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Das Referendum in Südafrika 1960 (englisch: Referendum of the Republican Issue) war ein Referendum am 5. Oktober 1960. Die Abstimmung betraf die Frage, ob die Südafrikanische Union ihren Status als britisches Dominion beendet und in einen eigenständigen Staat mit der konstitutionellen Form einer Republik umgewandelt werden solle. Die mehrheitliche Zustimmung bewirkte den Austritt des Landes aus dem Commonwealth of Nations (Wiedereintritt 1994). Die legislative Handlungsgrundlage zur Abstimmung bildete der Referendum Act (Act No. 52 / 1960).

Inhaltsverzeichnis

VorbereitungenBearbeiten

Im Januar 1960 kündigte der Premierminister Hendrik Frensch Verwoerd im Unterhaus (House of Assembly) an, dass seine Regierung die Absicht habe, ein Referendum über die Umwandlung des Staates in eine Republik abzuhalten. Seinem Vorhaben nach solle die Herrschaft der britischen Monarchie durch das Amt eines südafrikanischen Präsidenten als Staatsoberhaupt ersetzt werden.

Der damalige südafrikanische Außenminister Eric Louw nahm in Vertretung des erkrankten Premierministers an der Konferenz der Commonwealth Prime Ministers im Mai 1960 in London teil und berichtete offiziell über das Vorhaben seiner Regierung.

Der Entwurf des Referendum Act bestand aus einer Serie von Änderungen des 1946 beschlossenen Wahlgesetzes (Electoral Act). Schwarze und indischstämmige Bürger des Landes hatten keinen Einfluss auf die angestrebte Entscheidung, da sie von einer Stimmabgabe durch andere Gesetze ausgeschlossen waren. Für die Bevölkerungsgruppe der Coloureds votierten im Unterhaus die für sie handelnden weißen Parlamentsrepräsentanten.

In der parlamentarischen Debatte standen alle Sprecher der oppositionellen Gruppen zum Gesetzesentwurf kritisch, weil dieser nur für weiße Wähler eine direkte Stimmabgabe vorsah. Vertreter der Progressive Party und der Liberal Party folgten der Anregung aus den Reihen der United Party, dass nicht nur den registrierten Coloured-Wählern (über deren separate Liste und ihre Repräsentanten), sondern auch Asiaten und Afrikanern (Schwarze) die Möglichkeiten zur Artikulation ihrer Sicht auf Veränderung des Staates eingeräumt werden sollte. Der stellvertretende Innenminister Pieter Willem Botha antwortete im Unterhaus darauf, dass die National Party „das Prinzip, dass Weiße in Südafrika die Hüter der Nicht-Weißen sind“ bekräftigt „und dass es deshalb falsch ist, die Nicht-Weißen als Schiedsrichter in dieser Angelegenheit anzurufen“. Sir Villiers Graaff, der Vorsitzende der United Party, mahnte im Unterhaus an, dass ein Ausschluss der Coloured-Wähler nicht wünschenswert wäre. Seiner Meinung nach sollte eine Beratung mit den schwarzen Einwohnern stattfinden. Es wäre höchst unklug, in der schwierigen Lage (u. a. Massaker von Sharpeville) des Landes, eine so hoch umstrittene Verfassungsänderung zu planen.

Abstimmung und ErgebnisBearbeiten

Die den Wählern in Afrikaans und Englisch gestellte Frage lautete:

Is u ten gunste van 'n Republiek vir die Unie?
Are you in favour of a Republic for the Union?

(Deutsch etwa: Sind Sie für eine Republik der [Südafrikanischen] Union?). Diese Frage konnte auf dem Wahlzettel durch ein Kreuz mit Ja oder Nein beantwortet werden.

Auf der Wählerliste des Referendums befanden sich 1.800.748 Personen. Abgegeben wurden 1.626.336 gültige Stimmen. Ferner gab es 7.436 ungültige Stimmzettel. Die Beteiligung lag demzufolge bei 90,7 %.

Nach den gültigen Stimmen sprachen sich in den Regionen Orange Free State 77 %, Transvaal 56 %, Kapprovinz 50 %, Natal 24 % sowie im Mandatsgebiet Südwestafrika 62 % der Wähler für einen künftigen Republikstatus aus.

Mit der Auswertung der Ergebnisse zeichnete sich ein differenziertes Bild ab, insbesondere ergab sich ein deutlicher Gegensatz zwischen ländlichen und städtisch geprägten Gebieten der Südafrikanischen Union. Auch innerhalb der Regionen zeigten sich auseinanderstrebende Tendenzen. In Natal, im Osten der Kapprovinz, den Ballungszentren von Transvaal und in der westlichen Kapregion hatten die Wähler weitgehend gegen die Republik gestimmt. Zusätzlich wurde ein geteiltes parteipolitisches Stimmungsbild zur Frage der künftigen staatlichen Abgrenzung Südafrikas erkennbar. Die Unterstützer und Mitglieder (vorwiegend Buren) der National Party votierten überwiegend für die Republik und die der anderen Parteien tendenziell dagegen.

 
Ergebnisse nach Provinzen (Prozent Ja-Stimmen)
Provinz Für Gegen Ungültige Gesamt Wahlberechtigte Beteiligung
Stimmen % Stimmen %
Kapprovinz 271.418 50,15 269.784 49,85 2.881 544.083 591.298 92,02 %
Natal 42.299 23,78 135.598 76,22 688 178.585 193.103 92,48 %
Oranje-Freistaat 110.171 76,72 33.438 23,28 798 144.407 160.843 89,78 %
Südwestafrika 19.938 62,39 12.017 37,61 280 32.235 37.135 86,80 %
Transvaal 406.632 55,58 325.041 44,42 3.257 734.930 818.047 89,84 %
Gesamt 850.458 52,29 775.878 47,71 7.436 1.800.748 1.626.336 90,77 %
Quelle: Direct Democracy, SAIRR[1]

Im Ergebnis des Referendums sprach sich eine Mehrheit von 52,3 % für die Gründung einer Republik Südafrika aus. Demzufolge schlug der Premierminister Verwoerd in der Sitzung des Unterhauses am 23. Januar 1961 vor, ein Gesetz zur Errichtung der Republik Südafrika zu beschließen. Der Republic of South Africa Constitution Act (Act No. 32 / 1961) erlangte noch in derselben Sitzungsperiode Rechtskraft. In dessen Folge war eine Person in das neue Präsidentenamt der Republik zu wählen, das am 10. Mai 1961 mit dem bisherigen Generalgouverneur Charles Robberts Swart besetzt wurde.

Der 31. Mai 1961 wurde mit Inkrafttreten des Republic of South Africa Constitution Act zum nationalen Feiertag Republic Day.[2]

LiteraturBearbeiten

  • SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1959-1960. Johannesburg 1961. S. 5–8
  • SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1961. Johannesburg 1962. S. 1–3

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. SAIRR: Survey 1959-1960. 1961. S. 7
  2. SAIRR: Survey 1961. 1962. S. 2