Hauptmenü öffnen
Sichuan-Tibet-Bahn
Strecke der Sichuan-Tibet-Bahn
Streckenlänge:1629 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Höchstgeschwindigkeit:160 km/h–200 km/h
   
0 Chengdu 500 m ü. M.
   
Yaan 580 m ü. M.
   
Kangding 2560 m ü. M.
   
Litang 3950 m ü. M.
   
Zogang 3800 m ü. M.
   
Bomê 2750 m ü. M.
   
Nyingchi 3000 m ü. M.
   
1629 Lhasa 3640 m ü. M.

Die Sichuan-Tibet-Bahn oder der Sichuan–Xizang Railway (chinesisch 川藏鐵路, Pinyin Chuānzáng Tiělù) soll über 1.600 km Tibets Hauptstadt Lhasa auf direktem Weg mit der Millionenstadt Chengdu und weiter mit den Zentren im Osten und Südosten Chinas verbinden. Die Fertigstellung der kompletten Strecke ist für das Jahr 2026[1] oder 2030 geplant.[2] Neben der seit 2006 in Betrieb befindlichen Lhasa-Bahn wird dies die zweite Eisenbahnverbindung zwischen der autonomen Region Tibet und dem Kernland Chinas sein.

Inhaltsverzeichnis

Geografische LageBearbeiten

Die Strecke führt durch das dünn besiedelte Hochgebirge im Osten Tibets und im Westen der Provinz Sichuan.

GeschichteBearbeiten

VorüberlegungenBearbeiten

Bereits vor rund hundert Jahren gab es auf chinesischer Seite Interesse an einer Eisenbahnverbindung nach Tibet. Mao Zedong hat die Idee in den 1950er Jahren wieder ins Gespräch gebracht.[3] Angesichts der zu überwindenden Hochgebirgsketten sind die technischen Probleme allerdings enorm. Der erfolgreiche Bau der Lhasa-Bahn, die Höhen von über 5000 m erreicht, ermutigte die Entscheidungsträger zum Start des Projekts. Die Kosten werden auf 40 Mrd. USD geschätzt. Die Realisierung erfolgt in mehreren Bauabschnitten jeweils ausgehend von den beiden Endpunkten.

BaubeginnBearbeiten

Im Oktober 2014 hat die oberste chinesische Planungsbehörde den Bau der Sichuan-Tibet-Bahn genehmigt.[4] Im selben Jahr wurden bereits erste Arbeiten in Lhasa und in Chengdu begonnen. Als erste Sektion wird der Streckenabschnitt von Lhasa nach Nyingchi (402 km) erstellt. Allein dieser Abschnitt, mit dessen Bau im Juni 2015 begonnen wurde, wird ca. 6,9 Mrd. USD kosten. Die Bauzeit soll sieben Jahren betragen.[4] Bauherr ist die China Railway Eryuan Engineering Group, eine Tochtergesellschaft der staatlichen Eisenbahngesellschaft Chinas.[5] Als erster Abschnitt

EröffnungBearbeiten

Am 28. Dezember 2018 wurde auf dem 141 km langen Abschnitt Chengdu–Ya’an der planmäßige Betrieb aufgenommen. Der Abschnitt ist für Mischbetrieb eingerichtet. Für Personenzüge bestehen hier Höchstgeschwindigkeiten zwischen 160 km/h und 200 km/h. Der Betrieb wurde mit 10 Zugpaaren pro Tag aufgenommen. Die schnellsten verkehren mit einer Fahrzeit von 56 Minuten über die Strecke. 2021 soll ein etwa 400 km langer Abschnitt in Tibet eröffnet werden. Die Eröffnung der Gesamtstrecke wird für 2026 erwartet.[6]

LinienführungBearbeiten

 
Serpentinen auf dem Sichuan-Tibet Highway

Die Trasse folgt im Wesentlichen dem Sichuan-Tibet-Highway, der Teil der Nationalstraße 318 ist. Es werden 14 Gebirgsmassive gequert, von denen zwei höher als der Mont Blanc sind. In Summe sind 14.000 Höhenmeter zu überwinden. Das Gebirgsland ist bekannt für häufige Erdbeben, dort stoßen die indische an die eurasische Kontinentalplatten aufeinander.[7] Erdrutsche, Schneelawinen oder Überschwemmungen sind nicht ungewöhnlich. Die Region ist außerdem ökologisch sensibel. Der mittlere Abschnitt von Kangding nach Nyingchi gilt als besonders anspruchsvoll, er wird zuletzt fertiggestellt werden.[5] Rund die Hälfte der Strecke verläuft auf oder in Kunstbauten. Die Bahnstrecke ist für eine Geschwindigkeit von 160 km/h bis 200 km/h ausgelegt. Die Frachtkapazität soll 10 Mio. Jahrestonnen betragen.[4] Als Reisezeit von Chengdu nach Lhasa werden 13 Std. bis 15 Std. geplant. Auf der Lhasa-Bahn sind Züge zwischen Peking und Lhasa 48 Std. unterwegs. Auf der Straße beträgt die Reisezeit drei Tage.

BedeutungBearbeiten

Durch die Bahnstrecke wird ein unwegsames Gebiet verkehrstechnisch erschlossen und die Verbindung zwischen Tibet und dem chinesischen Kernland wird gestärkt. Dies wird vielfältige wirtschaftliche, kulturelle und politische Auswirkungen für die Bewohner entlang der Strecke haben. Wie bereits bei der Lhasa-Bahn wird auch ein Anstieg des Tourismus erwartet. Große Waldgebiete sowie Lagerstätten mit Kupfer und anderen Rohstoffe befinden sich im Einzugsgebiet. Es gibt auch außenpolitische Interessen, die Bahnlinie verläuft nahe der Grenze nach Indien. Der Grenzverlauf ist hier zwischen den beiden Staaten umstritten.[3][8]

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. bac: China, S. 187.
  2. Sichuan Tibet Railway - Under Construction (en) tibetdiscovery.com. Abgerufen am 27. August 2017.
  3. a b A new railway to Tibet - Doubling down (en) economist.com. 21. Mai 2016. Abgerufen am 27. August 2017.
  4. a b c China Approves New Railway for Tibet (en) CRI. 31. Oktober 2014. Abgerufen am 27. August 2017.
  5. a b China’s $37bn railway to Tibet is “world’s riskiest” (en) GCR Global Construction Review. 7. Juli 2017. Abgerufen am 28. August 2017.
  6. bac: China, S. 187.
  7. Lobsang Tsering: The Most Difficult Segment of Sichuan Tibet Railway Is Expected to Start Construction in 2018 (en) tibettravel.org. 18. Oktober 2016. Abgerufen am 28. August 2017.
  8. Claude Arpi: The Sichuan-Tibet rail-line on the way (en) idr Indien Defence Review. 5. Februar 2016. Abgerufen am 28. August 2017.