Tiszaeszlár

Gemeinde in Ungarn

Tiszaeszlár, veraltet auch Tisza-Eszlár, ist eine zum Kreis Tiszavasvári gehörende Gemeinde im Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg. Der kleine, bäuerliche Ort wurde im 19. Jahrhundert bekannt im Zusammenhang mit der Affäre von Tiszaeszlár.

Tiszaeszlár
Wappen von Tiszaeszlár
Tiszaeszlár (Ungarn)
Tiszaeszlár
Basisdaten
Staat: Ungarn
Region: Nördliche Große Tiefebene
Komitat: Szabolcs-Szatmár-Bereg
Koordinaten: 48° 2′ N, 21° 27′ OKoordinaten: 48° 2′ 3″ N, 21° 27′ 27″ O
Fläche: 54,51 km²
Einwohner: 2.575 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte: 47 Einwohner je km²
Postleitzahl: 4464
Struktur und Verwaltung (Stand: 2019)
Gemeindeart: Gemeinde
Bürgermeister: László Vajda (unabhängig)
Website:

LageBearbeiten

Tiszaeszlár liegt südöstlich von Tokaj, am östlichen Ufer der Theiß. Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn: Tiszanagyfalu im Norden, Nyírtelek im Osten, Nagyczerkesz im Südosten, Tiszalök im Süden, Tiszaladány im Westen. Ein kleiner Teil von Tiszaeszlár grenzt direkt an das Gebiet des jenseits von Theiß und Bodrog im Nordwesten gelegene Tokaj.

Herkunft des NamensBearbeiten

Der Name Tiszaeszlár ist zusammengesetzt aus Tisza, dem ungarischen Namen der Theiß, und dem eigentlichen Ortsnamen Eszlár – dieser zweite Teil scheint ursprünglich turksprachlicher Herkunft zu sein mit der typisch turksprachlichen Pluralbildung auf „-lar“, auch in den ältesten überlieferten Namensformen Azlar, Uzlar, Ozslar. Die Bedeutung des Grundworts, zu dem dieser Plural gebildet wird, ist umstritten. Es könnte sich auf eine Teilgruppe der Alanen beziehen, die als Os (vgl. auch den Namen der Osseten), As oder Jász in verschiedenen Zusammenhängen erscheinen.[1]

GeschichteBearbeiten

Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1220. Bis 1261 war es ein Anwesen der Kirche in Eger, bis es vom Bischof von Eger für die Ländereien von Sándor Karászi bei Eger abgelöst wurde. Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert befanden sich mehrere Familien im Besitz des Ortes (Biri, Doby, Lónyay, Sztritey, Újfalussy, Tatay, Tschernel, Péchy, Ibrányi, Teleky, Zoltán). Zu Beginn des 17. Jahrhunderts siedelte István Bocskai im entvölkerten Ort mit nur noch 49 Einwohnern Heiducken an. Aufgrund der Überschwemmungen der Theiß begann 1858 der Bau von Újfalu (=„Neudorf)“, südlich vom alten Eszlár, heute Ófalu (=„Altdorf“).

1882 gelangte Tiszaészlar in den Fokus der ungarischen und der internationalen Öffentlichkeit im Zusammenhang mit antisemitischen Ritualmordunterstellungen wegen eines verschwundenen und später aufgefundenen Mädchens (das in Wirklichkeit offenbar ertrunken war). Die Affäre von Tiszeszlár wurde und wird bis heute sowohl von Antisemitismusgegnern als auch von Antisemiten prominent wahrgenommen und thematisiert. In Tiszaeszlár wurde in den letzten Jahren ein Gedenkstein für das vermeintliche Mordopfer, Eszter Solymosi, aufgestellt. Der durch wiederholte antisemitische Ausfälle bekannte rechte Politiker István Csurka und mehrere 100 Anhänger der MIÉP versammelten sich hier am 11. September 2003 zum öffentlichen Gedenken. Bürgermeister von Tiszeszlár war von 2014 bis 2019 Tibor Barnabás Nagy, Vorsitzender der MIÉP. Der Ort galt bis zur Wahl des neuen unabhängigen Bürgermeisters allgemein als „letzte Bastion der MIÉP“.[2]

BevölkerungszusammensetzungBearbeiten

Im Jahr 2001 gaben 96 % der Bevölkerung der Siedlung an, ungarisch zu sein, und 4 % gaben an, Roma zu sein.[3]

PersönlichkeitenBearbeiten

  • István Török (* 1. Dezember 1904), reformierter Theologe und Professor.
  • András Skarbit (* 7. November 1925), Arbeiter, bekannt aus dem Werk des Fotografen Péter Korniss (The Guest Worker)[4]

LiteraturBearbeiten

  • Kovalovszki Júlia: Településásatások Tiszaeszlár-Bashalmon: Bronzkor, III.-IV. és XI-XIII. század (Fontes archaeologici Hungariae)

WeblinksBearbeiten

Commons: Tiszaeszlár – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

FußnotenBearbeiten

  1. Vgl. Gyula Kristo: Nichtungarische Völker im mittelalterlichen Ungarn. Gabriele Schäfer Verlag. Herne 2008, S. 258. Kristo stellt die Jász freilich den Alanen gegenüber und geht von Streusiedlung der Jász bereits in den 100 Jahren vor der eigentlichen Einwanderung aus.
  2. Siehe https://szabolcsihir.hu/helyben-jaro/2019/10/tiszaeszlar-utolso-bastyajat-is-elvesztette-a-miep
  3. A 2001-es népszámlálás nemzetiségi adatsora
  4. Siehe https://www.worldpressphoto.org/collection/photo/1986/34334/1/1986-Peter-Korniss-DLS2-AJ mit Foto von Skarbit