PKN Orlen

polnischer Petrochemie- und Medienkonzern

Polski Koncern Naftowy Orlen Spółka Akcyjna (deutsch übers. Polnischer Mineralölkonzern Orlen Aktiengesellschaft; kurz PKN Orlen S.A.) ist ein börsennotierter polnischer Mineralölveredeler und Tankstellen­betreiber mit Konzernsitz in Płock, der unter anderem Tankstellenketten in Polen, Deutschland, Tschechien und Litauen betreibt. Seit 2020 ist Orlen auch eines der Medienunternehmen im Zeitungs- und Onlinegeschäft Polens mit einer Reichweite von 17,4 Millionen Lesern. Die Konzernleitung steht der nationalkonservativen Partei PiS nahe.[3][4]

Polski Koncern Naftowy Orlen Spółka Akcyjna

Rechtsform Spółka Akcyjna
Aktiengesellschaft (Polen)
ISIN PLPKN0000018
Gründung 1999
Sitz Płock, Polen Polen
Leitung Daniel Obajtek (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiterzahl 22.337[1]:66
Umsatz 111,2 Mrd. Złoty (24 Mrd. Euro)[2]:4
Branche Mineralölprodukte
Website www.orlen.pl
Stand: 31. Dezember 2019
Hauptsitz von PKN Orlen in Płock
Orlen-Tankstelle in Stettin
Orlen-Tankstelle in Berlin

Die Aktie des Unternehmens wird an der Warschauer Wertpapierbörse gehandelt und ist in deren Leitindizes WIG20 und WIG30 enthalten. Mit Gewichtungen von 11,75 % (WIG20) bzw. 10,00 % (WIG30) stellt sie dabei einen der am stärksten repräsentierten Einzelwerte beider Indizes dar.[5]:1,7

Geschichte und MarktpräsenzBearbeiten

PKN Orlen ging 1999 aus einem Zusammenschluss der beiden ehemals staatlichen Konzerne Petrochemia Płock SA sowie Centrala Produktów Naftowych (CPN) hervor und ist seitdem Marktführer in Polen mit 1766 Tankstellen sowie 66,4 Prozent Marktanteil im Großhandel und 34,8 Prozent Marktanteil im Einzelhandel für Kraftstoffe. Der Markenname Orlen leitet sich von den polnischen Wörtern Orzeł (Adler) und Energia (Energie) ab. Das Markenzeichen stellt einen Adlerkopf dar.

Seit März 2003 ist PKN Orlen auf dem deutschen Markt vertreten und betreibt als Orlen Deutschland GmbH mit Sitz in Elmshorn (Schleswig-Holstein) insgesamt 585 Tankstellen der Marken Star, Famila und Orlen und erreicht dabei einen Marktanteil von etwa 6,6 % (Stand: 31. Dezember 2019).[1]:43

Seit dem 24. Mai 2005 besitzt PKN Orlen darüber hinaus 63 Prozent der tschechischen Chemiegesellschaft Unipetrol, deren hundertprozentige Tochtergesellschaft die mit 334 Stationen größte tschechische Tankstellenkette Benzina ist. Im August 2008 schüttete Unipetrol erstmals seit 1997 eine Dividende aus, wovon PKN Orlen etwa 84,5 Millionen Euro erhielt.

Am 16. Dezember 2006 übernahm PKN Orlen 85 Prozent der Anteile der litauischen Raffinerie Mažeikių Nafta. Dafür zahlte der Konzern 852 Mio. US-Dollar an den litauischen Staat für 33,66 Prozent der Anteile sowie 1,49 Mrd. US-Dollar an die russische Gesellschaft Jukos für 53,7 Prozent der Anteile. Zu Mažeikių Nafta gehören 35 Tankstellen. Die Raffinerie hat am Großhandel für Kraftstoffe 80 Prozent und am Einzelhandel 4 Prozent Marktanteil.

Seit Juni 2011 betreibt der Konzern in Włocławek und Płock einen Produktionskomplex für Terephthalsäure. Die Anlagen sollen jährlich 600 Tausend Tonnen des Stoffes liefern und sind damit der zweitgrößte Komplex seiner Art in Europa.[6]

Ende 2019 betrieb PKN Orlen insgesamt 2294 Tankstellen: 1800 in Polen, 585 in Deutschland, 416 in Tschechien, 25 in Litauen und 10 in der Slowakei. Von den 1800 polnischen Tankstellen werden 542 in einem Franchisingkonzept betrieben.[1]:43

Im August 2020 kündigte Entwicklungsminister Jerzy Kwieciński an, dass PKN Orlen den teilstaatlichen Gaskonzern PGNiG kaufen wolle, um mit einem großen Energie-Unternehmen „die wirtschaftliche Position Polens in Europa und der Welt zu stärken“.[7]

Aufkauf von ZeitungenBearbeiten

Im Dezember 2020 gab der Vorstandsvorsitzende Daniel Obajtek bekannt, dass Orlen das Medienunternehmen Polska Press, die polnische Tochter der Verlagsgruppe Passau, aufgekauft habe; die Transaktion umfasste 20 der 24 polnischen Regionalzeitungen sowie rund 120 regionale Wochenzeitschriften und 500 Online-Portale. Laut Obajtek gewann Orlen dadurch Zugang zu 17,4 Millionen Nutzern.

Der Vorsitzende der Regierungspartei PiS, Jarosław Kaczyński, der als politischer Förderer Obajteks galt, erklärte dazu: „Das ist eine der besten Nachrichten, die ich während der letzten Jahre gehört habe.“[8] Weitere Vertreter der PiS rechtfertigten die Transaktion als Teil der „Strategie der Repolonisierung“ des Mediensektors.[9] Die Oppositionsparteien im Sejm kritisierten das Geschäft als Teil des PiS-Konzepts, die Medien unter Kontrolle zu bringen.[10]

Mehrere Mitglieder des Vorstands von Polska Press wurden abgelöst, zu den Nachrückern gehörten Politiker und Journalisten, die der PiS nahestehen. Im April 2021 wurden die bisherigen Chefredakteure der Zeitungen Dziennik Zachodni, Gazeta Krakowska und Gazeta Codzienna Nowiny durch PiS-nahe Journalisten ersetzt.[11] Der Kattowitzer Erzbischof Wiktor Skworc lobte die geänderte redaktionelle Linie des Dziennik Zachodni und danke der Konzernführung von Orlen, dass sie die Zeitung „vom deutschen Kapital“ zurückgekauft habe.[12]

In einem Interview mit dem Spiegel im Juni 2021 bezweifelt Krzysztof Zyzik, Chefredakteur der Nowa Trybuna Opolska im schlesischen Opole (Oppeln), dass die Übernahme eine rein geschäftliche Entscheidung sei. Die Mehrheit der Chefredakteure der übernommen Publikationen seien bereits ausgewechselt worden. Alle diese neuen Leute stünden politisch der Regierungspartei PiS nahe. Man könne daher vermuten, dass dieser „Großeinkauf“ der PiS dazu diene, die öffentliche Debatte in Polen zu kontrollieren. Alle verkauften Medien erreichten zusammen immerhin 17 Millionen Konsumenten.[13]

VorstandsvorsitzendeBearbeiten

  • Andrzej Modrzejewski, 16. April 1999 bis 8. Februar 2002
  • Zbigniew Wróbel, 8. Februar 2002 bis 28. Juli 2004
  • Jacek Walczykowski, 28. Juli 2004 bis 16. August 2004
  • Igor Chalupec, 21. September 2004 bis 18. Januar 2007
  • Piotr Kownacki, 18. Januar 2007 bis 28. Februar 2008
  • Wojciech Heydel, 30. April 2008 bis 18. September 2008
  • Dariusz Jacek Krawiec, 18. September 2008 bis 16. Dezember 2015
  • Wojciech Jasiński, 16. Dezember 2015 bis 5. Februar 2018
  • Daniel Obajtek, seit 5. Februar 2018

AktionärsstrukturBearbeiten

(Stand: 31. Dezember 2019)[2]:42

Name Anteil
Polnischer Staat 27,52 %
Nationale-Nederlanden OFE (Offener Pensionsfonds) 7,01 %
AVIVA OFE (Offener Pensionsfonds) 6,08 %
Streubesitz 59,39 %

WeblinksBearbeiten

Commons: PKN Orlen – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Sprawozdanie Zarządu z działalności Grupy ORLEN i PKN ORLEN S.A. za rok 2019. (ZIP/PDF; 12,4 MB) 18. März 2020, abgerufen am 14. Juni 2020 (polnisch).
  2. a b Skonsolidowane Sprawozdanie Finansowe Grupy ORLEN za rok zakończony 31 grudnia 2019. (ZIP/PDF; 12,4 MB) 18. März 2020, abgerufen am 14. Juni 2020 (polnisch).
  3. Wie eine Partei die Demokratie aushöhlt. Abgerufen am 10. Mai 2021.
  4. Repolonisierung der Medien: Polen auf dem ungarischen Weg? Abgerufen am 10. Mai 2021.
  5. Portfel indeksu WIG20 i WIG20TR (po korekcie kwartalnej 19 czerwca 2020 r.) (wg stanu na 22 maja 2020 r.). (PDF; 124 kB) 4. Juni 2020, abgerufen am 14. Juni 2020 (polnisch).
  6. Kwas za miliardy złotych z Włocławka zaleje Europę (Memento vom 6. Juni 2011 im Internet Archive), wyborcza.biz, 3. Juni 2011.
  7. PKN Orlen will größtes polnisches Gasunternehmen kaufen. In: Polskie Radio. 12. August 2020, abgerufen am 9. Oktober 2020.
  8. Kaczyński o przejęciu Polska Press: Musimy mieć własne media, media niepolskie powinny być wyjątkiem gazeta.pl, 28. Januar 2021.
  9. tagesschau.de: Nachrichtenmedien in Polen: Wenn ein Ölkonzern Zeitungen kauft. Abgerufen am 10. Mai 2021.
  10. Polens Regierungspartei PiS greift nach den privaten Medien dw.com, 9. Dezember 2020.
  11. Trzęsienie ziemi w mediach Polska Press. Co zmieniło się po przejęciu wydawnictwa przez Orlen? onet.pl, 30. April 2021.
  12. Arcybiskup Skworc dziękuje Orlenowi "za wykupienie od kapitału niemieckiego polskiej prasy lokalnej" onet.pl, 30. Mai 2021.
  13. SPON: Pressefreiheit in Polen. Warum ein Ölkonzern plötzlich Zeitungen kauft. Interview von Jan Puhl mit Krzysztof Zyzik. 9. Juni 2021