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Der Eroberungszug der Spanier nach Peru

Die spanische Eroberung Perus 1532 bis 1536 beendete die Herrschaft des Reiches der Inka über große Teile des westlichen Südamerika und machte Spanien zusammen mit der Eroberung Mexikos endgültig zu einer Weltmacht der Frühen Neuzeit.

Inhaltsverzeichnis

VorgeschichteBearbeiten

Das Reich der InkaBearbeiten

Das Reich der Inka, Tahuantinsuyu genannt, erstreckte sich zum Beginn des 16. Jahrhunderts über das Gebiet der heutigen Staaten Peru, Ecuador und Bolivien sowie Teile von Kolumbien, Chile und Argentinien. Obwohl sich die Inka technologisch etwa auf einer bronzezeitlichen Entwicklungsstufe befanden – wenn sie auch keine Verarbeitung von Eisen kannten – besaß das Reich durch sein Straßennetz eine hervorragende Infrastruktur und war sogar gemessen an damaligen europäischen Verhältnissen ausgezeichnet organisiert. Allerdings war das Reich innerlich nicht gefestigt: Erst wenige Jahrzehnte zuvor waren weite Teile des Reiches angegliedert und die ansässigen Stämme und Völker unterworfen worden.

Bürgerkrieg im InkareichBearbeiten

Alle Macht lag in den Händen des Herrschers, Sapa Inka genannt. Das gesamte Reich war auf seine Hauptstadt Cusco ausgerichtet, doch Huayna Cápac, der das Reich seit 1493 als Sapa Inka regierte, bevorzugte als seine Hauptresidenz das erst unter seinem Vorgänger eroberte Quito. Zur Jahreswende 1527/28 änderten sich die Dinge jedoch, denn eine Epidemie – möglicherweise die Pocken –, die zuvor auch den Ureinwohnern der karibischen Inseln und Mexikos schwer zugesetzt hatte, griff nun auch auf Tahuantinsuyu über.[1] Huayna Cápac erlag im Mai 1528 der Epidemie, ebenso sein Sohn und designierter Nachfolger Ninan Cuyochi. Der Adel der Hauptstadt Cusco bestimmte Huayna Cápacs Sohn Huáscar zum neuen Sapa Inka. Dessen Halbbruder Atahualpa, der in Quito residierte und sich auf die Huayna Cápacs Generäle Quizquiz, Rumiñahui und Chalcuchímac stützen konnte, weigerte sich aber, ihm Gefolgschaft zu leisten. Die Folge war ein dreijähriger, erbittert geführter Bürgerkrieg, in den auch die unterworfenen Völker hineingezogen wurden.

Spanische Expansion in AmerikaBearbeiten

In den dreißig Jahren nach der Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Kolumbus hatte das Königreich Spanien in der Neuen Welt umfangreiche Besitzungen erworben. Die bedeutendste Erwerbung war die Eroberung Mexikos (1519 bis 1521) mit seinen reichen Silberminen.

Zeitgleich hatte die Erkundung des nordwestlichen Südamerika begonnen. Vasco Núñez de Balboa überquerte 1513 die Landenge von Panama und entdeckte als erster Europäer das Südmeer (Pazifik), das zunächst vor allem als möglicher Zugang nach Indien von Bedeutung war. 1519 wurde am Pazifik die Stadt Panama gegründet.

Spanische ErkundungenBearbeiten

Das Goldland im SüdenBearbeiten

 
Francisco Pizarro

In Panama hörten die Spanier die ersten Gerüchte über ein goldreiches Land „Birú“ im Süden. Eine erste Expedition unter der Führung von Pascual de Andagoya gelangte 1522 bis zum Río San Juan in Kolumbien, musste dann aber die Reise beenden, da Andagoya ernsthaft erkrankte. Seine Schiffe wurden schließlich von zwei Männern gekauft: Francisco Pizarro und Diego de Almagro.

Francisco Pizarro stammte aus der Extremadura und war 1502 auf Kolumbus’ vierter Reise nach Amerika gekommen. Er hatte an Expeditionen zur Karibikküste Südamerika teilgenommen und auch an Balboas Überquerung der Landenge von Panama. Pizarro tat sich 1524 in Panama mit Almagro und dem Priester Hernando de Luque zusammen, um das Land Birú zu finden. Pizarro sollte die Expedition leiten, Almagro die Logistik übernehmen und de Luque die Finanzierung.

Pizarros erste ReiseBearbeiten

Im November 1524 brach Pizarro mit ca. 80 Mann an Bord einer kleinen Brigantine auf. Die Fahrt führte sie 1525 die kolumbianische Pazifikküste entlang bis an den Río San Juan. Man fand aber keine Reichtümer, nur Hunger, Krankheit und feindselige Indianer. Viele Spanier kamen ums Leben, Pizarro wurde mehrfach im Kampf verletzt und Almagro, der mit Verstärkung gefolgt war, verlor eine Auge.

Trotz des Fehlschlags waren die drei Partner entschlossen, die Unternehmung fortzuführen und konnten mit Mühe den Gouverneur von Panama, Pedro Arias Dávila, dazu bewegen eine zweite Fahrt zu gestatten. Die Partnerschaft von Pizarro, Almagro und de Luque wurde nun auch vertraglich fixiert.

Pizarros zweite ReiseBearbeiten

Die zweite Expedition begann im März 1526. Beteiligt waren nun auch der Seekapitän Bartolomé Ruiz und der griechische Artilerist Pedro de Candia. Die Reise verlief zunächst wie die erste. Über hundert Spanier kamen durch Hunger, Krankheiten oder Kaimane um. Nachdem die Expedition über ein Jahr gedauert hatte, beschloss man im Mai 1527, dass Pizarro mit einem großen Teil der Männer auf der Hahneninsel in der Bucht von Tumaco warten sollte, während Almagro in Panama Nachschub besorgen sollte. Gouverneur Dávila wollte jedoch keinen weiteren Aderlass seiner Kolonie. Er verbot Almagro, weitere Männer anzuwerben, und entsandte Kapitän Juan Tafur zur Hahneninsel mit dem Befehl, alle Männer zurück zu holen.

Die Dreizehn von der HahneninselBearbeiten

Als Tafur im August auf der Hahneninsel ankam, wurde er freudig als Retter begrüßt. Pizarro jedoch weigerte sich, geschlagen umzukehren, und überzeugte zwölf weitere Männer, seinem Beispiel zu folgen. Diese wurden später als die „Dreizehn von der Hahneninsel“ (trece de la fama) bekannt.

Die Dreizehn harrten weitere fünf Monate aus – zunächst auf der Hahneninsel und dann auf der weiter im Meer und damit geschützter gelegenen Insel Gorgona. Schließlich erschien Bartolomé Ruiz mit Verstärkung – der Gouverneur hatte erlaubt, die Expedition noch sechs Monate fortzusetzen. Drei Spanier, die zu krank zum Reisen waren, blieben auf der Insel.

Erste Kontakte mit dem InkareichBearbeiten

Die weitere Fahrt nach Süden war nun endlich erfolgreicher. Im April 1528 erreichten die Spanier Tumbes im Norden des heutigen Peru, das schon zum Inkareich gehörte. Nach jahrelanger Suche hatten sie die Hochkultur der Inkas entdeckt. Sie wurden freundlich empfangen und man tauschte Geschenke aus. Der dortige Statthalter schickte Boten zu Huayna Cápac, um ihn von der Begegnung mit den Gästen zu unterrichten. Doch als die Boten im Lager des Sapa Inka ankamen, war dieser bereits erkrankt.

Die Spanier fuhren mittlerweile weiter südwärts zum Río Santa und machten sich danach auf die Rückfahrt. Drei Spanier beschlossen, in Tumbes zu bleiben. Auf der Gorgoneninsel wurden die drei zurück gelassenen Männer mitgenommen, und mit Zeugnissen der Inkakultur – Keramik, Kleidungsstücken, metallenen Gefäßen – sowie zwei Indios, Felipillo und Martinillo, die zu Dolmetschern ausbildet werden sollten, kehrten sie nach Panama zurück.

Pizarro reist nach SpanienBearbeiten

Da der Gouverneur von Panama dem Unternehmen ablehnend gegenüberstand, beschlossen die drei Partner, dass Pizarro nach Spanien reisen und sich direkt an König Karl wenden sollte. Im September 1528 brach Pizarro auf und traf sechs Monate später in Sevilla ein. In Toledo traf er Hernán Cortés, mit dem er entfernt verwandt war. Cortés hatte wenige Jahre zuvor das Aztekenreich in Mexiko erobert, indem er sich der Person des Herrschers bemächtigt und die Unterstützung von den Azteken unterworfener Stämme gewonnen hatte.

Nach langen Verhandlungen mit dem Indienrat schloss Pizarro ein Abkommen mit der Krone, die Capitulación von Toledo, die am 26. Juli 1529 in Abwesenheit des Königs von Königin Isabella unterzeichnet wurde. Hierin wurde Pizarro zur Erforschung und Eroberung der nun Neukastilien genannten Provinz Peru ermächtigt. Er wurde zum Generalkapitän der Provinz ernannt; sein Partner Almagro hingegen nur zum Gouverneur der (zukünftigen) Festung Tumbes. Die Dreizehn von der Hahneninsel wurden zu Hidalgos ernannt. Pizarro wurde verpflichtet, 150 Männer zu rekrutieren und binnen sechs Monate zu der Expedition aufzubrechen.

Francisco Pizarro reiste nun in seine Heimatstadt Trujillo in der Extremadura, wo er seine Halbbrüder Hernando, Juan und Gonzalo und weitere Männer überzeugte, mitzukommen. Im Januar 1530 brach er nach Amerika auf. Es war ihm nicht gelungen so viele anzuwerben, wie es der Vertrag verlangte, aber er erklärte den Beamten in Sevilla, die übrigen Männer seien schon vorausgefahren.

Die EroberungBearbeiten

Cusco
San Miguel
Cajamarca
Tumbes
Jauja
Pachacámac
Quito
Lima
Vilcabamba
Stationen der Eroberung (mit heutigen Grenzen)

Pizarros dritte ReiseBearbeiten

AufbruchBearbeiten

Nach weiteren monatelangen Vorbereitungen in Panama brach Pizarro im Januar 1531 nach Peru auf. Mit ihm waren 180 Mann zu Fuß und 37 Berittene. Sie gingen im Norden des heutigen Ecuador an Land und zogen danach monatelang die ecuadorianische Küste entlang, wieder dem mörderischen Tropenklima, Hunger und Krankheiten ausgesetzt. In einem verlassenen Dorf fanden sie Smaragde und Edelmetalle. Zum Jahreswechsel erreichten sie die Insel Puná, 50 km nördlich von Tumbes.

In TumbesBearbeiten

Im April 1532 erreichten die Spanier erneut Tumbes, doch der Empfang war völlig anders als erwartet. Die ersten Spanier wurden in einen Hinterhalt gelockt und getötet. Der Ort war zerstört, die drei Spanier, die auf Pizarros zweiter Reise in Tumbes geblieben waren, waren getötet worden. Erst später erfuhren die Spanier von dem Bürgerkrieg, der zu dieser Zeit gerade zu Ende ging, und dass Tumbes auf Atahualpas Befehl zerstört worden war, weil die Bewohner Huáscar unterstützt hatten.

Pizarro sah durch den Bürgerkrieg seine Chance gekommen und befahl dem Trupp am 16. Mai, nach Süden zu marschieren. Der Weg führte entlang der alten Königsstraße der Inka über den Río Chira ins Piura-Tal. Unterwegs kam es immer wieder zu Kämpfen mit einheimischen Häuptlingen. Trotzdem schaffte es Pizarro, wie schon Cortés vor ihm in Mexiko, viele kleinere Stämme für sich zu gewinnen, die zum Teil erst einige Jahre zuvor ihre Unabhängigkeit verloren hatten.

Gründung von San MiguelBearbeiten

An der Küste gründete Pizarro seinen ersten Stützpunkt, die Siedlung San Miguel, die heutige Stadt Piura. Mittlerweile hatten sie erfahren, dass Atahualpa seinen Bruder und Widersacher Huáscar besiegt und ihn selbst gefangen genommen hatte. Nun war er auf dem Weg in die Hauptstadt Cusco. Atahualpa wiederum hatte von der Ankunft der Fremden erfahren hatte und schickte einen Kundschafter, um die Ankömmlinge auszuspionieren.

Zug nach CajamarcaBearbeiten

Ende September 1532 brach Pizarro von der Küste ins Landesinnere auf. Auf ihrem Weg in die Anden wurden sie stetig von Atahualpas Spähern beobachtet. Atahualpa wurde berichtet, es handle sich um eine unbedeutende Zahl von Fremden, die man leicht besiegen könne. Atahualpa hatte vor, sie gefangen zu nehmen und ihre Kenntnisse über Pferde und Waffen zu nutzen.

Die Spanier erhielten Besuch eines Botschafters Atahualpas, der sie mit freundlichen Worten im Namen des Inkas begrüßte. Pizarro wiederum sandte einen befreundeten Kaziken mit einer Botschaft zu Atahualpa, in dem er ihn seiner Freundschaft versicherte. Der Kazike kam nach einigen Tagen zurück: Er sei beinahe umgebracht worden, und Atahualpas Botschafter sei in Wahrheit ein Spion. Derart gewarnt zogen die Spanier weiter und erreichten am 14. November 1532 die Stadt Cajamarca.

Atahualpa als Geisel der SpanierBearbeiten

Erste Begegnung mit AtahualpaBearbeiten

Die Stadt Cajamarca war fast menschenleer. Außerhalb der Stadt lagerte Atahualpa mit seinem rund 30.000 Mann umfassenden Heer. Pizarro sandte Hernando de Soto sowie seinen Bruder Hernando als Botschafter zu Atahualpa. Atahualpa empfing die beiden und erklärte, er werde die Spanier am folgenden Tag in Cajamarca besuchen.

Pizarro nimmt Atahualpa gefangenBearbeiten

 
Die Schlacht von Cajamarca in einer künstlerischen Darstellung

Die Spanier verbrachten die Nacht kampfbereit und voller Furcht. Francisco Pizarro fasste den Plan, Atahualpa in einen Hinterhalt zu locken. Er verteilte seine Begleiter in drei Schuppen in der weitläufigen Palastresidenz, die den Platz umgaben und ließ sie sich dort in der Deckung in aller Stille auf den Kampf vorbereiten.

Am folgenden Tag wurde Atahualpa in einer langen, Stunden dauernden Prozession von seinen wichtigsten Adeligen auf einer Sänfte in die Stadt getragen. Auf dem Hauptplatz war kein Spanier zu sehen. Dann trat der spanische Priester Vicente de Valverde vor ihn und forderte ihn auf, die Herrschaft des spanischen Königs anzuerkennen und zum christlichen Glauben überzutreten. Der Inkamonarch – gewohnt, dass sich alle seiner Herrschaft unterwerfen mussten – fragte ihn, worauf er seinen Glauben stütze und der Priester hielt ihm seine Bibel hin. Atahualpa sah sie sich sorgfältig an und hielt sie an sein Ohr, um zu sehen, ob das Buch zu ihm spräche. Doch als er nichts hörte, warf er das Buch zornig auf den Boden.

In diesem Moment gab Pizarro den Befehl zum Angriff. Die Spanier eröffneten mit ihren Gewehren und ihrer Artillerie das Feuer auf die unbewaffnete Menge. Durch die berittenen Soldaten und die lauten Schüsse entstand eine Massenpanik. Wer nicht von den Spaniern erschossen oder mit Schwerthieben niedergemacht wurde, den trampelte die angstvolle Menschenmenge zu Tode. Bei diesem Gemetzel, das später die Schlacht von Cajamarca genannt wurde, starben Berichten zufolge zwischen 2.000 und 10.000 Indios, während die Spanier fast keine Verluste zu beklagen hatten. Atahualpa wurde von Pizarros Soldaten gefangen genommen.

Atahualpa bietet ein LösegeldBearbeiten

 
Cuarto del Rescate in Cajamarca, wo Atahualpa gefangen gehalten wurde

Mit Atahualpa hatten die Spanier den entscheidenden Machtfaktor in der Hand. Der König saß nun gefangen in einer Zelle, doch er hatte tatsächlich noch immer die Befehlsgewalt über seine Generäle und sein Volk. Da er die große Gier der spanischen Invasoren nach Gold erkannte, schlug er ihnen vor, sich freikaufen zu lassen. Seine Untertanen sollten binnen zwei Monate seine Zelle bis zu der Höhe mit Gold füllen, die er selbst mit der Hand auf Zehenspitzen erreichte. Als Francisco Pizarro überrascht zögerte, bot er ihm zwei weitere Räume voller Silber an. Pizarro akzeptierte. In den folgenden Monaten wurden auf Atahualpas Befehl im ganzen Land Tempel und Paläste geplündert, um das Lösegeld beizubringen.

Expeditionen nach Pachacámac und CuscoBearbeiten

Als die Wochen vergingen und sich Pizarro beklagte, dass das Gold zu langsam käme, schlug Atahualpa vor, die Spanier sollten den Abtransport selbst überwachen. So kam es, dass Hernando Pizarro mit 20 Reitern drei Wochen lang 600 km südwärts an die Küste ritt, zum Heiligtum von Pachacámac, in der Nähe des heutigen Lima. Dieser Tempel war schon lange ein religiöses Zentrum und erst spät von den Inkas erobert worden. Aus Sicht der Spanier war die Reise eine Enttäuschung, weil die Priester die Schätze versteckt hatten, aber auf der Rückreise kamen sie nach Jauja, wo sie Atahualpas General Chalcuchímac trafen. Pizarro gelang es, Chalcuchímac zu überzeugen, ihn nach Cajamarca zu begleiten. Damit geriet der gefürchte General in die Hände der Spanier.

Drei andere Spanier wurden in Sänften in die Hauptstadt Cusco gebracht und überbrachten Quizquiz Atahualpas Befehl, ihnen das Gold der Stadt, insbesondere auch des Tempels Coricancha aushändigen, was dieser auch tat.

Ermordung HuáscarsBearbeiten

Huáscar war immer noch Gefangener von Atahualpas Anhängern. Als er erfuhr, dass Atahualpa in der Hand der Spanier war und sich loskaufen ließ, erhob er wieder Anspruch auf den Thron. Daraufhin wurde er getötet. Atahualpa sagte Pizarro gegenüber aus, dies sei gegen seinen Willen geschehen (was aber sehr unwahrscheinlich ist). Den Spaniern war damit die Möglichkeit genommen, sich mit Huáscar zu verbünden.

Verteilung der BeuteBearbeiten

Am 14. April 1533 traf Almagro in Cajamarca ein und brachte 150 Männer – eine Verdoppelung der spanischen Streitmacht. Für die Neuankömmlinge war die Ankunft eine herbe Enttäuschung, da sie an dem Lösegeld keinen Anteil haben sollten. Almagro und seine Männer drängten daher darauf, weiter nach Cusco zu ziehen und sich dessen Reichtümer zu bemächtigen.

Mitte Mai war das versprochene Gold und Silber ausgehändigt und wurde nun eingeschmolzen. Unersetzliche Inkakunst wurde damit unwiederbringlich zerstört. Die Beute wurde an Pizarros Männer verteilt; ein Fünftel stand dem König zu. Viele von Pizarros Männer machten sich nun auf die Heimkehr, und auch Hernando Pizarro reiste ab, um dem König zu berichten.

Hinrichtung AtahualpasBearbeiten

Die Spanier waren immer noch in einer prekären Situation: In Cajamarca waren sie isoliert im Landesinneren, umgeben von Zentausenden von Kriegern unter dem Kommando von Atahualpas Heerführern. Unter diesen Umständen wäre eine Freilassung Atahualpas Selbstmord gewesen. Insbesondere Almagro plädierte dafür, sich des Inkas zu entledigen. Als Gerüchte aufkamen, dass auf Atahualpas Befehl ein Angriff auf die Spanier bevorstand, gab das den Ausschlag. In einem eilig einberufenen Gerichtsprozess wurde der Inka am aufgrund einer fadenscheinigen Anklage zum Tode verurteilt. Atahualpas größte Fürsprecher – Hernando Pizarro, der nach Spanien unterwegs war, und Hernando de Soto, der auf Kundschaft war – waren dabei nicht zugegen.

Am 26. Juli 1533 wurde Atahualpa mit der Garrotte öffentlich hingerichtet. Zuvor hatte er sich taufen lassen, weil ihm zugesagt wurde, dass er in diesem Fall nicht verbrannt würde. Man gab ihm ein christliches Begräbnis. Für diesen Königsmord wurde Francisco Pizarro später selbst von spanischen Chronisten, wie etwa Pedro de Cieza de León stark kritisiert, der diese Tat als „das Widerwärtigste, was wir Spanier in Westindien je taten“ bezeichnete. Es wird auch berichtet, dass der Dolmetscher Felipillo aus Rachemotiven falsch übersetzt habe, aber dies ist möglicherweise nur ein Versuch, einen Sündenbock zu schaffen.[2]

Zug nach CuscoBearbeiten

Pizarro und Almagro befahlen nur den Marsch nach Cusco. Ein Bruder Huáscars, Túpac Huallpa, wurde von Pizarro zum neuen Sapa Inka ernannt und schwor ihm Loyalität.

In JaujaBearbeiten

Jauja lag auf halbem Wege nach Cusco. Hier wurden die Spanier von Truppen aus Atahualpas Streitkräften angegriffen, aber die Spanier konnten sie besiegen – auch deshalb, weil sie von vielen lokalen Bewohner unterstützt wurden. In Jauja starb Túpac Huallpa unter ungeklärten Umständen. General Chalcuchímac, den die Spanier gefangen mitführten, wurde später beschuldigt, für dessen Tod verantwortlich zu sein, und hingerichtet.

Einige Spanier blieben in Jauja, das damit der erste dauerhafte Stützpunkt der Spanier im Hochland wurde.

Einnahme von CuscoBearbeiten

Auf dem weiteren Weg nach Cusco unternahm Quizquiz mehrere vergebliche Versuche, die Spanier aufzuhalten. Schließlich gab er die Stadt auf, und am 15. November 1533 zogen die Spanier in Cusco ein.

Manco Inca als Verbündeter der SpanierBearbeiten

Der dort ansässige Adel hatte zuvor fast ausschließlich Huáscar unterstützt, und die meisten waren auf Atahualpas Befehl mit ihren Frauen und Kindern niedergemetzelt worden. Pizarro einigte sich mit den überlebenden Adeligen auf die Einsetzung von Manco Cápac, einem weiteren Sohn des Huayna Cápac, als neuem Sapa Inka. Die Spanier plünderten die Goldschätze der Hauptstadt, soweit sie nicht schon als Lösegeld nach Cajamarca gebracht worden waren.

Kampf gegen QuizquizBearbeiten

Quizquiz hatte zwar Cusco aufgegeben, stellte für die Spanier aber immer noch eine Bedrohung dar. Manco stellte den Spaniern große Truppenkontingente zur Seite, und es gelang ihnen, Quizquiz zum Rückzug in den Norden zu zwingen.

Eroberung des NordensBearbeiten

Pizarro hatte Sebastián de Belalcázar als Statthalter in seinem Stützpunkt San Miguel (Piura) an der nordperuanischen Küste gelassen. Als dieser erfuhr, dass Pedro de Alvarado in Guatemala eine Streitmacht von 500 Spaniern und Tausenden Indianern aufgestellt hatte und unterwegs war, um den Norden des Inkareichs mit seiner Metropole Quito zu erobern, brach er im Februar 1534 mit 200 Mann auf eigene Faust in die Anden auf, um Alvarado zuvorzukommen. Quito wurde von Atahualpas General Rumiñahui kontrolliert. Im Gegensatz zu Quizquiz, der im Süden als Besatzer in feindlichem Gebiet gegen die Spanier hatte kämpfen müssen, hatte Rumiñahui im Norden seine Heimat und Machtbasis. Belalcázar fand aber starke Verbündete im Volk der Kañari, das unter Atahualpa schwer gelitten hatte, und es gelang ihm in blutigen Kämpfen, Rumiñahui zurückzudrängen. Als in einer Schlacht die spanisch-kañarischen Truppen in große Bedrängnis gerieten, wurden sie durch eine Eruption des Vulkans Tungurahua gerettet, die von den Inkatruppen als schlechtes Vorzeichen gedeutet wurde. Rumiñahui erkannte, dass er Quito nicht halten konnte, ließ die Schätze abtransportieren und die Stadt niederbrennen und zog sich in die Berge zurück. Belalcázar nahm das zerstörte Quito im Juli 1534 ein.

Als Quizquiz aus dem Süden zurückkehrte und Quito besetzt vorfand, gaben seine kampfesmüden Truppen den Kampf auf. Quizquiz wurde von einem seiner Offiziere getötet.

Rumiñahui leistete mit den Resten seiner Kämpfer weiterhin Widerstand, wurde aber ein Jahr später von den Spaniern gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet.

KonsolidierungBearbeiten

Gründung von LimaBearbeiten

Da das im Hochland gelegene Cusco nur schwer von Panama zu erreichen war, reiste Pizarro an die Küste und gründete im Januar 1535 Ciudad de los Reyes, das heutige Lima, als neue Hauptstadt der nun „Neukastilien“ genannten Kolonie.

Almagros Zug nach ChileBearbeiten

Anfang 1535 traf dann ein Erlass Karls V. ein, der dem unzufriedenen Diego de Almagro ein eigenes Eroberungsrecht „Neutoledo“ südlich von Pizarros Herrschaftsgebiet einräumte. Im Juli desselben Jahres brach Almagro mit einer groß angelegten Expedition in Richtung Chile auf, das an der Südgrenze des Inkareichs lag. Manco gab ihm Tausende von Indios sowie seinen Bruder Paullu mit.

Manco Cápacs AufstandBearbeiten

Bald darauf kam es zum offenen Aufstand der Inka. Manco Cápac wurde von den Spaniern immer schlechter behandelt. Schon Ende 1535 hatte er zu fliehen versucht, doch die Spanier hatten ihn wieder in seinen Palast zurückbringen können und danach keine Milde mehr gezeigt. Man legte Manco in Ketten und ließ ihn öffentlich demütigen. Eine weitere Düpierung der Inka war die offene Begierde, die Gonzalo Pizarro gegenüber Mancos Schwesterfrau Cura Ocllo an den Tag legte; doch erst die Tötung mehrerer Inka-Generäle und Statthalter brachte das Fass zum Überlaufen.

Der Aufstand war bereits seit einiger Zeit von Manco Cápacs übrigen Generälen vorbereitet worden. Sie wussten, dass ihre traditionellen Waffen denen der Spanier weit unterlegen waren, doch sahen sie keine Alternative. Manco sandte danach Boten durch das ganze Reich, um überall Vorbereitungen treffen zu lassen. Man begann mit der geheimen Herstellung europäischer Waffen und der Organisation der Soldatentrupps, die gleichzeitig Lima und Cusco angreifen sollten.

 
Die Festung Sacsayhuamán oberhalb von Cusco heute

Der Beginn des Aufstandes war absichtlich auf Ostern 1536 festgesetzt worden. Eine Woche zuvor gelang Manco die Flucht vor seinen Bewachern zu einem vorbereiteten Versteck im Norden, wo sich seine Truppen sammeln sollten. Aufgrund von Verzögerungen konnte der Angriff allerdings erst Anfang Mai beginnen, nachdem es Meinungs­verschieden­heiten zwischen den Generälen über den genauen Angriffszeitpunkt gegeben hatte.

Als die Inka-Armee in Cusco ankam, waren etwa 200 Spanier sowie mehrere tausend indigene Soldaten in der Stadt stationiert. Unter diesen waren viele Kañaris und Chachapoyas aus dem Norden, welche in der späten Inkazeit umgesiedelt worden waren und dort eine wichtige Rolle als Elitetruppen spielten, bis sie sich den Spaniern anschlossen. Mancos Armee umfasste vermutlich mehrere Zehntausend Krieger (Augenzeugen sprechen von bis zu 30.000). Nachdem die Wasserversorgung unterbrochen worden war, begannen sie die Belagerung der Stadt. Obwohl ihre Niederlage fast sicher schien, kämpften die Spanier erbittert um ihr Leben – sie wussten, dass sie von den Inka keine Gnade zu erwarten hatten. Es gelang ihnen, die vorgelagerten Festung Sacsayhuamán zu erobern, wobei Juan Pizarro getötet wurde.

Zeitgleich begann die Belagerung von Lima, was Francisco Pizarro veranlasste, Hilfegesuche nach Panama, Mexiko und Guatemala zu schicken. Pizarro schickte er Entsatztrupps nach Cusco, die aber alle von den Inka vernichtet wurden, wobei über dreihundert Spanier den Tod fanden.

Mancos RückzugBearbeiten

Der Kampf um Cusco endete Anfang 1537, als Diego de Almagro von seiner erfolglosen Chile-Expedition zurückkehrte und zeitgleich eine Hilfsexpedition unter Alonso de Alvarado von Lima auf Cusco vorrückte. Mancos Versuch, Almagro auf seine Seite zu ziehen, scheiterte am gegenseitigen Misstrauen und wurde möglicherweise auch von Paullu hintertrieben. Mitte 1537 zog sich Manco mit seiner verbliebenen Armee ins Antisuyu, den im Osten des Reiches gelegenen Teil an den Hängen der Anden zum Amazonasbecken, zurück und unternahm erfolgreiche Guerillaaktionen.

Hier ließen ihm die Konquistadoren eine Verschnaufpause, denn Diego de Almagro und die Brüder Pizarro waren in Streit über die Verteilung der Beute geraten und bekämpften einander, bis Almagro unterlag und hingerichtet wurde. Nach dem Ende der Kämpfe jedoch eröffneten die Spanier erneut die Jagd auf Manco Cápac. Einer Expedition unter Gonzalo Pizarro konnte der Sapa Inka 1539 nur knapp entkommen. Sein letzter Zufluchtsort war nun Vilcabamba.

Eroberung von ChileBearbeiten

1540 zog Pedro de Valdivia mit nur 150 Soldaten durch Hochgebirge und Wüste nach Chile. 1541 gründete er die Hauptstadt Santiago und baute eine koloniale Verwaltung auf. Damit konnte er nicht nur den südlichsten Teil des Inkareichs unter spanische Kontrolle bringen, sondern auch Gebiete darüber hinaus.

Gründung des Vizekönigreichs PeruBearbeiten

Francisco Pizarro hatte das Land verwaltet und als Encomiendas an seine Mitstreiter verteilt. 1541 wurde er von Anhängern des hingerichteten Almagro ermordet. Daraufhin übernahm die spanische Krone die Verwaltung und gründete 1542 das Vizekönigreich Peru. Es folgten weitere unruhige Jahre, insbesondere eine Rebellion (1544–1548) der encomenderos unter der Führung von Gonzalo Pizarro, aber dann gelang es den Vizekönigen, eine stabile Verwaltung aufzubauen.

Das Ende des InkareichesBearbeiten

Manco Inca leistete weiterhin Widerstand, bis er 1544 ermordet wurde. In den Jahren darauf versuchten die Vizekönige, seine Nachfolger Sayri Túpac und Titu Cusi Yupanqui zur Aufgabe und Unterwerfung unter die spanische Oberhoheit zu bewegen. Widerstand mit kleineren Überfällen wechselte mit Zeiten relativen Friedens ab.

Erst im Mai 1572 beendeten die Spanier die Existenz des Exilreiches von Vilcabamba durch einen Großangriff auf die Stadt. Vilcabamba wurde nahezu kampflos eingenommen; der letzte Sapa Inka Túpac Amaru, Manco Cápacs jüngster Sohn, wurde gefangen genommen und am 24. September 1572 in Cusco öffentlich hingerichtet. Mit der Eroberung Vilcabambas erlosch das zuvor so mächtige Reich der Inka endgültig.

ChronikenBearbeiten

Über die Eroberung des Inkareiches gibt es mehrere Quellen aus erster oder zweiter Hand:

  • Francisco Xerez war Francisco Pizarros Privatsekretär und Augenzeuge der Gefangennahme Atahualpas. Er kehrte bald darauf nach Spanien zurück; 1534 erschien sein Buch „Verdadera relación de la conquista del Perú“.
  • Pedro Pizarro, ein Verwandter der Pizarro-Brüder, folgte Francisco 1530 als Page nach Amerika und war ebenfalls Augenzeuge der Schlacht von Cajamarca. Im Alter schrieb er die „Relación del descubrimiento y conquista de los reinos del Perú“, die er 1571 fertig stellte.
  • Pedro de Cieza de León kam erst ein Jahrzehnt später nach Cusco, konnte aber viele Gefolgsleute der Pizarros befragen. Seine mehrbändige „Crónica del Perú“ erschien 1553.
  • Agustín de Zárate kam 1543 als königlicher Buchhalter nach Peru. Seine „Historia de descubrimento y conquista del Peru“ erschien 1555.
  • Titu Cusi Yupanqui, Exilherrscher in Vilcabamba beschrieb 1570 in einen Brief an König Philipp II. und Vizekönig García de Castro, der „Relación de cómo los españoles entraron en Birú y el subceso que tuvo Manco Inca en el tiempo que entre ellos vivió“, die Ereignisse aus inkaischer Sicht.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Lieselotte und Theodor Engl: Die Eroberung Perus in Augenzeugenberichten. 2. Aufl., Dt. Taschenbuch-Verl., München 1977. ISBN 3-423-01100-9.
  • Siegfried Huber: Pizarro – Gold, Blut und Visionen. Walter-Verlag, Olten 1978, ISBN 3-530-38581-6.
  • John Hemming: The Conquest of the Incas. Pan, London 2004, ISBN 0-3304-2730-X.
  • Hugh Thomas: Rivers of Gold. The Rise of the Spanish Empire. London 2003 (ND New York 2005).
  • Hugh Thomas: The Golden Empire. Spain, Charles V, and the Creation of America. New York 2010.
  • Hugh Thomas: World Without End. Spain, Philip II, and the First Global Empire. New York 2014.
  • Michael Wood: Auf den Spuren der Konquistadoren. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-010515-3.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Insgesamt sollten mindestens drei Viertel aller indigenen Bewohner Amerikas den von den Europäern mitgebrachten Krankheiten erliegen
  2. John Hemming: The conquest of the Incas. Macmillan, 1993, ISBN 0-333-10683-0, S. 82