Hauptmenü öffnen

They Shall Not Grow Old

Dokumentarfilm von Peter Jackson

They Shall Not Grow Old ist ein dokumentarischer Film von Peter Jackson über den Ersten Weltkrieg, der am 16. Oktober 2018 im Rahmen des London Film Festivals seine Premiere feierte. Jackson verwendete hierfür historisches Filmmaterial, das er kolorierte und dem er Stimmen hinzufügte. Die Fernsehpremiere war am 11. November 2018 auf BBC Two. In den USA lief der Film am 17. Dezember 2018 in den Kinos an.

Filmdaten
OriginaltitelThey Shall Not Grow Old
ProduktionslandVereinigtes Königreich, Neuseeland
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2018
Länge99 Minuten
Stab
RegiePeter Jackson
ProduktionPeter Jackson, Clare Olsen
SchnittJabez Olsen

Inhaltsverzeichnis

Inhalt und AufbauBearbeiten

 
Der Film ist Peter Jacksons eigenem Großvater gewidmet, der von 1910 bis 1919 im 2nd South Wales Borderers Infantry Regiment diente, und greift auf Filmmaterial aus Archiven des Imperial War Museums und Tonaufnahmen der BBC zurück

Der Film zeigt britische Soldaten während des Ersten Weltkrieges und spannt einen Bogen vom Ausbruch der Feindseligkeiten über das Kriegsgeschehen auf den Schlachtfeldern in Belgien bis hin zum Waffenstillstand von 1918.[1]

Die ersten 20 Minuten des Films zeigen Kriegsvorbereitungen in Schwarz-Weiß-Bildern, eingerahmt von einem kleinen zentralen Rechteck, das sich nach und nach erweitert. Letztlich füllt dieses den gesamten Bildschirm und verwandelt sich zu vollständig koloriertem Bildmaterial.[1] Die Farbpalette bedient sich ab diesem Punkt Erd- und Militärgrüntönen, ein Übergang, der Guy Lodge von Variety an einen Moment in dem Film Der Zauberer von Oz erinnert.[2] Im Folgenden zeigt der Film Frontsoldaten während der erbitterten Grabenkämpfe in den Jahren 1914 bis 1918, aber auch in Alltagssituationen, in denen sich die Männer die Zeit vertreiben, lachen und singen, um sich von den Wirren des Krieges abzulenken.[3] Wenn sich die Aktion von England nach Flandern verschiebt, verdunkele sich die Stimmung des Films, so Stephen Dalton von The Hollywood Reporter, wenn sich die Waffenbrüder in dreckigen Schützengräben wiederfinden, in denen es von Ratten wimmelt und in denen Senfgas die geringste Sorge der Soldaten ist. Deutsche Kugeln, Granaten und Minen entwickelten sich in diesen Momenten zu einer konstanten Hintergrundmusik/Geräuschkulisse, während die Erzählung die Gestalt eines echten Horrorfilms annehme, so Dalton.[1]

Der Film ist Peter Jacksons eigenem Großvater gewidmet, der von 1910 bis 1919 im 2. South Wales Borderers Infanterieregiment diente.[1]

ProduktionBearbeiten

„Die Männer auf den Bildern sind genau wie wir. Wenn man erst mal diesen komischen Charlie-Chaplin-Schwarz-Weiß-Look los ist, sieht man: Die Leute sind genauso wie heute. Das sollte einen nicht überraschen, 100 Jahre sind keine sehr lange Zeit. Aber es fällt auf, wie menschlich sie sind.“

Anlässlich des 100. Jahrestages des Endes des Ersten Weltkriegs restaurierte und kolorierte Peter Jackson Aufnahmen von der Westfront und fügte dem Filmmaterial Stimmen hinzu. Die Aufnahmen wurden zudem geschärft und in 3D konvertiert. Neben Tagebüchern und Briefen für das Voice-over hatte Jackson auch die Arbeit von Lippenlesern in Anspruch genommen, die herausfinden konnten, was die Männer tatsächlich sagten[5], und so die vorhandenen Gesprächsbeiträge den einzelnen Rednern zuordneten.[1] Die Dialoge wurden anschließend von Schauspielern eingesprochen.[4] Zudem wurde der Sound des Films verbessert.[6] Die Tonaufnahmen stammen von der BBC[1], das Filmmaterial aus Archiven des Imperial War Museums.[5]

Der Titel They Shall Not Grow Old wurde dem patriotischen Gedicht For the Fallen (englisch „Für die Gefallenen“) von Laurence Binyon entnommen.[5] Gleichzeitig nimmt er damit auf die im Krieg verstorbenen, gerade einmal 15 oder 16 Jahre alten Soldaten Bezug, die im Abspann des Films erwähnt werden.[1] Jackson widmete den Film seinem eigenen Großvater, der von 1910 bis 1919 im 2. South Wales Borderers Infanterieregiment diente. Bei der Premiere in London sagte der Regisseur: „Mein Opa ist 1940 gestorben, ich habe ihn also nie kennengelernt, aber mein Vater hat mir viele Fragen über ihn beantworten können. Noch geht so etwas, aber in zehn, zwanzig Jahren wird das wahrscheinlich nicht mehr möglich sein. Ich möchte bloß eines sagen, was ich nach meinen persönlichen Erfahrungen wichtig finde: Wenn ihr Eltern und Großeltern habt, deren Eltern im Ersten Weltkrieg waren – fragt sie aus.“[4]

Neben Peter Jackson wurde der Film von Clare Olsen im Auftrag von 14-18 NOW produziert, einer Kunstakademie, die anlässlich des 100. Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkrieges gegründet wurde.[1] Den Filmschnitt übernahm Jabez Olsen, als VFX Supervisor fungierte Wayne Stables von Weta Digital. Gemeinsam verwendeten Jackson und sein Team mehr als 600 Stunden Filmmaterial.[1] Die musikalische Untermalung des Films stammt von Plan 9.[7]

Nach der Vorstellung eines ersten Trailers[8] feierte der Film am 16. Oktober 2018 im Rahmen des London Film Festivals in Anwesenheit von Prince William seine Premiere.[9] Vom 25. bis zum 29. Oktober 2018 hatten Besucher in London zudem Gelegenheit, den Film kostenlos im Imperial War Museum anzuschauen.[10] Am 11. November 2018, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, wurde der Film auf BBC Two [6] und vom 9. bis 11. November in ausgewählten Kinos in 3D und 2D gezeigt.[8] Im Vereinigten Königreich ist eine Freigabe ab 15 Jahren vorgesehen, womit einige der britischen Soldaten, die am Ende des Ersten Weltkriegs eingezogen wurden, jünger waren.[7] Zudem sollen Kopien des Films Schulen im Vereinigten Königreich zu Bildungszwecken zu Verfügung gestellt werden.[1][2]

Im Herbst 2018 kündigte Jackson an, auch einige seiner früheren Filme wie Meet the Feebles und Braindead in verbesserter Qualität neuveröffentlichen zu wollen.[11]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

Der Film stieß bislang auf die Zustimmung von 98 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes und erreichte hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 8,7 der möglichen 10 Punkte.[12]

Peter Bradshaw vom Guardian beschreibt Peter Jacksons Film als eine elektrisierende Reise in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Vor den Augen des Betrachters kehrten die Soldaten zu einem unheimlichen, hyperrealen Leben zurück, wie Geister oder Gestalten, die in einer Seance heraufbeschworen werden. Die Gesichter seien unvergesslich, und die Farbgebung und alles andere sei eine Art Entfremdungsschock-Taktik und ein Mittel daran zu erinnern, dass hier echte Menschen gezeigt werden.[5]

Guy Lodge von Variety erklärt, Jackson habe an dem Material des Imperial War Museums die gleiche digitale Zauberei angewandt, die er nutzte, um Tolkiens Mittelerde Wirklichkeit werden zu lassen, und habe so eine Realität Wirklichkeit werden lassen, die kurz vor dem Verschwinden steht: „Die kollektive Erfahrung der britischen Soldaten an der Front, vom Gung-ho-Geist der Rekrutierung bis hin zur totalen Erschöpfung der PTBS.“ Jacksons Interesse liege nicht darin, neue Informationen zu entdecken, sondern darin, dem was wir bereits kennen, neue Dimensionen der Vertrautheit hinzuzufügen, so Guy Lodge. Es gehe ihm nicht um historische Daten und Meilensteine und politische Prozesse, sondern um den alltäglichen, vor Ort stattfindenden Wandel der Stimmung und der Moral unter den Soldaten über vier sehr lange Jahre hinweg, was in Schulbüchern eher vernachlässigt werde, so Lodge. Statt der Erwähnung der Begriffe „Triple Entente“ oder „Vertrag von Versailles“ zeige der Film Erinnerungen an die mit Urin aufgeweichten, schweren Stiefel und die Gefahren durch Ratten und Läuse in den Schlachten. Auch Lodge fallen in seiner Kritik besonders die rekonstruierten Gesichter des Films ins Auge, die in den Archiven fast ununterscheidbar verschwommen geworden waren und nun von Charakter geprägt und von Sorgenfalten gezeichnet, den Terror, aber auch eine gelegentliche Heiterkeit spiegelten.[2]

Stephen Dalton von The Hollywood Reporter merkt an, Jackson erspare dem Zuschauer kein blutiges Detail, wie die Leichen junger Männer, die aufgedunsen im Schlamm liegen und von Fliegen besiedelt sind. Auch wenn mancher Kritiker einwenden mag, dass Jackson reale Ereignisse glättet und übergeht, indem er sich auf Details konzentriert und keine breiteren soziopolitischen Kommentare zum Krieg liefert, sei dem Regisseur ein eindringlicher Film über die Erfahrungen britischer Soldaten aus erster Hand gelungen und eine durchweg ansprechende Lektion dafür, wie man die Vergangenheit lebendig werden lässt, so Dalton.[1]

Marion Löhndorf von der Neuen Zürcher Zeitung schreibt in ihrer Kritik, das Ergebnis sei phänomenal, spricht von einem Lazarus-Effekt und erklärt: „In Peter Jacksons Film bleiben die Szenen der Kriegsvorbereitung und des Zivillebens grau. Der Tod erscheint in Farbe.“ Bei aller experimentellen Chuzpe fügt sich They Shall Not Grow Old nahtlos in eine britische Erinnerungskultur, die dem Great War von jeher einen hohen Stellenwert beimaß, so Löhndorf weiter. Jackson konzentriere sich auf die Erfahrung der einfachen Soldaten an der Westfront, viele davon im Teenageralter, zeige dabei aber nicht nur das Grauen, sondern auch Situationen, in denen gelacht wurde, auch wenn es nichts zu lachen gab.[13]

Kommerzieller ErfolgBearbeiten

In Großbritannien wurde der Film anlässlich des London Film Festivals in ausgewählten Kinos gezeigt und konnte dabei einen beachtlichen Erfolg verzeichnen: Bei einer Veröffentlichung in 247 Kinos spielte They Shall Not Grow Old an nur einem Tag umgerechnet 730.000 US-Dollar ein.[10] Auch in den USA entwickelte sich der Film zu einem ungeahnten finanziellen Erfolg[14] und spielte dort an seinem Startwochenende mehr als 10 Millionen US-Dollar ein.[15] Insgesamt belaufen sich die weltweiten Einnahmen aus Kinovorführungen auf über 15 Millionen US-Dollar.[16]

AuszeichnungenBearbeiten

British Academy Film Awards 2019

London Critics’ Circle Film Awards 2019

  • Nominierung als Documentary Of The Year[17]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k Stephen Dalton: 'They Shall Not Grow Old': Film Review. In: The Hollywood Reporter, 16. Oktober 2018.
  2. a b c Guy Lodge: London Film Review: Peter Jackson’s 'They Shall Not Grow Old'. In: Variety, 16. Oktober 2018.
  3. https://video.tagesspiegel.de/weltkriegs-alltag-in-3-d-they-shall-not-grow-old.html
  4. a b c Archivaufnahmen von der Front in 3D: Peter Jacksons neuer Film führt in Schützengräben des Ersten Weltkriegs. In: Stern Online. Abgerufen am 18. Oktober 2018.
  5. a b c d Peter Bradshaw: They Shall Not Grow Old review – Peter Jackson's electrifying journey into the first world war trenches. In: The Guardian, 16. Oktober 2018.
  6. a b Gabriella Geisinger: They Shall Not Grow Old release date: Cast, plot, trailer and more on World War I movie. In: express.co.uk, 17. Oktober 2018.
  7. a b Fionnuala Halligan: 'They Shall Not Grow Old': London Review. In: screendaily.com, 16. Oktober 2018.
  8. a b In Farbe und 3D: Peter Jackson zeigt Aufnahmen aus 1. Weltkrieg, die Sie so noch nie gesehen haben. In: Focus Online, 10. Oktober 2018.
  9. https://www.dailymail.co.uk/femail/article-6282983/Prince-William-attends-Shall-Not-Grow-Old-premiere-Pippa-Middleton-gives-birth.html
  10. a b Joana Müller: „Atemberaubend“: Neuer Peter Jackson-Film nach Riesenerfolg doch in Deutschland? In: moviepilot.de, 18. Oktober 2018.
  11. Lange beschlagnahmt: Der beste Splatterfilm aller Zeiten wird wohl endlich ungeschnitten rauskommen. In: Focus Online, 23. Oktober 2018.
  12. They Shall Not Grow Old. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 31. Januar 2019. Anmerkung: Das Tomatometer gibt an, wie viel Prozent der von Rotten Tomatoes anerkannten Kritiker dem Film eine positive Bewertung gegeben haben.
  13. Marion Löhndorf: Nun reden die Soldaten: Peter Jackson verleiht Filmdokumenten aus dem Ersten Weltkrieg neues Leben. In: Neue Zürcher Zeitung, 10. November 2018.
  14. http://www.filmstarts.de/nachrichten/18523336.html
  15. https://www.boxofficemojo.com/movies/?id=theyshallnotgrowold.htm
  16. https://www.boxofficemojo.com/movies/?page=main&id=theyshallnotgrowold.htm
  17. Rich Cline: The Favourite leads nominees for CC Film Awards. In: criticscircle.org.uk, 18. Dezember 2018.