Hauptmenü öffnen
Dieser Artikel ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Das besonders in historischem Kontext viel verwendete Ethnonym Turkmenen bezeichnet mit Bezug auf Vorderasien (hier: Syrien, Irak, Jordanien, die Türkei und die Westhälfte Irans) dort lebende Volksgruppen, die eine Turksprache sprechen oder sprachen. Eine veraltete Namensform ist Turkomanen. Aus den im Mittelalter als Turkmenen erwähnten Stämmen sind die heutigen Völker der Türken und Aserbaidschaner hervorgegangen. Der Name Turkmenen ist gebräuchlich geblieben für die Gruppen, die im Irak und in Syrien nicht an dieser Entwicklung beteiligt waren, sowie für Gruppen von Nomaden oder Nachkommen sesshaft gemachter Nomaden in der Türkei.

Inhaltsverzeichnis

BegriffsunterscheidungBearbeiten

Die Namen Turkmenen und Turkomanen sind seit dem Mittelalter eine Bezeichnung für unterschiedliche Gruppen, die südwesttürkische Dialekte sprechen oder sprachen und in Zentralasien und Vorderasien leben oder lebten. Konkret sind seit der Zeit des Mongolischen Reiches damit Oghusen gemeint, die den Islam angenommen hatten. Zu dieser Zeit wird der Name Oghusen ungebräuchlich und der Namen Turkmenen tritt an seine Stelle. Dieser Artikel beschäftigt sich nur mit den Turkmenen, die im Gefolge der Seldschuken oder auf der Flucht vor den Mongolen in die Länder Vorderasiens kamen, und ihren Nachkommen. Für das turksprachige Volk, das Titularnation der Republik Turkmenistan ist, aber auch in den angrenzenden Ländern Iran, Afghanistan, Usbekistan usw. vertreten ist, siehe Turkmenen (Zentralasien). Eine gewisse Verwirrung ergibt sich daraus, dass die Herrscher Irans bei ihren Vorstößen gegen die Osmanen auch turkmenische Stämme von ihrer Nordostgrenze nach Mesopotamien umsiedelten. Weiter ist zu beachten, dass die Türkei zu Zeiten der Sowjetunion Emigranten aus Zentralasien, darunter auch zentralasiatische Turkmenen, aufnahm, weshalb mit der Bezeichnung „Turkmenen“ in der Türkei sowohl einheimische Turkmenen wie diese Emigranten gemeint sein können.

SpracheBearbeiten

Die Sprache der Turkmenen wird vielfach als südaserbaidschanischer Dialekt eingestuft, aber auch dem Türkei-Türkischen zugeordnet. Diese Indifferenz ist allgemein den großen Gemeinsamkeiten aller Turksprachen geschuldet, im Besonderen spielt es eine Rolle, dass sich das Aserbaidschanische erst mit Beginn der Neuzeit als eigene Schriftsprache entwickelte. Während sich Türkisch und Aserbaidschanisch als Schriftsprachen trotz ihrer Ähnlichkeit deutlich unterscheiden, ist die Situation auf Dialektebene oft verwirrend. Manche der Dialekte des Türkischen weisen zur Schriftsprache ähnlich gravierende oder gravierendere Unterschiede auf als die aserbaidschanische Schriftsprache[1][2]. Als Schriftsprache verwenden die syrischen und irakischen Gemeinden heute das Türkei-Türkische.

Anzahl und SiedlungsgebietBearbeiten

Als Minderheiten sind die Turkmenen mit zwei Millionen im Irak vor allem in den Provinzen Ninive, Erbil, Kirkuk, Salah ad-Din und Diyala ansässig, wobei speziell Kirkuk als „turkmenische Stadt“ beansprucht wird. In Syrien wird ihre Anzahl auf etwa 500.000 geschätzt, wobei vor allem in der Gegend um Hama, Homs, Idlib und Aleppo turkmenische Dörfer liegen sowie in der „Bayir-Bucak“ genannten Gegend nordöstlich der Hafenstadt Latakia.

Eine kleine turkmenische Minderheit (6.100) ist auch in Jordanien beheimatet.

TürkeiBearbeiten

Bestimmte Volksgruppen in der Türkei bezeichnen sich selbst als „Turkmenen“ (türk: Türkmenler), worunter tribal lebende Nomaden bzw. ihre sesshaften Nachkommen gemeint sind, die die Traditionen weiterführen. Zum Teil werden auch noch Stammesnamen aus vorislamischer Zeit, wie die der Çepni und Avşar geführt, die schon bei Mahmud al-Kāschgharī erwähnt sind. Eine Abgrenzung von bzw. eine Zugehörigkeit zu den in ähnlichen Lebensverhältnissen stehenden Yörük ist umstritten. Es wird vermutet, dass die Unterschiede in der Benennung auf eine unterschiedliche administrative Stellung der Turkmenen und der Yörük zur Zeit des osmanischen Reiches zurückgeht. Die Turkmenen der Türkei sprechen türkisch[3].

Rund 150.000 „anatolische Turkmenen“ leben in der Provinz Gaziantep in den Landkreisen Oğuzeli, Nizip und Karkamış sowie in der Provinz Şanlıurfa in den Landkreisen Birecik und Halfeti. Diese Gegend wird Barak Ovası (dt. Barak-Ebene) genannt, und die Turkmenen werden dort als Barak Türkmenleri bezeichnet. Des Weiteren gibt es eine große turkmenische Gemeinde in der Provinz Çorum in den Dörfern zwischen den Landkreisen Iskilip und Çorum. Im türkischen Sprachgebrauch wird die Gegend Dedesli Ovası (dt. Dedesli-Ebene) genannt.

ReligionBearbeiten

Turkmenen sind überwiegend sunnitische oder alevitische Muslime. In Syrien gibt es auch schiitische Gemeinden.

Im 15. Jahrhundert gründeten die turkmenischen Stammesverbände der Akkoyunlu und der Karakoyunlu sowohl ein sunnitisch und als auch ein schiitisch geprägtes Nomadenreich.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ahmet Caferoğlu: Die anatolischen und rumelischen Dialekte in: Jean Deny et al. (Hrsg.): Philologiae Turcicae Fundamenta Tomus Primus[: Turksprachen]. Steiner, Wiesbaden, 1959, S. 239–260
  2. Gerhard Doerfer: Das Gagausische in: Jean Deny et al. (Hrsg.): Philologiae Turcicae Fundamenta Tomus Primus[: Turksprachen]. Steiner, Wiesbaden, 1959, S. 262, Anmerkung 1
  3. Peter A. Andrews: Ethnic groups in the Republic of Turkey L. Reichert, Wiesbaden 1989, ISBN 3-88226-418-7, Band 1, S. 63–68