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Pertussisimpfstoff

Impfstoff gegen Keuchhusten

Ein Pertussisimpfstoff (Synonym: Keuchhustenimpfstoff) ist ein Impfstoff gegen Keuchhusten, d. h. gegen Infektionen mit dem Bakterium Bordetella pertussis.

Inhaltsverzeichnis

EigenschaftenBearbeiten

Der Pertussisimpfstoff ist ein Toxoidimpfstoff.[1] Gegen Bordetella pertussis kann mit Kombinationsimpfstoffen geimpft werden. Der in Deutschland zugelassene Impfstoff liegt darin in azellulärer Form (Pertussis Toxoid, Filamentöses Hämaglutinin, Pertactin) vor, deren Verträglichkeit den früher verwendeten Ganzkeimimpfstoffen überlegen ist. In der Regel wird eine Wirkverstärkung durch Kopplung an ein Adjuvans eingesetzt. 1975 beschränkte die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Impfempfehlung aufgrund gemeldeter Nebenwirkungen (vornehmlich starke Lokalreaktionen, Fieberkrämpfe und einzelne Enzephalopathien), was zu einer Zunahme an Keuchhusten-Erkrankungen mit erhöhter Komplikationsrate führte. In der DDR wurde jedoch weiter geimpft, wobei die Erkrankungsraten gleichmäßig niedrig blieben. Eine erneute Impfempfehlung der STIKO wurde 1991 ausgesprochen und 2000 auch auf ältere Kinder ausgeweitet. Die wirksamen Bestandteile in heutigen Pertussisimpfstoffen in den USA sind die fixierten Proteine Pertussis-Toxin und FHA, teilweise auch Pertactin und Fimbrien der Typen 2 und 3 (bei Daptacell).[1]

Impfstoffvarianten von Pertussisimpfstoffen sind ausschließlich die Kombinationsimpfstoffe wie DTaP (mit Impfstoffen gegen Clostridium tetani und Corynebacterium diphtheriae), Tdap. Die kleinen Buchstaben kennzeichnen dabei geringere Konzentrationen der jeweiligen Komponente. DTaP wird meistens zur Immunisierung von Kindern verwendet, während für die Wiederholungsimmunisierung von Erwachsenen meistens Tdap verwendet wird. Der DTP-Impfstoff wurde als Kombinationsimpfung von 1930 bis 1991 verwendet, bis der ebenfalls darin enthaltene Pertussisimpfstoff aufgrund von Schmerzen und Rötung an der Einstichstelle bei 50 % der Geimpften gegen eine zellfreie Form (azellulärer Pertussisimpfstoff, aP) ausgetauscht wurde, was anschließend als TDaP oder DTaP bezeichnet wurde.[1] Der heutige azelluläre Pertussisimpfstoff wurde 2005 zugelassen.[1]

Der Pertussisimpfstoff befindet sich auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation.[2] Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Verwendung von Pertussisimpfstoffen in einem Fünffachimpfstoff mit Impfstoffen gegen Diphtherie, Tetanus, Hepatitis B und Haemophilus influenzae b.[3]

ImmunologieBearbeiten

Nach der Impfung entstehen je nach Impfstoff neutralisierende Antikörper in 71–85 % der Geimpften,[4] die vor einer erneuten Keuchhusteninfektion schützen. Der Impfstoff wird meistens viermal verabreicht. Der azelluläre Pertussisimpfstoff erzeugt etwa die gleiche Immunität wie der zellenthaltende Vorgänger (englisch whole cell Pertussis Vaccine, wP), jedoch hält die Immunität nicht so lange an und der Impfstoff erzeugt weniger Nebenwirkungen.[4]

NebenwirkungenBearbeiten

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei azellulären Pertussisimpfstoffen (aP) umfassen Schmerzen und eine Rötung an der Einstichstelle.

HandelsnamenBearbeiten

Handelsnamen für Pertussisimpfstoffe sind z. B. Boostrix, Covaxis, Hexacima, Hexyon und Infanrix in Europa und in den USA Infanrix und Daptacel für Kinder (DTaP) und Boostrix und Adacel für Erwachsene (Tdap).[5][1]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Centers for Disease Control and Prevention: CDC Pink Book: Pertussis.
  2. WHO Model List of EssentialMedicines. In: World Health Organization. October 2013. Abgerufen am 22. April 2014.
  3. E. S. Bar-On, E. Goldberg, S. Hellmann und L. Leibovici: Combined DTP-HBV-HIB vaccine versus separately administered DTP-HBV and HIB vaccines for primary prevention of diphtheria, tetanus, pertussis, hepatitis B and Haemophilus influenzae B (HIB). In: Cochrane Database Syst Rev. Nr. 4, 2012, S. CD005530. doi:10.1002/14651858.CD005530.pub3. PMID 22513932.
  4. a b L. Zhang, S. O. Prietsch, I. Axelsson, S. A. Halperin: Acellular vaccines for preventing whooping cough in children.. In: The Cochrane database of systematic reviews. 9, 17. September 2014, S. CD001478. doi:10.1002/14651858.CD001478.pub6. PMID 25228233.
  5. Paul Ehrlich-Institut: Impfstoffe gegen Pertussis (Keuchhusten). Abgerufen am 29. Februar 2016.
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