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Plantawappen mit der Bärentatze (am Tuor Planta in Susch)

Die von Planta sind ein schweizerisches Adelsgeschlecht aus dem Oberengadin, seit 1139 Ministerialen des Hochstifts Chur und ab 1367 auch des von ihnen mitbegründeten Freistaats der Drei Bünde. Ihre Stammsitze waren Zuoz, Samedan und Chur. Einzelne Linien der Familie bestehen bis heute.

GeschichteBearbeiten

 
Oberes und unteres Planta-Haus Zuoz

Gemäss der Chronik von Fortunat Sprecher erhielt Conrad Planta 1139 vom Bistum Chur Hoheits- und Besitzrechte im Oberengadin zum Lehen. Möglicherweise waren die Planta als Ministerialen Verwalter des Bischofs von Chur in Zuoz. 1244 wird Andreas zu Zuoz erwähnt. Auf diese Zeit dürfte der dortige Plantaturm, ein typisch mittelalterlicher Rittersitz in Form eines Wohnturms, zurückgehen. Ferner gibt es dort bis heute das Obere und das Untere Plantahaus.

Nach 1288 lag die niedere Gerichtsbarkeit im Oberengadin bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts in den Händen der Planta. Sie verfügten über bischöfliche Lehen im Oberengadin (u. a. Burg Guardaval) und im Bergell (u. a. den Senvelenturm und Burg Castelmur), im 14. Jahrhundert auch in Zernez im Unterengadin (Schloss Wildenberg) und im Puschlav.

1295 erhielt Andreas II. von Bischof Berthold das Ammannamt im Oberengadin und das Kanzleramt, zudem alle Bergwerke mit zugehörigen Rechten zu einem ewigen freien Lehen für sich und seine Nachkommen. Ab Ende des 14. Jahrhunderts übten die Planta auch Ämter im Unterengadin, Vinschgau, Albulatal, Bergell, Puschlav, Domleschg und in Chur aus. 1407 nahmen sie mit Rudolf erstmals Einsitz im Churer Domkapitel. Mit Thomas Planta stellten sie von 1549 bis 1565 einen Bischof von Chur.

Im 15. Jahrhundert gehörten die Planta zu den führenden Niederadelsgeschlechtern des Hochstifts Chur. Die Basis ihrer ökonomischen Grundlage bildeten die Bergwerke. Nach der Mitte des 15. Jahrhunderts bestanden enge Beziehungen zum Benediktinerinnenkloster St. Johann in Müstair, für das die Familie Planta bis ins 18. Jahrhundert mehrere Äbtissinnen stellte.[1] Der Zweig der Planta aus Zernez bekannte sich seit der konfessionellen Spaltung der Drei Bünde zum reformierten Glauben.

Nach der Eroberung des Veltlins 1512 war die Familie Planta auch dort neben den Salis das wichtigste Ämtergeschlecht.

Die Planta waren massgeblich an der Gründung des Gotteshausbundes und der Rhätischen Bünde beteiligt. In den Bündner Wirren standen sie, neben den Salis, in Führungspositionen auf beiden Seiten; während sich die reformierten Salis jedoch überwiegend auf die Seite Frankreichs und Venedigs stellten, unterstützten die zum Katholizismus konvertierten Brüder Rudolf und Pompejus von Planta die habsburgische Partei von Österreich und Spanien. Später standen Vertreter der Planta auch in ausländischen Kriegsdiensten und stellten im 18. Jahrhundert neben zahlreichen Offizieren vier Generäle.

 
Schloss Wildenberg (Zernez), von 1302 bis 1850 im Familienbesitz

LinienBearbeiten

 
Tuor Planta in Susch, ab ca. 1500 und erneut seit 1926 bis heute im Familienbesitz

Später teilte sich die Familie in sechs Linien auf:

Nach 1650 nahm das politische Engagement der Planta ab. Nach 1700 erfolgte der Abstieg der Linien Planta Steinsberg-Wildenberg und Planta-Wildenberg-Malans. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts waren einzelne Mitglieder der Familie in der kantonalen und nach 1848 in der eidgenössischen Politik aktiv. Alfred von Planta war 1914 Präsident des Schweizer Nationalrates. Danach übte die Familie keine bedeutenden politischen Ämter mehr aus.

Der 1985 gegründete Historisch-Antiquarische Fonds der Familie von Planta verfolgt den Zweck der "Förderung und Erhaltung historischer Kulturgüter aller Art im Kanton Graubünden durch Erwerb, Erhaltung und Unterhalt von Gebäuden, Erhaltung von alten Schriften sowie anderen wertvollen Objekten, Neudruck oder anderweitige Reproduktionen von Schriften oder Gegenständen von historisch oder antiquarischem Wert, Förderung des Interesses der Öffentlichkeit am geschichtlichen Erbe Graubündens durch Unterstützung oder Organisation von Ausstellungen mit historisch oder antiquarischer Ausrichtung".

WappenBearbeiten

Die schwarze Bärentatze im silbernen Felde. (Blasonierung: In Silber rot besohlte schwarze Bärentatze mit rotem Schnitt.) Siehe unten: Weblinks.

Vertreter (Auswahl)Bearbeiten

  • Thomas Planta, (um 1370); Ritter und Ammann im Oberengadin, Mitbesiegler der Gründungsurkunde des Gotteshausbundes[2]
  • Johann Planta von Wildenberg (um 1500–1572); Landeshauptmann im Veltlin, galt als reichster und mächtigster Mann Rätiens, Herr von Schloss Rhäzüns und Hohentrins[3]
  • Thomas Planta (1520–1565); Bischof von Chur von 1549 bis 1565
  • Rudolf von Planta (1569–1638), Anführer der spanisch-österreichischen Partei
  • Pompejus Planta (1570–1621); Führer der spanisch-österreichischen Partei in den Bündner Wirren, Bruder des Rudolf
  • Ambrosius Planta von Wildenberg (1606–1668); Oberstleutnant in spanischen Diensten, Bundeslandammann des Zehngerichtenbundes[4]
  • Martin Planta (1727–1772), Schweizer reformierter Geistlicher und Pädagoge
  • Peter Planta von Wildenberg (1734–1805) Unterengadiner Landammann und Landeshauptmann im Veltlin, letzter männlicher Vertreter der Zernezer Linie[5]
  • Gaudenz Planta von Samaden (1757–1834), Anwalt und Staatsmann, genannt «Der Bär»[6]
  • Peter Conradin von Planta (1815–1902); Jurist und Historiker[7]
  • Andreas Rudolf von Planta (1819–1889), Schweizer Jurist, Unternehmer und Politiker
  • Alfred von Planta (1857–1922), Schweizer Jurist, Politiker, Industrieller und Diplomat, Präsident des Schweizer Nationalrates

Bauten und BesitzungenBearbeiten

Die folgenden Herrensitze gehörten (oder gehören bis heute) verschiedenen Linien der Familie:

LiteraturBearbeiten

  • Peter Conradin von Planta: Chronik der Familie von Planta nebst verschiedenen Mittheilungen aus der Vergangenheit Rhätiens. Orell Füssli, Zürich 1892, (Digitalisat, online; dazu: Nachtrag zur Chronik der Familie von Planta 1892. Ergänzungen und Nachweise. ebenda 1905).
  • Gaudenz von Planta: Kurze Übersicht über die Geschichte und den gegenwärtigen Personenbestand der Familie von Planta. s. n., Fürstenau 1917
  • Anna-Maria Deplazes-Haefliger, Ursus Brunold: Planta. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 502–504 (Digitalisat).
  • Lars Adler: Friedrich Mainhard Planta von Wildenberg. Der „untreue“ Ordensritter. In: Karl Wilhelm 1679–1738, Katalog zur Großen Landesausstellung Baden-Württemberg vom 9. Mai bis 18. Oktober 2015, hrsg. vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe. München 2015. S. 166–167.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Auf den Spuren der Äbtissin Angelina Planta. (PDF; 1,4 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) Kloster Müstair, Dezember 2010, ehemals im Original; abgerufen am 15. Mai 2012.@1@2Vorlage:Toter Link/info.muestair.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. Anna-Maria Deplazes-Haefliger: Planta, Thomas. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  3. Hansjürg Gredig: Planta, Johann von (Wildenberg). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  4. Jürg Simonett: Planta, Ambrosius von (Wildenberg). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  5. Jürg Simonett: Planta, Peter von (Wildenberg). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  6. Jürg Simonett: Planta, Gaudenz von (Samedan). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  7. Martin Bundi: Planta, Peter Conradin von (Zuoz). In: Historisches Lexikon der Schweiz.