Richard van Dülmen

deutscher Historiker und Publizist

Richard van Dülmen (* 3. Mai 1937 in Cloppenburg; † 18. Januar 2004 in Erfurt) war ein deutscher Historiker, Publizist und Mitherausgeber der Zeitschrift Historische Anthropologie.

LebenBearbeiten

Richard van Dülmen studierte Geschichte, Philosophie und Religionswissenschaften in Münster, Würzburg und München. 1968 wurde er mit einer Arbeit über den Pollinger Propst Franziskus Töpsl bei Karl Bosl promoviert. Nach seiner Habilitation über den Theologen Johann Valentin Andreae, den Urheber der Rosenkreuzer-Legende, war er ab 1973 Privatdozent in München. 1980 wurde er Lehrstuhlvertreter und 1982 Professor für die Geschichte der Frühen Neuzeit unter besonderer Berücksichtigung der Landesgeschichte an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Er publizierte umfangreich zur Kultur- und Sozialgeschichte des 16. bis 18. Jahrhunderts.

Van Dülmen war Gastprofessor in Berlin, Prag und Bern. Er war seit 1994 Mitbegründer und -herausgeber der Zeitschrift Historische Anthropologie. Kultur. Gesellschaft. Alltag. Zusammen mit Reinhard Klimmt war er Herausgeber der Reihe Saarland-Bibliothek. An der Universität des Saarlandes war er seit 1999 Erster Sprecher des teils von ihm initiierten Diplomstudiengangs Historisch orientierte Kulturwissenschaften, Leiter der Arbeitsstelle für Historische Kulturforschung (Volkswagenstiftung) und Mitglied des Graduiertenkollegs Interkulturelle Kommunikation in kulturwissenschaftlicher Perspektive.

Richard van Dülmen verstarb während einer Tagung in Erfurt. Den Nachruf in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb Nils Minkmar[1], den Nachruf in der Frankfurter Rundschau der Historiker Ulrich Speck.[2]

FamilieBearbeiten

Richard van Dülmen war verheiratet mit Andrea van Dülmen und hatte drei Kinder: Alexander, Moritz und Friederike van Dülmen.

Richard-van-Dülmen PreisBearbeiten

Seit 2009 wird der Richard-van-Dülmen Preis alljährlich vom HOK-Alumni-Verein (Ehemalige und Studierende der Historisch orientierten Kulturwissenschaften der Universität des Saarlandes) für die innovativste Abschlussarbeit in Studiengängen der Historisch orientierten Kulturwissenschaften vergeben.[3]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • mit Sina Rauschenbach: Macht des Wissens. Die Entstehung der modernen Wissensgesellschaft. Böhlau, Köln 2004, ISBN 3-412-13303-5.
  • Poesie des Lebens. Eine Kulturgeschichte der deutschen Romantik 1795–1820. Band 1: Lebenswelt. Böhlau, Köln / Weimar 2002, ISBN 3-41207302-4.
  • (Hrsg.): Entdeckung des Ich. Die Geschichte der Individualisierung vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Böhlau, Köln 2001, ISBN 3-412-02901-7.
  • Historische Anthropologie. Entwicklung, Probleme, Aufgaben. Böhlau, Köln 2000, ISBN 3-41211799-4.
  • Kultur und Alltag in der Frühen Neuzeit. Erster Band: Das Haus und seine Menschen 16.–18. Jahrhundert. C.H. Beck, München 1990, 4. Auflage 2005, ISBN 978-3-406-53914-5.
  • Die Entstehung des frühneuzeitlichen Europa 1550–1648 (= Fischer Weltgeschichte, Band 24), Fischer TB, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-596-60024-3.
  • Reformation als Revolution. Soziale Bewegung und religiöser Radikalismus in der deutschen Reformation, dtv, München 1977, ISBN 3-423-04273-7.
  • Der Geheimbund der Illuminaten. Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1975, ISBN 3-77280674-0.
  • (Hrsg.): Das Täuferreich von Münster 1534–1535. Berichte und Dokumente, dtv, München 1974, ISBN 3-423-04150-1.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nils Minkmar: Eigensinn. Richard van Dülmen gestorben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Januar 2004, Nr. 16, S. 36.
  2. Ulrich Speck: Beichte und Verhör. Historische Inspirationen: Zum Tode von Richard van Dülmen. In: Frankfurter Rundschau, 21. Januar 2004.
  3. Richard-van-Dülmen Preis für die innovativste Abschlussarbeit, abgerufen am 31. Januar 2020.