Saluto romano

der sog. Römische Gruß

Der Saluto romano (‚Römischer Gruß‘) ist ein Gruß, der mit einem ausgestreckten Arm bezeugt wird.

UrsprungBearbeiten

Einer verbreiteten Legende nach soll der Saluto romano im Römischen Reich als allgemeiner militärischer Gruß entstanden sein. Als Beleg gilt die Trajanssäule in Rom, auf der Soldaten abgebildet sind, deren Gestik so gedeutet werden kann. Es findet sich jedoch auf keinem einzigen römischen Kunstwerk, in keiner Stelle der antiken Literatur eine eindeutige Darstellung des Grußes, der im 20. Jahrhundert im Faschismus oder, als Hitlergruß, im Nationalsozialismus verwendet wurde.[1] Tatsächlich war die verbreitete römische Grußgeste der erhobene Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger (digitus salutaris).[2]

Wahrscheinlicher ist, dass die genaue Geste erst im 18. und 19. Jahrhundert erfunden wurde. Sie könnte auf das Gemälde Der Schwur der Horatier von Jacques-Louis David (1784) zurückgehen, wo sie aber keine Begrüßungs-, sondern eine Schwurgeste darstellt.

AusführungBearbeiten

Es gibt mehrere Ausführungen der Geste: zum einen den gerade nach vorn gehaltenen Arm mit der Handfläche nach unten, zum anderen die gerade nach oben zeigende Form, sowie den gerade nach unten gestreckten Arm.

VerwendungBearbeiten

Der Saluto romano wurde besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufig verwendet, wobei die Bedeutung der Geste ideologisch sehr unterschiedlich interpretiert wurde.

Olympische SpieleBearbeiten

Verwendung ab 1924Bearbeiten

Auf den Saluto romano geht der „olympische Gruß“ zurück, der bei Einführung der Olympischen Spiele der Neuzeit vom Internationalen Olympischen Komitee als Teil der olympischen Symbole eingeführt und zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1924 in Paris erstmals gezeigt wurde. Die Geste wurde ausgeführt, indem die rechte Hand nach oben und leicht nach vorne gestreckt wurde. Der „olympische Gruß“ erscheint auf den offiziellen Plakaten der Sommerspiele 1924 und 1936 und wurde auch in Kunstwerken dieser Zeit dargestellt.

Olympische Spiele 1936Bearbeiten

Die Ähnlichkeit des olympischen Grußes mit dem Hitlergruß macht es besonders im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1936 schwierig zu unterscheiden, ob mit der erhobenen rechten Hand die olympische Bewegung oder der Nationalsozialismus geehrt werden sollte. So hob bei der Eröffnungsfeier 1936 die französische Olympiamannschaft beim Eintritt in das Stadion den rechten Arm zum olympischen Gruß, was die Zuschauer als Hitlergruß missverstanden und als vermeintliche Huldigung bejubelten.

Heutige BedeutungBearbeiten

Aufgrund der Ähnlichkeit mit dem Hitlergruß hat der olympische Gruß heute keine praktische Bedeutung mehr. Zuletzt war der olympische Gruß beim Einmarsch der Nationen zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1972 bei einzelnen Nationen zu sehen. Mit den Sommerspielen 1972 verschwand nach und nach das strenge Einmarschprotokoll, was durch Abschaffung der Marschmusik begann. Beim heutigen Einmarsch der Athleten zur Eröffnung der Olympischen Spiele, der nicht mehr im militärischen Gleichschritt erfolgt und mehr einem Schaulaufen gleicht, ist der olympische Gruß obsolet. Lediglich beim Turnen wird er zu Beginn der Übung gezeigt.

USABearbeiten

Aus dem Saluto romano entstand unter anderem der Bellamy salute, der von 1892 bis 1942 in den USA beim Aufsagen des Treueschwurs auf die Flagge der Vereinigten Staaten offiziell vorgeschrieben war.

ItalienBearbeiten

Benito Mussolini übernahm den Saluto romano in leicht abgeänderter Form für seine Partei Partito Nazionale Fascista und später für seinen eigenen Personenkult. Besonders ab 1922 erlangte der Gruß in der Zeit Mussolinis als italienischem Diktator offiziell-staatlichen Charakter.

In Italien sind Symbole des Faschismus durch die Verfassung von 1948 verboten. Dieses Verbot wurde durch die Legge Scelba vom 20. Juni 1952 konkretisiert, seitdem ist der Saluto romano explizit verboten. Die Legge Mancino vom 25. Juni 1993 stellt neben Anstiftung zu rassischer, ethnischer, nationalistischer oder religiöser Diskriminierung und Gewalt auch faschistische Propaganda und das Zeigen von Symbolen faschistischer und nationalsozialistischer Organisationen unter Strafe.[3]

LiechtensteinBearbeiten

Beim Singen der Nationalhymne Liechtensteins Oben am jungen Rhein ist es Brauch, beim Ertönen der Zeile «Hoch leb’ der Fürst vom Land» und «Hoch unser Vaterland» die rechte Hand langsam in die Höhe zu bewegen, wobei der Ellenbogen abgewinkelt bleibt. Damit dies aber dem Hitlergruß nicht ähnlich sehen kann, wird das Ausstrecken des Armes vermieden.[4]

DeutschlandBearbeiten

In Deutschland übernahm Adolf Hitler, nach Mussolinis Vorbild, den „Saluto romano“ ebenfalls. Der Hitlergruß war seit etwa 1925 die übliche Grußform in den nationalsozialistischen Kreisen des Deutschen Reiches; im nationalsozialistischen Sprachgebrauch wurde er auch als „Deutscher Gruß“ bezeichnet. Handelte es sich dabei zunächst um den Gruß der NSDAP-Mitglieder, so wurde er nach der Machtergreifung 1933 zur verpflichtenden Grußform aller „Volksgenossen“. Die Geste wurde ausgeführt, indem die rechte Hand nach vorne und leicht nach oben gestreckt wurde.

Der Hitlergruß wird noch heute von Einzelpersonen und rechtsextremen Gruppen angewandt, ist aber in Deutschland gemäß § 86a Abs. 2 Satz 1 StGB und in Österreich strafbar.

Übrige WeltBearbeiten

Die Hisbollah verwendet den Gruß bis heute, insbesondere bei der Vereidigung. Viele ihrer Sympathisanten zeigen ihn auch bei Demonstrationen, die gegen Israel gerichtet sind.[5]

VariantenBearbeiten

FührergrußBearbeiten

Eine Variante des Grußes, bei der der Arm nicht ausgestreckt, sondern zur Seite angewinkelt wird, ermöglichte es, auch bei körperlichen Gebrechen, die das Ausstrecken des Armes nicht möglich machen, den Gruß abzuleisten. Diese Form des Grußes wurde auch verwendet, wenn enge Platzverhältnisse ein Ausstrecken des Armes nicht zuließen oder der zu Grüßende dem Grüßenden direkt gegenüberstand.

Hitler selbst grüßte meistens auf diese Weise, auch dann, wenn es durch die Umstände nicht geboten war. Dies wurde bemerkenswert von Charlie Chaplin im 1940 erstaufgeführten Kinofilm Der große Diktator persifliert. Seine Figur Adenoid Hynkel hob gelangweilt seine rechte Hand und schien sogar zu vergessen, warum er eigentlich seine Hand oben hatte, und verdeutlichte damit die extrem einseitige Zuneigung zwischen dem „Führer“ und seinem Volk. Im Gegensatz dazu grüßten die Untergebenen teilweise in aller Übertreibung und stark überzeichnet.

Schlampiger FührergrußBearbeiten

Beim sogenannten „schlampigen Führergruß“ wird der Arm nicht ausgestreckt, sondern nach hinten angewinkelt.

KühnengrußBearbeiten

Der Kühnengruß ist eine Abwandlung des verbotenen Hitlergrußes. Dabei wird der rechte Arm gestreckt und Daumen, Zeige- und Mittelfinger abgespreizt, die anderen Finger bleiben angewinkelt. Es entsteht ein „W“ für „Widerstand“. Oft wird jedoch auch nur der Daumen abgespreizt.

Inwieweit der Gebrauch des Kühnengrußes in Deutschland als Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gem. § 86a Absatz 2 Satz 2 StGB strafbar ist, gilt in der Rechtswissenschaft weithin als umstritten.[6][7]

Der Kühnengruß trat im Zusammenhang mit der neonazistischen Bewegung erstmals in den 1970ern unter der Bezeichnung „Widerstandsgruß“ auf. Vermutlich wurde er 1970 von der „Aktion Widerstand“ erfunden. Die Abwandlung sollte das Hitlergruß-Verbot umgehen. 1992 wurde der Widerstandsgruß nach Michael Kühnen, der ab 1977 als Neonazi-Führer fungierte, umbenannt.[8]

In Österreich[9] ist der Kühnengruß nicht strafbar, da er nicht als Symbol des Nationalsozialismus angesehen wird. Hier wurde er im Jahre 2007 durch einen Artikel der Tageszeitung Österreich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Dort zeigte ein Foto den ehemaligen Bundesvorsitzenden der FPÖ, Heinz-Christian Strache, der laut Zeitung mit dieser Geste „einen bekannten Nazi-Führer“ begrüßte. Strache hatte laut eigener Aussage lediglich „drei Bier“ bestellt und strengte ein Medienverfahren an.[10][11]

Quenelle-GrußBearbeiten

Beim Quenelle-Gruß (auch: Umgekehrter Hitlergruß[12] oder Französische Nazi-Geste[13]) wird der rechte Arm mit der Handfläche nach unten ausgestreckt, die andere Hand legt sich quer auf den Oberarm. Diese Geste wird teilweise als Ersatz für den Hitlergruß gesehen und ist in der Schweiz je nach konkretem Zusammenhang auch als Rassendiskriminierung strafbar.[13]

GalerieBearbeiten

TriviaBearbeiten

  • Im Star-Trek-Universum verwendet das Terranische Imperium den "Imperialen Gruß", welcher dem Saluto romano nachempfunden ist. Dabei wird die rechte Hand zuerst zur Faust geballt und auf die rechte Brusthälfte gedrückt, um dann hitlergrußähnlich nach vorne gestreckt zu werden.[14]
  • Im Film Captain America: The First Avenger verwendet die fiktive Organisation Hydra einen eigenen Hydragruß. Dabei werden beide Hände zu Fäusten geballt und beide Arme wie beim Hitlergruß nach vorne gestreckt. Dazu kommt der Ausspruch "Heil Hydra".
  • Im Englischen wurde auch das Verb to heil gebildet; es war die Zeit von Sprachkonstruktionen wie etwa sieg-heiling the Fuehrer.[15]

LiteraturBearbeiten

  • V. Saladino: Dal saluto alla salvezza. Valori simbolici della mano destra nell'arte greca e romana. In: II Gesto, Nel Rito e nel Cerimoniale dal Mondo Antico ad Oggi, Band 9, Ponte alle grazie, Florenz 1995, S. 31–52.
  • Martin M. Winkler: The Roman Salute. Cinema, History, Ideology. Ohio Sate University Press, Columbus 2009.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Martin M. Winkler: The Roman Salute. Cinema, History, Ideology. Columbus 2009, S. 2 (engl.).
  2. Karl-Wilhelm Weeber: Alltag im alten Rom. Ein Lexikon, s.v. Begrüßung. Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 1998, S. 47.
  3. Markus K. Grimm: Die problematische Neuerfindung der italienischen Rechten. Die Alleanza Nazionale und ihr Weg in die Mitte. Springer VS, Wiesbaden 2016, S. 293.
  4. Der Monat – Magazin für Liechtenstein, August 2008, S. 22 (PDF; 2,5 MB). Bei einer Umfrage 1995 unter 260 Liechtensteinern gaben 181 an, diesen Brauch zu kennen. 135 Befragte hielten sich daran, 106 nicht. Davon lehnten ihn 39 deshalb ab, weil er an den Hitlergruß erinnere, vgl. Frommelt: Landeshymne, S. 63 u. 51 f.
  5. Jüdische Rundschau: Heil Hisbollah. 6. Juli 2015, abgerufen am 10. Juli 2021.
  6. Steinmetz: Münchner Kommentar zum Strafgesetzbuch, § 86a, Rn. 20, m.w.N.
  7. Kett-Straub: NStZ 2011, 601 (602)
  8. „Ersatzgeste“ für den Hitlergruß. (Nicht mehr online verfügbar.) In: orf.at. 27. Januar 2007, archiviert vom Original am 28. März 2009; abgerufen am 19. Februar 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.orf.at
  9. „Kühnen-Gruß“ nicht strafbar. In: oe24.at. 24. Januar 2008, abgerufen am 19. Februar 2015.
  10. Kühnen-Gruß Straches? Verfahren vertagt. In: wien.orf.at. 24. Januar 2008, abgerufen am 19. Februar 2015.
  11. Budgetdebatte: Nicht mal drei Bier für die FPÖ (Memento des Originals vom 28. September 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/blogs.salzburg.com Salzburger Nachrichten, 26. April 2007
  12. Frankreichs heikle Schupfnudeldebatte, Spiegel-Online, 29. Dezember 2013
  13. a b «Quenelle»-Gruss ist strafbar , SRF, 3. August 2017
  14. Terranisches Imperium bei Memory Alpha
  15. Wiktionary: heil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
    (englisch)