Stefan H. E. Kaufmann

deutscher Biologe
Stefan H.E. Kaufmann, Dezember 2018

Stefan Hugo Ernst Kaufmann (* 8. Juni 1948 in Ludwigshafen am Rhein) ist ein deutscher Biologe.

LebenBearbeiten

Kaufmann wurde 1977 an der Universität Mainz promoviert und habilitierte sich 1981 für die Fächer Immunologie und Mikrobiologie an der FU Berlin. In Mainz war er Schüler des Immunologen Paul Klein.

Von 1987 bis 1991 war er Professor (C 3) für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie an der Universität Ulm und von 1991 bis 1998 Professor (C 4) an der Abteilung für Immunologie derselben Universität. Er ist seit 1993 Direktor (seit 2019 Emeritus Direktor) am Berliner Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie, an dem er einer der Gründungsdirektoren war. Seit 2018 ist er Faculty Fellow des Hagler Institute for Advanced Study in Texas A&M University.[1] Er ist außerdem seit 1998 Professor für Mikrobiologie und Immunologie an der Charité in Berlin.

Kaufmann ist Sammler medizinhistorischer Werke.[2]

WirkenBearbeiten

Kaufmann hat mehr als 900 wissenschaftliche Originalarbeiten und Übersichtsartikel veröffentlicht und ist laut dem Institute for Scientific Information einer der meistzitierten Immunologen mit mehr als 70.000 Zitaten (Google Scholar) weltweit. Er ist unter den weltweit 0,01 % meistzitierten Wissenschaftler von ca. 7 Millionen Wissenschaftlern aus den 22 wichtigsten Wissenschaftsbereichen weltweit.[3]

Sein gegenwärtiges wissenschaftliches Interesse fokussiert sich auf die Entschlüsselung der zellvermittelten Immunantwort gegen intrazelluläre Bakterien, die Entwicklung und Erprobung eines neuen und verbesserten Impfstoffes gegen Tuberkulose sowie von Biomarkern zur zuverlässigen Diagnose von Verlauf und Ausbruch der Erkrankung.[4] Ein von ihm entwickelter Impfstoff gegen Tuberkulose befindet sich derzeit in klinischer Überprüfung Klinische Studie (NCT 03152903).[5][6] Der Impfstoff wird derzeit auf die Verhinderung einer Rekurrenz in einer Phase III Studie (NCT 03152903)[7][8] und auf Verhinderung der Tuberkulose-Erkrankung in Haushaltskontakten von Tuberkulose-Patienten in Indien überprüft.[9] Die Behandlung von Blasenkrebs mit dem Impfstoff hat in einer klinischen Überprüfung gute Ergebnisse erbracht NCT 02371447)[10]. Er setzt sich weiterhin intensiv für ein besseres Verständnis der Immunologie und Infektionskrankheiten in der Öffentlichkeit ein (EFIS – Day of Immunology).[11]

2010 bis 2013 war Kaufmann alternierendes Beiratsmitglied der Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI). Er war von 2009 bis 2014 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Global Alliance for TB Drug Development (TB Alliance), New York. Seit 2014 ist er Mitglied des Strategischen Beiratskomitees des European & Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP). Kaufmann ist Mitglied des Vorstands und des Wissenschaftlichen Beirats der Robert-Koch-Stiftung, die jährlich den Robert-Koch-Preis und die Robert-Koch-Medaille in Gold vergibt. Er ist seit 2014 Vorsitzender des Stiftungsrates der Schering Stiftung. 2013 bis 2014 war er korrespondierendes Mitglied und seit 2014 ist er ordentliches Mitglied des Kuratoriums für die Lindauer Nobelpreisträgertagungen.[12]

Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Infektionsimmunologie der bakteriellen Erreger Listeria monocytogenes und Mycobacterium tuberculosis wurde er mehrfach ausgezeichnet unter anderem 1982 mit dem Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, 1987 mit dem Alfried Krupp-Förderpreis für junge Hochschullehrer, 1988 mit dem Aronson-Preis des Landes Berlin, 1991 mit dem Smith Kline Beecham Wissenschaftspreis, 1991 mit dem Merckle-Forschungspreis, 1992 mit dem Robert Pfleger-Forschungspreis, 1992 mit dem Pettenkofer-Preis, 1993 mit dem Hauptpreis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM). 2007 erhielt er den Doctor Honoris Causa der Universität des Mittelmeeres Aix-Marseille II, Frankreich, 2014 den Gardner Middlebrook Award, 2018 den Gagna A. & Ch. Van Heck Preis[13]. Er ist Fellow des Royal College of Physicians of Edinburgh (FRCP Edin).

Seit 1998 ist er Mitglied der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, seit 2000 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Halle,[14] seit 1996 Mitglied der American Academy of Microbiology und seit 2012 Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO). Er ist außerdem Mitglied verschiedener anderer wissenschaftlicher Gesellschaften, Altpräsident und Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), Altpräsident der European Federation of Immunological Societies (EFIS) und Altpräsident der ational Union of Immunological Societies (IUIS).

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Der Kampf zwischen Mensch und Mikrobe. Audio CDs. supposé, Köln 2006, ISBN 3-932513-69-X.
  • Wächst die Seuchengefahr? Globale Epidemien und Armut. Strategien zur Seucheneindämmung in einer vernetzten Welt. Unter Mitarbeit von Susan Schädlich. Hrsg. von Klaus Wiegandt. [Forum für Verantwortung]. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2008, ISBN 978-3-596-17664-9.
  • Seuchen: Wissen was stimmt. Herder, Freiburg im Breisgau 2010, ISBN 978-3-451-06102-8.
  • Tuberkulose – Beispiel für Partnerschaften. Worldh Health Summit In: Deutsches Ärzteblatt. Jg. 106, Heft 42 (2009).
  • The New Plagues: Pandemics and Poverty in a Globalized World. The Sustainability Project, Haus Publishing, London 2009, ISBN 978-1-906598-13-6.
  • mit Paul van Helden, Eric Rubin und Warwick J. Britton (Hrsg.): Handbook of Tuberculosis. 3 Bände, ISBN 978-3-527-31683-0.
  • mit Bruce D. Walker (Hrsg.): AIDS and Tuberculosis, A Deadly Liaison. (Infection Biology Series). Wiley-VCH, Weinheim, ISBN 978-3-527-32270-1.
  • mit Barry T. Rouse und David L. Sacks (Hrsg.): The Immune Response to Infection. ASM Press, 2011, ISBN 978-1-55581-514-1.
  • Bio-Signatur der Tuberkulose. In: Management & Krankenhaus. Nr. 6, S. 27. (www.management-krankenhaus.de/topstories/labor-diagnostik/bio-signatur-der-tuberkulose)
  • Wenn Mikroben böse werden. In: Cicero. Magazin. Ausgabe Juli 2011, S. 42–43 (www.cicero.de/salon/wenn-mikroben-böse-werden/42323)
  • Basiswissen Immunologie. Springer-Lehrbuch, Springer Verlag, 2014, ISBN 978-3-642-40324-8.
  • Alexander Riedel: Porträt, Der Tagesspiegel, Köpfe, 100. Ausgabe, pp. 116, 2016

WeblinksBearbeiten

VideosBearbeiten

Latest Thinking: [3]

Latest Thinking: [4]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. [1]
  2. Sabine Rosenbladt: Neugier und Bazillen. In: Cicero. Januar 2011, S. 136–138.
  3. PLoS Biol 17(8): e3000384, 2019
  4. Neue Hoffnung auf besseren Tuberkulose-Impfstoff. auf: handelsblatt.com
  5. Taking a New Shot at a TB Vaccine. In: Science. 16 December 2011: Vol. 334 no. 6062, S. 1488–1490, doi:10.1126/science.334.6062.1488, [2]
  6. Spritze gegen Schwindsucht. In: Der Spiegel. 20/2012, Medizin, S. 118.
  7. TB vaccine trial on adults begins in June. in: thehindu.com
  8. Revamped, safer, and with greater punch. in: thehindu.com
  9. ICMR begins trials on vaccine for close contacts of TB patients. in: The Hindu BusinessLine
  10. [http://www.mpiib-berlin.mpg.de/1981587/news_publication_14490640_transferred?c=6189. Modifizierter Tuberkulose-Impfstoff als Therapie gegen Blasenkrebs.
  11. „EFIS - Day of Immunology“
  12. "Portraet - Mut, etwas zu machen"
  13. GAGNA A. & Ch. VAN HECK Prize - 2018, Website des Fonds National de la Recherche Scientifique, abgerufen am 3. August 2018.
  14. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Stefan H. E. Kaufmann (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 15. Juli 2016.