Semmelweis-Frauenklinik

Denkmalgeschütztes Objekt in Währing (1587)
Logo der Semmelweis-Frauenklinik
Stele an der Einfahrt
Übersichtstafel

Die Semmelweis-Frauenklinik war eine Frauenklinik im 18. Wiener Gemeindebezirk Währing. Sie war nach dem Arzt Ignaz Semmelweis benannt.

Lage und ArchitekturBearbeiten

Die Klinik lag an der Bastiengasse 36–38 im Bezirksteil Gersthof. Sie bestand aus sechs fünfgeschoßigen Pavillons in einer Parkanlage.

In der Anlage steht ein Denkmal Kaiser Franz Josephs I., das 1910 vom Bildhauer Georg Leisek geschaffen wurde. Es befand sich bis 1936 im Pflegeheim Lainz. Auf einem Kantpfeiler steht eine Ignaz Semmelweis darstellende Büste, ein Werk des Bildhauers Rudolf Schmidt aus dem Jahr 1944. Am secessionistischen Gitterportal der Klinik ist das niederösterreichische Wappen angebracht.[1]

GeschichteBearbeiten

Die Anlage wurde von 1908 bis 1910 im Auftrag der niederösterreichischen Landesregierung durch das Niederösterreichische Landesbauamt als Findelhaus auf dem Grund des ehemaligen Gersthofer Schlosses[2] erbaut. Die Architekten waren Karl Otto Limbach und Max Haupt. Hier war das Niederösterreichische Landes-Zentralkinderheim untergebracht. Als Wien 1922 als eigenes Bundesland von Niederösterreich getrennt wurde, übernahm die Stadt Wien die Institution.[3]

1943 gründete die Stadt in zunächst zwei Pavillons die Semmelweis-Frauenklinik. Im Jahr 2002 wurde sie in die städtische Krankenanstalt Rudolfstiftung des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) eingegliedert.

Im Zuge der Neuordnung der Wiener Spitalslandschaft übersiedelte im Juni 2019 die Belegschaft der Semmelweis-Frauenklinik in das neu errichtete Krankenhaus Nord. Die medizinischen Einrichtungen und Betten werden von der Rudolfstiftung vor Ort weiter benutzt.[4]

Danach sollen die Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt werden,[5] ein Teil wird bereits seit 2012 von der privaten „AMADEUS international school of music VIENNA“ genützt.[6] Auf einem privatisierten Teil des Areals wurden Luxuswohnungen errichtet. Die Oppositionsparteien FPÖ und NEOS kritisierten den Verkaufspreis als zu niedrig und eine Nähe des Käufers zur regierenden SPÖ.[7] Welche Nachnutzung es für die Parkanlagen geben soll, ist noch nicht geklärt.[4]

LeistungenBearbeiten

Seit den 1970er Jahren gab es in der Semmelweis-Frauenklinik Rooming-in. Die Klinik betreute jährlich rund 5500 stationäre Patientinnen und pro Jahr wurden hier etwa 2200 Babys entbunden.[4] In der Klinik sind die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe und die Abteilung für Anästhesiologie der Rudolfstiftung untergebracht. Die sieben Spitalsambulanzen waren auf Untersuchungen des Beckenbodens und Beckenbodentraining, Dysplasie, Geburtshilfe, Gynäkologie, Psychosomatik, Ultraschall für Pränataldiagnostik sowie Urogynäkologie spezialisiert. Eine interdisziplinäre Einrichtung war der Wahlhebammengeburt gewidmet. Hinzu kam eine Muttermilch-Sammelstelle.

In der Semmelweis-Frauenklinik befand sich außerdem ab 1992 ein Gesundheitszentrum für Frauen, Eltern und Mädchen des Instituts für Frauen- und Männergesundheit.

BilderBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Semmelweis-Frauenklinik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dehio-Handbuch Wien. X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk. Hrsg. v. Bundesdenkmalamt. Anton Schroll, Wien 1996, ISBN 3-7031-0693-X, S. 471–472.
  2. Wien. Bau eines Gebäudes für Angestellte. In: Der Bautechniker, 28. Februar 13, S. 4 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/bau.
  3. Gersthof auf der Website des Bezirksmuseums Währing.
  4. a b c Letzter Tag der Semmelweisklinik. In: wien.orf.at. 9. Juni 2019, abgerufen am 9. Juni 2019.
  5. „Verwertung“ der Semmelweis Frauenklinik auf der Website der WSE, abgerufen am 16. Juni 2019.
  6. Semmelweis-Areal erhält Musik-Gymnasium, auf wien.gv.at, abgerufen am 8. Februar 2014.
  7. David Krutzler: Staatsanwälte ermitteln wegen Privatisierungen auf Semmelweis-Areal. In: derstandard.at. 28. Juni 2018, abgerufen am 16. Juni 2019.

Koordinaten: 48° 14′ 7″ N, 16° 19′ 9″ O