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Otto Winterer

Oberbürgermeister der Stadt Freiburg
Otto Winterer (1905)
Otto Winterer als Student im Couleur des Corps Suevia 1865
Portraitbüste von Emil Stadelhofer[1] auf dem Familiengrab Winterers auf dem Freiburger Hauptfriedhof
Gedenktafel im Freiburger Münster

Otto Winterer (* 8. Januar 1846 in Ettenheim, Ortenaukreis; † 26. Februar 1915 in Freiburg im Breisgau) war Oberbürgermeister der Städte Konstanz und Freiburg im Breisgau.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Otto Winterer, Sohn eines Bäckers, legte in Freiburg am Berthold-Gymnasium sein Abitur ab und studierte dann Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Freiburg und Heidelberg. Winterer war Mitglied des Corps Suevia Freiburg.

Nach dem Staatsexamen 1871 trat er in den badischen Staatsdienst, wurde 1874 Amtmann in Mannheim und 1876 als Oberamtmann Amtsvorstand des Bezirksamts Buchen. Am 4. April 1877 wurde er mit 31 Jahren vom Bürgerausschuss der Stadt Konstanz als Nachfolger des zurückgetretenen Max Stromeyer zum neuen Oberbürgermeister gewählt, wo er sich vor allem erfolgreich als Sanierer der damals zerrütteten städtischen Finanzen hervortat. Von 1883 bis 1889 war Winterer gewählter Abgeordneter des städtischen Wahlkreises Konstanz in der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung und gehörte der Fraktion der Nationalliberalen Partei an. Im Mai 1888 wurde er dann vom Bürgerausschuss Freiburgs zum Oberbürgermeister dieser Stadt gewählt.

1905 wurde Winterer als Vertreter der badischen Städte in die Erste Kammer der Badischen Ständeversammlung gewählt, was er bis zu seinem Tod blieb.

Als Winterer 1913 nach 25-jähriger Amtszeit aus dem Amt schied, sprach man in Freiburg vom „zweiten Gründer der Stadt“. In seiner Amtszeit verdoppelte sich die Zahl der Einwohner und Gebäude in Freiburg. Er veranlasste den Neubau des Stadttheaters, die Gründung der Städtischen Sammlungen, des Neuen Rathauses, des neuen Kollegiengebäudes der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie die Erschließung neuer Stadtteile wie dem Stühlinger. Für wohlhabende Neubürger, vor der Hamburger Cholera-Epidemie von 1892 Geflüchtete oder Pensionäre aus dem Ruhrgebiet, ließ er gehobene Wohngebiete in Herdern und am Lorettoberg (in der Wiehre) erschließen.

Auch wichtige Infrastruktureinrichtungen wurden unter seiner Leitung grundlegend erneuert oder neu geschaffen: neue Schulen für die schnell wachsende Bevölkerung, Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung auf dem Rieselfeld, Elektrizitätswerk, Straßenbahn und anderes mehr. Er erkannte auch das Potential Freiburgs hinsichtlich des aufkommenden Tourismus und ließ Panoramawege im Stadtwald, den Park um den Waldsee und andere Freizeiteinrichtungen anlegen.

Er war auch sehr an der Geschichte der Stadt interessiert und setzte sich vehement für die Erhaltung der verbliebenen Stadttore (Martins- und Schwabentor) ein, die er im Geschmack der Zeit erheblich aufstocken ließ. Auf das Ansinnen der Bürger, die Stadttore wegen Komplikationen beim Bau der Straßenbahn abzureißen, entgegnete er: „Das Dorf hat Dächer – die Stadt hat Türme.“[2] Außerdem war ihm die Erhaltung des Freiburger Münsters ein besonderes Anliegen: er war der Initiator für die Gründung des Freiburger Münsterbauvereins.

EhrungenBearbeiten

Nachdem er die gesamte Amtszeit über mit seiner Familie in einer Dienstwohnung im Rathaus gewohnt hatte, bezog er ein Haus in der nach ihm benannten Wintererstraße in Herdern. Auch in Konstanz wurde eine Straße nach ihm benannt.

Für die Errichtung der Kanalisation verlieh ihm die medizinische Fakultät der Universität Freiburg den Titel eines Ehrendoktors. Er war Ehrenbürger von Konstanz (12. September 1888) und Freiburg (24. Mai 1913). Zudem existierte in den 1930er-Jahren in Freiburg das Winterer-Stadion, in dem der SC Freiburg einige Jahre spielte, bevor es abgerissen wurde.[3]

Nach einem Umbau 1998 kann das obere Foyer des Freiburger Theaters für Veranstaltungen genutzt werden. Es trägt seither den Namen Winterer-Foyer; das ursprüngliche Theatergebäude wurde während Winterers Amtszeit 1905 errichtet.

FamilieBearbeiten

Der Sohn Otto Winterers, Wilhelm Winterer (1879–1969), war Offizier der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, Förderer des Freiburger Museums für Natur und Völkerkunde (heute Museum Natur und Mensch Freiburg) sowie Autor und Verleger kolonialrevisionistischer Schriften.[4][5]

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Müller: Oberbürgermeister Dr. Otto Winterer. Ein Vierteljahrhundert Entwickelungsgeschichte der Stadt Freiburg. Dinger, Freiburg 1916.
  • Anton Müller: Dr. Otto Winterer. Oberbürgermeister der Stadt Freiburg i. Br. In: Ekkhart 1965, S. 161–173.
  • Wolfgang Herterich: Dr. Otto Winterer. Freiburgs großer Oberbürgermeister 1888–1913. In: Freiburger Almanach 43, 1992, S. 57–64.
  • Renate Lissem-Breinlinger: Zur Biografie von Dr. Otto Winterer (1846–1915). In: Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland, Heft 111.1992, S. 129–140 Digitalisat

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael Klant: Vergessene Bildhauer In: Skulptur in Freiburg. Kunst des 19. Jahrhunderts im öffentlichen Raum, modo, Freiburg im Breisgau 2000, ISBN 3-922675-77-8, S. 172.
  2. Pressemitteilungen der Stadt Freiburg: Das Dorf hat Dächer – die Stadt hat Türme: Ausstellung im Museum für Stadtgeschichte, Zugriff am 30. Juni 2012
  3. stadien-in-baden-wuerttemberg.de: Winterer-Stadion, Freiburg, abgerufen am 1. Dezember 2012.
  4. Heiko Wegmann: Der Freiburger Kolonial-Offizier und Autor Wilhelm Winterer, online auf: freiburg-postkolonial.de, Beitrag vom 21. Juli 2006 (zuletzt aktualisiert am 20. April 2011).
  5. Heiko Wegmann: Freiburg: Spuren der Kolonialbewegung, in: Ulrich van der Heyden und Joachim Zeller (Hrsg.): Kolonialismus hierzulande – Eine Spurensuche in Deutschland. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-269-8, S. 61 ff.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Otto Winterer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
VorgängerAmtNachfolger
Max StromeyerOberbürgermeister von Konstanz
1877–1888
Franz Weber
Carl SchusterOberbürgermeister von Freiburg im Breisgau
1888–1913
Emil Thoma