Rittmannshausen

Ortsteil von Ringgau

Rittmannshausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Ringgau im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

Rittmannshausen
Gemeinde Ringgau
Koordinaten: 51° 5′ N, 10° 8′ OKoordinaten: 51° 5′ 15″ N, 10° 7′ 45″ O
Höhe: 355 (351–376) m ü. NHN
Fläche: 4,04 km²[1]
Einwohner: 138 (Mai 2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 37296
Vorwahl: 05659
Rittmannshausen
Rittmannshausen

Geographische Lage Bearbeiten

Der Ort liegt im nordöstlichen Teil des Ringgaus, an der hessisch-thüringischen Landesgrenze, etwa drei Kilometer östlich des Hauptortes Netra. In der Ortslage trifft die Landesstraße 3300 vom nördlichen Nachbarort Weißenborn kommend auf die Bundesstraße 7. In der Gemarkung des Orts und etwa 600 m südwestlich der Siedlung entspringt die Netra.

Geschichte Bearbeiten

Bedeutende Teile des Ringgau kamen im 11. Jahrhundert in den Besitz der mächtigen Grafen von Northeim, welche vermutlich den Bau der Boyneburg als Verwaltungszentrum veranlassten. Zuvor bestanden in diesem Gebiet bereits mehrere frühgeschichtliche Befestigungsanlagen (Graburg, Schäfersburg, Hüneburg), welche der Bevölkerung als Fliehburgen dienten und eine fränkische Burganlage in Renda, dem ersten Hauptort der Gaugrafschaft Ringgau. Um 1223 wurde mit dem Bau einer steinernen Werrabrücke die Lange-Hessen-Straße über Creuzburg aufgewertet, sie verband die hessischen Besitzungen der Thüringer Landgrafen mit dem Hauptort Eisenach. Diese alte Heer- und Handelsstraße verlief dicht südlich der heutigen Ortslage (Flurname Alte Straße).

Nach dem thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg (1247–1263) erhielt im Jahre 1264 Landgraf Heinrich I. von Hessen die Boyneburg und zugehörige Besitzungen, darunter auch Rittmanshausen.

Der Ort Ridanßhusen wurde bereits im Jahre 1195 erstmals erwähnt, als Papst Coelestin III. das Kloster Germerode unter seinen Schutz stellte, dieses Dokument existiert aber nur noch als Abschrift, diesem Dokument folgt ein Vertrag – mit Nennung des Ortsnamens in der Schreibweise Ritandishusen (Siedlung eines Ritandis) – vom 19. April 1315 als frühestes erhaltenes Belegstück.[3] In dieser wichtigen Urkunde zur Ortsgeschichte wird eine Adelsfamilie erwähnt, welche in Rittmannshausen ansässig war und 1315 einen Ratsherren in der Nachbarstadt Creuzburg stellte. Auch die zu den Burgmannen der Burg Creuzburg gehörige Ritterfamilie Scherff hatte vorübergehend Besitz in Rittmannshausen erworben, Teile besaßen auch die Herren von Netra, die 1366 an die Herren von Boyneburg verkauften. Die Boyneburger waren zugleich Lehens- und Gerichtsherren im Ort. Sie besaßen einen Hof, der als Amtshaus genutzt wurde; vermutlich handelt es sich dabei um den noch 1840 als Burg bezeichneten Hof in der Ortslage. 1525 erreichte der Bauernkrieg in Thüringen seinen Höhepunkt. Die Unruhen griffen auch auf den hessischen Teil des Ringgaus über, die Aufständischen wurden danach hart bestraft.

Rittmannshausen gehörte zum teilautonomen Gericht Boyneburg. Die Herren von Boyneburg gerieten im Jahre 1615 zunächst mit den Heimbürgen der Gemeinde in Streit, der sich über die Jahre zu einer erbitterten Fehde gegen das Dorf ausweitete (Rittmanshäuser Rebellion). Anlass war die Frage der Durchsetzung einer von den von Boyneburg-Hohenstein erlassenen „Policeyordnung“ aus dem Jahre 1604, mit der der Gemeinde Rittmannshausen (wie auch anderen) erhebliche Selbstverwaltungsrechte genommen wurden und deren Gültigkeit die Rittmannshäuser daher vehement bestritten. Die von Boyneburg ließen nichts unversucht, um den Widerstand der Rittmannshäuser zu brechen, was ihnen erst 1620 gelang.[4] Die Landgrafschaft Hessen, die bereits zuvor Grundherr über die zuvor dem Kloster Germerode untertanen „germerödischen Männer“ war, erkaufte 1650 einen weiteren Teil des Orts. Die neu gewonnenen Untertanen wurden dem Amt Bischhausen.[1] zugeordnet, das Dorf als solches blieb allerdings nach wie vor Teil des Gerichts Boyneburg.[5] Seit 1821 gehörte Rittmannshausen zum Kreis Eschwege.

Rittmannshausen nach der Gebietsreform Bearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Grandenborn, Lüderbach, Netra, Renda und Rittmannshausen freiwillig zur neuen Gemeinde Ringgau. Datterode und Röhrda schlossen sich am 1. April 1972 in der Gemeinde Netratal zusammen. Diese beiden Gemeinden wurde am 1. Januar 1974 kraft Landesgesetz zur neuen Großgemeinde Ringau zusammengeschlossen.[6][7] Sitz der Gemeindeverwaltung wurde der Ortsteil Netra. Für alle nach Ringgau eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[8]

Einwohnerentwicklung Bearbeiten

Einwohnerstruktur Bearbeiten

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rittmannshausen 138 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 21 Einwohner unter 18 Jahren, 66 waren zwischen 18 und 49, 24 zwischen 50 und 64 und 27 Einwohner waren älter.[2] Die Einwohner lebten in 54 Haushalten. Davon waren 12 Singlehaushalte, 12 Paare ohne Kinder und 21 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 9 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 36 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.[2]

Einwohnerzahlen Bearbeiten

Rittmannshausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2011
Jahr  Einwohner
1834
  
176
1840
  
195
1846
  
206
1852
  
195
1858
  
175
1864
  
160
1871
  
170
1875
  
168
1885
  
161
1895
  
146
1905
  
163
1910
  
156
1925
  
147
1939
  
168
1946
  
261
1950
  
248
1956
  
199
1961
  
186
1967
  
164
1970
  
171
1980
  
?
1987
  
150
2000
  
?
2011
  
138
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Zensus 2011[2]

Religionszugehörigkeit Bearbeiten

• 1885: 161 evangelische (= 100 %) Einwohner[1]
• 1961: 175 evangelische (= 94,09 %), 6 katholische (= 3,23 %) Einwohner[1]

Kirche Bearbeiten

Das Schiff der Rittmanshäuser Kirche wurde 1828 vom Landbaumeister Johann Friedrich Matthei neu errichtet, der Kirchturm stammt von einem Vorgängerbau, welcher im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. In der Kirche befinden sich zwei Glocken aus dem 14. Jahrhundert, von denen eine als Marienglocke durch die Inschrift AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINUS TECUM BENED ausgewiesen wird.[9]

Bei Bauarbeiten fand man 1970 mit einem Wappen verzierte Reste des alten Taufsteines, den Fachleute in die Zeit um 1520 datieren.[10]

Literatur Bearbeiten

  • Festausschuß 800 Jahrfeier (Hrsg.): 800 Jahre Rittmannshausen. Satz und Druck, Eschwege 1995, S. 128.
  • Literatur über Rittmannshausen nach Register nach GND In: Hessische Bibliographie

Weblinks Bearbeiten

Commons: Rittmannshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. a b c d e f g h Rittmannshausen, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b c d Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 56 und 112, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juli 2021;.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/statistik.hessen.de
  3. Hermann von Roquess: Urkundenbuch des Klosters Kaufungen in Hessen. Cassel 1900, S. No. 134.
  4. Thomas Diehl: Adelsherrschaft im Werraraum. Das Gericht Boyneburg im Prozess der Grundlegung frühmoderner Staatlichkeit (Ende des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts), Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen, Darmstadt und Marburg 2010, ISBN 978-3-88443-314-0 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 159).
  5. Thomas Diehl: Adelsherrschaft im Werraraum. Das Gericht Boyneburg im Prozess der Grundlegung frühmoderner Staatlichkeit (Ende des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts), Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen, Darmstadt und Marburg 2010, ISBN 978-3-88443-314-0 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 159).
  6. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Eschwege und Witzenhausen (GVBl. II 330-21) vom 28. September 1973. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 25, S. 353, § 4 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,3 MB]).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 388–389.
  8. Hauptsatzung. (PDF; 105 kB) § 5. In: Webauftritt. Gemeinde Ringgau, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. Mai 2021; abgerufen im Mai 2021.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ringgau.de
  9. N.N.: Die Rittmannshäuser Kirche. In: 800 Jahre Rittmannshausen. 1995, S. 62–64.
  10. Gerhard Seib: Der Taufstein in der Rittmannshäuser Kirche. In: 800 Jahre Rittmannshausen. 1995, S. 79–81.