TVN (Polen)

polnischer Fernsehsender

TVN ist ein polnischer privater Fernsehsender der polnischen TVN-Gruppe, die wiederum der US-amerikanischen Discovery Inc. gehört. Der Sitz des Senders befindet sich in Warschau. TVN gilt als eher liberal und Alternative zum öffentlich-rechtlichen Sender TVP, der von der jeweiligen Regierung kontrolliert wird.[2]

Piktogramm für einen Funkturm
TVN
Senderlogo
Fernsehsender (Privatrechtlich)
Programmtyp Vollprogramm
Empfang Satellit (digital, DVB-S)
Kabel (digital, DVB-C)
DVB-T, IPTV
Bildauflösung 576i (SDTV)
1080i (HDTV) (TVN HD)
Sendestart 3. Oktober 1997 (19:00 Uhr)
Sprache Polnisch
Sitz Warschau (Polen)
Eigentümer TVN-Gruppe
Geschäftsführer Katarzyna (Kasia) Kieli, Präsidentin und Geschäftsführerin für Discovery Networks Central & Eastern Europe, Middle East & Africa[1]
Programmchef Edward Miszczak
Liste von Fernsehsendern
Website
Zentrale von TVN und ITI
Übertragungswagen

ProgrammBearbeiten

Bekannte Sendungen von TVN sind bzw. waren Fakty, Uwaga, Na wspólnej (Unter uns), Mam talent! (Got Talent), Milionerzy (Wer wird Millionär?), Ameryka Express (Peking Express), MasterChef, Talk-Shows und Fernsehserien.

Die TVN-Gruppe besitzt eine breite Palette an Programmen. Im Hauptsender TVN laufen Unterhaltungs- und Informationssendungen sowie Spielfilme.

Geschichte des SendersBearbeiten

TVN startete am 3. Oktober 1997, die Sendelizenz erhielt der Sender bereits im März 1997. Eigentümer von TVN zum Sendestart war die ITI-Gruppe. Der Name leitet sich von Telewizja Nowa (Neues Fernsehen) ab.

2001 erreichte der Sender während des Finales von Big Brother mit 10 Mio. Zuschauern bis heute die höchste Zuschauerzahl seit Bestehen. 2004 konnten bereits 86 % der polnischen Fernsehempfänger TVN empfangen.

Lex TVNBearbeiten

Im Juli 2021 initiierte die Regierungspartei PiS ein Gesetz gegen die Kontrolle polnischer Medienunternehmen durch ausländische Besitzer. Beobachter sehen darin den Versuch, Einfluss auf die regierungskritische Berichterstattung von TVN und seinen Nachrichtensender TVN24 zu nehmen, das Gesetz wird daher auch als Lex TVN bezeichnet. Der Gesetzentwurf sah vor, dass Investoren von außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums maximal 49 Prozent der Anteile an einem polnischen Fernsehsender besitzen dürfen. Da TVN über die in den Niederlanden registrierte Polish Television Holding mittelbar[3] zu 100 % in Besitz von Discovery Inc. ist, drohte somit dem Sender ein Entzug der Sendelizenz. Oppositionelle kritisierten den Gesetzentwurf und befürchteten eine Gefährdung der Pressefreiheit in Polen. Auch die Regierung der Vereinigten Staaten und Vertreter der Europäischen Kommission übten Kritik.[4]

Am 11. August 2021 stimmte der Sejm dem Gesetz zu, was zum Austritt der Partei Porozumienie aus der Regierungskoalition führte. Im Vorfeld der Abstimmung kam es zu landesweiten Protesten gegen das Gesetz.[5] Nachdem der polnische Senat das Gesetz am 9. September 2021 abgelehnt hatte,[6] überstimmte der Sejm am 17. Dezember in einer vorher nicht angekündigten Abstimmung den Senat, das Lex TVN galt somit als verabschiedet.[7] Die Verabschiedung des Gesetzes führte zu landesweiten Protesten. Zehntausende Menschen demonstrierten gegen das Gesetz und für die Pressefreiheit.[8]

Am 27. Dezember 2021 legte der polnische Staatspräsident Andrzej Duda sein Veto gegen das Gesetz ein. Er begründete seinen Schritt mit der Einschätzung, dass das Gesetz die Verfassung verletze und die polnisch-amerikanischen Beziehungen gefährde. Dudas Veto kann im Sejm nur mit einer Drei-Fünftel-Mehrheit zurückgewiesen werden, die von der PiS angeführte Regierung verfügt aber nicht über eine solche.[9]

TVN-GruppeBearbeiten

Die TVN-Gruppe wurde 1995 als TVN Sp. z o.o. gegründet.

2004 wurde das Unternehmen mit seinem Debüt an der Warschauer Börse in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und aus der TVN Sp. z o.o. wurde die TVN S.A.

Seit dem 30. Mai 2006 gehört das polnische Internetportal Onet.pl zur TVN-Gruppe. Im Mai 2007 kaufte TVN den Teleshopping-Sender Mango. Im November 2009 übernahm die TVN-Gruppe die PayTV-Plattform n.

Im März 2015 erwarb der US-amerikanische Sender Scripps Networks Interactive Inc. (SNI) für 584 Mio. EUR eine Mehrheitsbeteiligung von 52,7 % an der TVN-Gruppe.[10][11] Im Juli 2015 übernahm SNI für 584 Mio. EUR die TVN-Gruppe vollständig von den verbleibenden Eigentümern, der ITI-Gruppe und der Canal+-Gruppe.[12]

Am 6. März 2018 wurde SNI von Discovery Inc. für 14,6 Mrd. USD erworben.[13][14] Liberty Global, ein Großaktionär der Discovery Inc., betreibt in Polen den Pay-TV-Anbieter UPC Polska. Die Europäische Kommission forderte TVN daher auf, dafür zu sorgen, dass TVN24 und TVN24 BiS für Drittanbieter verfügbar bleibt.[15][16]

BerichterstattungBearbeiten

Reporter von TVN berichteten 2017 über rassistische Unruhen in Polen. Während eines Aufmarsches polnischer Nationalisten wurde der Übertragungswagen von TVN angezündet. Der Chefredakteur des Senders Andrzej Morozowski ging von einer gezielten Aktion der Rechtsextremen aus, da TVN ausführlich und detailliert über die wachsende Fremdenfeindlichkeit in Polen berichte. Beobachter sahen darin eine deutlich objektivere Berichterstattung als im regierungstreuen öffentlich-rechtlichen Fernsehen Polens.[17]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: TVN (Polen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://press.discovery.com/us/dnic/executives/kasia-kieli/
  2. Öffentlich-rechtlich in Polen: Eine Woche echtes Staatsfernsehen. In: Übermedien. 11. März 2019, abgerufen am 14. Januar 2021 (deutsch).
  3. https://www.sueddeutsche.de/medien/tvn-polen-gesetz-sendelizenz-1.5380124
  4. Niklas Zimmermann, Werner Mussler: Harte Worte, keine Konsequenzen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. August 2021.
  5. Poland: Parliament votes in favor of controversial media bill. Deutsche Welle, 11. August 2021.
  6. Poland: Senate votes down controversial broadcast reform bill. Deutsche Welle, 9. September 2021.
  7. Poland: Parliament approves controversial media reform bill . Deutsche Welle, 17. Dezember 2021.
  8. Zehntausende protestierten in Polen gegen neues Rundfunkgesetz. Der Standard, 20. Dezember 2021.
  9. Reinhard Veser: Präsident Duda legt Veto gegen Mediengesetz ein. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Dezember 2021.
  10. Andrew Dickens: Scripps buys majority stake in TVN. In: c21media.net. 16. März 2015, abgerufen am 19. Mai 2019 (englisch).
  11. Scripps Networks Interactive sfinalizował przejęcie TVN. In: tvn24.pl. 2. Juli 2015, abgerufen am 19. Mai 2019 (polnisch).
  12. Andrew Dickens: Scripps completes TVN purchase. In: c21media.net. 2. Juli 2015, abgerufen am 19. Mai 2019 (englisch).
  13. Georg Szalai: Discovery Closes Scripps Acquisition, Creating Nonscripted Content Giant. In: hollywoodreporter.com. 6. März 2018, abgerufen am 19. Mai 2019 (englisch).
  14. Georg Szalai: Discovery to Acquire Scripps Networks for $14.6 Billion. 31. Juli 2017, abgerufen am 19. Mai 2019 (englisch).
  15. Case M.8665 – Discovery / Scripps - REGULATION (EC) No 139/2004 MERGER PROCEDURE. In: ec.europa.eu. Europäische Kommission, 6. Februar 2018, abgerufen am 19. Mai 2019 (englisch).
  16. Etan Vlessing: European Commission Clears Discovery Deal to Buy Scripps. In: hollywoodreporter.com. 6. Februar 2018, abgerufen am 19. Mai 2019 (englisch).
  17. NDR: Schwieriges Verhältnis: Polen und die Presse. Abgerufen am 11. Februar 2019.