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Theologische Fakultät der Universität Zürich

Die Theologische Fakultät Zürich ist Teil der Universität Zürich. Sie bietet theologische und religionswissenschaftliche Studiengänge an und verfügt über dreizehn Lehrstühle, eine Assistenzprofessur und eine Gastprofessur.

Theologische Fakultät der Universität Zürich
Theologisches Seminar und Sitz des Dekanats der Theologischen Fakultät der Universität Zürich
Gründung 1833 (Universität)
Ort Zürich
Land Schweiz
Studenten 379 (Stand HS2017)
Professoren 14
Website Theologische Fakultät der Universität Zürich

Neben dem Voll- und dem Hauptfachstudiengang Theologie und dem Hauptfachstudiengang Religionswissenschaft bestehen folgende Nebenfachstudiengänge: Altorientalische Religionsgeschichte, Antikes Christentum, Antikes Judentum, Bibelwissenschaften, Hebräische Sprache und Literatur, Hermeneutik, Kirchengeschichte, Religionspädagogik, Religionsphilosophie, Religionswissenschaft, Systematisch-Praktische Theologie. In Verbindung mit der Philosophischen Fakultät wird der Nebenfachstudiengang Ethik, in Verbindung mit anderen Universitäten werden die Masterstudiengänge „Antikes Judentum“ und „Religion, Wirtschaft und Politik“ angeboten.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Ansicht vom Zwingliplatz
 
Ansicht vom Karlsturm des Grossmünsters

Die Theologische Fakultät Zürich geht auf ein im Jahre 1525 gegründetes «Lektorium» für Theologie zurück. Angeregt von Huldrych Zwingli hatten Bürgermeister und Räte der Stadt Zürich eine Bildungsreform beschlossen, die zum Ziel hatte, den angehenden reformierten Theologen fundierte Kenntnisse der klassischen Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein zu vermitteln.[1] Nach Zwinglis Tod wurde das Schulwesen Heinrich Bullinger unterstellt. Unter seiner Ägide erhielt das «Lektorium» eine klare Struktur und eine solide finanzielle Basis. Ab 1559 wurde es als «Hohe Schule» für Theologie eingestuft und trug fortan den Namen «Schola Tigurina».[2]

Neben der religiösen Ausrichtung wurden auch humanistische Bildungsideale verwirklicht.[3] Als erster Dozent für Hebräisch und Latein wurde der junge Humanist Jakob Wiesendanger (Ceporinus) berufen.[4] Weitere namhafte Dozenten lehrten an der Schola Tigurina, so der Hebraist Konrad Pelikan,[5] der Exeget und Sprachwissenschaftler Theodor Bibliander,[6] der Theologe und Historiker Josias Simler,[7] der Alttestamentler Petrus Martyr Vermigli[8] und der Naturforscher und Altphilologe Conrad Gessner.

1601 wurde die Schola Tigurina Teil des Collegiums Carolinum, das aus einer theologischen, philologischen und philosophischen Abteilung bestand.[9] Am Collegium Carolinum wirkten unter anderem Johann Jakob Bodmer und der Philologe Johann Jakob Breitinger. Zu ihren Studenten zählte der Pfarrer und Philosoph Johann Caspar Lavater.

Mit der Gründung der Universität Zürich 1833 wurde das Collegium Carolinum aufgehoben und der Universität unterstellt. Mitinitiator und erster Rektor der neuen Universität wurde der Altphilologe und Theologe Johann Caspar von Orelli,[10] der am Collegium Carolinum gelehrt hatte. Zu den ersten Dozenten der neu gegründeten Theologischen Fakultät gehörte der Neutestamentler Heinrich Christian Michael Rettig, der Alttestamentler Ferdinand Hitzig und der Orientalist Bernhard Hirzel.[11] Die Berufung des kritischen Theologen David Friedrich Strauß 1839 löste eine politische Krise (Züriputsch) aus, welche die Zürcher Regierung zu Fall brachte.

In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts erfuhr die Theologische Fakultät einen starken Ausbau und es kam zu mehreren Institutsgründungen: 1962 des Instituts für Hermeneutik durch Gerhard Ebeling, 1964 des Instituts für Schweizerische Reformationsgeschichte durch Fritz Blanke und des Instituts für Sozialethik durch Arthur Rich.

Zu den signifikanten Veränderungen der jüngsten Zeit gehört die 1999 erfolgte Einführung eines eigenen Studiengangs „Religionswissenschaft“ auf Initiative des damaligen Lehrstuhlinhabers Fritz Stolz. 2006 wurde ein Religionswissenschaftliches Seminar gegründet, das seit Januar 2013 an der Kantonsschulstrasse 1 domiziliert ist.

Im Herbst 2015 wurde eine Professur ad personam für Spiritual Care errichtet und durch Simon Peng-Keller besetzt. In Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät bietet diese Professur ein interdisziplinäres Lehrangebot an und ist mit der Forschung in diesem Gebiet beauftragt.

Rektoren der Universität Zürich aus der Theologischen Fakultät:

LehrstühleBearbeiten

Theologie

  • Altes Testament
    • Alttestamentliche Wissenschaft und Frühjüdische Religionsgeschichte: Konrad Schmid
    • Alttestamentliche Wissenschaft und Altorientalische Religionsgeschichte: Thomas Krüger
  • Neues Testament
    • Neutestamentliche Wissenschaft mit dem Schwerpunkt Geschichte und Theologie der urchristlichen Literatur im Rahmen der spätantiken Religionen: Samuel Vollenweider
    • Neutestamentliche Wissenschaft mit den Schwerpunkten Antikes Judentum und Hermeneutik: Jörg Frey
  • Kirchengeschichte
    • Kirchen- und Theologiegeschichte von der Alten Kirche bis zur Reformation: Silke-Petra Bergjan
    • Kirchen- und Dogmengeschichte von der Reformationszeit bis zur Gegenwart: Peter Opitz
  • Systematische Theologie
  • Praktische Theologie
    • Praktische Theologie mit den Schwerpunkten Homiletik, Liturgik und Poimenik: Ralph Kunz
    • Praktische Theologie mit den Schwerpunkten Religionspädagogik und Kybernetik (Kirchentheorie und Pastoraltheologie): Thomas Schlag
  • Ethik
    • Theologische Ethik: Gotlind Ulshöfer

Religionswissenschaft

  • Allgemeine Religionsgeschichte und Religionswissenschaft: Christoph Uehlinger
  • Religionswissenschaft mit sozialwissenschaftlicher Ausrichtung: Dorothea Lüddeckens
  • Religionswissenschaft mit systematisch-theoretischem Schwerpunkt: Rafael Walthert (Assistenzprofessur)

GebäudeBearbeiten

Nach dem Abriss des ehemaligen Chorherrenstifts neben dem Grossmünster entstand 1850–1853 ein Neubau im neoromanischen Stil von Gustav Albert Wegmann. Der Kreuzgang des Chorherrenstifts, der teilweise noch aus dem 12. Jahrhundert stammte, wurde in den Neubau integriert. In diesem sog. Grossmünsterschulhaus war die Töchterschule beheimatet, ein städtisches Gymnasium für Mädchen. Seit 1973 befindet sich in den Gebäuden das Theologische Seminar der Universität Zürich.[12]

LiteraturBearbeiten

  • Hans Ulrich Bächtold (Hrsg.): Schola Tigurina. Die Zürcher Hohe Schule und ihre Gelehrten um 1550 / Katalog zur Ausstellung vom 25. Mai bis 10. Juli 1999 in der Zentralbibliothek Zürich. Pano-Verlag, Zürich 1999, ISBN 3-907576-19-5.
  • Fritz Büsser: Heinrich Bullinger (1504-1575). Leben, Werk und Wirkung. TVZ, Zürich 2004–2005, ISBN 3-290-17297-X.
  • Emidio Campi: Erbe und Wirkung der Zürcher Reformation. In: Erwin Koller (Hrsg.). Der wirtschaftliche Erfolg und der gnädige Gott. Christliche Arbeitsmoral, Sozialstaat und Globalisierung / Texte zum Symposium "Zwischen Grossmünster und Paradeplatz" vom 19. Januar 2007 in Zürich. Theologischer Verlag Zürich, Zürich 2007, ISBN 3-290-20040-X, S. 39–50.
  • Ulrich Ernst: Geschichte des Zürcherischen Schulwesens …. Bleuler-Hausheer, Winterthur 1879. Download
  • Ernst Gagliardi, Hans Nabholz und J. Strohl: Die Universität Zürich 1833-1933 und ihre Vorläufer. Erziehungsdirektion, Zürich 1938.
  • Anja-Silvia Göing: Die Zürcher Hohe Schule 1525-1560 als Bildungsinstitution. In: Zeitschrift für pädagogische Historiographie.Nr. 8 2002, S. 79–83.
  • Johann Jakob Hottinger: Scholae Carolinae Dei o.m. gratia amplissimi Reip. Turic. Senatus auspiciis feliciter perfectam restaurationem magnifici rectoris Io. Gaspari Hessii et Academiae Verbis indicat Io. Iacobus Hottingerus, Eloqu. Prof. Accedit Index lectionum publicarum atque privatarum. typis Orelli, Gessneri, Fuesslini et socc, Tiguri 1776.
  • Theodor Hug, Georg Finsler und Fritz Hunziker: Zur Geschichte der zürcherischen Kantonsschule. Festschrift zu Ehren ihres fünfzigjährigen Bestandes Ostern 1833-1883. [s.n.], S.l 1883.
  • Erwin Koller (Hrsg.): Der wirtschaftliche Erfolg und der gnädige Gott. Christliche Arbeitsmoral, Sozialstaat und Globalisierung / Texte zum Symposium "Zwischen Grossmünster und Paradeplatz" vom 19. Januar 2007 in Zürich. Theologischer Verlag Zürich, Zürich 2007, ISBN 3-290-20040-X.
  • Hanspeter Marti: Reformierte Orthodoxie und Aufklärung. Die Zürcher Hohe Schule im 17. und 18. Jahrhundert. Böhlau, Wien 2012, ISBN 978-3-412-20929-2.
  • Hans Nabholz: Zürichs Höhere Schulen. Von der Reformation bis zur Gründung der Universität 1525-1833. [s.n.], Affoltern a.A 1938.
  • Kurt Jakob Rüetschi: Bullinger, der Schulpolitiker. In: Emidio Campi und Hans Ulrich Bächtold (Hrsg.). Der Nachfolger. Heinrich Bullinger (1504-1575) / Katalog zur Ausstellung im Grossmünster Zürich 2004. TVZ, Theologischer Verlag Zürich, Zürich 2004, ISBN 3-290-17331-3, S. 66–70.
  • Konrad Schmid: Die Theologische Fakultät der Universität Zürich. Ihre Geschichte von 1833 bis 2015. TVZ, Theologischer Verlag Zürich, Zürich 2016, ISBN 978-3-290-17865-9
  • Peter Stadler: Die Universität Zürich, 1933-1983. Festschrift zur 150-Jahr-Feier der Universität Zürich. Rektorat der Universität Zürich, Zürich 1983, ISBN 3858230863.
  • Fritz Stolz: Der Gott der Theologie und die Götter der Religionswissenschaft. In: ders., Religion und Rekonstruktion. Ausgewählte Aufsätze, hg. von Katharina Frank, Anna-Katharina Höpflinger, Margaret Jaques, Daria Pezzoli-Olgiati und Annette Schellenberg, Göttingen 2004, ISBN 978-3-525-58169-8, S. 287–304.
  • Christoph Uehlinger: Religionswissenschaft in der Schweiz: Geschichte und aktuelle Perspektiven. Bulletin der Vereinigung der Schweizerischen Hochschuldozierenden 36 (1, 2010), S. 5–12. Download
  • Regula Weber-Steiner: Glükwünschende Ruhm- und Ehrengetichte. Casualcarmina zu Zürcher Bürgermeisterwahlen des 17. Jahrhunderts. Diss. Univ. Zürich, 2003/2004. - Ref.: Rolf Tarot. 1. Auflage. Lang, Bern 2006, ISBN 3-03910-388-1.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fritz Büsser: "Prophezey" - "Schola Tigurina". Prototyp, Ideal und Wirklichkeit. 1999, S. 18–21
  2. Kurt Jakob Rüetschi: Bullinger, der Schulpolitiker. 2004, S. 66–70
  3. Emidio Campi: Erbe und Wirkung der Zürcher Reformation. 2007, S. 39–50
  4. Christoph Riedweg: Ein Philologe an Zwinglis Seite. In: Museum Helveticum 57 (2000), S. 201–219 online
  5. Hans Jakob Haag: Konrad Pellikan. Hebraist von europäischem Ansehen. 1999, S. 28–29
  6. Kurt Jakob Rüetschi: Theodor Bibliander. Exeget und Sprachgelehrter. 1999, S. 30–31
  7. Hans Ulrich Bächtold: Josias Simler. Vielseitiger Humanist, Theologe und Historiker. 1999, S. 32–33
  8. Michael Baumann: Petrus Martyr Vermigli. Der Kosmopolit aus Italien in Zürich (1556-1562). 1999, S. 34–37
  9. Regula Weber-Steiner: Glükwünschende Ruhm- und Ehrengetichte. Casualcarmina zu Zürcher Bürgermeisterwahlen des 17. Jahrhunderts. Diss. Univ. Zürich, 2003/2004. - Ref.: Rolf Tarot. 1. Auflage. Lang, Bern Band 43 2006
  10. Emidio Campi: 175 Jahre Universität Zürich und ihre Vorgeschichte. 2008, S.5 [1]
  11. Jahresberichte der Hochschule Zürich (1833-1850), S. 1 [2]
  12. Peter Stadler: Die Universität Zürich, 1933-1983. Festschrift zur 150-Jahr-Feier der Universität Zürich. Rektorat der Universität Zürich, Zürich 1983