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Weltmeister Stefan Merriman (AUS) beim WM-Lauf 2004 am Teufelsberg in Scharfenstein

Rund um Zschopau ist eine Enduroveranstaltung, die seit 1955 in und um die Stadt Zschopau im Erzgebirge ausgetragen wird. Aufgrund ihres anspruchsvollen Kurses und der oft schlechten Wetterbedingungen gilt die Veranstaltung als eine der weltweit schwersten Enduroveranstaltungen. Die Besucherzahlen liegen heute bei rund 30.000 bis 40.000 Zuschauern. Damit ist Rund um Zschopau nach dem Motorrad-WM-Rennen auf dem Sachsenring die meistbesuchte Motorsportveranstaltung in Sachsen.

GeschichteBearbeiten

Enduroveranstaltungen, damals noch Geländesport- oder Motorradleistungsprüfung genannt, fanden im Mittleren Erzgebirge bereits ab Mitte der 1920er Jahre statt. Zuerst waren es vor allem Schulungsfahrten für die einheimischen Six Days-Fahrer. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1952 unter der Bezeichnung „Rund um Chemnitz“ eine DDR-Bestenprüfung statt, bei der auch Zschopau Durchfahrtsort war. Mit der Unterstützung des ortsansässigen Motorradwerkes Zschopau wurde am 16. Oktober 1955 die erste Geländefahrt „Rund um Zschopau“ durchgeführt. Im darauf folgenden Jahr wurde der Wettkampf bereits als Lauf zur DDR-Meisterschaft gewertet. Ab 1957 erfolgte bis 1974 die Austragung als Zwei-Tage-Fahrt. Dies bedeutet, dass am zweiten Tag die Strecke in umgekehrter Richtung befahren wurde.

1968 war die Veranstaltung gleichzeitig der erste Lauf überhaupt zur Europameisterschaft im Geländesport. Weitere Europameisterschaftsläufe fanden 1969, 1970, 1971 und 1972 statt. Aufgrund politischer Entscheidungen durften ab diesem Zeitpunkt keine weiteren EM-Läufe mehr durchgeführt werden. Auch die Teilnahme von westeuropäischen Startern war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. 1979, 1981, 1984, 1987 fanden dann Läufe um den „Pokal der Freundschaft der sozialistischen Länder“ als Zweitages-Veranstaltungen statt. Aufgrund des Erfolges der DDR-Mannschaft bei der Internationalen Sechstagefahrt 1987 wurde 1990 das Rennen als Lauf zur Enduro-Weltmeisterschaft ausgetragen.

Nach der Wiedervereinigung fiel ab 1990 die Unterstützung des Motorradwerkes Zschopau weg. Somit konnten in den Folgejahren keine weiteren Meisterschaftsläufe ausgetragen werden. Die in der Region ansässigen Vereine und Endurosportler versuchten jedoch, den Endurosport nicht einschlafen zu lassen. So veranstaltete der EMC Witzschdorf 1992 ein so genanntes „November-Enduro“. 1996 war die Veranstaltung bereits wieder soweit angewachsen, dass sie als Internationales November-Enduro veranstaltet wurde. Bereits der nächste Lauf im Jahr 1997 galt wieder als Finallauf der deutschen Enduro-Meisterschaft. Seit 1999 trägt die Veranstaltung wieder den Titel „Rund um Zschopau“. Diese Namensänderung dauerte so lange, da die Aktiven im veranstaltenden MSC Rund um Zschopau so lange warten wollten, bis die ehemaligen Verantwortlichen des MC MZ Zschopau ihren erworbenen Namen an die „Neulinge“ weitergaben. Im Jahr 2004 war die Veranstaltung von der deutschen Sport-Föderation DMSB bei der FIM zum Weltmeisterschaftslauf als Finallauf der Enduro-Weltmeisterschaft beantragt worden, das Zuschauerinteresse lag mit rund 125.000 Zuschauern weit über den Erwartungen. Üblicherweise wird ein WM-Lauf über zwei Tages-Wertungsläufe ausgetragen, so auch in Zschopau. Allerdings nutzten die Verantwortlichen des MSC die Chance viele ehemalige Aktive aus den verschiedensten Nationen zu zusätzlichen Veranstaltungen einzuladen. So wurde als Rahmenprogramm ein Parallel-Motocross mit 48 ehemaligen Welt- und Europameistern initiiert. Allein zu diesem Wettkampf kamen mehr als 20.000 Zuschauer.

2005 war der Lauf wieder das Finale der Deutschen Enduro-Meisterschaft und gleichzeitig Finallauf zur österreichischen Staatsmeisterschaft.

Aufgrund der Anstrengungen zur Durchführung einer umweltverträglichen Veranstaltung nach den neuen, zu diesem Zeitpunkt noch vorläufigen Umweltrichtlinien der nationalen Föderation erhielten die Organisatoren 2004 den DMSB-Umweltpreis und 2005 den FIM-Umweltpreis. Diese geleisteten Anstrengungen und Anregungen sind heutzutage Normstandard für ökologisch nachhaltigen Geländesport in Deutschland.

Seit dem Jahr 2009 wird als erste Wertungsprüfung im Rahmen der Gesamtveranstaltung ein Prolog auf kleinerem Raum mit künstlichen Hindernissen ausgetragen.[1]

Im Jahr 2012 fand die Veranstaltung nicht statt. Markante Streckenabschnitte waren jedoch Bestandteil der Tagesetappen am dritten und vierten Wettkampftag der 87. Internationalen Sechstagefahrt mit Start und Ziel am Sachsenring.

Im Juli 2013 starb der langjährige Fahrtleiter Gunter Illgen. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Veranstaltung im Speziellen sowie den sächsischen Enduro-Nachwuchs und deutschen Endurosport im Allgemeinen, wurde durch den MSC Rund um Zschopau e.V., seiner Witwe sowie dem ADAC Sachsen e.V. der „Gunter-Illgen-Gedächtnispokal“ initiiert. Diese Sonderwertung wird ausschließlich bei Rund um Zschopau ausgefahren. Dafür werden klassenübergreifend alle aus Sachsen stammenden Fahrer bis 23 Jahre erfasst. Gewinner des Wanderpokals ist, welcher nach den ersten beiden Runden anhand der Sonderprüfungszeiten der Schnellste ist.[2]

Im Jahr 2017 war die Veranstaltung erneut Finallauf zur Enduro-Weltmeisterschaft.[3] Im Oktober 2020 wird die Veranstaltung wieder zum Finallauf der Enduro-Weltmeisterschaft.[4]

SiegerlistenBearbeiten

Jahr Gesamt-Sieger (seit 1996)
2019 Frankreich  Théophile Espinasse, Sherco
2018 Deutschland  Dennis Schröter, Husqvarna
2017 Vereinigtes Konigreich  Steve Holcombe, Beta(a)
2016 Deutschland  Marco Neubert, KTM
2015 Deutschland  Edward Hübner, KTM
2014 Frankreich  Christophe Nambotin, KTM
2013 Deutschland  Marcus Kehr, KTM
2012 nicht ausgetragen
2011 Finnland  Eero Remes, KTM
2010 Finnland  Eero Remes, KTM
2009 Finnland  Juha Salminen, KTM
2008 Deutschland  Marcus Kehr, KTM
2007 Finnland  Juha Salminen, KTM
2006 Deutschland  Marcus Kehr, KTM
2005 Deutschland  Ralf Scheidhauer, KTM
2004 Finnland  Juha Salminen, KTM(a)
2003 Deutschland  Ralf Scheidhauer, KTM
2002 Schweden  Peter Bergvall, Yamaha
2001 Schweden  Anders Eriksson, Husqvarna
2000 Australien  Stefan Merriman, Husqvarna
1999 Schweden  Rickard Larsson, Husqvarna
1998 Italien  Stefano Passeri, KTM
1997 Italien  Stefano Passeri, KTM
1996 Italien  Stefano Passeri, KTM
Jahr Prolog-Sieger (seit 2009)
2019 Frankreich  Théophile Espinasse, Sherco
2018 Schweiz  Jonathan Rossé, Yamaha
2017 Frankreich  Loic Larrieu, Yamaha
2016 Deutschland  Marco Neubert, KTM
2015 Deutschland  Marco Neubert, Honda
2014 Frankreich  Christophe Nambotin, KTM
2013 Deutschland  Sascha Meyhoff, Beta
2012 nicht ausgetragen
2011 Frankreich  Marc Bourgeois, Yamaha
2010 Deutschland  Marcus Kehr, KTM
2009 Deutschland  Mike Hartmann, Husaberg
Jahr Gunter-Illgen-Gedächtnispokal (seit 2013)
2019 Luca Fischeder, Sherco
2018 Luca Fischeder, Sherco
2017 Florian Görner, KTM
2016 Patrick Strelow, Husqvarna
2015 Bruno Wächtler, KTM
2014 Bruno Wächtler, KTM
2013 Bruno Wächtler, KTM
(a) 1. sowie 2. Wertungstag

LiteraturBearbeiten

  • Steffen Ottinger: „Rund um Zschopau. Die Geschichte einer Motorradgeländefahrt“, Band 1, Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg, Marienberg, 2004, ISBN 3-931770-49-4
  • Steffen Ottinger: „Rund um Zschopau. Die Geschichte einer Motorradgeländefahrt“, Band 2, HB-Werbung und Verlag GmbH & Co. KG, 2011, ISBN 978-3-00-036705-2
  • Programmhefte 1999 - 2005

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. „Rund um Zschopau“ startet 2009 erstmalig mit einem Prolog! In: enduro-zschopau.de. MSC Rund um Zschopau e.V., 2. September 2009, abgerufen am 25. Oktober 2017.
  2. Der Gunter-Illgen-Gedächtnispokal. In: enduro-zschopau.de. MSC Rund um Zschopau e.V., 30. September 2013, abgerufen am 25. Oktober 2017.
  3. Enduro-WM 2017: Finale in Zschopau! In: enduro-zschopau.de. MSC Rund um Zschopau e.V., 17. Mai 2016, abgerufen am 1. Juli 2017.
  4. Offiziell bestätigt: EnduroGP-Finale wieder in Zschopau! In: enduro-zschopau.de. MSC Rund um Zschopau e.V., 27. Juli 2019, abgerufen am 24. September 2019.

WeblinksBearbeiten