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Schloßplatz (Berlin)

Platz in Berlin-Mitte

Der Schloßplatz im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks ist ein Platz auf der Museumsinsel. Ursprünglich trug nur die Fläche südlich des Berliner Schlosses mit dem Schloßbrunnen diesen Namen, heute tragen ihn auch die ehemalige Schloßfreiheit und die Fläche nördlich bis zum Lustgarten. Umgeben wird der Schloßplatz vom Neuen Marstall und dem Staatsratsgebäude im Süden, vom ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal im Westen und vom Berliner Dom im Norden. Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt Forum wird der Platz bis 2023 neu gestaltet.

Schloßplatz
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Schloßplatz
Luftbild mit Schloßplatz (links) und Lustgarten (rechts), um 1900
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Einmündende Straßen
Rathausstraße,
Breite Straße,
ehemalige Brüderstraße,
Werderscher Markt,
Schloßfreiheit
Bauwerke Berliner Schloss,
Neuer Marstall.

  Ehemalige Bauwerke:

Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger, Radfahrer, Straßenverkehr

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Schloßplatz und Umgebung auf dem Straubeplan, 1910
 
Schlossbaustelle mit Schloßplatz (links) und Lustgarten (rechts), 2015

Vor der Befestigung des späteren Schloßplatzes befand sich hier ein Ende der Stechbahn, einer Anlage für Turnierspiele, die Kurfürst Joachim II. 1537 errichten ließ. Nach Beseitigung des Turnierplatzes erinnerte daran die in den Schloßplatz mündende Straße An der Stechbahn, die aber durch eine Veränderung der Bebauung 1866 verschwand. Das ehemalige Schloss stand zwischen drei Plätzen – dem Lustgarten im Norden, der Schloßfreiheit am Spreekanal im Westen und dem historischen Schloßplatz im Süden. Im Jahr 1830 kam es auf dem Platz im Zuge der Schneiderrevolution zu Massenversammlungen und Unruhen. 1891 wurde auf dem Schloßplatz der von Reinhold Begas entworfene Schloßbrunnen, ein Geschenk des Magistrats für Kaiser Wilhelm II., aufgestellt, der Brunnen heißt heute Neptunbrunnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte das beschädigte Schloss zunächst wieder aufgebaut werden. Ein Plan von Stadtbaudirektor Richard Ermisch sah außerdem vor, das ursprünglich auf der Rathausbrücke befindliche Reiterstandbild des Großen Kurfürsten am Ostrand des Schloßplatzes neu aufzustellen.[1] Dennoch wurde das Schloss auf Beschluss des Politbüros des ZK der SED trotz zahlreicher internationaler Proteste 1950 gesprengt. Der Schloß- bzw. Neptunbrunnen wurde eingelagert und 1969 auf der Freifläche zwischen der Marienkirche und dem Roten Rathaus aufgestellt. 1951 erhielt das abgeräumte Areal zusammen mit dem Lustgarten sowie der Schloßfreiheit und dem historischen Schloßplatz den Namen Marx-Engels-Platz. Eine für die Partei- und Staatsführung der DDR errichtete Tribüne erhielt auf der Ostseite parallel zur Spree ihren Platz. Das restliche Areal diente nun als Aufmarschplatz für Großdemonstrationen und Militärparaden. 1973 begann anstelle der Tribüne auf dem östlichen Teil der ehemaligen Schlossfläche die Errichtung des Palastes der Republik, der 1976 eröffnet wurde. 1990 kam es jedoch wegen Asbestverseuchung zur Schließung des Gebäudes.

Nach der politischen Wende erfolgten im unbebauten Bereich des Schlossareals archäologische Grabungen, wobei ein Teil der Schlossfundamente und Kellerbereiche freigelegt wurden. 1991 erhielt der nördliche Teil des Marx-Engels-Platzes wieder seinen ursprünglichen Namen Lustgarten zurück, während es 1994 zur Umbenennung des restlichen Marx-Engels-Platzes in Schloßplatz kam. Weitere Grabungen seit 2008 legten auch Fundamente des Dominikanerklosters Cölln frei. Nach seiner Asbestsanierung von 1997 bis 2002 erfolgte zwischen 2006 und 2008 der Abriss des Palastes der Republik. Um eine Zwischennutzung der entstandenen Brache zu ermöglichen, wurde anschließend die Fläche mit Rasenflächen, begehbaren hölzernen Stegen und Sitzstufen gestaltet. Anfang 2013 endete die Übergangsnutzung, es begann in Vorbereitung des Wiederaufbaus des Stadtschlosses der vollständige Rückbau.[2]

Seit 2013 wird auf dem Schlossareal gemäß Bundestagsbeschluss[3] von 2002 ein Neubau in den äußeren Ausmaßen des ehemaligen Schlosses errichtet, wobei drei barocke Schlossfassaden (Nord-, West- und Südseite) sowie der Schlüterhof rekonstruiert werden. Die Ostseite an der Spree wird modern gestaltet. Am 12. Juni 2013 legte Bundespräsident Joachim Gauck den Grundstein für den Neubau, der als Humboldtforum genutzt werden soll. Bis zur Eröffnung (gemäß heutigem Planungsstand 2019) informieren die Ausstellungen in der temporär errichteten Humboldt-Box am Schloßplatz 5 über das Bauvorhaben und die Konzepte für das Humboldtforum.

Am 13. April 2011 wurde bekannt, dass im Wettbewerb für das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal auf dem Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals auf der Schloßfreiheit, d. h. in unmittelbarer Nähe zum Schloßplatz, eine Entscheidung durch die Jury getroffen worden ist. Gebaut werden soll das Monument „Bürger in Bewegung“ des Architekten Johannes Milla und der Choreographin Sasha Waltz in der Form einer großen begehbaren Wippe. So soll gezeigt werden, dass viele Menschen große Veränderungen bewirken können.[4]

FreiraumgestaltungBearbeiten

 
Planungsgrundlage des Berliner Senats für die Gestaltung des Schlossplatzes

Im Januar 2013 erhielt das Berliner Büro bbz Landschaftsarchitekten den 1. Preis beim Wettbewerb „Freiraumgestaltung Umfeld Humboldtforum“. Der Entwurf sieht eine zeitgenössische Gestaltung des Schlossumfeldes vor, die jedoch eine Rückkehr historischer Elemente zulässt.[5] Hierzu zählen unter anderem die Adlersäule an der Ecke zur Schlossbrücke, die Rossebändiger am Lustgarten und der Neptunbrunnen am Schlossplatz. Laut einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap im Mai 2017 befürwortet die große Mehrheit der Bevölkerung (65 %) ein historisches Schlossumfeld; nur ein kleiner Anteil (20 %) bevorzugt die zeitgenössische Variante.[6]

Ursprünglich sollte die Freiraumgestaltung zusammen mit dem Humboldtforum im Jahr 2019 fertiggestellt sein. Ende Dezember 2018 teilte die zuständige Senatsbauverwaltung jedoch mit, dass das Schlossumfeld aufgrund des U-Bahn-Baus voraussichtlich erst 2023 fertiggestellt wird.[7]

RechtschreibungBearbeiten

Die amtliche Umbenennung wieder in Schloßplatz geschah 1994, also vor der ß-Rechtschreibreform. Zwar müsste es nach dieser Reform Schlossplatz heißen, aber es erfolgte wie allgemein üblich keine Änderung des Straßen- bzw. in diesem Fall Platznamen. Ähnliches gilt für weitere Schloß-Phrasen wie beispielsweise Schloßbrunnen, -freiheit, -brücke im Zusammenhang mit dem Berliner Stadtschloss. Diese Eigennamen werden hier so verwendet, wie sie jeweils nach der zu ihrer Zeit gültigen Rechtschreibung verwendet wurden.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schloßplatz (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/P/84639.php
  2. Holzstege auf dem Schlossplatz werden zurückgebaut – Übergangsnutzung wird nach drei Jahren beendet. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, 20. Dezember 2012, abgerufen am 24. Dezember 2012.
  3. Beschluss des Deutschen Bundestages vom 4. Juli 2002 (Memento vom 14. Oktober 2013 im Internet Archive)
  4. Das Einheitsdenkmal wird eine Schaukel In: Der Tagesspiegel, 14. April 2011
  5. Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb "Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum" / Land Berlin. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  6. Umfrage: Hälfte der Berliner ist gegen Einheitsdenkmal. (bz-berlin.de [abgerufen am 4. Juni 2017]).
  7. Isabell Jürgens: Das Berliner Schloss bleibt bis 2023 eine Großbaustelle. 23. Dezember 2018, abgerufen am 25. Dezember 2018 (deutsch).
  8. Monika De Frantz will defend her thesis, Wednesday 27. October 2004, 17–19 h, Cappella, Villa Schifanoia, Department of Political and Social Sciences.

Koordinaten: 52° 31′ 3″ N, 13° 24′ 10″ O