Hauptmenü öffnen

Der Petriplatz mit der Petrikirche war der zentrale Platz in der mittelalterlichen Stadt Cölln bei Berlin. In den Platz mündet die Brüderstraße, die bei der ursprünglichen Lage des Schloßplatzes beginnt. Die Benennung steht – wie bei der Kirche, die ihm den Namen gab – im Zusammenhang mit der angrenzenden Fischerinsel und der Rolle des Heiligen Petrus als Schutzpatron der Fischer.

Petriplatz
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Petriplatz
Blick Richtung Petrikirche Ende des 19. Jahrhunderts
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 14. Jahrhundert
Neugestaltet 20. Jh. (nach Abtragung der Kirchenruine) als Parkplatz überbaut
Einmündende Straßen
Gertraudenstraße,
Kleine Gertraudenstraße,
Scharrenstraße,
Brüderstraße
Bauwerke Petrikirche (bis 1964), Cöllnisches Rathaus (zerstört), Lateinschule (nicht mehr vorhanden)
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger
Platzgestaltung Parkplatz; wird nach Beendigung der archäologischen Grabungen ab 2014 neu bebaut mit einem Bet- und Lehrhaus für drei Religionen

Der Petriplatz liegt im Berliner Ortsteil Mitte in der Nähe der Gertraudenbrücke und wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in den 1960er Jahren durch die Neubebauung der Gegend um die Brüderstraße mit dem Staatsratsgebäude und der anliegenden Wohnbebauung sowie der Verkehrsachse GrunerstraßeLeipziger Straße als Platz fast vollständig beseitigt. Nach einer jahrelangen Nutzung der Restfläche als Parkplatz werden umfangreiche Bodenuntersuchungen durchgeführt. Nach einem Projekt des Landes Berlin in Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde St. Petri – St. Marien und weiterer Gruppen soll an dieser Stelle ein interreligiöses Gebäude names House of One errichtet werden.[1][2]

GeschichteBearbeiten

Am 28. Oktober 1237 wurde Symeon, Pfarrer der Petrikirche zu Cölln, als Zeuge in einer Urkunde benannt. Diese Ersterwähnung wird allgemein als Geburtsdatum Berlins angesehen und gibt einen Hinweis auf die Kirche und ihren Standort. Wie früher üblich, legte die Gemeinde am Gotteshaus einen Friedhof an, der bei der weiteren Ausdehnung Cöllns aufgegeben wurde. Im Zusammenhang mit den archäologischen Grabungen seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts sind hier die Gräber von 3500 Personen entdeckt und freigelegt worden.[1]

Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Petriplatz wegen der Bebauung wesentlich kleiner als es die heutige Freifläche bis zur Breiten Straße vermuten lässt. Das erste Berliner Rathaus trennte den Petriplatz vom Köllnischen Fischmarkt an der Breiten Straße ab; die ehemalige dichte Randbebauung ist nur noch an der Scharrenstraße erkennbar.

Entwicklung des Petriplatzes im 21. JahrhundertBearbeiten

 
Fundamentteile der alten Petrikirche, 2008 freigelegt

Archäologische Grabungen für eine NeubebauungBearbeiten

Auf der Grundlage des Planwerks Innenstadt beschloss der Berliner Senat 2006 die Wiederherstellung und Bebauung des Petriplatzes in seinen ehemaligen Abmessungen und die Herrichtung als Stadtplatz an historischem Ort. Parallel zu den Ausgrabungen fand zur Platzgestaltung im Herbst 2007 ein Wettbewerb für Architekten und Landschaftsplaner statt. Mit der Randbebauung soll der Stadtraum der Breiten Straße, Scharrenstraße und Gertraudenstraße wiedergewonnen und ein städtischer Erlebnisbereich gestaltet werden.[3]

House of OneBearbeiten

 
Baustelle des House of One in Berlin-Mitte am Petriplatz, 2015

Nach dem ersten Spatenstich durch die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher Gmür am 5. März 2007 begannen archäologische Grabungen zur Untersuchung der historischen Keimzelle Berlins am Petriplatz. Dabei fanden die Grabenden sowohl bauliche Reste der Fundamente der Petrikirche als auch Reste des alten Cöllner Rathauses, mittelalterlicher Bürgerhäuser und Gräber der ältesten Cöllner Bürger. Auf Schautaufeln konnten sich Interessenten über die Grabungsergebnisse und das Planungsvorhaben informieren. Schließlich beschloss der Senat, die Fundstätten nicht wie üblich einfach wieder einzuebnen, sondern über der Fläche ein Archäologisches Besucherzentrum zu errichten, in dem die Funde präsentiert werden. Ein entsprechendes Gebäude, das gleichzeitig die am längsten mit Berlin verbundenen Religionen (Christen, Juden und Muslime) symbolisiert, entsteht nun nach einem Architekturwettbewerb. Die Bezeichnung bringt zum Ausdruck, dass fast alle Religionen der Welt einen einzigen Gott verehren, der nur jeweils einen anderen Namen trägt, es ist Der Einzige (the One).

Das gemeinsame Gebäude wird klar in drei Bereiche gegliedert und verdeutlicht damit auch baulich die Grundidee der drei Religionen in Berlin.[2] Geplant sind tägliche Besucherführungen, auch für Schulklassen sowie die Nutzung für Symposien und auch für Privates. Die beteiligten Religionsvertreter haben eine gemeinsame Charta erarbeitet, in der Gewaltfreiheit, Solidarität und Selbstlosigkeit und Gleichberechtigung den Kern bilden.[1][4]

Das Projekt des House of One – Bet- und Lehrhaus wird durch eine eigene Stiftung mit Roland Stolte als Vorsitzendem und einem Verein begleitet. Von 2018 bis Januar 2019 gab es einen Infopavillon am Rande der Baugrube, der rege genutzt wurde. Die gesamten Baukosten werden auf rund 44 Millionen Euro geschätzt (Stand Ende 2018), davon stellt der Bund zehn Millionen und die Stadt Berlin ebenfalls zehn Millionen bereit. Der Rest soll durch private Spenden und ein Crowdfunding zusammenkommen.[5] Die Grundsteinlegung ist für den 14. April 2020 geplant, dem Jahrestag der Uraufführung von Lessings Drama Nathan der Weise 1783 in Berlin.[6]

Baurechtliche VeränderungenBearbeiten

Mit dem Umbau des Petriplatzes sollen die ihn tangierenden Straßen verändert werden: Rückbau der Breiten Straße und des Mühlendamms, sowie Erneuerung der Scharrenstraße, der Kleinen Gertraudenstraße und der Friedrichsgracht. Im Frühjahr 2019 wurde die Aufstellung des Bebauungsplans I-218-1 gemäß § 13a Baugesetzbuch öffentlich bekannt gemacht. Danach soll die bisherige Teilfläche des Petriplatzes, die „öffentliche Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung ,Fußgängerbereich’ als private Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung ,Aufenthaltsbereich’“ umgewidmet werden. Das Gehrecht zugunsten der Allgemeinheit soll erhalten bleiben.[7]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Petriplatz (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Julia Haak: Ein Bethaus für drei. Christen, Juden und Muslime wollen am Petriplatz in Mitte eine interreligiöse Stätte errichten. Berliner Zeitung, 4./5. August 2012; Seite 22
  2. a b Sylvia Perdoni: Bethaus am Petriplatz – Außen Geheimnis, innen Dialog der Religionen, abgerufen am 4. Januar 2013
  3. Petriplatz und Breite Straße. Planungen für Alt-Cölln. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, August 2012, abgerufen am 29. November 2019.
  4. Charta des Vereins Bet- und Lehrhaus, abgerufen am 4. Januar 2013
  5. House of One erhält zehn Millionen Euro vom Bund, Sendung auf rbb24 vom 22. November 2018, abgerufen am 7. März 2019.
  6. Grundsteinlegung im Frühjahr 2020 auf house-of-one.org; abgerufen am 7. März 2019.
  7. Öffentliche Bekanntmachung zum Bebauungsplan I-218-I in: Berliner Zeitung, 22. März 2019, S. 15.

Koordinaten: 52° 30′ 47,7″ N, 13° 24′ 14,5″ O