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Inhaltsverzeichnis

Pharmakologische BedeutungBearbeiten

Streckmittel in Medikamenten und anderen Drogen dienen dazu, die Gesamtmasse eines Medikaments zu vergrößern, ohne den Wirkstoffgehalt zu erhöhen. Streckmittel (z. B. Glucose, Milchzucker, Ascorbinsäure o. ä.) werden dabei als Trägermaterial eingesetzt, um die zum Teil minimalen Wirkstoffmengen auf eine handhabbare und dosierbare Menge zu strecken. Der tatsächliche Wirkstoffgehalt ist bei Medikamenten auf der Verpackung angegeben.

BetrugBearbeiten

Einem Apotheker aus Bottrop wird aktuell (2018) vorgeworfen, systematisch Krebsmedikamente gestreckt, aber voll abgerechnet zu haben. Der Schaden, der allein den gesetzlichen Krankenkassen entstanden sein soll, beläuft sich angeblich auf über 50 Millionen Euro.

Verwendung in LebensmittelnBearbeiten

In Lebensmitteln werden Streckmittel (meist Wasser) eingesetzt, um Herstellungskosten zu senken und dem Verbraucher eine höhere Quantität als tatsächlich vorhanden zu suggerieren. So kann beispielsweise die scheinbare Masse an Fleisch durch das zuvorige Einspritzen von Wasser gesteigert werden. Der Verkäufer profitiert, der Verbraucher wird betrogen.

StellmittelBearbeiten

Waschmitteln werden Streckmittel als sogenannte Stellmittel oder Rieselsalze zugesetzt wie z. B. Natriumchlorid oder Natriumsulfat. Damit wird einerseits die von Verbrauchern gewohnte Dosierung ermöglicht und so eine Überdosierung vermieden und andererseits ein Verklumpen des Waschpulvers verhindert[1] und damit die Dosierbarkeit und rasche Löslichkeit des Waschmittels verbessert.

Unter anderem empfehlen Verbraucherverbände die Verwendung von Waschmittel-Konzentraten, um die Kosten und Ressourcen für Transport und Verpackung zu minimieren, in diesem Fall muss das Waschmittel entsprechend geringer dosiert werden.

DrogenbereichBearbeiten

Bei Drogen werden nicht nur wirkungslose Substanzen wie z. B. Milchzucker, sondern auch gefährliche Stoffe wie Strychnin als Streckmittel benutzt. Die Streckmittel sollen unter Umständen auch eine Wirkung der eigentlichen Droge imitieren, wenn deren berauschende Wirkung durch eine zu starke Streckung nicht mehr ausreichend vorhanden ist.

In Leipzig kam es 2007 zu einer Massenvergiftung durch mit Bleiverbindungen gestrecktes Cannabis. Blei wurde früher schon in Opium, Heroin, Methamphetaminen und Kokain gefunden.[2] Als Dienstleistung zugängliches Drug-Checking durch staatliche Einrichtungen gibt es in Deutschland nicht, obwohl die Ordnungsbehörden aufgefundenes Rauschgift natürlich untersuchen. Die Staatsregierung in Bayern berichtete 2018, sie habe in Cannabis-Proben keine Streckmittel gefunden.[3] Eine Schweizer Studie fand ebenfalls keine Streckmittel, berichtete allerdings, dass nahezu alle Proben mit Pestiziden, Insektiziden und Schwermetallen verunreinigt waren.[4]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bertram Philipp, Peter Stevens: Grundzüge der Industriellen Chemie, VCH Verlagsgesellschaft mbH, 1987, S. 301, ISBN 3-527-25991-0.
  2. Bleiintoxikationen durch gestrecktes Marihuana in Leipzig. Abgerufen am 16. Juni 2018.
  3. 450 Ärzte in Bayern verschreiben Cannabis. Bayerische Staatszeitung, 9. März 2018 (abgerufen 19. Juni 2018).
  4. Untersuchung von Cannabis auf Streckmittel, Verschnittstoffe, Pestizide, mikrobiologische und anorganische Kontaminationen. Abgerufen am 16. Juni 2018.