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Pablo Iglesias Turrión

spanischer Politiker (Podemos), MdEP
Pablo Iglesias Turrión, 2015

Pablo Manuel Iglesias Turrión (* 17. Oktober 1978 in Madrid) ist ein spanischer Politiker und Politologe.

Als Aktivist der sozialen Protestbewegung Movimiento 15-M (Bewegung 15. Mai) von 2011/12 avancierte er zum Generalsekretär der im Frühjahr 2014 gegründeten linkssozialistischen Partei Podemos („Wir können“). Bei der Europawahl 2014 errang er als Spitzenkandidat seiner Liste eines der fünf Podemos-Mandate im Europäischen Parlament. Seine Partei erlangte bei dieser Wahl auf Anhieb nahezu 8 % der Stimmen in Spanien. Bei den spanischen Parlamentswahlen im Dezember 2015 war er erneut Spitzenkandidat seiner Partei, die wiederum auf Anhieb zur drittstärksten Fraktion im spanischen Parlament wurde; nach Scheitern aller Koalitionsbemühungen wurde Podemos in einem Wahlbündnis mit dem kommunistisch dominierten Parteienbündnis Izquierda Unida unter dem Namen Unidos Podemos in den Parlamentswahlen von Juni 2016 erneut drittstärkste Fraktion.

LebenBearbeiten

Familiärer Hintergrund und junge JahreBearbeiten

Pablo Iglesias wurde als Sohn von Javier Iglesias Peláez, einem Gewerbeinspektor für arbeitsrechtliche und Sozialversicherungsfragen, der während der Franco-Diktatur verhaftet wurde, und von María Luisa Turrión Santamaría, einer im Bereich des Arbeitsrechts tätigen Rechtsanwältin (sie ist Anwältin des spanischen Gewerkschaftsverbands Comisiones Obreras, CCOO), geboren. Seine Mutter war die erste in ihrer Familie, die eine Universität besuchen konnte.[1] Iglesias ist das einzige Kind seiner Eltern. Sein Großvater, Manuel Iglesias, war Sozialist und in der Zweiten Republik Kommandeur in der republikanischen Armee. Er wurde infolge des spanischen Bürgerkriegs zum Tode verurteilt und nach einer Strafumwandlung für fünf Jahre inhaftiert.[2] Sein Großonkel mütterlicherseits wurde hingerichtet.

Beide Eltern waren im Untergrund als politische Aktivisten der FRAP (Frente Revolucionario Antifascista y Patriota) organisiert. Pablo Iglesias wurde nach dem Gründer der spanischen Sozialistischen Partei Partido Socialista Obrero Español (PSOE) und der sozialistisch ausgerichteten Gewerkschaft Unión General de Trabajadores (UGT), Pablo Iglesias Posse (1850–1925), benannt,[A 1] der einen Tag später seinen Geburtstag hatte. Iglesias verbrachte die ersten Jahre seines Lebens in Vallecas, einem Madrider Arbeiterviertel. In der Gemeinde Moratalaz besuchte er später das Instituto de Educación Secundaria Juana de Castilla, wo er die Hochschulreife erzielte. Sein erster Studiengang an der Universität Complutense in Madrid war Jura.

Akademische LaufbahnBearbeiten

Pablo Iglesias hat an der Universidad Complutense de Madrid studiert, zuerst Jura, mit Erlangung des akademischen Grads eines Lizenziaten in Jura (2001), und danach Politikwissenschaften, wo er sein Diplom 2004 erlangte. Er promovierte ebenfalls an der Complutense, mit einer Doktorarbeit über die neuen Formen des „Ungehorsams“ in einer global agierenden Zivilgesellschaft. Er dokumentierte diesbezüglich einen Vergleich zwischen Bewegungen in Italien und in Spanien im Zeitraum von 2000 bis 2005.[3] Er bekam 2008 den Doktortitel in Politik- und Verwaltungswissenschaften zusammen mit einem Sonderpreis für ausgezeichnete Leistungen. Darüber hinaus schloss er 2010 an der Universidad Carlos III (ebenso in Madrid) ein Masterstudium in Humanwissenschaften mit Schwerpunkt Kulturwissenschaften sowie an der European Graduate School in der Schweiz einen Master of Arts in Communication mit Schwerpunkt Philosophie, Film und Psychoanalyse ab. Er lehrte von 2008 bis 2014 an der Universidad Complutense als Dozent für Politikwissenschaften.[4]

Politische AktivitätenBearbeiten

Er war bereits sehr früh politisch organisiert und zwar stets in Bewegungen oder Organisationen mit linker Orientierung, zunächst im Kommunistischen Jugendverband Spaniens (die Unión de Juventudes Comunistas de España), wo er zwischen 1994 und 1999 Mitglied war.[5] Im Jahr 2001 nahm er an der Bewegung der Globalisierungskritiker teil. Aus dieser Zeit stammte auch eine Bewunderung für die Politik von Hugo Chávez in Venezuela; über Juan Carlos Monedero, Professor für Politikwissenschaften an der Universidad Complutense de Madrid, erhielt er in der Folge u. a. Beraterverträge von der venezolanischen Regierung und gab auch mehrfach bezahlte Gastauftritte im venezolanischen Fernsehen.

Später war er im Rahmen der sozialen Proteste in Spanien sehr aktiv. Gemeinsam mit anderen Professoren und Dozenten seiner Fakultät wie Juan Carlos Monedero, Carolina Bescansa und Ariel Jerez initiierte er alternative Medienprojekte wie das Programm „La Tuerka“ („Die Schraubenmutter“), das bald über das Internet verbreitet wurde und beim Publikum beträchtlichen Zuspruch gewann. Pablo Iglesias selbst wurde wegen seiner Medienkompetenz (er ist ein talentierter Vermittler, der in den sozialen Netzen sehr bald beträchtlich mehr Anhänger als viele gestandene spanische Politiker gewann) sowohl gelobt als auch kritisiert. Innerhalb der Podemos wurde seine führende Rolle erneut bestätigt, nachdem die von ihm angeführte Liste mit 86,8 % der Stimmen die offenen Wahlen zu einem Team gewann, das den Auftrag hatte, für Herbst 2014 eine konstituierende Versammlung der neu gegründeten Partei zu organisieren. Dabei wurde allerdings kritisiert, dass die Fristen zu kurz waren, um weitere Kandidaturen aufstellen zu können, sodass nur ein weiteres Team konkurrieren konnte.[6] Direkt nach seinem Wahlerfolg erklärte Iglesias, seine Bewegung wolle sich künftig „nicht auf eine Zuschauerrolle beschränken“, sondern „das politische System in Spanien ändern, das die Banken rette und den Rest der Gesellschaft sich selbst überlasse“.[7] Pablo Iglesias wurde schließlich für die Kandidatur der Podemos zum Europaabgeordneten gewählt. Am 25. Juni 2014 wählte die Konföderale Fraktion der Vereinten Europäischen Linken, der Podemos beigetreten war, ihn als ihren Kandidaten für den Vorsitz des Europäischen Parlaments.[8]

Bei den Parlamentswahlen vom Dezember 2015 war Iglesias erneut Spitzenkandidat seiner Partei, die mit 20,7 % und 69 Mandaten wiederum auf Anhieb zur drittstärksten Fraktion der Abgeordnetenkammer des spanischen Parlaments wurde; nach Scheitern aller Koalitionsbemühungen, bei denen Podemos jeglichen Pakt mit der sozialdemokratisch geprägten PSOE ablehnte, und der sich daraus ergebenden Notwendigkeit von Neuwahlen, wurde die Partei im Juni 2016 mit 21,1 % erneut drittstärkste Fraktion im Parlament, verfehlte aber ihr selbstgestecktes Ziel, die PSOE zu übertreffen.

Im März 2018 wurde bekannt, dass Iglesias mit Irene Montero, Podemos-Sprecherin im Unterhaus des Parlaments, liiert ist und dass sie im Oktober Zwillinge bekommen werden – im Mai 2018 berichtete die Presse, dass das Paar eine „luxuriöse“ Villa mit Schwimmbad für über 600.000 Euro erwerben werde;[9][10] Iglesias, der 2012 dem Wirtschaftsminister de Guindos vorgeworfen hatte, zu 600.000 Euros ein „Luxusanwesen“ erworben zu haben, geriet daraufhin auch innerparteilich in die Kritik. Er und seine Lebensgefährtin stellten daraufhin ihre Ämter zur Verfügung.[9] Dennoch gaben in einer Mitgliederbefragung eine Mehrheit der an der Umfrage teilnehmenden Parteimitglieder dem Paar mit knapp über 68 % ihr Vertrauen. Von den rund 500.000 Parteimitgliedern gaben rund 190.000 ihre Stimme ab.[11]

WerkeBearbeiten

  • Pablo Iglesias Turrión, Jesús Espandín (Herausgeber): Bolivia en Movimiento. Acción colectiva y poder político. El Viejo Topo, Madrid 2007, ISBN 978-84-96831-25-4, S. 376.
  • Pablo Iglesias Turrión: Multitud y acción colectiva postnacional. Complutense de Madrid, Servicio de Publicaciones, Madrid 2009, ISBN 978-84-692-1016-1, S. 574.
  • Pablo Iglesias Turrión: Desobedientes. Popular, Madrid 2009, ISBN 978-84-7884-498-2, S. 249.
  • Pablo Iglesias Turrión, Juan Carlos Monedero: ¡Que no nos representan!: El debate sobre el sistema electoral español. Popular, Madrid 2011, ISBN 978-84-7884-515-6, S. 127.
  • Pablo Iglesias Turrión, Hrsg: Cuando las películas votan. Lecciones de ciencias sociales a través del cine. Catarata, Madrid 2013, ISBN 978-84-8319-831-5, S. 255.
  • Pablo Iglesias Turrión: Maquiavelo frente a la gran pantalla. Cine y política. Akal, Madrid 2013, ISBN 978-84-460-3876-4, S. 158.
  • Pablo Iglesias Turrión, Ricardo Romero Laullón: Conversación entre Pablo Iglesias y Nega LCDM. ¡Abajo el régimen! (= Más Madera). Icaria, Madrid 2013, ISBN 978-84-9888-543-9, S. 120.
  • Pablo Iglesias Turrión; Übersetzt von Raul Zelik: Podemos! Wind des Wandels aus Spanien. Rotpunktverlag, Zürich 2015, ISBN 978-3-85869-666-3, S. 192.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Pablo Iglesias Turrión – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Marisol López: El irresistible encanto de la utopía. deutsch:Der unwiderstehliche Charme der Utopie. In: Faro de Vigo. 1. Juni 2014 (farodevigo.es [abgerufen am 2. Februar 2014]).
  2. Aurora Moya: El abuelo de Pablo Iglesias, socialista, fue represaliado por el franquismo: condena a muerte conmutada por prisión. deutsch:Pablo Iglesias’ Großvater, ein Sozialist, wurde vom Franquismus bestraft: Todesurteil umgewandelt in Gefängnisstrafe. El Plural, 13. August 2014, abgerufen am 2. Februar 2015.
  3. Pablo Iglesias Turrión: Multitud y acción colectiva postnacional: un estudio comparado de los desobedientes: de Italia a Madrid (2000–2005). Universidad Complutense de Madrid, Madrid 2009, ISBN 978-84-692-1016-1 (Online [abgerufen am 26. Juli 2014] Doctorarbeit).
  4. Currículo (Kurze akademische Vorstellung auf der Seite der Universidad Complutense de Madrid). Abgerufen am 25. Juni 2014 (spanisch).
  5. Iglesias will politische Alternative sein. Abgerufen am 26. Juni 2014.
  6. José Precedo: Las bases de Podemos se enfrentan a sus fundadores para exigir democracia interna. deutsch:Die Basis der Podemos konfrontiert ihre Gründer, um interne Demokratie zu fordern. In: El País. 9. Juni 2014 (politica.elpais.com [abgerufen am 12. Juni 2014]).
  7. Cornelia Derichsweiler: Spaniens neue Linkspartei.Die Stimme der Empörten. In: Neue Zürcher Zeitung. 1. Juni 2014 (Online [abgerufen am 26. Juni 2014]).
  8. Ignacio Fariza: Pablo Iglesias, candidato de la Izquierda Unitaria a la presidencia de la Eurocámara. deutsch: Pablo Iglesias, Kandidat der Vereinten Linken für den Vorsitz des Europäischen Parlaments. In: El País. 25. Juni 2014 (politica.elpais.com [abgerufen am 26. Juni 2014]).
  9. a b Podemos: Pablo Iglesias stellt Ämter zur Verfügung, Frankfurter Rundschau, 20. Mai 2018
  10. Chalet de Pablo Iglesias: Iglesias y Montero pagarán más de 1.600 euros al mes de hipoteca por su chalet, El Mundo, 17. Mai 2018
  11. Linke Podemos vertraut auf Parteichef Iglesias, kurier.at, 29. Mai 2018

AnmerkungenBearbeiten

  1. Iglesias ist jedoch der erste Nachname von Pablos Vater, der entsprechend damaliger Rechtslage vor dem ersten der Mutter zu stehen hatte (in Spanien führt man in der Regel zwei Nachnamen).