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Unruh (Adelsgeschlecht)

Adelsgeschlecht

Familienname UnruhBearbeiten

Den Familiennamen Unruh (auch Unruhe, Unrug) gibt es mehrfach. Ein erster Überblick, auch über mögliche Begriffsbedeutungen, findet sich unter Unruh.

Die Familie von Unruh aus Franken und AltbayernBearbeiten

 
Wappen der fränkischen Unruh nach Johann Siebmacher

GeschichteBearbeiten

Diese Familie von Unruh hat offenbar ihren Ursprung im fränkischen bzw. egerländischen Raum und ist auch in Altbayern anzutreffen.

Die Familie von Unruh findet sich u. a. in Reuth bei Erbendorf in der Oberpfalz. Nachdem das Adelsgeschlecht der Trautenberger von 1337 bis 1601 Besitzer der Burg bzw. der Gutsherrschaft Reuth war, ging der Besitz 1602 durch Heirat an Georg Friedrich von Unruh über und gelangte an die verwandte Familie der Sparnecker (in Reuth 1628–1744).

WappenBearbeiten

Das Wappen ist waagrecht geteilt. In der oberen Hälfte sind zwei rote Schrägbalken auf silbernem Grund. In der unteren Hälfte ist eine silberne Lilie auf rotem Grund. Die Helmzier zeigt einen Frauenrumpf in Rot mit wehendem goldenen Haar und einer silbernen Lilie auf dem Kopf.

Die Familie von Unruh aus Schlesien und SachsenBearbeiten

 
Wappen der sächsischen Unruh
 
Wappen der schlesischen Unruh
 
Gemehrtes freiherrliches Wappen
 
Ordensschild für Johann Wilhelm Freiherr von Unruh in der Kirche von St. Georgen

GeschichteBearbeiten

Die Übereinstimmungen im schlesischen und sächsischen Wappen legen eine Stammesverwandtschaft der Familien nahe. Im 17. Jahrhundert wurde der Name der Familienmitglieder im großpolnischen Raum als Unrug polonisiert.

Hans Siegmund von Unruh (1644–1694) aus der Linie Wendtstadt-Linden gilt als Begründer der freiherrlichen Linie. Seinem Sohn Johann Wilhelm von Unruh (1668–1728) gehörte das Rittergut Wągroda (Wendstadt, Kreis Guhrau). Die Wappenbestätigung zur Erhebung in den böhmischen Herrenstand erfolgte am 14. Januar 1719 durch Kaiserlichen Kanzlei in Wien. 1641 gründete der Starost von Gnesen, Christoph von Unruh, die Exulantensiedlung Unruhstadt. Freiherr Johann Wilhelm von Unruh, Kaiserlicher Obrist, findet sich mit einem Ordensschild von 1711 als Mitglied im Roten Adler Orden in der Ordenskirche St. Georgen in Bayreuth.

Alfons Władysław von Unruh, ein Handelsunternehmer aus Posen, erhielt am 2. Juni 1902 den Titel des Barons zugesprochen. Mehrere Familienangehörige finden sich in der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg als politische Gefangene und Häftlinge von Konzentrationslagern, darunter Karol Wojciech von Unruh als Hauptmann der Artillerie in der Polnischen Armee.

Ein weiterer Zweig kam nach Ostpreußen.[1]

Heutige Namensträger im polnischen Raum leben überwiegend in Posen. Ein Familienverein der Freiherren und Herren von Unruh, Unruhe und Unrug ist in Berlin Charlottenburg registriert.

WappenBearbeiten

Das Wappen zeigt einen roten Löwen auf goldenem Schild. Als das Vorbild des Löwen kommen verschiedenste hochadelige Dynastien in Betracht. Nach Siebmachers Wappenbuch unterscheiden sich die sächsischen und die schlesischen Wappen lediglich in der Helmzier, was verwandtschaftliche Beziehungen nahelegt. Eine Helmzier stellt einen Mühlstein dar mit aufgestellten Pfauenfedern in Rot, Gold und Silber. An den Seiten des Stein befindet sich jeweils eine rote Tatze.

Das gemehrte freiherrliche Wappen ist geviert. Die Felder 1 und 4 zeigen jeweils in Rot einen halben silbernen Adler am Spalt. Die Felder 2 und 3 sind rot-schwarz gespalten. Der Herzschild zeigt das ursprüngliche Familienwappen mit dem Löwen. Es gibt drei Helme: Die erste Helmzier besteht aus drei Straußenfedern, einer goldenen zwischen zwei roten. Die zugehörigen Helmdecken sind rot-golden. Die zweite Helmzier zeigt einen silbernen Anker mit schwarz-roten Helmdecken. Die dritte Helmzier ist ein silberner Spielwürfel zwischen roten und schwarzen Hörnern.

Bekannte FamilienmitgliederBearbeiten

Weitere Familien in Thüringen und BöhmenBearbeiten

Der adelige Familienname Unruh taucht erstmals in Thüringen auf (siehe auch Liste thüringischer Rittergeschlechter). So übertragen 1310 die Grafen von Beichlingen in Gebendorph dem Kloster Capelle das freie Eigentum an mehreren Lehngütern der Gebrüder v. Unruh. Offenbar existiert auch noch eine Familie von Unruh in Böhmen.

Bekannte FamilienmitgliederBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. Bd. XIV AA: 1977, S. 451, 487–489 (Genealogisches Handbuch des Adels, Bd. 66).
  • Tomasz Lenczewski: Genealogie utytułowanych rodów w Polsce (Archiwum Autora). (Polnisch)
  • Konrad Max V. Unruh: Die Unrugher. Versuch eines Anfanges zur Stoffsammlung für die Unruh'sche Familiengeschichte. Dünnhaupt, Cöthen i. A. 1906. Digitalisat.
  • Die Wappen des böhmischen Adels. Bearbeitet v. Rudolf Johann Graf Meraviglia-Crivelli. J. Johann Siebmacher’s großes Wappenbuch, Bd. 30, Nürnberg 1886, S. 179, tabl. 77 i 78.
  • Historisches und genealogisches Adelsbuch des Königreichs Württemberg. S. 484 f.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Genealog. Handbuch, Band A XIV, 1977, Seite 477 ff.
  2. Genealog. Handbuch, Band A XIV, 1977, Seite 464.
  3. Genealog. Handbuch, Band A XIV, 1977, Seite 459.
  4. Genealog. Handbuch, Band A XIV, 1977, Seite 454.