Sachsenhuhn

Haushuhnrasse

Das Sachsenhuhn ist eine Haushuhnrasse. Die der Öffentlichkeit am Ende des 19. Jahrhunderts erstmals vorgestellte Rasse, deren Eigenschaften durch die Kreuzung von Minorka-Hühnern mit Langschan- und Sumatra-Hühnern züchterisch den klimatischen Verhältnissen des Erzgebirges angepasst wurden, wurde von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in der „Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen 2016“ als „extrem gefährdet“ eingestuft.[1]

Sachsenhuhn
Sachsenhuhn
Sachsenhuhn-Henne
Herkunft: Deutschland
Jahr: um 1900
Gewicht: Hahn 2,5–3,0 kg
Henne 2,0–2,5 kg
Legeleistung im Jahr: 180 Eier
Eierschalenfarbe: Hellgelb bis hellbraun
Eiergewicht: 55 g
Zuchtstandards: BDRG
Liste von Hühnerrassen

Mit einem Bestand von bundesweit nur noch etwa 400 Tieren im Jahr 2016 gilt das Sachsenhuhn als vom Aussterben bedrohte Geflügelrasse.[1]

GeschichteBearbeiten

VorgeschichteBearbeiten

Der Rassestandard dieser Landhuhnrasse wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts im sächsischen Erzgebirge entwickelt, als leistungsfähigere Rassen gezüchtet werden sollten. Ziel war es, für das im Erzgebirge typische raue Klima ein geeignetes Leistungshuhn zu erhalten. Heute gilt Gustav Torges, damals Mitglied im Vorstand des Landesverbandes sächsischer Geflügelvereine, als einer der geistigen Väter der Rasse. Für die Züchtung des Sachsenhuhns wurden Exemplare des als leistungsstark geltenden und im Ursprung aus Spanien stammenden schwarzen Minorka-Huhns mit schwarzen Langschan-Hühnern (asiatische Rasse) gekreuzt, die als sehr robust gilt.[2] Etwa um 1880 gelangen schließlich erste entsprechende Zuchterfolge.[3] Die Einkreuzung von Sumatra-Hühnern bewirkte, dass sich die Kammgröße der Tiere bei beiden Geschlechtern verringerte, was Erfrierungen im Winter vorbeugt.[4] Weitere charakteristische Merkmale der Rasse sind die kurzen Kehllappen sowie die kleinen weißen Ohrscheiben.[5]

Das Gesamtergebnis war, dass die Sachsenhühner wegen ihrer Eigenschaften, wie der klimatischen Unempfindlichkeit, als sehr robust und mit ihrem kräftigen und etwas langgestreckten Rumpf als ausgesprochene Nutzhühner gelten. Außerdem zeichnen sie sich durch eine leichte Aufzucht, Frühreife und ihr ruhiges Temperament aus. Die Legeleistung der Hühner erreicht 180 hellgelbe bis hellbraune Eier im Jahr.[4] Zum Ausbrüten sind Eier ab einem Gewicht von 55 Gramm geeignet. Auch wenn bereits 1884 die ersten Tiere der Züchtung in der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, erfolgte eine Anerkennung als Rasse erst 1914, da den Tieren bis dahin die nötige Einheitlichkeit fehlte. Außerdem einigte man sich in jenem Jahr auf den Namen „Sachsenhuhn“. Zwei Jahre später wurde eine Musterbeschreibung erstellt.[3][5]

Die Sachsenhühner gibt es in mehreren Farbschlägen. Dabei gilt der schwarze Farbschlag als der ursprünglichste. Die anderen Farbschläge wie der markante gesperberte und der weiße Farbschlag kamen erst später in den 1920er Jahren auf. Der gelbe Farbschlag wurde gar erst nach 1930 gezüchtet. Allerdings bereitete diesen zu jener Zeit neu aufgekommenen Farbschlägen in der Folgezeit vor allem der Zweite Weltkrieg (1939–1945) Schwierigkeiten, denn in den Kriegsjahren wurden deren Bestände fast vollständig vernichtet.[1][4]

Heutiger Bestand und GefährdungBearbeiten

 
Sachsenhuhn Glucke mit Küken

Auch wenn die Sachsenhühner wieder in ganz Deutschland verbreitet sind, gelten sie als extrem selten und vom Aussterben bedroht, da das Sachsenhuhn als Wirtschaftshuhn mit anderen Rassen, die unter anderem mehr Eier legen, leistungsmäßig im Laufe der Zeit nicht mehr mithalten konnte.[5]

In den heutigen Einzelbeständen ist vorwiegend der schwarze Farbschlag zu finden. Die Vorkommen der gesperberten und weißen Farbschläge dieser Rasse sind im Wesentlichen auf Hessen, das Vogtland und den Harz beschränkt.[4] Das Sachsenhuhn wurde in die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung herausgegebene „Liste der gefährdeten Haustierrassen“ aufgenommen. Diese führt die Rasse in ihrer letzten aus dem Jahr 2016 stammenden Ausgabe in der untersten Gefährdungsklasse I (extrem gefährdet). Demnach gab es 2016 in Deutschland nur 81 Hähne und 334 Hennen. Zu dieser Zeit gab es deutschlandweit nur noch 44 Züchter, die sich diesen Tieren widmeten.[1]

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) hat das Sachsenhuhn in der Roten Liste nach dem Stand vom Januar 2020 in die „Kategorie I - extrem gefährdet“, die höchste Gefährdungsstufe, eingeordnet.[6]

Der Freistaat Sachsen und das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft versuchen mittels einer entsprechenden Initiative die Bestände der Sachsenhühner zu vergrößern, indem Tiere gezielt an interessierte Züchter abgegeben werden.[7]

RassemerkmaleBearbeiten

 
gelber Sachsenhahn
 
gelbe Sachsenhenne

HahnBearbeiten

Der Sonderverein der Sachsenhühner und Zwerg-Sachsenhühner führt für den Hahn auf seiner Vereinshomepage folgende Rassemerkmale auf:[8]

  • Rumpf: kräftig; etwas lang gestreckt; waagerechte Körperhaltung.
  • Hals: mittellang; mit vollem Behang.
  • Rücken: vor der Mitte leicht ansteigend ohne Absatz und Winkel über den Sattel in den Schwanz übergehend.
  • Schultern: breit; wenig hervortretend; vom Halsbehang etwas bedeckt.
  • Flügel: fest geschlossen; dicht anliegend; nahezu waagerecht getragen.
  • Sattel: voll; breit; seitlich gerundet; ohne Absatz vom Rücken in den Schwanz übergehend.
  • Schwanz: mittellang; von oben gesehen breit und leicht gerundet angesetzt; von der Seite gesehen breit angesetzt und nach hinten schmaler werdend, von hinten gesehen leicht offen getragen; etwas ansteigende Haltung; mit breiten Steuerfedern sowie breiten Haupt- und Nebensicheln in möglichst gleichmäßiger Anordnung.
  • Brust: breit; gut gerundet; etwas hervortretend.
  • Bauch: voll; breit; nach hinten ausgeprägt.
  • Kopf: klein; schmal.
  • Gesicht: glatt; rot.
  • Kamm: kleiner Stehkamm; regelmäßig gezackt; Fahne nur wenig der Nackenlinie folgend.
  • Kehllappen: klein; fein im Gewebe.
  • Ohrscheiben: weiß; mandelförmig.
  • Augen: groß; lebhaft; Farbe siehe unter Farbschlägen.
  • Schnabel: mittellang; kräftig; farblich in Anlehnung an die Lauffarbe.
  • Schenkel: mittellang.
  • Läufe: mittellang; nicht grob; Farbe siehe unter Farbschlägen.
  • Zehen: mittellang; gut gespreizt.
  • Gefieder: voll; nicht zu hart; aber fest anliegend.

Rassemerkmale HenneBearbeiten

Der Sonderverein der Sachsenhühner und Zwerg-Sachsenhühner führt für die Henne auf seiner Vereinshomepage folgende Rassemerkmale auf:

„Kräftige, lang gestreckte Form mit gut gefülltem Sattel (mäßige Polsterbildung gestattet), der ohne Absatz in den leicht ansteigenden, etwas locker getragenen Schwanz übergeht. Der Schwanz soll von oben, wie auch von der Seite betrachtet, breit angesetzt sein und nach hinten schmaler werden. Von hinten gesehen sind die Steuerfedern leicht schräg angeordnet, sodass der dabei entstehende leicht geöffnete Steuerfederaufbau der charakteristischen Oberlinie dient. Die Brust ist breit und tief angesetzt und der Bauch nach hinten voll ausgeprägt. Die Kopfmerkmale entsprechend kleiner als beim Hahn.“[8]

 
Sachsenhühner der Farbschläge gelb und gesperbert beim Sandbaden

FarbschlägeBearbeiten

  • Schwarz: Sattschwarz mit intensivem grünen Glanz. Augenfarbe dunkelbraun; Lauffarbe schwarz, helle Krallen gestattet.[8]
  • Weiß: Rein weiß; leicht gelblicher Anflug im Schmuckgefieder des Hahnes gestattet. Augenfarbe orangerot; Lauffarbe hell fleischfarbig.[8]
  • Gelb: Sattes, gleichmäßiges Gelb; beim Hahn im Schmuckgefieder etwas dunkler. Untergefieder und Federkiele gelb: leichte schwärzliche Pfefferung in Schwanz und Handschwingen gestattet. Augenfarbe orangerot. Lauffarbe fleischfarbig: bläulicher Anflug vorerst gestattet.[8]
  • Gesperbert: Jede Feder in mehrfachem Wechsel von Schwarz und Lichtblau leicht bogig quer gesperbert. Beim Hahn in gleicher Breite, bei der Henne sind die dunklen Federteile etwas breiter als die hellen. Die Zeichnung ist nicht scharf abgegrenzt und das Untergefieder nur schwach gezeichnet. Beidseitig in den Handschwingen je eine schwarze Feder gestattet. Augenfarbe orangerot. Lauffarbe fleischfarbig; bei der Henne einzelne dunkle Schuppen gestattet.[8]

ZwergformBearbeiten

Seit 1992 ist auch eine Zwergform des Sachsenhuhns als Rasse anerkannt. Die Rassemerkmale des Zwergsachsenhuhnes sind der Großrasse sehr ähnlich und unterscheiden sich im Wesentlichen durch die kleinere Größe. Dabei erreichen die Hähne ein Gewicht von etwa 1,1 Kilogramm und die Hennen etwa 0,9 Kilogramm. Auch das Gewicht der Eier fällt mit 38 Gramm etwas geringer aus.[5][4]

CharakterBearbeiten

Die Sachsenhühner weisen ein zutrauliches Wesen und ruhiges Temperament auf, weshalb sie als relativ unkompliziert gelten und problemlos in der Nähe anderer Tiere gehalten werden können. Außerdem ist die Brutlust eher gering ausgeprägt. Ihre Zucht, Haltung und Fütterung stellen auch ansonsten keine besonderen Anforderungen dar, wodurch die Rasse insgesamt gut für kleinbäuerliche Betriebe geeignet ist. Weil die Tiere im Allgemeinen schnell handzahm werden, werden sie auch gern Anfängern empfohlen.[3][9][5]

SondervereinBearbeiten

Gegründet wurde der „Sonderverein des Sachsen- und Zwergsachsenhuhnes“ im Jahr 1921 in Chemnitz-Altendorf von dem Züchter Arthur Esche und weiteren Züchtern. Zwei Jahre später umfasste der Sonderverein bereits 40 Mitglieder.[2]

Einen Einschnitt bedeutete die deutsche Teilung infolge des Zweiten Weltkriegs. In der Bundesrepublik etablierte sich der Sonderverein unter der Führung des Züchters Theo Dubiella ab 1963 und in der DDR der Spezialzuchtgemeinschaft (SZG) Sachsenhuhn. Erst nach der Wende kam es zur Wiedervereinigung der beiden Verbände zum Sonderverein der Zucht der Sachsenhühner und Zwerg-Sachsenhühner. Die Züchter der Sachsenhühner sind heute schwerpunktmäßig in Sachsen, Hessen und Thüringen zu finden.[2]

SonstigesBearbeiten

 
Die Briefmarke „Sachsenhuhn“

In der 1979 von der Deutschen Post herausgegebenen Briefmarkenserie „Rassegeflügel“ war das männliche Sachsenhuhn Motiv für die 25-Pfennig-Briefmarke. Der erste Ausgabetag für die Briefmarke, deren Auflage 5.000.000 Stück betrug und die im Offsetdruck hergestellt wurde, war der 23. Januar 1979. Der Entwurf stammte von dem in Dresden geborenen Gebrauchsgrafiker Axel Bertram (1936–2019).[10]

LiteraturBearbeiten

  • Das Sachsenhuhn. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, 2015 (Online [PDF; 1,8 MB] Faltblatt).

WeblinksBearbeiten

Commons: Sachsenhühner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Hrsg.): Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen 2017. S. 136.
  2. a b c Die Vereinsgeschichte auf der Vereinshomepage www.sachsenhuhn.de des Sondervereins der Sachsenhühner und Zwerg-Sachsenhühner, abgerufen am 25. Januar 2020
  3. a b c Verena Stampe: „Das Sachsenhuhn – ein Landhuhn für kleinbäuerliche Höfe“ auf der Homepage des Vereins PROVIEH e.V., abgerufen am 25. Januar 2020
  4. a b c d e Rassebeschreibung des Sachsenhuhns bei der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH), abgerufen am 25. Januar 2020
  5. a b c d e Das Sachsenhuhn. Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, 2015 (Online [PDF; 1,8 MB] Faltblatt).
  6. Rote Liste der GEH, Abruf am 8. Februar 2021
  7. „Wie das Sachsenhuhn gerettet werden soll“ (Video) in MDR um 4 vom 24. Januar 2020 in der Mediathek des Mitteldeutschen Rundfunks
  8. a b c d e f Rassemerkmale des Sachsenhuhn auf der Vereinshomepage des Sondervereins der Sachsenhühner und Zwerg-Sachsenhühner, abgerufen am 25. Januar 2020
  9. Das Sachsenhuhn auf http://www.heinis-huehner.de, abgerufen am 25. Januar 2020
  10. Die Briefmarke „Sachsenhuhn“ auf www.suche-briefmarken.de, abgerufen am 26. Januar 2020