Rib-Addi

antiker König von Byblos

Rib-Addi (auch Rib-Hadda oder Rib-Adda) war ein König des antiken kanaanitischen Stadtstaates Byblos, der ca. von 1375 bis 1355 v. Chr. regierte. In dieser Epoche gehörte Byblos zu den Vasallen und Handelspartnern des Alten Ägypten; Kanaan und seine Königreiche waren Hauptlieferanten der Ägypter für das Holz der Libanon-Zeder.[1]

Tontafel mit einem Brief von Rib-Addi an den Pharao. Amarna-Brief EA 362, heute im Besitz des Louvre

Amarna-KorrespondenzBearbeiten

Rib-Addi ist ausschließlich aus den Amarna-Briefen bekannt: Über 60 seiner auf Tontafeln notierten Briefe an den altägyptischen Pharao Amenophis III. sowie an dessen Sohn und Nachfolger Echnaton (beide 18. Dynastie, Neues Reich) sind erhalten geblieben, davon allerdings einige doppelt. Diese Briefe informieren über die politische Situation dieser Zeit in der Levante (auf dem Gebiet des heutigen Libanon) und berichten hauptsächlich von Kämpfen der einzelnen Staaten in dieser Region. Hauptfeinde von Rib-Addi waren Abdi-Aschirta und dessen Sohn Aziru aus dem Staat Amurru, der um diese Zeit mit den mit Ägypten verfeindeten Hethitern paktierte.[2] Rib-Addi fragte mehrmals bei beiden ägyptischen Pharaonen um militärische Hilfe nach, nachdem er Teile seines Herrschaftsgebietes verloren hatte. Aus den Amarna-Briefen geht hervor, dass er zumindest unter Amenophis III. Hilfe erhalten hatte. Rib-Addis Briefe an Echnaton blieben vermutlich unbeantwortet, weil dieser hauptsächlich mit innenpolitischen Fragen beschäftigt war (siehe Amarna-Zeit). In seinem letzten Brief an Echnaton berichtet Rib-Addi von der Zuflucht, die er vorübergehend beim König des benachbarten Berytos gefunden hatte, sowie von seiner drohenden Auslieferung an Aziru. Danach verliert sich seine Spur. Der später verfasste Amarna-Brief eines angesehenen berytischen Bürgers an Echnaton berichtet von der Ermordung mehrerer Könige der Region, darunter der von Byblos.[2]

SonstigesBearbeiten

Rib-Addi war der erste Herrscher, von dem überliefert ist, dass er Scherden-Söldner unterhielt, wahrscheinlich als Leibgarde.[3] Die Scherden (auch Schardana), deren Herkunft strittig ist, werden zu den Seevölkern gezählt und waren im 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. als Söldner bei levantinischen Herrschern begehrt; sie dienten unter Ramses II. auch im ägyptischen Heer.[4]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Maitland A. Edey: Die Frühzeit des Menschen – Anfänge des Seehandels. rororo Sachbuch 74, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1977. ISBN 3-499-18074-X. Darin: Kapitel Die Korrespondenz von Amarna, S. 22 ff.
  • J. A. Knudtzon: Die el-Amarna-Tafeln, Neudruck der Ausgabe von 1914, Otto Zeller Verlag, Aalen 1964.
  • William L. Moran: Les lettres d’ el Amarna Les Editions du cerf, Paris 1987.

AnmerkungenBearbeiten

  1. Maitland A. Edey: Die Geschichte zweier byblonischer Könige, in Anfänge des Seehandels, rororo Sachbuch, S. 20
  2. a b Maitland A. Edey: Die Korrespondenz von Amarna, in Anfänge des Seehandels, rororo Sachbuch, S. 23
  3. August Strobel: Der spätbronzezeitliche Seevölkersturm: ein Forschungsüberblick mit Folgerungen zur bibl. Exodusthematik (= Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft. Band 145). De Gruyter, Berlin 1976, ISBN 978-3-11-006761-3, S. 190.
  4. Gustav Adolf Lehmann: Die ‚politischen-historischen‘ Beziehungen der Agäis-Welt des 15.–13. Jhs. v. Chr. zu Vorderasien und Ägypten: einige Hinweise. In: Joachim Latacz (Hrsg.): Zweihundert Jahre Homerforschung. Rückblick und Ausblick (= Colloquium Rauricum. Band 2). Teubner, Stuttgart 1991, ISBN 978-3-519-07412-0, S. 114 f.