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Schlesien (Tschechien)

Landesteil im Nordosten der Tschechischen Republik
Karte Schlesiens mit heutigen Verwaltungsgrenzen
Historische Landesteile Tschechiens:
  • Schlesien
  • Böhmen
  • Mähren
  • Schlesien (auch Tschechisch-Schlesien, Mährisch-Schlesien bzw. Sudetenschlesien, tschechisch Slezsko, heute auch: České Slezsko) ist ein Gebiet im Nordosten der Tschechischen Republik, das einen Großteil des historischen Österreichisch-Schlesiens umfasst. Es war neben Böhmen und Mähren eines der drei Länder der Böhmischen Krone. Der schlesische Wappenadler bildet eines der vier Felder des großen Wappens der Tschechischen Republik. Heute gehört das Gebiet zu einem Gutteil zum Moravskoslezský kraj (Mährisch-Schlesische Region, ehemals Ostrau) und als kleiner Nordteil zum Olomoucký kraj (Olmütz).

    Inhaltsverzeichnis

    GeographieBearbeiten

    Das Gebiet liegt zum größeren Teil in den Sudeten, die im Osten in die Karpaten (Beskiden) übergehen. Die wichtigsten Flüsse sind die Oder (Odra) und die Oppa (Opava), welche zeitweilig die Grenze zu Preußisch-Schlesien bildete. Neben Ostrava (dessen Hauptteil allerdings historisch zu Mähren gehört) sind die wichtigsten Städte die historische Hauptstadt Opava (Troppau), Bruntál (Freudenthal), Krnov (Jägerndorf), Karviná (Karwin), Bohumín (Oderberg), die nach 1945 neu aufgebaute Stadt Havířov sowie Český Těšín, der auf tschechischem Staatsgebiet liegende Teil von Teschen (Cieszyn).

    GeschichteBearbeiten

     
    gelb umrandet:
    die beiden Teile Österreichisch Schlesiens 1880
     
    „Völkerkarte Oesterreich-Ungarns“ 1880
     
    Wappen Schlesiens

    Nach den Schlesischen Kriegen 1742 verblieb ein kleiner Landstrich (Herzogtum Teschen sowie die südlichen Teile der Herzogtümer Jägerndorf und Troppau und des Fürstentums Neisse) bei Österreich, der ausgerechnet auch einen Teil des Herzogtums Jägerndorf umfasste, auf das die preußischen Erbansprüche unter anderem gerichtet waren. Es wurde unter dem Namen Herzogtum Ober- und Niederschlesien organisiert, Troppau wurde zur Hauptstadt erhoben. Dieses Österreichisch Schlesien bestand aus zwei Teilen, zwischen denen bei Ostrau mährisches Gebiet bis an die preußische Grenze reichte.

    1910 gaben in Österreichisch Schlesien 43,9 % der Einwohner Deutsch, 31,7 % Polnisch (vor allem im östlichen Landesteil) und 24,3 % Tschechisch (vor allem um Troppau im westlichen Landesteil, und westlich Teschen) als ihre Umgangssprache an. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall Österreich-Ungarns 1918 wurde das Gebiet gleichzeitig von zwei der Nachfolgestaaten beansprucht. Der neue Staat Deutschösterreich vereinigte es mit Nordmähren zur Provinz Sudetenland. In der Tschechoslowakei, deren Anspruch im Vertrag von Saint-Germain bestätigt wurde, bildete es das Land Schlesien (země Slezsko).[1][2] 1920 kam infolge des Versailler Vertrags auch ein Teil des preußischen Oberschlesien an die Tschechoslowakei, das so genannte Hultschiner Ländchen, während das Gebiet östlich der Olsa zu Polen kam.

    Land Mähren-SchlesienBearbeiten

    Administrativ wurde das Gebiet Tschechisch-Schlesien (beziehungsweise Mährisch-Schlesien) 1928 mit Mähren zum Land Mähren-Schlesien (země Moravskoslezská) zusammengefasst. Mähren-Schlesien bildete dann (bis 1948) neben Böhmen, der Slowakei und Karpatenrussland eines der vier Länder auf dem Gebiet der Tschechoslowakei.

    Nach dem Münchener Abkommen von 1938 fiel es zusammen mit weiteren mehrheitlich deutschsprachigen Gebieten der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich, es wurde mit den nordböhmischen und nordmährischen als Reichsgau Sudetenland zusammengefasst, während das Hultschiner Ländchen in den preußischen Landkreis Ratibor eingegliedert wurde. Ein weiterer Teil des Olsagebiets fiel an Polen, wurde ein Jahr später von der deutschen Wehrmacht besetzt und verwaltungsmäßig ebenfalls der Provinz Schlesien (ab 1941 Provinz Oberschlesien) eingegliedert. Ein schmaler Landstreifen tschechischsprachiger Gemeinden am rechten Ufer der Ostrawitza verblieb zuerst bei dem geschrumpften tschechoslowakischen Staat und wurde nach dessen Okkupation im März 1939 durch das Deutsche Reich zum Bestandteil des Reichsprotektorats Böhmen und Mähren.

    Seit dem Ende der Tschechoslowakei 1993 gehört das Gebiet zur Tschechischen Republik, in der es einen der drei traditionellen Landesteile (země, den Kronländern der Monarchie entsprechend) bildet, die zwar in der großen Version des tschechischen Wappens vorkommen, sich mit der heutigen verwaltungsmäßigen Einteilung der Republik jedoch nicht decken, so dass ihnen nur noch eine historische Bedeutung zukommt. Heute gehört der eher strukturstärkere und wesentlich größere östliche Anteil der historischen schlesischen Gebiete zum Moravskoslezský kraj, während der eher strukturschwache Okres Jeseník (Freiwaldau) im westlichen Grenzgebiet zu Glatz und Neiße nun zum Olomoucký kraj gehört. Der Bezirk Freiwaldau besteht fast vollständig aus den vormals zum Fürstentum Neisse des Erzbischofs von Breslau gehörenden Städte und Dörfer und ist damit der kleine Teil Nieder-Schlesiens, der 1742 bei Österreich verblieb.

    BevölkerungBearbeiten

    Die Bevölkerung in Schlesien sprach Varietäten des Gebirgsschlesischen, aber auch die lachischen Dialekte des Tschechischen sowie, etwa östlich des heutigen Stadtgebiets von Ostrava, Polnisch. Bereits nach dem Münchner Abkommen wurden aus dem an Polen abgetretenen Teschner Land (Olsagebiet) die Deutschen und Tschechen, soweit sie dort kein Heimatrecht besaßen oder der neuen polnischen Verwaltung missfielen, gemeinsam vertrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aufgrund der Beneš-Dekrete.

    Siehe auchBearbeiten

    LiteraturBearbeiten

    Geschichte
    Kulturgeschichte
    • Hugo Rokyta: Die böhmischen Länder. Handbuch der Denkmäler und Gedenkstätten europäischer Kulturbeziehungen in den böhmischen Ländern. Bd. 3: Mähren und Schlesien. 2. üb. und erw. Aufl. Vitalis, Prag 1997, ISBN 80-85938-23-5

    WeblinksBearbeiten

      Commons: Schlesien (Tschechien) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. Dorota Leśniewska in: Christian Lübke (Hrsg.): Struktur und Wandel im Früh- und Hochmittelalter: Eine Bestandsaufnahme aktueller Forschungen zur Germania Slavica. Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-07114-8, S. 32
    2. Detlef Brandes, Der Weg zur Vertreibung 1938–1945. Pläne und Entscheidungen zum „Transfer“ der Deutschen aus der Tschechoslowakei und aus Polen. 2. überarb. und erw. Aufl., Oldenbourg, München 2005, ISBN 3-486-56731-4, S. 117.
    3. Detailliertes Standardwerk nach dem Forschungsstand der 1960er Jahre

    Koordinaten: 49° 55′ N, 17° 55′ O