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Sigitas Tamkevičius

litauischer römisch-katholischer Erzbischof von Kaunas
Erzbischof Tamkevičius in der Vepriai-Kirche (2010)
Kardinalswappen von Sigitas Tamkevičius

Sigitas Kardinal Tamkevičius SJ (* 7. November 1938 in Gudonys, Rayon Lazdijai) ist litauischer römisch-katholischer Ordensgeistlicher und emeritierter Erzbischof von Kaunas.

LebenBearbeiten

1955 beendete Sigitas Tamkevičius die Mittelschule in Seirijai und trat in das Priesterseminar Kaunas ein. Die Priesterweihe erhielt er am 18. April 1962. Anschließend war er Kaplan in Alytus, Lazdijai, Kudirkos Naumiestis, Prienai und Simnas. 1968 trat er den Jesuiten bei,[1] einem in der Sowjetunion verbotenen Orden.

„Chronik der katholischen Kirche in Litauen“Bearbeiten

Seit dem 19. März 1972 gab er die litauische römisch-katholische Zeitschrift (Lietuvos Katalikų Bažnyčios Kronika, deutsch: Chronik der katholischen Kirche in Litauen) heraus und war als Redakteur 11 Jahre tätig.[2] Wegen seiner religiösen und antisowjetischen Ansichten und Tätigkeit wurde er langjährig von sowjetischen Geheimdiensten und Behörden verfolgt.

Im GulagBearbeiten

Am 6. Mai 1983 wurde Sigitas Tamkevičius zu 6 Jahren Arbeitslager und 4 Jahren Exil verurteilt. Daraus wurden 5 Jahre in vier sowjetischen Gulag-Lagern (darunter die Lager Perm 37, Perm 36 und Perm 35) und ein halbes Jahr Landesverweis.[3] Er wurde nach Art. 70 StGB UdSSR (Art. 68 StGB LSSR, „wegen antisowjetischer Agitation und Taten“) verurteilt. In der Untergrundzeitung Chronik der katholischen Kirche in Litauen hatte er über die Christenverfolgung in der Sowjetunion berichtet.

Sigitas Tamkevičius leistete Zwangsarbeit in der Krankenstation und in der Küche der Lager, wurde aber auch in den Sümpfen beim Kanalbau eingesetzt. Dabei nahmen seine Beine im harten Klima Sibiriens schweren Schaden. Sein Glaube wurde gefestigt durch sein Gebet und die Arbeit im Straflager. Das Neue Testament wurde ihm gelassen, und den Ablauf der Messe kannte er auswendig. Um die Heilige Messe feiern zu können, fehlte ihm nur Messwein.

Er hatte die Erlaubnis, monatlich ein 5-kg-Paket zu erhalten. Tamkevičius bat immer um Rosinen, da er im Seminar gelernt hatte, wie man daraus in extremer Notlage Wein herstellt (mit Wasser fermentieren die Rosinen innerhalb von drei Tagen). So konnte man in der Gefangenschaft die heilige Messe feiern (mit dem Rücken zur Tür). Wenn irgend möglich, konnten Mitgefangene daran teilhaben. Kleine Gefäße hatte Sigitas Tamkevičius im Brillenetui verborgen.

KGB-VerfolgungBearbeiten

Der KGB gestattete ihm nicht, seinen Rosenkranz zu behalten. Aber ein Zellengenosse (ein Seemann) fertigte aus Brot einen Rosenkranz für Sigitas Tamkevičius an. Der KGB erhielt davon Kenntnis und spottete in einer Sowjetzeitung: der Gefangene halte in einer Hand einen Rosenkranz und in der anderen den Hammer. Nach der Zwangsarbeit des Tages gab es freie Zeit, und so konnte Sigitas Tamkevičius täglich drei Stunden beten, auch den Rosenkranz.

Als die Behörden überlegten, ihn zu entlassen, zugleich aber äußerst interessiert waren, Informationen zu erhalten, lud – das war sehr ungewöhnlich – ein junger KGB-Oberst den Priester zum Tee ein. Danach konnte er sich von 14 bis 22 Uhr an nichts mehr erinnern. Es waren Drogen im Tee; und im Verhör versuchte man – erfolglos – an Informationen über die Veröffentlichungen der Untergrundkirche zu kommen. Am 4. Dezember 1988 konnte Sigitas Tamkevičius nach Vilnius zurückkehren.[4]

BischofBearbeiten

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde Sigitas Tamkevičius am 8. Mai 1991 von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Kaunas und zum Titularbischof von Turuda ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm der Erzbischof von Kaunas, Vincentas Kardinal Sladkevicius, am 19. Mai 1991; Mitkonsekratoren waren der Bischof von Telšiai, Antanas Vaičius, der Apostolische Administrator von Panevėžys, Juozas Preikšas, und dessen Amtsvorgänger Romualdas Krikšciunas, sowie Vladas Michelevičius, Weihbischof in Kaunas.

Am 4. Mai 1996 trat er, nach dem Rücktritt von Vincentas Sladkevicius, dessen Nachfolge als Erzbischof von Kaunas an.

Am 11. Juni 2015 nahm Papst Franziskus seinen altersbedingten Rücktritt an.[5]

Von 1999 bis 2002 und erneut von 2005 bis 2014 war er Vorsitzender der Litauischen Bischofskonferenz.

Am 1. September 2019 gab Papst Franziskus bekannt, ihn im Konsistorium vom 5. Oktober 2019 als Kardinalpriester in das Kardinalskollegium aufnehmen zu wollen. Wegen der Überschreitung der Altersgrenze ist er bei einem Konklave nicht wahlberechtigt.[6] Bei der Kardinalskreierung wies ihm der Papst am 5. Oktober 2019 die Titelkirche Sant’Angela Merici zu.[7]

EhrungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Arkivyskupas Sigitas Tamkevičius SJ. Litauische Bischofskonferenz, abgerufen am 1. Oktober 2019 (litauisch).
  2. Detlev Preuße: Umbruch von unten. Die Selbstbefreiung Mittel- und Osteuropas und das Ende der Sowjetunion. Springer, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-04971-3, S. 83.
  3. Detlev Preuße: Umbruch von unten. Die Selbstbefreiung Mittel- und Osteuropas und das Ende der Sowjetunion. Springer, Wiesbaden 2014, S. 159.
  4. Detlev Preuße: Umbruch von unten. Die Selbstbefreiung Mittel- und Osteuropas und das Ende der Sowjetunion. Springer, Wiesbaden 2014, S. 402.
  5. Rinuncia dell’Arcivescovo Metropolita di Kaunas (Lituania) e nomina del successore. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 11. Juni 2015, abgerufen am 11. Juni 2015 (italienisch).
  6. Annuncio di Concistoro il 5 ottobre per la creazione di nuovi Cardinali. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 1. September 2019, abgerufen am 1. September 2019 (italienisch).
  7. Concistoro Ordinario Pubblico: Assegnazione dei Titoli. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 5. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019 (italienisch).
  8. Miesto Garbės piliečiai. kaunas.lt, 8. September 2018, abgerufen am 12. Oktober 2019 (litauisch).