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Römisch-katholische Kirche in Lettland

Die Basilika Mariä Himmelfahrt, das bedeutendste katholische Heiligtum in Lettland

Die römisch-katholische Kirche in Lettland gliedert sich kirchenrechtlich in ein Erzbistum und drei Suffraganbistümer.

GeschichteBearbeiten

Von den vier historischen Landschaften Lettlands (Livland, Kurland, Semgallen und Lettgallen) blieb nach der Reformation nur Lettgallen römisch-katholisch geprägt.

Während der Zugehörigkeit Lettlands zum Zarenreich unterstanden die lettischen Katholiken und ihr Klerus zum größten Teil dem Erzbistum Mogilew, zum kleinen Teil (in Kurland) dem Bistum Kaunas. Wenige Monate bevor Lettland unabhängig wurde, wurde am 22. September 1918 das römisch-katholische Bistum Riga wiedererrichtet. 1922 schlossen Lettland und der Heilige Stuhl ein Konkordat.[1] Im Jahr darauf wurde das Bistum Riga zum Erzbistum erhoben.[2] Apostolischer Nuntius in Lettland ist seit August 2019 Erzbischof Petar Rajič.

Der Volkszählung von 1935 zufolge waren 25 % der Einwohner Lettlands katholisch, mit großen Unterschieden zwischen den Landesteilen hinsichtlich des Anteils der Katholiken an der Bevölkerung:[3]

Nachdem die Sowjetunion 1940 die Republik Lettland okkupiert hatte, wurden 29 katholische Priester verhaftet und gefoltert. 12 von ihnen wurden hingerichtet.[4] Nachdem die Wehrmacht 1941 Lettland besetzt hatte, verfügte die deutsche Besatzungsbehörde im „Generalbezirk Lettland“ am 19. Juni 1942, dass ohne Zustimmung des Gebietskommissars die Bischöfe künftig keine Pfarrer mehr ernennen dürfen. Das Alte Testament im Religionsunterricht zu behandeln, wurde verboten.[5]

StrukturBearbeiten

Statistik der katholischen Kirche und KonfessionsstatistikBearbeiten

Nach statistischen Angaben bekennen sich 407.333 Menschen in Lettland zum Katholizismus (Stand: 2014).[6] Die römisch-katholischen Christen werden in 316 Kirchengemeinden von 139 Priestern (davon 126 Diözesanpriester und 23 Ordenspriester), 115 Ordensschwestern und 31 Ordensbrüdern seelsorglich betreut.[7]

Die Katholiken stellen mit einem Anteil von 19,5 % unter den insgesamt 2.090.280[8] Einwohnern des Landes die zweitgrößte christliche Glaubensgemeinschaft. Die meisten Einwohner Lettlands sind evangelisch-lutherische Christen. Zur drittgrößten christlichen Glaubensgemeinschaft des Landes, der Orthodoxie, bekennen sich überwiegend russischstämmige Letten. Sie werden in der russisch-orthodoxen Kirche Lettlands pastoral betreut.

LiteraturBearbeiten

  • Ernst Benz: Die römisch-katholische Kirche in Lettland 1918–1940. In: Boris Meissner, Dietrich André Loeber, Detlef Henning (Hg.): Die deutsche Volksgruppe in Lettland während der Zwischenkriegszeit und aktuelle Fragen des deutsch-lettischen Verhältnisses. Bibliotheca Baltica, Tallinn 2000, ISBN 9985-800-21-4, S. 162–174.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Orbis Terrarrum: Latvia. In: The Tablet, 3. März 1928, S. 31.
  2. Rigensis erectionis in Archiepiscopatum Decretum. In: Acta Apostolicae Sedis, Jg. 1923, S. 585–586.
  3. Ernst Benz: Die römisch-katholische Kirche in Lettland 1918–1940. In: Boris Meissner, Dietrich André Loeber, Detlef Henning (Hg.): Die deutsche Volksgruppe in Lettland während der Zwischenkriegszeit und aktuelle Fragen des deutsch-lettischen Verhältnisses. Bibliotheca Baltica, Tallinn 2000, S. 162–174, hier S. 163.
  4. Arveds Schwabe: Histoire du peuple letton. Bureau d’Information de la Légation de Lettonie à Londres, Stockholm 1953, S. 237.
  5. Arveds Schwabe: Histoire du peuple letton. Bureau d’Information de la Légation de Lettonie à Londres, Stockholm 1953, S. 238.
  6. Annuario Pontificio, Ausgabe 2016, Addition der Angaben zu den vier lettischen Bistümern auf den Seiten 332 (Bistum Jelgava), 402 (Bistum Liepāja), 608 (Bistum Rēzekne-Aglona) und 610 (Erzbistum Riga).
  7. Annuario Pontificio, Ausgabe 2016, S. 1125 und Addition der Angaben auf den Seiten 332 (Bistum Jelgava), 402 (Bistum Liepāja), 608 (Bistum Rēzekne-Aglona) und 610 (Erzbistum Riga).
  8. vgl. Latvijas iedzivotaju skaits pašvaldibas, Datenbank des Amtes für Statistik der Republik Lettland, Stand: 1. Januar 2016.

WeblinksBearbeiten