Strem

Gemeinde in Österreich

Strem ist eine Marktgemeinde im Bezirk Güssing im Burgenland in Österreich. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Strém.

Marktgemeinde
Strem
Wappen Österreichkarte
Wappen von Strem
Strem (Österreich)
Strem
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Güssing
Kfz-Kennzeichen: GS
Fläche: 23,78 km²
Koordinaten: 47° 3′ N, 16° 25′ OKoordinaten: 47° 2′ 39″ N, 16° 24′ 51″ O
Höhe: 207 m ü. A.
Einwohner: 872 (1. Jän. 2021)
Bevölkerungsdichte: 37 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7522
Vorwahl: 03324
Gemeindekennziffer: 1 04 16
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Lindenstraße 1
7522 Strem
Website: www.strem.co.at
Politik
Bürgermeister: Bernhard Deutsch (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2017)
(15 Mitglieder)
11
4
11 
Insgesamt 15 Sitze
Lage von Strem im Bezirk Güssing
BildeinBocksdorfBurgauberg-NeudaubergEberauGerersdorf-SulzGroßmürbischGüssingGüttenbachHackerberg (Güssing)HeiligenbrunnHeugrabenInzenhofKleinmürbischKukmirnMoschendorfNeuberg im BurgenlandNeustift bei GüssingOlbendorfOllersdorf im BurgenlandRauchwartRohr im BurgenlandSankt Michael im BurgenlandStegersbachStinatzStremTobajTschanigrabenWörterbergBurgenlandLage der Gemeinde Strem im Bezirk Güssing (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Kellergasse in Strem Berghäuser
Kellergasse in Strem Berghäuser
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

GeografieBearbeiten

Die Gemeinde liegt im Südburgenland. Der Ort Strem liegt in einer breiten Niederung des Strembaches.

GemeindegliederungBearbeiten

Das Gemeindegebiet umfasst folgende vier Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2021[1]):

  • Deutsch Ehrensdorf (ung.: Némethásos, kroat.: Nimški Hašaš) (126)
  • Steinfurt (ung.: Lipócz, kroat.: Lipovac) (119)
  • Strem (ung.: Strém) (579) mit Stremer Berghäuser
  • Sumetendorf (ung.: Szombatfa) (48)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden

NachbargemeindenBearbeiten

Eberau Eberau
Güssing   Moschendorf
Heiligenbrunn Heiligenbrunn

GeschichteBearbeiten

Auf dem Ried Schloßriegel sind noch Reste einer mittelalterlichen Wasserburg vorhanden, welche vermutlich um 1300 unterging. Der Ort wurde im Jahre 1647 zum Markt erhoben.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Strém verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren beim Bau des Südostwalls in Strem zahlreiche ungarische Zwangsarbeiter eingesetzt. Auch führte die Evakuierungsroute der nördlich gelegenen Bauabschnitte durch den Ort. In zwei Prozessen vor dem Volksgericht Graz wurden 1948 die dabei und in der Nachbargemeinde Heiligenbrunn begangenen Endphaseverbrechen behandelt.[2] Die Familie Legath aus Deutsch Ehrensdorf rettete kurz vor Kriegsende unter Einsatz des eigenen Lebens zwei ungarische Juden vor dem sicheren Tod und wurde dafür 1994 von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet.[3]

Am 1. Jänner 1971 wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Deutsch Ehrensdorf, Moschendorf, Steinfurt, Strem und Sumetendorf gemäß Gemeindestrukturverbesserungsgesetz vom 1. September 1970 zur neuen Großgemeinde Strem zusammengeschlossen.[4]

Marktgemeinde ist Strem seit 1997.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten


Stark verändert hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts die ethnisch-sprachliche Situation des im 16. Jahrhundert von Kroaten neu bestifteten Ortsteils Steinfurt (Lipovac). In der Statistik des Jahres 1880 finden wir noch eine kroatische Mehrheit von 76, 9 %. Auch 1900 und 1910 hatte die kroatische Volksgruppe noch eine Mehrheit (61,4 % bzw. 52,4 %) inne; im Jahr 1923 tauchten allerdings letztmals Kroaten in den Statistiken auf (1,1 %). Gemäß Volkszählungen 1934 war der kroatische Bevölkerungsanteil bereits vollständig assimiliert.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Pfarrkirche Strem
  • Pfarrkirche Strem, in der Ortsmitte
  • Antonikapelle, an der Straße nach Urbersdorf
  • Josephskapelle
  • Herz-Jesu-Kapelle
  • Wegkapelle

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Im Jahr 2003 wurde die „Öko-Energie Strem“ gegründet, die derzeit rund 100 Gebäude im Ort Strem mit Fernwärme versorgt. Als Ausbaustufe wurde 2005 die Biogas Strem Betriebs- und ErrichtungsgmbH. & Co. KG gegründet. In dieser werden erstmals in Österreich ausschließlich nachwachsende Rohstoffe zur Erzeugung von Strom und Wärme verwendet. Aus dem Aufwuchs von rund 300 ha landwirtschaftlicher Fläche werden aus Gras, Klee, Mais und Sonnenblume 500 kW elektrischer Strom und rund 600 Kilowatt thermische Energie gewonnen. Dies entspricht etwa der Versorgung von 1.200 Haushalten mit Strom und 90 Haushalten mit Wärme.

2009 erhielt Strem die Auszeichnung Klimaschutzgemeinde in der Kategorie „Gemeinde kleiner als 1.500 Einwohner“.[5]

Die Caritas Burgenland betreibt einen Kindergarten in Strem.[6]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Gemeinderatswahl 2017
 %
80
70
60
50
40
30
20
10
0
72,74 %
(+1,71 %p)
27,26 %
(−1,71 %p)

 
Gemeindeamt Strem

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 15 Mitglieder.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2017[7] 2012[8] 2007[9] 2002[10] 1997[10]
Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M.
ÖVP 491 72,74 11 515 71,03 11 542 73,44 11 528 73,74 11 558 80,99 12
SPÖ 184 27,26 4 210 28,97 4 196 26,56 4 188 26,26 4 nicht kandidiert
UA GL SremA1 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 131 19,01 3
Wahlberechtigte 872 884 904 845 792
Wahlbeteiligung 81,31 % 85,63 % 85,18 % 87,46 % 89,65 %
A1 Unabhängige Gemeindeliste Strem

GemeindevorstandBearbeiten

Neben Bürgermeister Bernhard Deutsch (ÖVP) und Vizebürgermeister Edmund Nemeth (ÖVP) gehören weiters die geschäftsführenden Gemeinderäte Herbert Deutsch (SPÖ), Claudia Gratzer (ÖVP) und Engelbert Kopfer (ÖVP) dem Gemeindevorstand an.[11]

Zu Ortsvorstehern wurden ernannt: Claudia Gratzer (ÖVP, für Sumetendorf), Engelbert Kopfer (ÖVP, für Deutsch Ehrensdorf) und Vizebürgermeister Edmund Nemeth (ÖVP, für Steinfurt).[11]

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist Bernhard Deutsch (ÖVP).

Er trat nach der Bürgermeisterdirektwahl am 7. Oktober 2007 die Nachfolge von Werner Trinkl (ÖVP) an, der wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe rund um das Seniorenzentrum Strem, die sich letztlich als haltlos erwiesen,[12] nicht mehr antrat. Bernhard Deutsch wurde dabei mit 75,72 % gewählt. Sein Mitbewerber Dietmar Stimpfl (SPÖ) kam auf 24,28 %.[9] Die Gemeinde war durch den Bau des Seniorenzentrums tief verschuldet – der Rechnungshof bezifferte den Schuldenstand mit acht Millionen Euro[13] – und große Differenzen mit der SPÖ führten dazu, dass die SPÖ-Fraktion Ende 2009 aus Protest gegen die Finanzmisere wegen des Pflegeheims geschlossen zurücktrat.[14] Dennoch konnte sich Bernhard Deutsch auch bei der Bürgermeisterwahl am 7. Oktober 2012 mit 75,61 % durchsetzen. Mitbewerber war diesmal Herbert Deutsch (SPÖ & Mitgestaltungswillige), der 24,39 % erreichte.[8] Die gleichen Kandidaten stellte sich auch am 1. Oktober 2017 zur Wahl, bei der sich abermals Bernhard Deutsch (ÖVP) mit 74,21 % gegen Herbert Deutsch (SPÖ, 25,79 %) durchsetzen konnte.[7]

In der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats wurde Edmund Nemeth (ÖVP) zum Vizebürgermeister gewählt.[11]

Leiter des Gemeindeamts ist Josef Weinhofer.[15]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Stefan Geosits: Ergebnisse der Volkszählungen 1900–1981. In: Stefan Geosits (Hg.): Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeit. Edition Tusch, Wien 1986, ISBN 3-85063-160-5, S. 354–376.
  • Nikolaus Wilhelm-Stempin: Das Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten in Österreich, Ungarn, Mähren und der Slowakei. BoD, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4278-8.
  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs: Burgenland. Strem. Bundesdenkmalamt (Hrsg.), Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1976, ISBN 3-7031-0401-5, S. 301 f.

WeblinksBearbeiten

Commons: Strem – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2021 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2021), (xlsx)
  2. Eleonore Lappin-Eppel: Ungarisch-Jüdische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Österreich 1944/45: Arbeitseinsatz – Todesmärsche – Folgen. LIT, Wien 2010, ISBN 978-3-643-50195-0, S. 326 ff.
  3. Südostwall-Abschnitt Südburgenland: Gisela, Martin und Frieda Legath – Gerechte unter den Völkern, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 11. Feber 2018
  4. Land Burgenland: Landesgesetzblatt für das Burgenland, 17. Stück aus 1970, Gesetz Nr. 44 (PDF-Dokument; abgerufen am 24. Jänner 2018)
  5. Österreichs Klimaschutzgemeinden stehen fest. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 29. März 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.kommunalnet.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Caritas Burgenland, Hilfe&Angebote, Kinder&Jugendliche, Caritas Kinder-Einrichtungen. Abgerufen am 23. Juni 2019.
  7. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Strem 2017 (abgerufen am 7. Februar 2018)
  8. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Strem 2012 (abgerufen am 7. Februar 2018)
  9. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Strem 2007 (abgerufen am 7. Februar 2018)
  10. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Strem 2002 (abgerufen am 7. Februar 2018)
  11. a b c Marktgemeinde Strem: Gemeinderäte (abgerufen am 8. Februar 2018)
  12. ORF Burgenland vom 25. September 2013: Freispruch für Ex-Bürgermeister von Strem (abgerufen am 8. Februar 2018)
  13. ORF Burgenland vom 11. April 2012: Rechnungshofbericht über Strem veröffentlicht (abgerufen am 8. Februar 2018)
  14. ORF Burgenland vom 22. September 2012: Strem: Finanzkrise und Alternativ-Energie (abgerufen am 8. Februar 2018)
  15. Marktgemeinde Strem: Amtsleiter (abgerufen am 8. Februar 2018)