Simin Tander

deutsche Jazzmusikerin

Simin Tander (* 19. Oktober 1980 in Köln)[1] ist eine deutsche Jazzmusikerin (Gesang, Komposition) mit afghanischen Wurzeln.[2]

Simin Tander, Cosmopolite Scene Oslo (2016)

Leben und WirkenBearbeiten

Tander ist die Tochter eines afghanischen Journalisten und einer deutschen Lehrerin. Ihr Vater starb, als sie ein kleines Kind war. Sie wuchs in Köln auf. Ihre ältere Schwester Mina Tander ist Schauspielerin.[3] Als Simin Tander Abitur machte, war sie einem Plattenvertrag als Popsängerin sehr nahe. Sie schlug diesen aus. Während ihrer Gesangsausbildung bei einer Opernsängerin wurde ihr bewusst, dass ihr Herz eher für die gesangliche Improvisation als für die Klassik schlägt. Sie nahm Klavierunterricht und gründete ihre erste eigene Band. Ab 2002 studierte sie auf dem Konservatorium ArtEZ in den Niederlanden Jazzgesang.[4] Dort schloss sie 2008 mit einem Master of Music ab. In den darauf folgenden Jahren spielte sie in den Niederlanden mit dem Trompeter Eric Vloeimans und mit Bo van de Graafs I Compani (sie war an den Alben Fellini,[5] Garbo und Extended 2013 beteiligt). In Deutschland war sie auf Soundtracks von Tatort und in zwei Episoden der ZDF-Reihe Der Kriminalist zu hören.

Von 2006 bis 2018 leitete Tander ihr Quartett, zu dem Jeroen van Vliet (Gewinner des Boy-Edgar-Preis 2014), Etienne Nillesen und Cord Heineking gehören. Mit ihnen hat sie zwei Alben veröffentlicht und auf diversen internationalen Bühnen, wie dem North Sea Jazz Festival, dem Bohemia Jazz Festival (Tschechien), dem Catania Jazz Festival (Italien), dem Madrid Jazz Festival (Spanien), dem OCT LOFT Festival (China), dem Hong Kong Jazz Festival oder dem Jarasum Jazzfestival (Südkorea) gespielt. Tander wurde außerdem mehrere Male vom UN Women Komitee Deutschland für internationale Veranstaltungen eingeladen und interpretierte im Juni 2015 in Berlin während der Peking 20 Konferenz den UN-Women-Song One Woman.

In 2014 begann Tander mit dem norwegischen Pianisten Tord Gustavsen eine Zusammenarbeit, die (gemeinsam mit dem Schlagzeuger Jarle Vespestad) in das in 2015 aufgenommene Album What Was Said mündete. Das 2016 erschienene Album erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik.[6] 2017 kooperierte sie zudem mit dem WDR Rundfunkchor Köln, der ihre eigenen Kompositionen sang und gemeinsam mit ihr aufführte.[7] Daneben war sie in weiteren Projekten, wie dem 2015 auf dem TFF Rudolstadt mit der Ruth ausgezeichneten Ensemble Eurasians Unity unter der Leitung von Caroline Thon, in Heiner SchmitzSins & Blessings und in Hans Lüdemanns Enchanted Forest zu hören. 2019 formte sie eine neue Band mit dem schwedischen Bassisten Björn Meyer, dem schweizerischen Schlagzeuger Samuel Rohrer und dem tunesischen Viola d’amore-Spieler Jasser Haj Youssef, mit der sie 2020 ihr neues Album Unfading veröffentlichte.[8]

Seit 2011 ist sie des Weiteren als Dozentin für Jazzgesang am Institut für Musik Osnabrück und seit 2018 an der Hochschule für Musik und Tanz Köln tätig.

 
Simin Tander mit ihrem ehemaligen Quartett 2018 in Köln

Diskographische HinweiseBearbeiten

  • Wagma (Neuklang 2011, mit Jeroen van Vliet, Cord Heineking, Etienne Nillesen)
  • Hazel Leach: Songs from the Edge (JazzHausMusik 2012, mit Tessa Zoutendijk, Esmée Olthuis, Laia Genc)
  • Where Water Travels Home (Jazzhaus Records 2014, mit Jeroen van Vliet, Etienne Nillesen, Cord Heineking, sowie Alex Simu, Niti Ranian Biswas)
  • Tord Gustavsen w/ Simin Tander & Jarle Vespestad: What Was Said (ECM Records 2016) Preis der deutschen Schallplattenkritik[6]
  • Unfading (Jazzhaus Records 2020, mit Björn Meyer, Jasser Haj Youssef, Samuel Rohrer)

WeblinksBearbeiten

Commons: Simin Tander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Pressebericht Kulturzeitschrift.at
  2. Simin Tander – Official Website. Abgerufen am 25. Oktober 2020 (deutsch).
  3. Mina und Simin Tander sind ziemlich beste Schwestern (B.Z. 2018)
  4. Simin Tander kommt zum Jazz-Festival Freiburg, Badische Zeitung, 17. September 2012
  5. Kurzbiographie (Memento vom 5. Juli 2015 im Webarchiv archive.today)
  6. a b Preis der Deutschen Schallplattenkritik: Tord Gustavsen Trio erhält Jahrespreis
  7. Late Night Serenade
  8. Simin Tander - Unfading, jazz-fun.de 9. Oktober 2020, abgerufen 13. November 2020