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Prypjatsümpfe

größtes europäisches Sumpfgebiet in Weißrussland und der Ukraine
(Weitergeleitet von Pripjetsümpfe)
Der weitausladende Prypjat
Typische Sumpflandschaft in einem Gemälde von Schischkin (1890)

Die Prypjatsümpfe, nach dem Fluss Prypjat benannt, auch Polesische Sümpfe (nach der Landschaft Polesien), Pinskische Sümpfe (nach der Stadt Pinsk) oder Rokitnosümpfe (nach der Stadt Rokytne) genannt, sind eine Sumpflandschaft im Süden von Weißrussland und im Nordwesten der Ukraine.

Mit etwa 90.000 km² Fläche sind sie das größte Sumpfgebiet Europas um die Stadt Pinsk bzw. um den Prypjat (weißruss. Prypjaz) (zwischen Bug und Dnepr) und seine Nebenflüsse Horyn, Pina, Ubort, Stochid und Turija sowie den Unterlauf des Styr im südlichen Polesien. Die wichtigsten Städte sind Pinsk, Masyr, Prypiat, Rokytne und Tschornobyl (Tschernobyl).

Das Versumpfen entsteht durch das mangelnde Gefälle der Wasserläufe und dadurch, dass im Frühjahr die südlichen Zuflüsse viel früher auftauen als die nördlichen. Die ausgedehnten Sumpfflächen und die zahlreichen, in sumpfigen Tälern langsam dahinfließenden Zuflüsse erschweren die landwirtschaftliche Nutzung. Einzig die Holzwirtschaft hat sich durchgesetzt.

GeschichteBearbeiten

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war das Gebiet in den Jahren 1915/16 zwischen der 4. Armee Österreich-Ungarns und dem 3. Armeekorps der Russischen Armee umkämpft, bevor die 2. Armee Österreich-Ungarns an Ort eintreffen konnte. Im weiteren Kriegsverlauf blieben die Sümpfe eines der wichtigsten geographischen Hindernisse an der Ostfront.

Im Zweiten Weltkrieg hatte Konrad Meyer das Kommando über den „Pripjet-Plan“ inne, der eine Besiedlung des Gebietes mit deutschen Kolonisten vorsah. Der Plan wurde jedoch gegen Ende 1941 von Hitler fallengelassen, der die Bildung von Staubstürmen befürchtete. Im Winter 1943/44 fanden ebenfalls in diesem Gebiet Kämpfe statt. Insbesondere während des Einsatzes zur „Bandenbekämpfung“ werden den Einheiten der 8. SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“ zahlreiche Kriegsverbrechen zur Last gelegt, darunter die Ermordung von über 14.000 Juden zwischen dem 1. und 12. August 1941.

Die Region ist auch durch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 bekannt geworden. Sie sollte jedoch nicht mit der 350 km südöstlich gelegenen Geisterstadt Prypjat verwechselt werden.

NaturschutzgebieteBearbeiten

Die Sümpfe sind ein geschütztes, grenzüberschreitendes Feuchtgebiet nach der Ramsar-Konvention. Zu den Naturschutzgebieten zählen unter anderem:

LiteraturBearbeiten

  • Thomas Gerlach: Ukraine. Zwischen den Karpaten und dem Schwarzen Meer. 10., erweiterte und aktualisierte Auflage. Trescher, Berlin 2009, ISBN 978-3-89794-152-6.
  • Diana Siebert: Herrschaftstechniken im Sumpf und ihre Reichweiten. Landschaftsinterventionen und Social Engineering in Polesien von 1914 bis 1941. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2019. ISBN 978-3-447-11229-1.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Polesia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 48′ 55″ N, 24° 57′ 10″ O