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Polesien

historische grenzüberschreitende Landschaft in Osteuropa
Polesische Landschaft (1884), von Iwan Schischkin
Polesien (auf der Karte irrtümlich als Podlesien eingezeichnet) mit dem Zentrum Pinsk

Polesien („die oder das Polesien“, weißrussisch Палессе Paleśsie, ukrainisch Полісся Polissia, russisch Полесье Polesje, polnisch Polesie, litauisch Polesė, deutsch auch Polessien) ist eine historische Landschaft in Polen, Weißrussland, der Ukraine und Russland – etwa in West-Ost-Richtung betrachtet. Nicht zu verwechseln ist sie mit dem ähnlich klingenden Podlachien (Podlasien).

Geographische LageBearbeiten

 
Das Gebiet

Polesien ist ein Streifen Tiefland zwischen den Flussgebieten des Bug und Prypjat, der sich östlich des Dnepr bis nach Russland hinein fortsetzt. Wichtigste Städte sind Brest und Pinsk im Westen, im Osten der Region ist Homel zu erwähnen. Wichtigste Flüsse sind der Prypjat (weißruss. Prypjaz) und die Horyn.

Landschaft und SchneeschmelzeBearbeiten

Landschaftlich ist das Gebiet eine weit ausgedehnte, waldreiche Flussniederung; es dominieren vor allem südlich des Prypjat die Prypjatsümpfe, die mit etwa 90.000 km² Fläche das größte Sumpfgebiet Europas sind. Während der Schneeschmelze verwandeln der Prypjat und seine Nebenflüsse die Niederung in eine Wildnis aus Seen, Sümpfen und Waldinseln.

GeschichteBearbeiten

Seit dem Mittelalter war Polesien Teil der Kiewer Rus. Nach dem Mongolensturm von 1241 kam das Gebiet unter den Einfluss des Großfürstentums Litauen und wurde im Zuge der Lubliner Union von 1569 Teil von Polen-Litauen. Nach der Dritten Teilung Polens 1795 gehörte Polesien zum Russischen Reich.

Zwischen 1920 und 1939 kam der Gebietsteil westlich der Horyn zur Zweiten Polnischen Republik, der östliche zur Sowjetunion. Es wurde in Polen die Woiwodschaft Polesien mit der Hauptstadt Brest errichtet. In den 1930er Jahren wollte die polnische Regierung einen großen Teil der Pripjetsümpfe trockenlegen lassen, scheiterte aber an Geldmangel[1] und Korruption.[2]

Es wird vornehmlich Holzwirtschaft betrieben.

LiteraturBearbeiten

  • Svetlana Boltovskaja u. a.; Eva Gerhards (Hrsg.): Tschernobyl: Expeditionen in ein verlorenes Land. Städtische Museen Freiburg im Breisgau, Imhof, Petersberg, 2011, ISBN 978-3-86568-692-3
  • Diana Siebert: Die ländliche Wirtschaft im polnischen und sowjetischen Teil des weissrussischen Polesien (1921–1939) – Ein Vergleich, Hausarbeit zur Magisterprüfung an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln. Köln 1990.
  • Diana Siebert: Herrschaftstechniken im Sumpf und ihre Reichweiten. Landschaftsinterventionen und Social Engineering in Polesien von 1914 bis 1941. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 2019. ISBN 978-3-447-11229-1.
  • Zeitschrift für Ostmitteleuropaforschung, Heft 3/2019: Polesia: Modernity in the Marshlands. Interventions and Transformations at the European Periphery from the Nineteenth to the Twenty-first Century Online abrufbar: [1]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Polesia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Diana Siebert: Landscape Interventions? The Draining of Wetlands and Other Modernization Initiatives in West Polesia from 1921 to 1939. In: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 2019,3. 9. Oktober 2019, abgerufen am 9. Oktober 2019.
  2. Silke Fengler: Polesien als Interventionslandschaft. In: H-Soz-Kult. 1. März 2018, abgerufen am 30. November 2018.