Pematang Siantar

kreisfreie Stadt auf Sumatra, Indonesien

Pematang Siantar (auch: Pematangsiantar) ist eine kreisfreie Stadt (Kota) in der Provinz Nordsumatra der indonesischen Insel Sumatra. In der nordöstlich des Tobasees liegenden Stadt endet die abgezweigte Eisenbahnverbindung der knapp 130 km nördlicher gelegenen Provinzhauptstadt Medan. Pematang Siantar ist ein landwirtschaftliches Handelszentrum für Reis, Tee, Tabak und Ölpalmen, wobei aus Letzteren die Polymere Gummi und Kunstfasern erzeugt und gehandelt werden.[1] Im Zuge der Kolonialzeit entwickelte sich die Stadt nach Medan zur zweitgrößten der Insel. Die Einwohnerzahl betrug 272.749 im Jahr 2020.[2]

Kota Pematangsiantar
Pematang Siantar
Pematang Siantar (Indonesien)
(2° 57′ 36″ N, 99° 3′ 36″O)
Koordinaten 2° 57′ 36″ N, 99° 3′ 36″ OKoordinaten: 2° 57′ 36″ N, 99° 3′ 36″ O
Lage
Symbole
Wappen
Wappen
Basisdaten
Staat Indonesien

Geographische Einheit

Sumatera
Provinz Sumatera Utara
Fläche 55,7 km²
Einwohner 272.749 (2020)
Dichte 4.900,3 Ew./km²
COLLECTIE TROPENMUSEUM Straatgezicht met het Juliana Hotel Pematangsiantar TMnr 10015092.jpg

GeschichteBearbeiten

 
Luftaufnahme der Stadt, 1938

Die Herrschaft über die Siedlung lag bis zum Einzug der Niederländer im Jahr 1907 in den Händen der Damanik, einem Stamm der Volksgruppe der Simalungun. Mit Tuan Sangnawaluh Damanik hatten sie ihren letzten König. Sodann fiel Pematang Siantar unter koloniale Verwaltung und verblieb dort bis 1942, als Japan den Landstrich annektierte. Bis 1915 war aus dem Siedlungsgebiet ein Städtchen mit 3700 Einwohnern gewachsen. Ab diesem Zeitpunkt wuchs die Stadt erheblich, denn sie lag an einer günstigen Schnittstelle zwischen den Plantagenländereien und dem Batak-Hochland.[3] 1945 – mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges – wurde die Stadt unabhängig und erhielt einen autonomen Status.

BevölkerungBearbeiten

Die Stadt und ihre Umgebung sind das Siedlungsgebiet der Simalungun-Batak, einer von mehreren Batakvolksgruppen (wie den Angkola-, Mandailing-, Toba-, Pakpak- und Karo-Batak). Heute finden sich zudem Chinesen, Achinesen, ethnische Malaien, Minangkabau, sowie umgesiedelte Javaner, aber auch Sikh, Araber und Tamilen.

Verkehr und TourismusBearbeiten

Ausgangspunkt des Handelswachstums und später des Tourismus war die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur, begründet durch den Bau der Eisenbahn. 1883 wurde sie als erste private Eisenbahngesellschaft (Deli Spoorweg Maatschappij) gegründet und stand bis 1957 unter Verwaltung der Niederländer. Danach wurde sie verstaatlicht.[4] Dieser infrastrukturelle Vorteil wird heute durch den Tourismus genutzt. Daneben ist allerdings auch der Trans-Sumatra-Highway, der die Stadt unmittelbar anbindet, von Bedeutung.

Als öffentliches Nahverkehrsmittel werden in Pematang Siantar BSA-Motorräder (Becak) eingesetzt. Da es keine Ersatzteilversorgung gibt, sind die meisten sehr individuell und liebevoll modifiziert und repariert.[5]

Pematang Siantar liegt bereits im Batakgebiet und ist daher von erhöhtem kulturellen Interesse. Auf dem örtlichen Markt werden die Güter der Batak abgesetzt, wie beispielsweise das Ulos. Unweit liegen die Städte Berastagi und Kabanjahe, letztere Regierungssitz des Regierungsbezirks Karo, dahinter liegen der Vulkan Sinabung und der Tobasee, Regionen, welche häufig besucht werden.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Günther Schulze (* 1927 in Pematang Siantar; † 1994 in Hamburg), deutscher Landschafts- und Gartenarchitekt
  • Wiecher Zwanenburg (* 1933 in Pematang Siantar), niederländischer Romanist und Linguist

AnmerkungenBearbeiten

  1. Pematangsiantar bei enzyklo.de, abgerufen am 9. Januar 2011.
  2. Visualisasi Data Kependudukan. Abgerufen am 16. Januar 2021.
  3. Ursel Wolfram-Seifert, Faktoren der Urbanisierung und die Entwicklung regionaler Städtesysteme auf Sumatra: Analyse der Siedlungsstrukturen in den Provinzen Nord-, West- und Süd-Sumatra (Indonesien)
  4. Janianton Damanik, Arbeitsmarktpolitische Implikationen der Tourismusentwicklung in Entwicklungsländern // Das Beispiel Nordsumatra, Indonesien
  5. Foto von TrekEarth

LiteraturBearbeiten

  • Wilhelm Volz, Königlich Preussische Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Band 1: Die Batakländer. Humboldt-Stiftung, D. Reimer (E. Vohsen), 1909
  • Wolfgang Clauss, Economic and social change among the Simalungun Batak of North Sumatra, Breitenbach, 1982 - 265 Seiten, ISBN 3-8815-6230-3
  • Tribus Bd. 55–57, Stuttgart (Germany). Museum für Länder- und Völkerkunde, Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde e.V., Stuttgart, Stuttgart (Germany). Linden-Museum für Völkerkunde, 2006, Linden-Museum Stuttgart

Bilder zu den Ureinwohnern (Simalungun-Batak)Bearbeiten

Es handelt sich zu 2/3 um eine Auswahl historischer Bilder (gestellt vom Tropenmuseum Amsterdam, Niederlande)

WeblinksBearbeiten

Commons: Pematang Siantar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien