingebiet gezählt wird.

LiteraturBearbeiten

  • Emil Meynen, Josef Schmithüsen (Hrsg.): Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960). [4./5. Lieferung 1959, S. 427–431; Autor: Heinrich Müller-Miny]
  • Einzelblätter 1:200.000:
  • Heinrich Müller-Miny: Das Mittelrheingebiet und seine naturräumliche Gliederung. In: Bundesanstalt für Landeskunde (Hrsg.): Berichte zur Deutschen Landeskunde. 21. Band, 2. Heft (September 1958), Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1958, S. 193–233
  • Emil Meynen: Die Städtelandschaft am Austritt von Rhein und Sieg in die Kölner Tieflandsbucht. In: Institut für Landeskunde (Hrsg.): Die Mittelrheinlande. Festschrift zum XXXVI. Deutschen Geographentag vom 2. bis 5. Okt. 1967 in Bad Godesberg. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1967, S. 150–283 (hier: Karte 1, Entwurf: Emil Meynen, Heinrich Müller-Miny).
  • Rolf Dietrich Schmidt: Das Untere Mittelrheintal. In: Institut für Landeskunde (Hrsg.): Die Mittelrheinlande. Festschrift zum XXXVI. Deutschen Geographentag vom 2. bis 5. Okt. 1967 in Bad Godesberg. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1967, S. 197–207.

Online-QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Ewald Glässer: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 122/123 Köln/Aachen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1978. → Online-Karte (PDF; 8,7 MB)
  2. Heinz Fischer: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 124 Siegen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1972. → Online-Karte (PDF; 4,1 MB)
  3. Heinz Fischer, Richard Graafen: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 136/137 Cochem. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1974. → Online-Karte (PDF; 5,6 MB)
  4. a b Heinrich Müller-Miny, Martin Bürgener: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 138 Koblenz. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1971. → Online-Karte (PDF; 5,7 MB)
  5. Die Blätter 124 Siegen von 1972 (betrifft 292.11) und 138 Koblenz von 1971 (betrifft 292.00 [hier nur in der Übereinheit 292.0 Laacher Vulkane] und 292.11 [hier: 292.101 Linz-Hönninger Talweitung]) haben je nur minimale Randanteile – lediglich 292.10 [hier: 292.100 Andernacher Pforte] liegt fast komplett auf Blatt Koblenz.
  6. Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise)
  7. Landschaftssteckbrief der Großlandschaft 29 Mittreltheingebiet des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  8. Heinrich Müller-Miny: Das Mittelrheingebiet und seine naturräumliche Gliederung. In: Bundesanstalt für Landeskunde (Hrsg.): Berichte zur Deutschen Landeskunde. 21. Band, 2. Heft (September 1958), Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1958, S. 193–233 (hier: S. 212–230).
  9. Heinrich Müller-Miny: Betrachtungen zur naturräumlichen Gliederung. In: Institut für Landeskunde (Hrsg.): Berichte zur Deutschen Landeskunde. 28. Band, 2. Heft (März 1962), Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung, Bad Godesberg 1962, S. 258–279 (hier: 271).
  10. Institut für Landeskunde (Hrsg.); Heinrich Müller-Miny (Bearb.): Geographisch-landeskundliche Erläuterungen zur Topographischen Karte 1:50000. 1. Lieferung, Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung, Bad Godesberg 1963, S. 34.
  11. Heinrich Müller-Miny: Die Abgrenzung der Kölner Bucht als geographisches Problem. In: Kurt Kayser, Theodor Kraus (Hrsg.): Köln und die Rheinlande. Festschrift zum 33. Deutschen Geographentag vom 22. bis 26. Mai 1961 in Köln, Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1961, S. 25–31.
  12. Emil Meynen: Die Städtelandschaft am Austritt von Rhein und Sieg in die Kölner Tieflandsbucht. In: Institut für Landeskunde (Hrsg.): Die Mittelrheinlande. Festschrift zum XXXVI. Deutschen Geographentag vom 2. bis 5. Okt. 1967 in Bad Godesberg. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1967, S. 150–283 (hier: Karte 1, Entwurf: Emil Meynen, Heinrich Müller-Miny).
  13. Günther Schell: Das Mittelrheingebiet und die »Goldene Meile«. In: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1984, S. 87–92. (online)
  14. Heinrich Müller-Miny: Das Mittelrheingebiet und seine naturräumliche Gliederung. In: Bundesanstalt für Landeskunde (Hrsg.): Berichte zur Deutschen Landeskunde. 21. Band, 2. Heft (September 1958), Selbstverlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1958, S. 193–233 (hier: S. 217, 219).
  15. Hans-Eckart Joachim: Unter unseren Füßen: Neue Spuren alter Besiedlung. In: Bruno P. Kremer (Hrsg.): Das Siebengebirge. Wienand Verlag, Köln 2002, ISBN 3-87909-770-4, S. 37–43 (hier: S. 43).
  16. Cläre Pelzer: Lage und Relief der Stadt Bad Honnef am Rhein. In: August Haag (Hrsg.): Bad Honnef am Rhein. Beiträge zur Geschichte unserer Heimatgemeinde anläßlich ihrer Stadterhebung vor 100 Jahren. Verlag der Honnefer Volkszeitung, Bad Honnef 1962, S. 5/6.
  17. Robert Jasmund: Die Arbeiten der Rheinstrom-Bauverwaltung 1851-1900. Halle a.S. 1900, S. 102. (online PDF; 1,3 MB)