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Clostridium tetani

Art der Gattung Clostridien (Clostridium)
Clostridium tetani
Clostridium tetani

Clostridium tetani

Systematik
Abteilung: Firmicutes
Klasse: Clostridia
Ordnung: Clostridiales
Familie: Clostridiaceae
Gattung: Clostridium
Art: Clostridium tetani
Wissenschaftlicher Name
Clostridium tetani
(Flügge 1886) Bergey u. a. 1923

Clostridium tetani gehört zu den stäbchenförmigen grampositiven Bakterien, ist anaerob und bildet Endosporen aus. C. tetani (griechisch tetanos „Krampf“) ist der Erreger des Wundstarrkrampfes (Tetanus). Dieses Bakterium bildet vor allem die Toxine Tetanospasmin, nach Botulinustoxin das zweitstärkste bekannte Bakteriengift, und Tetanolysin.

C. tetani wurde unabhängig voneinander zuerst 1883 von dem russischen Chirurgen Nestor Monastyrski und ein Jahr später (1884) von dem deutschen Internisten Arthur Nicolaier entdeckt. 1889 gelang Shibasaburo Kitasato die Isolation und Anzucht von C. tetani.

VorkommenBearbeiten

Clostridium tetani kommt ubiquitär im Erdreich vor. Andere mögliche Infektionsquellen sind Holz sowie die Ausscheidungen von Rindern und seltener anderen Tierarten, aber auch im menschlichen Darm werden die Bakterien gefunden.[1][2][3][4] Offene Wunden können schnell mit dem Bakterium infiziert werden und so zur Tetanuserkrankung führen. Die gängige Schutzimpfung schützt nicht vor dem Erreger selbst, sondern vor dem Tetanustoxin Tetanospasmin.

Wie alle Clostridien ist auch C. tetani anaerob. Besonders gefährdet für eine Tetanus-Infektion sind darum tiefe Stichwunden, in denen sich die Bakterien unter Luftabschluss vermehren können. Die Sporen der Bakterien sind sehr widerstandsfähig und können jahrelang im Erdreich persistieren.[5] Sie sind weit verbreitet, und wurden auch im Darm und in Fäkalien verschiedener Tiere, einschließlich des Menschen, nachgewiesen.[5] Die Sporen können über eine Wunde zusammen mit Fremdkörpern wie Holzsplitter oder Dornen in die Körper gelangen. Für das Auskeimen wird ein sauerstoffarmes Wundmilieu benötigt, was durch Gewebeschäden oder Nekrosen vorliegen kann.[5] Wenn sich dann die Bakterien in diesem Milieu vermehren, produzieren sie die für die Gefährlichkeit verantwortlichen Toxine.

PathogeneseBearbeiten

Die von C. tetani gebildeten Exotoxine sind Tetanospamin und Tetanolysin. Die Bedeutung des hämolytisch wirkenden Tetanolysins ist noch nicht geklärt.[5] Das für die Krankheitserscheinungen ursächliche Toxin Tetanospamin wird entlang von Nervenbahnen oder über das Blut zur grauen Substanz des Rückenmarks transportiert. Dort spaltet es das Synaptobrevin (VAMP), welches an der Ausschüttung von Neurotransmittern beteiligt ist. Hierdurch werden die hemmenden Synapsen von Motoneuronen blockiert, wodurch das Nervensystem nicht mehr hemmend auf den betroffenen Muskel einwirken kann. Tetanospamin wirkt daher als Neurotoxin und gilt als eines der stärksten bekannten Gifte. Die minimale tödliche Dosis für Menschen wird auf weniger als 2,5 ng pro kg Körpergewicht geschätzt.[5]

 
Sporenproduktionn von C. tetani

Klinische Krankheitszeichen beginnen mit Kopfschmerzen und gesteigerter Reflexauslösbarkeit. Schrittweise folgt die Ausbildung des Trismus (Kieferklemme durch Tonuserhöhung der Kaumuskulatur), des Risus sardonicus (Teufelsgrinsen, bewirkt durch die Kontraktion der mimischen Muskulatur) und eine Verkrampfung der Streckmuskulatur des Rumpfes, Opisthotonus genannt, sowie Streckkrämpfe von Rumpf und Extremitäten, welche durch äußere Reize begünstigt werden. Diese Zeichen nehmen zu und können äußerst schmerzhaft werden, wenn Muskeln klonisch kontrahiert werden und schließlich der Kranke in Rückenlage nur noch auf Kopf und Fersen ruht. Auch Wirbelsäulenbrüche sind hierdurch vorgekommen.

Eine ausführliche Darstellung des Krankheitsbildes Tetanus siehe dort.

TherapieBearbeiten

Die Therapie des Tetanus erfolgt zum einen durch Behandlung der Quelle weiterer Erreger beziehungsweise Toxine durch chirurgische Wundrevision mit ausgedehntem Débridement. Zusätzlich erfolgt eine hochdosierte Gabe von Penicillin oder Breitspektrumantibiotika, da häufig eine Mischinfektion vorliegt. Bei tiefen, verschmutzten Wunden und vorhandener Grundimmunisierung und zuletzt erfolgter Auffrischung vor mehr als 5 Jahren erfolgt eine aktive Immunisierung mit Tetanustoxoid. Bei unvollständiger Grundimmunisierung innerhalb der letzten 10 Jahre bzw. unklarem Impfstatus erfolgt eine kombinierte aktive (Tetanustoxoid) und passive (Hyperimmunglobulin) Immunisierung. Bei vorhandener Grundimmunisierung oder Auffrischung in den letzten 5 Jahren ist keine Prophylaxe erforderlich.

LiteraturBearbeiten

  • M. Frink, C. W. Muller, S. Ziesing, C. Krettek: Tetanusprophylaxe in der Notaufnahme. In: Unfallchirurg. 109(11), 2006 Nov, S. 977–983. PMID 17021900

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tetanus. In: Epidemiology and Prevention of Vaccine-Preventable Diseases. Centers for Disease Control and Prevention, 2006, abgerufen am 11. April 2019 (englisch).
  2. CPT: CliniPharm/CliniTox. Abgerufen am 11. April 2019.
  3. Clostridien behandeln - Meine Erfahrungen: Ernährung, Pro-/Präbiotika ... In: Chronische Heilung. 9. Juli 2015, abgerufen am 11. April 2019 (deutsch).
  4. Clostridium tetani - Infektion, Übertragung & Krankheiten | MedLexi.de. Abgerufen am 11. April 2019.
  5. a b c d e NUTZENDOKUMENTATION VON STANDARDIMPFSTOFFEN: TETANUS. Arznei-Telegramm, 19. Februar 2016, S. 17–20, abgerufen am 12. Oktober 2019.
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