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Pülpe ist eine Bezeichnung für verschiedene landwirtschaftliche Nebenprodukte, die bei der Verarbeitung von Nahrungspflanzen anfallen. Nach dem Auspressen[1] von Früchten oder anderen Pflanzenteilen oder nach der Extraktion[1] zum Beispiel von Stärke oder Öl bleibt die Pülpe als feuchter oder nasser faseriger Rückstand übrig. Gegebenenfalls wird die Pülpe nach der Extraktion ausgepresst oder weiter getrocknet, um den Feuchtegehalt zu reduzieren und beim nachfolgenden Abtransport Gewicht einzusparen.

Pülpen werden vorrangig als Tierfutter verwendet, in geringerem Maße auch als Substrat in Biogasanlagen.

Inhaltsverzeichnis

BezeichnungBearbeiten

Die übliche Wortform lautet Pülpe. Anstelle von Kartoffelpülpe wird in einigen Texten die Bezeichnung Kartoffelpulpe verwendet.[2]

In einigen Fällen gibt es für Pülpe eine gleichbedeutende Bezeichnung, so ist etwa Apfelpülpe eine alternative Bezeichnung für Apfeltrester.[3] In manchen Texten werden extrahierte Zuckerrübenschnitzel als Pülpe oder Zuckerrübenpülpe bezeichnet.[4]

KartoffelpülpeBearbeiten

Das bekannteste Beispiel für Pülpen ist Kartoffelpülpe (englisch potato pulp). Sie entsteht als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Kartoffelstärke. Kartoffelpülpe enthält die technisch nicht gewinnbare Stärke sowie den faserigen Anteil der Kartoffelknolle in einem Mengenverhältnis von etwa 2:1. Frische Pülpe ist sehr wasserreich, sie enthält nur ca. 14 bis 18 % Trockenmasse. Nach dem Abpressen von überschüssigem Wasser spricht man genauer von Kartoffelpresspülpe (englisch dewatered potato pulp). Durch Trocknen kann der Wassergehalt weiter reduziert werden.

Kartoffelpülpe ist energiereich, aber eiweiß-, vitamin- und mineralstoffarm. Sie wird als energiereicher Futterzusatz für Milchkühe und Mastrinder verwendet.[5][6][7] Darüber hinaus eignet sie sich als luftdichte Deckschicht auf Grassilage oder Maissilage.[7]

Weitere PülpenBearbeiten

Pülpen in der EU-Verordnung 2017/1017 zu EinzelfuttermittelnBearbeiten

Die Angaben in der nachfolgenden Tabelle stammen aus der Verordnung 2017/1017 der EU-Kommission vom 15. Juni 2017 zur Änderung der EU-Verordnung Nr. 68/2013 zum Katalog der Einzelfuttermittel.[8] Hinweise:

  • Die Angaben unter „Nr.“ dienen zum Verweis auf den entsprechenden Abschnitt der Verordnung.
  • Die Angaben unter „Kategorie“ beziehen sich auf den Typ der verarbeiteten Pflanzen bzw. Pflanzenteile. Sie orientieren sich (außer bei Zwiebelpülpe) an den Zwischenüberschriften des Verordnungstextes.
  • Die Angaben unter „Typischer Feuchtegehalt“ ergeben sich daraus, dass der Feuchtegehalt kennzeichnungspflichtig ist, wenn er außerhalb des genannten Wertebereichs liegt. Die sonstigen kennzeichnungspflichtigen Angaben werden hier aus Platzgründen nicht wiedergegeben.
Nr. Bezeichnung Kategorie Verfahren Beschreibung Typischer
Feuchte-
gehalt
2.11.1 Olivenpülpe Ölfrüchte Pressen,
Extraktion
Erzeugnis, das bei der Ölgewinnung durch Extraktion nach dem Pressen von Oliven (Olea europaea L.) anfällt, die so weit wie möglich von Kernteilen befreit sind k. A.
2.18.8 Sojabohnenpülpe
(Sojabohnenpaste)
Ölfrüchte Extraktion Erzeugnis, das bei der Extraktion von Sojabohnen für die Lebensmittelherstellung anfällt k. A.
3.9.4 Lupinenpülpe Körnerleguminosen Extraktion Erzeugnis, das nach der Extraktion von Lupinenbestandteilen anfällt k. A.
3.11.10 Erbsenpülpe Körnerleguminosen Extraktion Erzeugnis, das durch Nassextraktion von Stärke und Protein aus Erbsen gewonnen wird und vorwiegend aus inneren Fasern und Stärke besteht 70–85 %
4.4.4 Zichorienpülpe, gepresst Wurzeln Extraktion,
Pressen
Erzeugnis, das bei der Gewinnung von Inulin aus den Wurzeln von Cichorium intybus L. anfällt und aus extrahierten und mechanisch abgepressten Zichorienteilen besteht. Wasser und (lösliche) Kohlehydrate wurden teilweise aus den Zichorien entfernt. Kann bis zu 1 % Sulfat und bis zu 0,2 % Sulfit enthalten. 65–82 %
4.4.5 Zichorienpülpe, getrocknet Wurzeln Extraktion,
Pressen
Erzeugnis, das bei der Gewinnung von Inulin aus den Wurzeln von Cichorium intybus L. anfällt; es besteht aus extrahierten und mechanisch abgepressten und anschließend getrockneten Zichorienteilen. Die (löslichen) Kohlehydrate der Zichorien wurden teilweise extrahiert. Kann bis zu 2 % Sulfat und bis zu 0,5 % Sulfit enthalten. k. A.
4.7.1 Zwiebelpülpe Zwiebeln k. A. Feuchtes Erzeugnis, das bei der Verarbeitung von Zwiebeln (Gattung Allium) anfällt und aus Schalen und ganzen Zwiebeln besteht. Wenn das Erzeugnis aus der Herstellung von Zwiebelöl stammt, enthält es vorwiegend gekochte Zwiebelreste. k. A.
4.8.8 Kartoffelpülpe Knollen Extraktion Erzeugnis aus der Kartoffelstärkegewinnung, das aus extrahierten vermahlenen Kartoffeln besteht 77–88 %
4.8.9 Kartoffelpülpe, getrocknet Knollen Extraktion Getrocknetes Erzeugnis aus der Kartoffelstärkegewinnung, das aus extrahierten vermahlenen Kartoffeln besteht k. A.
5.4.1 Apfelpülpe (Apfeltrester), getrocknet Früchte k. A. Erzeugnis, das bei der Gewinnung von Saft aus Malus domestica oder der Herstellung von Apfelwein anfällt und vorwiegend aus Fruchtfleisch und getrockneten Schalen besteht. Kann entpektinisiert sein. k. A.
5.4.2 Apfelpülpe (Apfeltrester), gepresst Früchte k. A. Feuchtes Erzeugnis, das bei der Gewinnung von Apfelsaft oder der Herstellung von Apfelwein anfällt und vorwiegend aus abgepresstem Fruchtfleisch und abgepressten Schalen besteht. Kann entpektinisiert sein. k. A.
5.35.1 Tomatenpülpe Früchte Pressen Erzeugnis, das bei der Gewinnung von Tomatensaft durch Pressen von Tomaten der Varietät Solanum lycopersicum L. anfällt und vorwiegend aus Tomatenschalen und -kernen besteht k. A.

Pülpen in der Positivliste des ZDK für EinzelfuttermittelBearbeiten

Die Positivliste für Einzelfuttermittel, die von der Normenkommission für Einzelfuttermittel im Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft (ZDK) herausgegeben wird, listet ebenso wie die oben zitierte EU-Verordnung Kartoffelpülpe, Erbsenpülpe und Zichorienpülpe auf – und darüber hinaus Getreidepülpe und Ackerbohnenpülpe, die in der EU-Verordnung nicht genannt werden. Umgekehrt tauchen einige in der EU-Verordnung aufgeführte Pülpen in der Positivliste des ZDK nicht auf. Die Positivliste macht die folgenden Angaben zu Pülpen:[9]

Nr. Bezeichnung Beschreibung Anzugebende
Inhaltsstoffe
01.10.03 Getreidepülpe
(Feuchte max. 95 %)
Nebenerzeugnis, das bei der Stärkegewinnung aus gereinigtem Getreide oder Getreidemehlen anfällt und Stärke, Kleber und Schalen enthalten kann
01.10.04 Getreidepülpe, getrocknet
(Feuchte max. 13 %)
Nebenerzeugnis, das durch weitgehenden Entzug von Wasser aus Getreidepülpe gewonnen wird
  • Stärke
  • Rohprotein
  • Rohfaser
  • verwendete Getreidearten
03.01.04 Ackerbohnenpülpe Nebenerzeugnis, das bei der Stärkegewinnung aus den gereinigten Ackerbohnen anfällt und aus Teilen der Schale sowie des Endosperms besteht
  • Feuchte, wenn >14 %
  • Stärke
  • Rohfaser
03.03.06 Erbsenpülpe Nebenerzeugnis, das bei der Gewinnung von Stärke aus den gereinigten Erbsenkörnern anfällt und aus Teilen der Schale sowie des Endosperms besteht
  • Feuchte, wenn >14 %
  • Rohfaser
  • Stärke
04.03.09 Kartoffelpülpe Nebenerzeugnis, das bei der Stärkegewinnung aus gewaschenen Kartoffeln anfällt und das getrocknet sein kann
  • Stärke
  • Rohfaser
  • Feuchte, wenn >14 %
04.09.03 Zichorienpülpe,
getrocknet
Nebenerzeugnis, das durch Extraktion von Inulin nach Zerkleinern bzw. Vermahlen von gereinigten und getrockneten Wurzeln von Zichorien anfällt
  • Rohfaser
  • Rohasche
  • salzsäureunlösliche Asche, wenn >3,5 %

Ähnliche agrarische NebenprodukteBearbeiten

Einige ähnliche agrarische Nebenprodukte werden ebenfalls als Futtermittel und in Biogasanlagen verwendet, aber anders bezeichnet: als Trester (Pressrückstände unter anderem bei Weintrauben), Treber (Rückstände bei der Bierherstellung), Schlempe (Rückstände bei der Gewinnung von Alkohol aus Getreide) oder extrahierte Rübenschnitzel (Nebenprodukt bei der Zuckergewinnung aus Zuckerrüben). Presskuchen (oder Ölkuchen) ist die übliche Bezeichnung für ölhaltige Pressrückstände.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Verordnung (EU) 2017/1017 der Kommission vom 15. Juni 2017 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 68/2013 zum Katalog der Einzelfuttermittel, siehe Teil B (Glossar der Verfahren), Nr. 26 (Extraktion) und Nr. 52 (Abpressen).
  2. Beispiele: Kein Anbau von Amflora 2008 topagrar.com, 11. März 2008. – Who's afraid of GM potatoes? gen-ethisches-netzwerk.de. – die Kartoffel organicpotatostarch.eu. Jeweils abgerufen am 2. April 2019.
  3. Verordnung (EU) 2017/1017 der Kommission vom 15. Juni 2017 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 68/2013 zum Katalog der Einzelfuttermittel, siehe Nr. 5.4.1 und 5.4.2: Apfelpülpe mit der alternativen Bezeichnung Apfeltrester.
  4. Beispiel: Maßgeschneiderte EnviThan-Gaseinspeisung in Frankreich Pressemitteilung von EnviTec Biogas, 10. Dezember 2018.
  5. Rohstofflexikon deutsche-tiernahrung.de, siehe Abschnitt Kartoffelpülpe
  6. Kartoffelpülpe als Milchviehfutter landwirt.com
  7. a b Die Kartoffelpülpe – eine Alternative zur teuren Flächenpacht im Milchviehbetrieb? Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
  8. Verordnung (EU) 2017/1017 der Kommission vom 15. Juni 2017 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 68/2013 zum Katalog der Einzelfuttermittel
  9. Normenkommission für Einzelfuttermittel im Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft: Positivliste für Einzelfuttermittel, 13. Auflage, Februar 2019 (PDF).